Star Trek: Enterprise 1x06

Star Trek: Enterprise 1x06

Reed begründet den lustigen Reigen entführter Crewmitglieder, shale mutiert in nur 45 Minuten zum Unwort des Jahres und Mayweather kann tatsächlich in zusammenhängenden Sätzen sprechen. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Bild aus der Episode „Terra Nova“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Bild aus der Episode „Terra Nova“ der Serie „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
© (c) UPN

Was erwartet uns?

Die Enterprise soll die „verlorene“ Kolonie Terra Nova finden. Leider erweist sich der Ort bei ihrer Ankunft als verlassen. Er ist nur von sonderbaren Aliens bevölkert. Als Archer (Scott Bakula) herausfindet, dass der Planet verseucht ist, sollen die „Wesen“ schnellstmöglich umgesiedelt werden...

Dies & das

  • Trips (Connor Trinneer) Großvater sah die ersten Übertragungen von Terra Nova, als er noch klein war.
  • Travis (Anthony Montgomery) hatte seinem Vater versprochen, irgendwann Terra Nova zu sehen.
  • Phlox (John Billingsley) nennt endlich seine Rasse: Er ist ein Denobulaner.
  • Zum ersten Mal in Star Trek: Enterprise wird ein PADD erwähnt
  • Als weitere Mysterien nennt Travis Judge Crater und Amelia Earhard, die beide spurlos verschwanden. T'Pol (Jolene Blalock) sind diese unbekannt. Außerdem erklärt er, beide seien nie wieder aufgetaucht. Natürlich „traf“ die Voyager viel später auf sie (The 37s)
  • Berühmte vulkanische Expeditionen sind Pflichtstoff in der Schule.

Trip vs T'Pol - Sieger: T'Pol

T'Pol: „I'm not familiar with the early years of human exploration.
Trip: „Really? Every school kid on earth had to learn about the famous Vulcan expeditions.
T'Pol: „Name one.
Trip: „History was never my best subject.

Eines vorweg...

Terra Nova ist die bisher schwächste Episode der neuen Serie. Zwar wird man leidlich unterhalten, die deutlichen Schwächen sind jedoch unübersehbar beziehungsweise liegen verborgen in dem, was man nicht sieht.

Aber der Reihe nach...

Die Idee, nach einer verlorenen, zur Legende gewordenen Kolonie zu suchen, ist fantastisch und macht neugierig. Am Anfang der Reise der Enterprise ist es auch das Realistischste, was ich mir vorstellen kann - erst einmal alles abhaken, was vorher nicht möglich war. Hier haben die Produzenten sich immerhin eindeutig die Mühe gemacht, die Frage in den Raum zu stellen, was bereits „dort draußen“ ist - und was untersucht werden sollte. So weit, so gut.

Auch wirft so ein Konzept natürlich Fragen über die Zeitspanne zwischen Cochranes Warpflug und der Gegenwart der Serie auf. Was ist in der Zwischenzeit alles geschehen? Welche Bemühungen hat die Menschheit noch unternommen, das All zu erforschen? Wie viele von uns sind dort draußen? Nicht, dass sich die Autoren die Mühe machen würden, auf diese Fragen in dieser Episode einzugehen. Sie richten ihren Tunnelblick strikt auf den Mikrokosmos, den sie anpacken wollen. Eine größere Vision ist nicht erkennbar.

Wie dem auch sei - die Szene, in der der Trupp auf dem Planeten in der „Geisterstadt“ ankommt, stellt eine schicke Hommage an alte Westernfilme dar (ich erwartete jeden Moment das berühmte Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Pfeifen). Dazu das verlassene Fahrrad, der verstaubte „Welcome“-Fußabtreter - alles sehr surreale Elemente, die genau die richtige Atmosphäre erzeugen.

Dann jedoch kommt der Auftritt der Aliens - welche natürlich in Wirklichkeit die veränderten Nachfahren der Menschen sind, die im Untergrund leben müssen, da die Oberfläche seit langer Zeit verstrahlt ist. Sie nennen sich nun Novans und denken, dass die Menschen einst ihre Vorfahren vergifteten und sie zum Leben unter Tage zwangen. Hmmm, na ja. Das Ganze ist nicht wirklich originell und - vor allem dank der ewigen Trek-Höhlen - auch visuell recht unspektakulär präsentiert. Eine Verschwendung der Idee.

