Star Trek: Enterprise 1x09

Star Trek: Enterprise 1x09

Nein, Sid Meyer wäre nicht stolz auf diese Episode. Und auch ich bin es nicht. Und die Autoren sollten es ebenfalls nicht sein. Nur Archer. Der darf nämlich Knutschen wie einst Kirk. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Archer und Riann in der Serie „Star Trek: Enterprise“. / (c) UPN
Archer und Riann in der Serie „Star Trek: Enterprise“. / (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Crew findet einen nicht besonders fortschrittlichen, jedoch erdähnlichen Planeten. Auf Undercover-Mission findet sie heraus, dass die Zivilisation von einer Krankheit bedroht wird. Als Archer (Scott Bakula) versucht, der Krankheit auf den Grund gehen, stößt er auf eine noch viel schlimmere Bedrohung...

Dies & das

  • Die Vulkanier haben bereits eine „Oberste Direktive“.
  • Das Datum dieser Episode ist der 31.07.2151

Es ist mal wieder Kalauerzeit

Archer: „A farm?
T'Pol: „It's remote and sparsely populated. If you're exposed, there's a reduced risk of cultural contamination.
Archer: „This must be why aliens are always landing in cornfields.

Dig deep and you'll find - nothing

Civilization macht es einem Rezensenten nicht leicht. Besonders nicht einem, der alle Episoden aller Star-Trek-Serien halbwegs auswendig kennt. Denn hier wird nichts, aber auch gar nichts Neues geboten - nur kalter, schaler Kaffee neu aufgekocht und mit einem kleinen, aber zumindest halbwegs schmackhaften Keks serviert. So gibt es nur wenig Punkte, auf die man hier näher eingehen möchte. Es handelt sich um eine reine Unterhaltungsfolge - der Begriff Mainstream drängt sich in einem nicht sehr angenehmen Tonfall auf.

Wenigstens die Crew ist begeistert, endlich einen bewohnten, vorindustriellen Planeten zu finden. Zwar warnt T'Pol (Jolene Blalock) vor Eingriffen in die Entwicklung. Archer und Co. lassen sich aber von solch abwegigem Gedankengut selbstredend nicht aufhalten und beschaffen Dr. Phlox (John Billingsley) Arbeit, indem dieser den Captain, Sato (Linda Park), Trip (Connor Trinneer) und T'Pol in Alkaali umoperieren darf. Bevor die vier das Schiff verlassen, stellt Hoshi jedoch noch eine sonderbare Strahlung fest, die in einer solchen Gesellschaft nicht vorkommen dürfte. Huiuiui.

Auf dem Planeten angekommen bietet uns die Folge sehr gemütliche, rustikale und atmosphärische Kulissen (die allerdings aussehen, als wären sie direkt aus Stargate SG-1 entliehen) und erneut einen sehr experimentellen, unwirklichen - ja fast märchenhaften - Soundtrack, der sich perfekt der Stimmung anpasst. Gute Arbeit an dieser Front!

Allerdings wird auf das Thema des Erstkontakts oder des Eingreifens in eine nicht so fortschrittliche Kultur kaum eingegangen. Trip und Archer brechen in einen Shop ein, aus dem die Strahlung zu kommen scheint. Sie werden von einer Frau ertappt, die sie beschuldigt, mit dem Besitzer unter einer Decke zu stecken und somit für die sonderbaren Zwischenfälle verantwortlich zu sein: Unter anderem werden die Bewohner des Dorfes krank, nachts werden Kisten in den nahen Wald geliefert und verschwinden später spurlos).

T'Pols Eintreffen rettet die Situation. Sie schießt die Frau, deren Name Riann ist, einfach bewusstlos („... let's try not to shoot anyone else why we are here“ rät ihr Archer). Danach entwickelt sich die Story nur noch in eine Richtung. Archer und T'Pol versuchen dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Der verdächtige Shop-Besitzer Garros entpuppt sich ebenfalls als Fremdling, der als Beobachter kam, zum Liebhaber der Gesellschaft wurde und deshalb jetzt dort unerkannt als freundlicher Antiquitätenhändler arbeitet (wer's glaubt...). Natürlich findet Archer, nicht zuletzt mit Rianns Hilfe, heraus was vor sich geht. In einer höchst amüsanten Szene beobachten die beiden den Shop, als der Universalübersetzer ausfällt. Und was macht unser neuer Kirk? Er küsst die verdutzte Riann um hinter ihrem Rücken an seinem Tricorder herumzubasteln. Was für eine machohafte Idee! Schön, dass Riann die Aktion auch nicht zu stören scheint. Ich glaube, „Star Trek“ hat endgültig wieder einen richtigen Ladykiller.

Archer und Riann kommen sich näher in der Serie %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;. © UPN
Archer und Riann kommen sich näher in der Serie %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo;. © UPN

Mulder & Scully in der Nähe?

