Star Trek: Enterprise 1x08

Was erwartet uns?
Den Weg der Enterprise kreuzt ein riesiger Komet, den die Crew erkunden möchte. Als wäre das nicht genug trifft man erneut auf ein vulkanisches Schiff, das die Enterprise zu beobachten scheint...
Dies & das
- Die erste Episode die nicht vom Produzenten-Duo Rick Berman & Brannon Braga erdacht wurde. Für das Autoren-Ehepaar Jacquemetton ist es die erste Arbeit für „Star Trek“.
- Archer (Scott Bakula) und T'Pol (Jolene Blalock) haben eine Übereinkunft, dass T'Pol nicht mit den Vulkaniern spricht, ohne ihn zu informieren.
- Die Crew baut Obst und Gemüse an Bord an.
- Das Sternensystem in dem Phlox (John Billingsley) heimisch ist, heißt Denobula Triaxia.
- Vulkanier trinken keinen Wein.
- Offenes Feuer ist verboten - nur T'Pol darf zum Meditieren eine Flamme entzünden.
- Trip (Connor Trinneer) hatte erst drei Beziehungen in seinem Leben.
- Für Vulkanier ist Tradition wichtiger als Selbstbestimmung.
Starke Worte
T'Pol: „You read my letter?“
Tucker: „Believe me, I don't feel very good about it.“
T'Pol: „I have more letters in my quarters, would you like to read those as well?“
Archer: „You know, for people who claim to not be explorers you sure do get around!“
Vanik: „I hope our presence here is not proving inconvenient.“
Archer: „On the contrary. It's nice to know no matter how big the universe is, there's always a Vulcan ship nearby!“
Archer: „Well, where did the time go? Seems like you just got here. I'm sure you're eager to get back to your ship, so I'll trouble you with just one last question. How long do you plan on spying on us?“
Vanik: „If we were 'spying', Captain, you would've never detected our presence. Your inexperience and your arrogance are your enemies, not us.“
Trip: „A poop question, sir?“
Mogeltrailer á la UPN
Wenn man sich den Verlauf von Star Trek: Enterprise anschaut (und den letztlichen Niedergang und das Ende nach nur vier Jahren) muss man unweigerlich auch auf den damals ausstrahlenden Sender UPN zu sprechen kommen. Ein Sender, dessen Fokus mit Wrestling und Teenie-Serien nie wirklich mit „Star Trek“ harmonieren wollte.
Im Kleinen deutete sich diese für die Serie am Ende tödliche Entwicklung schon hier an - in den Trailern. „Angepriesen“ als Armageddon für den TV-Schirm erwartete uns im krassen Gegensatz dazu eine Art Kammerspiel mit einer reinen Nebenhandlung auf dem eisigen Kometen. UPN hätte sich damals gut überlegen sollen, ob sinkende Einschaltquoten (auch schon seit Jahren bei Star Trek: Voyager) nicht vielleicht auch an den häufig unangemessenen Trailern lagen. Wenn ein dialoglastiges, storyorientiertes und auf dieser Ebene hochinteressantes Stück „Sci-Fi-Soap“ gesendet werden soll, dann kann man es doch zur Hölle auch mal so verkaufen! Aber das wäre ja dem so wichtigen Zielgruppendenken des Senders (und leider vielen anderen auch) völlig entgegengelaufen. Männer zwischen 14 und 49 wollen eben immer nur Action, coole Sprüche und halbnackte Frauen... Schade, schade - aber wenn die TV-Bosse das so sehen, muss ja wohl was dran sein, oder? Für die Serie war die Programmierung auf UPN definitiv der Anfang vom Ende. Aber nun zurück ins Jahr 2001.
Frischer Wind durch andere Autoren
Viele Elemente der noch jungen Serie halten in der aktuellen Episode Einzug und fügen sich zu einem homogenen Gesamtbild:
- Die für die Menschen auf der Erde völlig neue Situation, eine Crew in den Weiten des Weltalls zu wissen, wird auf sehr einfallsreiche Weise umgesetzt. Eine mehrminütige Szene auf der Brücke bringt Antworten auf schon oft - inoffiziell - gestellte Fragen im Trek-Universum (Toiletten, Simultanübersetzer) und birgt dazu Scott Bakulas beste Performance bisher, als er einen nicht sehr telegenen, unsicheren und verkrampften aber absolut sympathischen „Moderator“ des Frage- und Antwortspiels geben muss: höchst amüsant uns sehr natürlich gespielt. Kompliment!
- Das immer noch vorhandene Misstrauen der Crew gegenüber T'Pol wird erneut deutlich thematisiert, als Trip einen Kommunikationswechsel zwischen ihr und einem vulkanischen Schiff auffängt und sofort an eine Verschwörung glaubt. Dass es sich dabei lediglich um private Briefwechsel mit ihrem Verlobten handelt, ist eine sehr willkommene Überraschung und führt zu einem tollen Satz von T'Pol an Trip („I have more letters in my quarters - would you like to read those as well?“).
