Star Trek: Enterprise 1x11

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Was erwartet uns?
Um ein spektakuläres Sternenphänomen zu erleben, lädt die Crew eine Gruppe Außerirdischer auf die Enterprise ein. Was keiner weiß: mit dem Suliban Silik ist ein alter Bekannter darunter...
Dies & das
- Da Silik (John Fleck) das klingonische Reich nicht zerstören konnte (Broken Bow), nimmt ihm der mysteriöse Future Guy sein verbessertes Sehen.
- Auf der Enterprise gibt es Filmabende. Es sind insgesamt 50.000 Filme in der Datenbank verfügbar.
- Die Crew ist seit vier Monaten, drei Wochen und sechs Tagen unterwegs.
- Archer (Scott Bakula) fühlt sich keiner Religion besonders verbunden - er versucht nur objektiv zu sein.
- Daniels (Matt Winston) Kabinengenosse ist wohl recht unordentlich und müsse laut Daniels wohl in „Chaos-Theorie“ seinen Abschluss haben.
- Laut Daniels ist Silik eine Bedrohung und er soll ihn aufhalten.
- Er glaubt, dass Archers Zeit eine Front des Temporal Cold War sei und folgende Jahrhunderte enorm beeinflussen könnte.
- T'Pol (Jolene Blalock) sagt, Vulkanier glauben nicht an Zeitreisen.
- Daniels Kabinennummer war E-14. Nach seinem Tod wurde sein Mitbewohner verlegt und die Kabine versiegelt.
- Daniels gibt zu, nicht der Sternenflotte anzugehören - er arbeitet für eine Organisation, die verhindert, dass Leute wie Silik in historische Geschehnisse eingreifen - diese Organisation existiert aber in Archers Zeit noch nicht. Außerdem erklärt er, dass er 900 Jahre aus der Zukunft stammt und „mehr oder weniger“ ein Mensch sei. Die Leute, die Silik Befehle geben, sind aus einem früheren Jahrhundert als Daniels selbst und können noch nicht selber in der Vergangenheit in Erscheinung treten - deshalb geben sie Informationen und Befehle an Individuen wie Silik weiter. Daniels Leute hätten den Prozess des Reisens durch die Zeit jedoch perfektioniert.
- Nachdem Zeitreisen in dieser Form möglich wurden, dauerte es nicht lange, dass man erkannte, Regeln aufstellen zu müssen.
- Alle Spezies, die diese Technologie besaßen, einigten sich, sie nur für die Forschung einzusetzen. Das funktionierte jedoch nicht immer - so entstand der Temporal Cold War.
Daniels at his best
Trip: „So I take it your brother isn't really an orbital engineer at Jupiter Station?“
Daniels: „Actually, I don't have a brother.“
Trip: „And you didn't grow up in Illinois?“
Daniels: „Oh, I'm from a place called Illinois, Sir. Just not the one you're familiar with.“
Trip: „It's good to know Earth will still be around in 900 years.“
Daniels: „That depends how you define 'Earth'...“
Trip: „Beg your pardon?“
Archer: „Why don't you talk to one of my bridge officers? I'm a little busy right now.“
Daniels: „It's important.“
Archer: „I'm sorry, Daniels, I've got my hands full.“
Daniels: „It's about the Suliban.“
Archer: „What about them?“
Daniels: „I've reason to believe that one of the pilgrims who came aboard today is a suliban soldier. His name is Silik. He's the man you fought with on the helix.“
Archer: „How the hell do you know what I did on the helix?“
Daniels: „It might be best if we discussed this in private.“
Archer: „My ready room.“
Daniels: „I think it would be better if we went to my quarters.“
Archer: „What?“
Daniels: „You'll understand when we get there, sir.“
Oha.
Bisher fühlte ich mich sehr wohl in der neuen, doch überschaubaren Welt der Enterprise NX-01. Die Produzenten boten uns weitestgehend interessante und sympathische Charaktere, einen stimmigen Pilotfilm und fast durchweg zumindest unterhaltsame Episoden mit einem ersten kleinen Highlight (The Andorian Incident). So weit, so gut. Nun kam also ohne Vorwarnung die „lustige“ Episode Cold Front.
Oha indeed.
Ja, genau - was war eigentlich mit diesen Suliban, diesen verschlagenen Schlimmlingen aus Broken Bow? Was war mit ihrem charismatischen Anführer Silik? Und was sollte eigentlich dieser unkenntliche Mann aus der Zukunft (wir nennen ihn mal weiterhin Future Guy)? Tja, und was hat es mit dem Temporal Cold War auf sich? Fragen, die man sich nach „Broken Bow“ stellen durfte und musste - die dann aber für acht Folgen vollkommen irrelevant schienen und nun - als hätte man lieber gar nicht fragen wollen - gibt es knapp sechseinviertel Antworten und mindestens dreimal so viele neue Fragen. Na danke!
