Star Trek: Enterprise 1x10

Worum geht's?
Die Enterprise-Crew wird vom Sternenflottenkommando ausgeschickt, dem Frachter Fortunate zu helfen, dessen Crew von nausikaanischen Piraten angegriffen wurde. Diese sind jedoch nicht wirklich an Hilfe interessiert, sondern sinnen auf blutige Rache...
Dies & das
- Die Crew nimmt einen SubraumverstÀrker in Betrieb, um die Kommunikation mit der Erde zu verbessern.
- Admiral Forrest (Vaughn Armstrong) zeigt sich begeistert von den Fotos des Kometen aus Breaking the Ice.
- Die nausikaanischen Piraten attackieren Frachter in diesem Sektor schon seit Jahren.
- Travis (Anthony Montgomery) wurde auf dem Frachter Horizon geboren, genau zwischen Dralax und Vega Kolonie. Seine Schwester und deren Mann sind noch immer an Bord.
- Die NX-01 hat den einzigen Warp-5-Antrieb der Flotte, aber es sind drei weitere NX-01-Schiffe geplant.
- Die nÀchste Frachter-Generation soll ebenfalls Warp-Antriebe bekommen.
- Travis' Vater war ein guter Koch und konnte mit Verpflegungspacks magische Dinge anstellen.
- Travis fiel es sehr schwer, die Horizon zu verlassen, da er sie als seine Heimat ansah.
Travis spricht leider nicht ĂŒber die Serie
Mayweather: „Enterprise came with all the trimmings.“
Die Richtung stimmt
Fortunate Son ist eine Episode, die zu diesem frĂŒhen Zeitpunkt der Serie grundsĂ€tzlich genau den richtigen Weg einschlĂ€gt. Sie stellt die Frage, wie Reisen durch das All vor dem Start der Enterprise ausgesehen haben. Die sogenannten Boomer, Frachtercrews, die mit geringer Geschwindigkeit und meistens mit ihrer kompletten Familie an Bord alle möglichen Dinge befördern, werden nĂ€her beleuchtet.
Endlich erleben wir somit die erste Episode ĂŒber den bisher völlig blassen und ungenutzten Travis Mayweather, da dieser sein Leben vor seiner Zeit auf der Enterprise auf dem Frachter Horizon verbracht hatte. Seine Geschichte und sein Background werden hier auf die Crew der Fortunate projiziert, die von nausikaanischen Piraten angegriffen wurde.
Als die Enterprise auf Bitten von Admiral Forrest, der endlich seinen zweiten Auftritt absolvieren darf, das Frachtschiff erreicht, liegt jedoch der Captain der Fortunate im Koma und sein Vertreter erklÀrt, dass man die Hilfe der Enterprise gar nicht brauche...
Routine, Routine!
Zwar handelt es sich hier um eine recht routinierte „Geiselnahme-zwecks-Rache“-Handlung, die mit dem reichlich strapazierten „Erster-Offizier-hintergeht-Captain-im-Koma“-Motiv garniert und der (hier eher aufgesetzten) emotionalen Verbundenheit eines Hauptakteurs versalzen wird - dennoch funktioniert das Ganze gröĂtenteils absolut zufriedenstellend. Der genannte Erste Offizier Ryan ist eine interessante Figur und sein Darsteller findet genau das richtige GefĂŒhl fĂŒr seine Szenen - sein Konflikt, Untergebenheit gegenĂŒber dem vĂ€terlichen Captain, wird zwar nicht ausreichend beleuchtet und nur sein Rache-Plan (der soweit nachvollziehbar ist) in den Fokus gerĂŒckt, dennoch fĂŒhlt man durchaus mit dieser Figur mit.
Die Piraten, deren Volk man ja bereits durch den legendĂ€ren Stich durch Captain Picards (Patrick Stewart) Herz aus Star Trek: The Next Generation kennt, haben wie auch die Andorianer ihr ĂuĂeres definitiv zum Vorteil verĂ€ndert, benehmen sich aber leider wie in den spĂ€teren Serien auch nur wie zweidimensionale Finsterlinge der Woche - eine verschenkte Chance. Sie dienen ohnehin der KontinuitĂ€t mit der uns bekannten Geschichte aus „Star Trek“, als Hass-Objekt fĂŒr die Fortunate-Crew und alle anderen „seelenverwandten“ Boomer.
Sogar Travis, der in sĂ€mtlichen bisherigen Folgen leider nur durch sein debiles „Alles-Cool“-Grinsen auffiel, kann Ryan in gewisser Weise verstehen, da er das Konzept der Selbstbestimmung von Frachtercrews durch seine Erfahrungen fĂŒr richtig erachtet. Daraus hĂ€tte ein interessantes Dilemma und ein guter Konflikt mit seinen Pflichten als Offizier der Sternenflotte werden können. Tja - hĂ€tte, hĂ€tte, Fahrradkette. Archer (Scott Bakula) kann ihn nĂ€mlich auf charmant-freundschaftliche Weise und viel zu leicht eines Besseren belehren.