Die Novans aus %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN
Die Novans aus %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN

Von diesem Moment an entfaltet sich ein lustiger Reigen von Klischees, der bis zum Ende nicht mehr abreißt. Je nach Stimmung wird das Zusehen ab hier entweder schmerzhaft oder belustigend sein. Leider.

Die Höhlenwesen glauben kein Wort von dem, was die Crew ihnen zu erklären versucht. Reed (Dominic Keating) wird gekidnappt, ist verletzt. Eine der Novans ist krank (tragisch), ihr wird (natürlich höflichst) geholfen, der Sohn ist jedoch weiterhin ungläubig (man könnte auch lernresistent sagen). Die Crew kehrt auf den Planeten zurück, ein anderer Novan gerät in Gefahr. Archer (Scott Bakula) hilft (natürlich höflichst), vertraut dabei dem Ungläubigen (ein Meisterstück!), der dann wiederum Archer vertrauen muss (wie schön). Der Verletzte wird gerettet (hach, zum Glück!), kurze und sentimentale Rede der geheilten Mutter und ... Abendessen bei Archer mit Tucker, T'Pol und Mayweather (Letzterer immerhin mal mittendrin statt nicht mal dabei), die sich freuen, das Rätsel gelüftet und die Menschen gerettet zu haben, indem sie sie auf dem Planeten umsiedelten ... (grummel)

Wie interessant wäre auf der anderen Seite zum Beispiel eine Kultur gewesen, die sich seit der Ankunft auf Terra Nova in eine gänzlich andere (vielleicht zur Abwechslung sogar mal positive oder unvorhersehbare) Richtung entwickelt hat. Wie interessant wäre es gewesen, wie diese Menschen auf die Neuigkeiten von der Erde reagieren und darauf, dass Reisen zu den Sternen nun in ganz anderer Form möglich sind? Doch was bekommen wir? Höhlenwesen, die Flöte spielen, Engstirnigkeit neu definieren und mit ihren 70 Jahre alten Maschinengewehren rumballern. Hach ja.

Soweit verdient die Folge sich in Sachen Ausarbeitung leider kaum Pluspunkte.

Man sollte (aber) auch loben

Auch wenn es wenig in der Summe rettet, konnten mich zumindest einige Dinge positiv berühren:

  • Reed hat einige Charaktermomente, die mir sehr gut gefallen haben - hoffentlich kommen mehr davon.
  • Das unterirdische Flötenspiel ist ein guter und origineller Einfall - gerade weil man auch sonst wenig über die Lebensweise der Novans erfährt.( Somit steckt auch im kleinen Lob Kritik. Schade.)
  • Die Musik der Episode ist teilweise sehr interessant - neue Töne für Trek, die manchmal an die X-Files erinnern
  • Doctor Phlox ist wirklich überzeugend, ein sehr tiefer, intelligenter Charakter.
  • Auch Archer hat seinen bisher gefühlvollsten Auftritt - ruhig, angespannt und fordernd - alles toll gespielt (jedoch erneut leider auch im großen Kontrast zur hölzernen Spielweise von Jolene Blalock).
  • Die Folge kann trotz der Schwächen über 45 Minuten halbwegs unterhalten, was auch an der wie immer dynamischen Regie von LeVar Burton liegt, der noch das Beste aus dem Stoff herausholt.

Gib dem Kind einen Namen

Terra Nova“: gäääähn - die Kolonie heißt Terra Nova und die Folge auch. Was soll man sagen. Folge schwach, Titel lahm.

Terra Nova“: schön, dass auch die Synchro-Leute keine bessere Idee hatten. 

Fazit

Es bleibt eine verschwendete Episode, deren Aufhänger auf den ersten Blick zwar höchst interessant scheint, dann jedoch einer klischeebeladenen und uninspirierten Ausarbeitung Platz machen muss und somit ungenutzt verpufft. „Star Trek“ soll sich gerne über Dialoge und Inhalte definieren - wenn die Dialoge auf der einen Seite jedoch jedes Klischeelehrbuch sprengen und die andere Seite ständig nur albern „it's shale!“ ruft, ist nichts zu retten. Der erste echte Tiefpunkt der Staffel.

Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 6. Dezember 2014
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Star Trek: Enterprise 1x06)
Titel der Episode im Original
Terra Nova
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. Oktober 2001 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. April 2003
Autoren
Michael Rapaport, Natalia Baron
Regisseur
LeVar Burton

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x06

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