Aber wir wollen chronologisch vorgehen - schon irgendwie sinnig bei einer Episode über Zeitreisen, Zeitkriege, was-wird-was-war-was-ist-Denkspiele und viel kann-das-alles-denn-wahr-sein.
Ich klaube mal alle Brocken zusammen
Die Crew findet ein nicht alltägliches Sternenphänomen und trifft auf eine Gruppe Gläubiger, die diesem heiligen Akt beiwohnen wollen. Nach einem erfolgreichen ersten Kontakt gibt es jedoch Probleme. Die Enterprise kommt mit den Bedingungen in dieser Region des Raums nicht klar und steht kurz vor der Zerstörung. Im letzten Moment jedoch passiert dann... gar nichts. Tucker (Connor Trinneer) weiß keinen Rat und findet ein Kabel, welches mutwillig zerstört wurde und die Zerstörung des Schiffes so verhindert hat. Doch wer war es? Keiner der Crew outet sich als Held.
Die Tatsache, dass der Zuschauer natürlich längst weiß, dass einer der Gläubigen dahinter steckt, der auch noch frappierende Ähnlichkeit (die Augen) mit oben bereits genanntem Silik aufweist, stört die Spannung nicht im Geringsten. Am Anfang der Episode durfte man immerhin miterleben, dass der sonderbare Future Guy mit Siliks Performance in Sachen Klingonen („Broken Bow“) nicht zufrieden war - das Reich sollte eigentlich in einen Bürgerkrieg gestürzt und vernichtet werden. Aber was haben die Befehlshaber aus der Zukunft und ihr Handlanger Silik diesmal vor? Man ahnt es fast - keiner weiß es - und das bis zum Ende der Episode.

Halten wir fest: Silik rettet also das Schiff - will seine „Gruppe“ also nur das Beste für Archer und Co.? Das herauszufinden wird zusätzlich erschwert durch eine höchst interessante Entwicklung - Crewman Daniels, ein unscheinbarer Mann, der Archer immer sein Essen serviert (...) bittet den Captain in sein Quartier (...), um mit ihm zu sprechen. Er enttarnt sich als eine Art Agent aus dem 31. Jahrhundert (!), der auf der Enterprise ist, um Silik zu fangen, da dieser Böses im Schilde führt. Aber, hatte dieser Silik nicht gerade das Schiff gerettet?
Um seine Worte zu untermauern zeigt Daniels Archer eine Technologie, die unmöglich aus dem 22. Jahrhundert stammen kann (oder doch?) - ein Temporal Observatory das sich im engen Quartier des Lieutenant manifestiert und angeblich den kompletten Lauf der Zeit dreidimensional (und sehr bunt) darstellt. Außerdem kann er dank eines kleinen Gerätes durch Wände laufen - das macht ihn zwar noch nicht zu einem Guten, fördert seine Glaubwürdigkeit aber für den Moment ungemein.
Doch zurück zur Situation an Bord. Silik ist also irgendwo (getarnt) unterwegs. Daniels hat sich „geoutet“ und will Silik haben.
Ein weiterer Schritt Richtung endgültiges Chaos folgt, als Silik Archer in dessen Quartier aufsucht (Porthos ist nebenbei bemerkt ein recht passabler Wachhund mit unheimlich süßem Bellen & Knurren). Silik weiß, dass jemand an Bord ist, der ihn sucht - was für eine Überraschung. Doch er weiß nicht wer. Möchte es aber nun von Archer wissen: denn, Überraschung - dieser jemand lügt, was immer er sagen mag und muss aufgehalten werden (Steigerung folgt auf Steigerung - schön, dass die Produzenten sich mit Serien wie „Akte X“ auseinandergesetzt haben und nun die besten Elemente so innovativ kopieren). Archer darf sich also entscheiden: Silik (der Schiffsretter, Fiesling, der Mann der ihn so nervtötend-eindringlich „John“ nennt) oder Daniels (der Mann, der ihm immer das leckere Essen serviert, so nett wirkt und ihn aber bisher leider getäuscht hat). Da T'Pol die Entscheidung in gewisser Weise übernimmt, indem sie Daniels über das Kommunikationsnetz erwähnt, werden wir Archers Ansicht dazu wohl vorerst nicht erfahren. Silik schießt Archer nieder (hmmm) und sucht nun nach Daniels.
