Star Trek: Enterprise 1x05

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Was erwartet uns?
Eine sonderbare Rasse versucht im Schweif der Enterprise aufzutanken und benötigt dringend technische Hilfe. Trip (Connor Trinneer) begibt sich an Bord und freundet sich mit der Ingenieurin (Julianne Christie) an. Nach seiner RĂŒckkehr auf die Enterprise hat sich sein âZustandâ allerdings in gĂ€nzlich unerwarteter Weise verĂ€ndert. So macht man sich also erneut auf die Suche nach den Fremden, bevor es fĂŒr den sonst so taffen Trip kein ZurĂŒck mehr gibt...
Dies & das
- Die Crew duscht mit echtem Wasser.
- FrĂŒhstĂŒck gibt es auf der Enterprise als eine Art Buffet.
- Archer (Scott Bakula) kennt Tucker seit acht Jahren.
- Tuckers Leibgericht ist „Katzenwels“.
- Vor vier Jahren rettete Archer Tuckers Leben.
- Tucker ist seit zwölf Jahren in der Sternenflotte.
- Die Geschehnisse dieser Folge tragen sich keinen Monat nach Broken Bow zu.
- Tucker ist der erste Mann der Menschheitsgeschichte, der schwanger wurde.
- Zum ersten Mal trifft die Sternenflotte auf einen klingonischen Battlecruiser.
Phlox fragt mal vorsichtig nachâŠ
Phlox: „Tell me ... did your visit to the Xyrillian Ship involve any ... romance?“
Yeah, itÂŽs comedy-time!
Die erste âreineâ Comedy-Episode der Serie sollte es diesmal also werden. GrundsĂ€tzlich wĂ€re dagegen ja nichts einzuwenden, wenn man bedenkt, dass gerade der Humor in Star Trek: Enterprise bisher eine Freude war. Aber Tucker durch den Kontakt mit einer AuĂerirdischen schwanger werden zu lassen? Zumindest leichte Zweifel beschlichen mich - hatte ich doch auch dem grausigen Schwarzenegger-Versuch „Junior“ vor langer Zeit nichts, aber auch gar nichts abgewinnen können. Erneut ging ich also nicht ohne Vorbehalte dem VergnĂŒgen einer weiteren Folge der noch jungen Serie entgegen...

In jedem Fall bin ich froh, dass direkt nach der Eröffnungsszene mit Archer (Dusche) der Vorspann kam. WĂ€re dies nicht der Fall gewesen, ich hĂ€tte Probleme gehabt, der Handlung zu folgen - vor Lachen. So konnte ich mich erst einmal von diesem wirklich gelungenen Einstieg erholen. Die Idee, den Captain beim ânormalenâ Duschen zu zeigen, wĂ€hrend die Schwerkraft ausfĂ€llt und ihn samt Wassertropfen in der Duschkabine schweben lĂ€sst, verdient ein Lob. Die Produzenten schaffen es mit einfachen Mitteln, völlig unverbrauchte und witzige Situationen zu erfinden. Dies ist das vielleicht beste Beispiel seit langem - sowohl von den Effekten her als auch vom komödiantischen Timing. Kudos!
Volle 100 Punkte fĂŒr Humor hĂ€tte es fĂŒr die Episode gegeben, wĂ€re an dieser Stelle Schluss gewesen. Diese Szene hatte mit der Handlung der Episode jedoch (leider) nicht das Geringste zu tun - sie sollte wohl nur die Gangart deutlich machen. Die unvermeidliche Tucker-Schwangerschaft stand ja noch aus...
âAlien shipâ - mit Betonung auf âalienâ, nicht nur auf âshipâ
Doch zuerst einmal ging es in eine ganz andere Richtung. In der Flugbahn der Enterprise entdeckt die Crew ein kleines Schiff, dass sich auf diese Art aufzutanken versucht, da ihr Antrieb defekt ist. Was lĂ€ge also nĂ€her, als den freundlichen Wesen Hilfe anzubieten und Tucker als Techniker hinĂŒberzuschaffen? Nach drei Stunden Aufenthalt in einer Kammer (zur Angleichung an die Lebensbedingungen) darf der abenteuerlustige Chefingenieur das fremdartige Schiff betreten. Und endlich hielt das Wort einmal, was es verspricht. Lebensmittel, die aus den WĂ€nden wachsen, Gras als FuĂboden (Schlaraffenland?), sonderbare goldene Aliens, eine riesige Aquarienwand, sichtbare Luft („I'd prefer air I can't see.“ - Tucker) und eine extrem psychedelische KamerafĂŒhrung - fertig war der perfekte Trip. (Sorry, aber dieses kleine unkreative Wortspiel lag zu nahe - gerade wenn man bedenkt, in welche Richtung sich der Humor der Folge noch entwickeln sollte.)
