Star Trek: Enterprise 1x07

Was geht ab im Kloster um die Ecke?
Eine militante Gruppe Andorianer attackiert ein Kloster der Vulkanier. Die Enterprise erscheint natürlich genau zur falschen Zeit am falschen Ort. Es kommt wie es kommen muss: Archer (Scott Bakula), Tucker (Connor Trinneer) und T'Pol (Jolene Blalock) werden zusammen mit den Mönchen als Geiseln genommen. Währenddessen übernimmt Reed das Kommando auf der Enterprise und versucht seine Crewkameraden zu befreien...
Dies & das
- Andorianer kannten noch keine Menschen oder die Erde - sie nennen Archer und Co. „pink skins“, was im Deutschen leider zum sehr albernen „Pinki-Häuter" wurde.
- Die Crew ist seit neun Wochen und vier Tagen unterwegs.
- T'Pol benutzt eine Art Medizin, um den Geruch der Menschen ertragen zu können.
- Falls Vulkanier überrascht gucken können, hat T'Pol es hier vorgemacht.
Kalaueralarm...
Archer: „So if anyone has a suggestion, I'm all ears ... (hält inne, als er die Vulkanier im Raum bemerkt) ... no offense.“
Der Rezensent hat mal wieder ein Vorurteil
Wenn jemals ein Alien aus „Star Trek“ perfekt für die Cantina-Szene in „Star Wars“ gewesen wäre, es wäre ein Andorianer gewesen. Ob das jedoch Lob genug ist, um die Spezies über 20 Jahre nach besagter Szene in Star Trek: Enterprise wieder aufzuwärmen - na ja.
Nachdem ich also gehört hatte, dass eine von mir eher ungeliebte Spezies aus Classic-Zeiten (verdient durch ihr grausig-peinliches Äußeres) im Mittelpunkt dieser Episode stehen würden, musste ich zuerst schlucken. Es dauerte bis zur Bekanntgabe, dass Jeffrey Combs, einer meiner großen DS9-Helden (Brunt, Weyoun), den Anführer Shran geben würde, bis ich mich etwas entspannte. Als ich dann auch noch vom erneuerten Make-up erfuhr und schließlich die ersten Bilder zu sehen bekam, hatte ich meine Vorurteile vergessen.
Somit beenden wir diesen Absatz mit der wichtigen Erkenntnis: Ja, die Andorianer sind immer noch verdammt schräg, aber sie wirken dennoch überzeugend. Und die Antennen sind wirklich gelungen! Somit also kein Problem.
Blau, blau, blau sind alle meine Feinde?
Die Episode an sich verdient sich ebenfalls viel Lob! Nach Broken Bow haben wir es hier mit der besten Dreiviertelstunde Star Trek: Enterprise bisher zu tun. Ein dialogstarkes, actionreiches Kammerspiel mit „Indiana Jones“-Einlagen und viel treffendem Humor (Tucker: „Don't get your antennas in twist.“).
Ein weiteres großes Plus ist die sehr stimmungsvolle Musikuntermalung. Kein Standard-Tam-ta-damm, sondern tragende Flöten- und Orchesterklänge, die die Atmosphäre in dem vulkanischen Tempel und den Katakomben genau einfangen und unterstützen. Langsam habe ich den Eindruck, dass die Produzenten tatsächlich nach und nach versuchen könnten, neue, interessante und ungewöhnliche Stile auszuprobieren - nicht mit der Brechstange alles auf einmal, sondern der Gelegenheit angemessen und dosiert - bisher mit Erfolg! Dem Ganzen wohnt zwar wieder mal eine gewisse Feigling-Mentalität inne, aber besser als gar keinen ausgetretenen Pfad zu verlassen ist es allemal.
Zu diesen gelungenen technischen Aspekten gesellt sich eine interessante, weil undurchschaubare Geschichte, die nicht direkt die Enterprise, ihre Crew oder die Menschen betrifft. Es geht um die erneut sehr ungewohnt skizzierten Vulkanier, die von Mal zu Mal in einem fahleren Licht erscheinen. Sie unterscheiden sich doch deutlich von ihren späteren Artgenossen - noch nicht erklärt, aber bisher im Rahmen des Nachvollziehbaren. Ihre Gegenspieler, die Andorianer, machen in ihrer Gewalttätigkeit den Cardassianern Konkurrenz. Allerdings wirken sie kriegerischer und nicht so hinterhältig und verschlagen. Eher aggressiv und offen rücksichtslos, nicht so unterschwellig manipulativ wie ein Dukat (Marc Alaimo) oder Garak (Andrew J. Robinson) in DS9...