Dass der „nette“ Herr Daniels dann auch gefunden und von Silik gekonnt aufgelöst wird (ich sage, er ist NICHT tot) kommt schon überraschend. Silik bekommt jedoch die Gerätschaften aus der Zukunft nicht, da sie im Showdown mit Archer ins All fallen (oder hat er sie sich doch noch „geholt“? - wer weiß).
Ergo: Daniels ist „tot“, Silik ist weg (dank eines Hechtsprung aus der Shuttle-Luke ins All...), die sonderbaren „Geräte“ sind weg und Archer bleibt eine „Uhr des Universums“, die die Gläubigen ihm geschenkt haben (und ich hoffe doch, dieses Ding hat irgendwas zu bedeuten).
Was wissen wir denn nun?
Ist Silik einer der „Guten“? Keine Ahnung.
Ist/war Daniels einer der „Guten“? Wer weiß.
Was wollen Siliks Befehlsgeber? Ha! Guter Witz.
Wieso ist das 22. Jahrhundert so wichtig in diesem Krieg? Tja, warum?
WER ist dieser Future Guy? Noch immer alles möglich.
In Ordnung - ETWAS wissen wir nun doch.
Broken Bow und Cold Front könnten der Auftakt zum einem sehr interessanten Story-Arc sein. Die Chance sich irgendwo zwischen „X-Files“-Verschwörung (die leider immer schwächer wurde), dem DS9-Dominion-Konflikt/Krieg (grandios!) und dem Schatten-Krieg (aus „Babylon 5“) zu positionieren, ist vorhanden. Wenn dieser erzählerische Rahmen in Abständen dermaßen überzeugend, mysteriös, verwinkelt und zum Nagelbeißen spannend weiterverfolgt wird - dann könnte es ein Höllenritt werden, da wir es ja auch noch mit den Themen Menschen/Vulkanier, Vulkanier/Andorianer (Shran) und vielen anderen Facetten zu tun haben, die den Serienalltag versüßen könnten.
Und bevor ich es im totalen Überschwang vergesse: Ein Riesenkompliment an Regisseur Robert Duncan McNeill (Tom Paris aus Star Trek: Voyager) für nervenzerfetzende Spannung und unglaublichen Suspense in vielen Szenen. Kombiniert mit der grandiosen Mark-Snow-angehauchten Musik ein Power-Paket der Extraklasse.
Einzige Kritikpunkte für den Moment: wenn man als Serienautor plant, jemanden wie Daniels auf diese Weise in die Geschichte zu bringen, hätte er in den bisherigen Folgen gerne unscheinbar auftauchen können. Hier zeigt sich retrospektiv (und auf den SF-Sektor bezogen) wieder mal die Klasse eines J. M. Straczynski, der bei Babylon 5 Entwicklungen lange vorher angedeutet und aufgebaut hat. Und: So gut „Cold Front“ als SF-Episode ist, so wenig ist sie natürlich grandioses „Star Trek“ im Sinne dessen, was „Star Trek“ im Kern ausmacht. Deswegen auch der halbe Stern Abzug - volle fünf Sterne sind mir nur Episoden wert, die das Kriterium „perfektes Star Trek“ neben vielen anderen ebenfalls erfüllen.
Gib dem Kind einen Namen
Was genau der Titel Cold Front im Gesamtzusammenhang bedeutet, werden wir wahrscheinlich erst später erschließen können. Ich vermute mal ganz dreist, dass Archers Jahrhundert eine „kalte Front“ im Kalten Krieg darstellt... also wahrscheinlich eine nicht aktiv beteiligte, die aber dennoch von enormer Bedeutung ist. Ein klasse Titel: mysteriös, kühl, militärisch.
Beim Synchronstudio war leider mal wieder kein Lexikon in der Nähe? Der „Kalte Krieg“ muss her. Statt „Front“ also direkt zum „Krieg“? Sowas ist sinnlos und unverständlich. Auch falls man auf diesen Titel in Zukunft Bezug nehmen wollen würde (a la Dark Front, Shattered Front oder New Front) wäre hier die Originalbedeutung angesagt gewesen. Leute, Leute ...
Fazit
Bei The Andorian Incident sprach ich von der ersten größeren Episode - hier haben wir es nun mit der ersten richtig großen zu tun. „Cold Front“ ist ein großartiges, weil spannendes, mitreißendes und inhaltlich kreatives Stück SF, Mystery - ja sogar TV. Für die junge Serie eine erste Sternstunde, die viel Hoffnung macht. Weiter so!
Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 21. Dezember 2014(Star Trek: Enterprise 1x11)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?