- Die bösen und zwielichtigen Vulkanier des 22. Jahrhunderts - man mag sie oder eben nicht. Ich persönlich finde es spannend, dass unsere altbekannten Freunde eine so interessante Vergangenheit zu bieten haben. Warum sollten sich auch nur die Menschen im Verlauf der Jahrhunderte zum Vorteil entwickelt haben? Eben! Es gibt keinen vernünftigen Grund. Und Vanik ist bisher das überzeugendste Beispiel dieser neuen Darstellungsweise. Er besticht durch emotionslose Arroganz und Verachtung par exellence. Ein großes Lob an William Utay für diese Leistung. Die ganze Dinner-Szene erinnert in ihrer Intensität stark an das großartige Vorbild in „Star Trek: Das unentdeckte Land“ (Kanzler Gorkon: „Unser Volk braucht Raum!“ - Kirk: „Erde, Hitler, 1938.“) - Diplomatie für Anfänger: brillant.

Diese drei Bereiche werden von Regisseur Terry Windell problemlos miteinander verwoben und funktionieren sowohl einzeln, als auch als Einheit. Als Würze (also als fast unvermeidbaren Action-Beitrag der Woche) gibt es einen imposanten Kometen zu bewundern, den Reed und Mayweather (der jedoch leider immer noch vollkommen farblos geblieben ist) erkunden dürfen (süß: „Schneefrau" á la Vulkan). Ihre Mission schmeckt allerdings zu sehr nach Routine, da zwischenzeitlich einfach viel zu viel anderes passiert. Definitiv ein kleines Manko der Episode. Somit bleibt dieser Teil auch bis zum Ende emotional außen vor - tja - eben exakt bis die finale Gefahrensituation (ohne geht es einfach nicht) notwendig wird. Wichtig hierbei ist jedoch T'Pols Einwand, Archer solle Vanik zeigen, dass seine Haltung den Menschen gegenüber falsch ist, obwohl Archer diesem Klischee leider genau entspricht (Wir regeln das selbst...). Eine wunderbare, unterschwellige Aussage über die noch junge und unerfahrene Crew.
Dabei könnte man anmerken, dass Verhaltensweisen wie die von Reed und Mayweather auf dem Kometen sicherlich sympathisch sind, aber auch erneut von wenig Professionalität zeugen. Es gibt eine feine Linie zwischen Unerfahrenheit (und damit verbundenen Albernheiten) und eben dieser Professionalität (die zumindest dafür sorgen sollte, dass man sich nicht unnötig in Gefahr begibt). Und genau wie Archer, der nur zu gerne einfach drauflos redet oder handelt, folgen seine Offiziere seinem Beispiel. Es ist eindeutig worauf die Produzenten abzielen und ich kann diesen Wunsch nach einer bodenständigeren, nicht so perfekten Crew auch absolut verstehen - nur sollte dabei niemand albern oder gar unglaubwürdig wirken müssen. Hier besteht noch Bedarf an mehr feinsinniger Subtilität.
Gib dem Kind einen Namen
Breaking the Ice ist ein Titel der sich auf gleich drei bis vier Themen bezieht, was bei „Star Trek“ nicht die Regel ist. Deshalb ausnahmsweise richtig gut gewählt und rein von den bisherigen Titeln sicherlich eines der Highlights der Season.
Ich möchte an dieser Stelle mal nicht pedantisch erscheinen, denn genaugenommen bricht das Eis weder zwischen T'Pol und der Crew, noch zwischen den Menschen und den Vulkaniern, sondern nur auf dem Kometen... Was die anderen beiden Themen angeht, wird hier sicher ein Fundament gelegt - da ist der Originaltitel weitaus passender. Aber die Übersetzung ist dennoch sinnvoll, da eine wörtliche Variante wie „Das Eis brechen“ sonderbar geklungen hätte und somit „Das Eis bricht“ dann wohl noch die bessere Wahl war.
Fazit
„Breaking the Ice“ ist wie zum Beispiel auch Strange New World eine Folge die sich im oberen Mittelfeld positionieren kann und durchgehend zu gefallen weiß. Gegenüber The Andorian Incident fällt sie zudem nur leicht ab. Die neuen Autoren Maria & Andre Jacquemetton präsentieren eine engagierte, ambitionierte und gut durchdachte Episode, die problemlos über die Zeit unterhält. Die Crew wächst einem zunehmend ans Herz. Gute Arbeit!
Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 13. Dezember 2014(Star Trek: Enterprise 1x08)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x08
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