Der kleine Travis hat mal kurz trotzig seinen Standpunkt vertreten, dann von Papa einen Vortrag zum Thema âso lĂ€uft das im Lebenâ erhalten und konnte dann nur noch âhach ja, stimmt schonâ stammeln. Solche Aktionen stĂ€rken den Charakter des Steuermannes leider gar nicht. Im Gegenteil, Mayweather ist der Wesley Crusher (Will Wheaton) der NX-01 - unnötig, langweilig, irgendwie viel zu nett und fast immer nur „vorhanden“. Okay, Wesley wollte man samt seiner furchtbaren Strickpullover aus der nĂ€chsten Luftschleuse werfen - so schlimm ist es bei Travis nicht. Doch als er gegen Ende der Episode noch einmal die Chance erhĂ€lt und eine ganze - entscheidende - Szene tragen darf, wirkt sein Spiel hölzern, farblos und wenig eindrucksvoll. Da is nix und da war nix. Schade.
Die Technik macht's besser
Ein Riesenkompliment verdienen sich die Produzenten aber fĂŒr das Design des Frachtschiffes. Seit der Nostromo aus Alien hat kein Raumkreuzer mehr so dreckig, verwohnt und doch gastfreundlich ausgesehen. Ein bestimmt recht teures VergnĂŒgen, aber auch höchst lohnend, sollte man Ă€hnliche Frachter bei Gelegenheit wieder zu Gesicht bekommen. WĂŒnschenswert wĂ€re es: das ganze Konzept dieser Space-Boomer ist höchst interessant und verdient genauere WĂŒrdigung.

Ein Negativaspekt ist das Verschenken des Captains der Fortunate. Nicht nur, dass sein Charakter eingehender Beleuchtung bedurft hĂ€tte, der Darsteller schafft es in seinen wenigen Szenen auch zu faszinieren. Die Schlussszene, in der er mit Archer spricht ist ein groĂartiger, erneut kammerspielartiger Moment, in dem beide MĂ€nner ihre Weisheit, ihre FĂŒhrungsstĂ€rke und Warmherzigkeit unter Beweis stellen können - zwei Pioniere des Alls in entspannter AtmosphĂ€re. Davon darf es gerne mehr geben - der Drink, den Archer dieses Mal ausschlĂ€gt, sollte auf jeden Fall nachgeholt werden.
Fortunate Son hat das Herz am rechten Fleck. Die Episode weiĂ, worum es bei der Serie und der Mission geht und nĂ€hert sich einem interessanten Thema auf frische Art und Weise. Dass das Ganze beizeiten durch Standart-Action und wenig innovative Elemente angereichert wurde, verwĂ€ssert zwar nicht den Inhalt, schmĂ€lert aber doch die allgemeine QualitĂ€t der Handlung. Auch zeigt die Episode, dass Charaktere wie Mayweather, deren Darsteller eher mit âlimitiertâ zu beschreiben sind, keine ganzen Folgen tragen können. Zumindest nicht wenn wir darĂŒber sprechen wollen, GlanzstĂŒcke der Serie produzieren zu wollen.
Gib dem Kind einen Namen
„Fortunate Son“ ist wieder einmal ein mehrdeutiger Titel vom ReiĂbrett, der aber durchaus einige Ebenen beinhaltet. Ryan ist der Sohn (oder ein) Sohn der Fortunate und auĂerdem der GlĂŒckliche, der das Kommando ĂŒbernehmen darf; der Ziehsohn des Captains sozusagen. Man könnte auch unken, dass Travis der einzige wirklich âglĂŒckliche Sohnâ der Boomer-Generation ist, weil er dem Leben entfliehen konnte und nun zu neuen Horizonten aufbricht. Ein durchaus passender Titel.
Die im deutschen Titel erwĂ€hnten „Familienbande“ beziehen sich einerseits auf Travis Vorgeschichte, als auch auf die des Ersten Offiziers der Fortunate und natĂŒrlich auch auf die fast familiĂ€ren ZustĂ€nde unter den Boomern an sich. Ebenfalls gute Wahl!
Fazit
„Fortunate Son“ passt sich gut in die Staffel ein - kein Highlight, eher eine ruhige, mit Bedacht erzĂ€hlte Themenepisode, die das GrundgefĂŒhl der Serie stĂ€rkt und voranbringt, aber zu viele ausgetretene Pfade niederlatscht. Gute Darsteller tragen ihren Teil zum Gelingen bei - nur Anthony Montgomery steht weiter auf der Verliererliste - der Arme.
Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 20. Dezember 2014(Star Trek: Enterprise 1x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?