Nach diesem Schmunzler folgt eine überaus gelungene „Akte X“-Hommage, als die beiden beobachten, wie im Wald Kisten deponiert werden, um dann in gleißendem Licht von einem Raumschiff „hochgehievt“ zu werden. Der Überbringer der Kisten wird von Archer überwältigt. Es stellt sich heraus, dass er nur eine Alkaali-Maske trägt und in Wirklichkeit einer echsenartigen Spezies angehört (ein guter Effekt und überraschend inszeniert). Mit Hilfe der außerirdischen Geräte, die Archer natürlich mal wieder viel zu schnell beherrscht, öffnen sie die Tür zu dem geschützten Raum und stehen kurz darauf vor dem Generator, der die Strahlung erzeugt. Durch ein Fenster kann man riesige unterirdische Höhlen sehen, in denen irgendetwas abgebaut wird. Leider erinnert diese Einstellung etwas zu sehr an The Andorian Incident - nur wurde dort spioniert. Schade. Diese Szene bietet jedoch noch eine weitere lustige Begebenheit, als Archer (auf einmal doch) Probleme mit der Technik und der Schrift der Fremden hat und nicht weiß, wie man das Kraftfeld um den Raum deaktivieren kann. Gelber Knopf oder blauer Knopf. Ich wünschte fast, er hätte den Ausschalter meines Fernsehers gewählt.

Auf der Enterprise geht es inzwischen auch hoch her, als die Fremden angreifen und T'Pol anordnet den Orbit zu verlassen. Trip, der ihr anscheinend immer noch keinen Meter traut, meutert sofort. Das passt zwar zu seinem Charakter, ist aber ansonsten mehr als unrealistisch für eine militärische Struktur, die sich durch solche Aktionen auf Dauer gar nicht würde halten lassen. T'Pols Absichten sind aber natürlich nur die besten, und alle haben sich am Ende wieder lieb. Auch steht außer Frage, dass der Captain letztlich Erfolg hat. Nach der Zerstörung des Reaktors und dem Ausschalten der Fremden ist die Situation bereinigt. Archer lässt sich eine melancholische Abschiedsszene aber nicht nehmen und küsst Riann ein weiteres Mal - diesmal ganz ohne Fehlfunktion des Universalübersetzers...

Am erzählenden Stil dieser Kritik merkt man es schon: Die Folge sagt leider überhaupt nichts Neues aus und will auch kein Statement zu irgendetwas abgeben. Archer ist einfach ein Netter, die Crew harmoniert mal mehr und mal weniger gut, Riann ist ebenfalls eine Nette, der böse Garros und seine nicht minder fiesen Leute sind nun weg und alles ist wieder gut. Ende der Geschichte.

Zurück bleibt nur ein Rezensent, der diesmal zwar ohne Vorurteile startete, dafür aber nicht entsprechend belohnt wurde.

Es sind Folgen wie diese, die mich zweifeln lassen, ob die Produzenten wirklich verstehen, was sie da tun. Star Trek: Enterprise sollte eine Serie über die Anfänge der Menschheit im All sein. Über die Probleme und Risiken. Hier zum Beispiel sollte es um die Nicht-Einmischung in außerirdische Kulturen gehen - am Ende hat jedoch niemand etwas gelernt. Es wird keine Erkenntnis kommuniziert. Nur weil man die Situation bereinigen konnte, ist nun alles gut? Hat Archer sich mal gefragt, ob jemand ihn als Weltall-Polizisten haben möchte? Wer entscheidet, wann er eingreifen darf und soll und wann nicht? Er? Unschön, dass die Serie immer wieder Episoden geopfert wird, die in jeder anderen beliebigen SF-Serie exakt so ablaufen könnten.

Gib dem Kind einen Namen

Komisch - erneut ist es ein Titel, der aus einem Wort besteht und mir gar nicht gefällt. Wir sehen hier nur ein einziges kleines Dorf und darin gerade mal eine Handvoll Personen. Außerdem wird so gut wie nichts über die Kultur gesagt. Warum zum Henker also heißt die Episode Civilization?

Wir ernten was wir säen? Die Saat des Bösen? Vielleicht sogar eine versteckte Kritik an Archer, dem Schutzmann der Galaxie? Immerhin ist dem Synchro-Studio die Übertreibung des Originaltitels scheinbar auch sauer aufgestoßen. Von daher will ich mal nichts gegen den deutschen Titel „Die Saat“ sagen.

Fazit

Ich werte diese Episode mal als Stimmungsbild der Reise - und komme zu dem Schluss: Es passiert bisher leider einfach nicht viel. „Civilization“ ist vollkommen überflüssig weil hundertmal (und oft besser) gesehen und ohne jegliche Inspiration ausgeführt. Malen nach Zahlen. Eine kontinuierlich hohe Qualität scheint aktuell (noch) nicht drin zu sein. Etwas mehr Tiefe in Hinblick auf das Gesamtbild darf es in Zukunft gerne sein.

Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 14. Dezember 2014
Episode
Staffel 1, Episode 9
(Star Trek: Enterprise 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Die Saat
Titel der Episode im Original
Civilization
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 14. November 2001 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 16. Mai 2003
Autoren
Jessalyn Gilsig, Fyvush Finkel
Regisseur
Michael Vejar

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x09

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?