Die Tatsache, dass die Vulkanier unter ihrem Tempel tatsächlich einen Beobachtungsstützpunkt verbergen, kommt überraschend und rückt unsere spitzohrigen Freunde in ein sehr zwiespältiges Licht. Ich bin gespannt, wohin sich das noch entwickeln wird. T'Pol scheint von alldem nichts gewusst zu haben - ihre Reaktion ist preisverdächtig.
Was mich zu meinem obligaten Dauerkritikpunkt bringt: Jolene Blalock. Doch wie bereits zuletzt zu beobachten war, wächst die Schauspielerin (nennen wir sie doch ab sofort einfach mal so) immer mehr in die Rolle hinein. In einigen Szenen hat sie mich diesmal sogar überzeugen können. Ihr anfänglich so irritierendes Benehmen (arrogant, zynisch, herablassend) ist fast komplett einer unnahbar wirkenden Kühle gewichen, die deutlich besser in bisher gesehenes vulkanisches Verhalten passt. Ich bin fast geneigt zu sagen, dass man noch einiges erwarten darf. Wer hätte das von mir gedacht? Ich jedenfalls nicht. Was für eine positive Überraschung!
Ach ja, nicht zu vergessen natürlich auch der völlig neue Typ Captain - Jonathan Archer. Scott Bakula hat sichtlich Freude den „Mann aus dem Volk“ zu geben. Seine Szenen sind meist amüsant, beängstigend, gefühlvoll, aber zumindest immer überraschend frisch. Kirk (William Shatner), Picard (Patrick Stewart), Janeway (Kate Mulgrew) und noch nicht einmal Sisko (Avery Brooks) hätten sich von den Andorianern verprügeln lassen, nur um ein wenig zu spionieren!
Der Preis für die größte Dummheit geht an...
Wobei uns das zum Abschluss zur schlechtesten Sequenz der Episode führt. Archers Verhör. Er lässt sich also mit in die große Halle nehmen (angeblich will er auspacken) und drängt die Andorianer mit seiner irrationalen Haltung dann fast dazu, ihn zu verprügeln. Das macht er, um eine Reliquie durch ein Loch in der Wand werfen zu können, damit Reed auf der anderen Seite der Wand schauen kann, ob die Löcher die auch er aus 10 Metern Entfernung (mit dem Licht der Halle beleuchtet) sehen kann in die Halle führen. Klar. Es wäre definitiv unverantwortlich gewesen, wäre Reed die 10 Meter zu den Löchern gegangen, um hinzudurchzusehen. Auch Scannen wäre eine Idee gewesen. Einen Grundriss sollte die Technik dieser Zeit gerade noch erkennen können. Na ja. Da ist es natürlich absolut die bessere, verlässlichere, logischere, weniger aufwändige, gewieftere Variante so eine Aktion anzuleiern. Sorry, aber hier hört man das Drehbuch knistern - als hätte eine lustige actionreiche Szene gefehlt, um die Sendezeit aufzublasen. Dumm, dumm, dumm. Fast schon beleidigend.

Gib dem Kind einen Namen
„The Andorian Incident“: klasse Titel! Klingt einerseits den Andorianern angemessen schräg und stellt auch noch eine gelungene Hommage an die Classic-Episode The Enterprise Incident dar.
„Doppeltes Spiel“: Rote Karte! Es ist absolut indiskutabel, wenn überraschende Wendungen im Titel angedeutet werden, wie zum Beispiel auch bei der grandiosen DS9-Episode Whispers.
Fazit
Star Trek: Enterprise hat mit The Andorian Incident seine erste größere Episode abgeliefert. Spannend, mit gepfefferten Dialogen, viel Humor und starken Darstellern gewürzt, kann man ein paar zu simple Kniffe und den Logikkrater der Woche verschmerzen. Jeffrey Combs und seine Gang dürfen gerne wiederkommen!
Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 7. Dezember 2014(Star Trek: Enterprise 1x07)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?