Dennoch: Ein Dankeschön an die Produzenten fĂŒr dieses auĂergewöhnliche Design. So etwas gab es bei âStar Trekâ lange nicht (noch nie?). Und man muss einfach einmal sagen: Es war lange ĂŒberfĂ€llig. Kein Alien-Schiff im Deltaquadranten war jemals so originell gestaltet. Einerseits sehr traurig, andererseits bleibt die Hoffnung auf einen Wandel...
Auch die Probleme, die der forsche Tucker an Bord zu bestehen hatte, konnten ĂŒberzeugen. Seine dringliche Bitte an Archer, ihn zurĂŒckzuholen - und vor allem dessen Ablehnung - erschufen eine sehr realistische Erstkontakt-AtmosphĂ€re. Nachdem sich der gute Mann dann jedoch erholt hatte, ging es endlich zur Sache. Die nette auĂerirdische Technikerin zeigte ihm einen frĂŒhen VorlĂ€ufer des den Menschen noch unbekannten Holodecks und schon kurze Zeit spĂ€ter saĂen die beiden in einem Ruderboot in wunderschöner Seen-Landschaft. Die folgende Szene, ein âSpielâ, bei dem man durch das Stecken der HĂ€nde in eine âKristallschaleâ die Gedanken des anderen lesen kann, förderte dann einen der besten Wortwechsel der Episode zu Tage. Nachdem Tuckers âFreundinâ dessen Leibspeise als âcatfish", also "Katzenwelsâ benannt hatte und Tucker sie fragte „How did you know that?“ forderte sie ihn auf, ihr Leibgericht zu nennen. Nach kurzem Zögern tat er dies auch und ergĂ€nzte erstaunt „Hey, how did I know that?“. So muss Situationskomik gemacht werden.
Generell muss man sich natĂŒrlich fragen, wie sinnvoll der Einsatz eines Holodecks so frĂŒh (oder ĂŒberhaupt) in der Serie ist. Durch die fast schon zur Karikatur verkommene Nutzung der letzten 21 Staffeln âStar Trekâ war es eigentlich erfreulich, diesen technischen Ballast hinter (beziehungsweise vor) sich zu lassen. Hier fehlen einfach die letzte Konsequenz und der Mut sich wirklich von allen Pfaden zu lösen - Transporter im Pilotfilm, Holodeck hier, und der UniversalĂŒbersetzer funktioniert auch schon besser als er sollte... Schöne neue, alte Welt.
Aber da gibt's ja noch die Schwangerschaft...
ZurĂŒck auf der Enterprise und nach der Abreise der Fremden entdeckt Tucker dann die sonderbaren âNippelâ an seinen Arm. Phlox (John Billingsley) erklĂ€rt ihm unnachahmlich, dass er schwanger ist. Na, GlĂŒckwunsch! Hier hĂ€tte das Ganze nun spĂ€testens völlig abdriften können - tat es aber nicht, dank der leidig humorigen Dialoge und dem zumindest freudigen Spiel aller Darsteller. Dass Tucker das Kind nicht bekommen wĂŒrde, sondern schlussendlich seiner biologischen Mutter zurĂŒckgeben wĂŒrde (per Verpflanzung in einen anderen Wirt, sprich: Mann), stand auĂer Frage. Echte Konsequenzen fĂŒr Handlungen gab es in âStar Trekâ eigentlich nur in âDS9â - ansonsten war dies nie eine StĂ€rke der Reihe. Jedoch pflasterten zumindest einige gelungene Szenen diesen recht kurzen Weg.
Eine tiefere SensibilitĂ€t im Umgang mit dem Thema kann man der Serie jedoch leider nicht unterstellen. Hier werden alle gĂ€ngigen Klischees im Zeitraffer verbraten (gesteigerter Appetit, Sorge um die Sicherheit des Nachwuchses, Konflikt Arbeit/Vaterschaft) - das tut keinem weh und ist sicher nicht verwerflich, es spricht aber nicht fĂŒr eine besonders kreative Vision der Zukunft oder gar der Serie. Hier sind zu bequeme und uninspirierte Autoren am Werk. Leider.
Das Ende mit den mĂŒrrischen Klingonen (in deren âSchweifâ sich die Fremden diesmal verstecken), T'Pols Eintreten fĂŒr Archer (unter Zuhilfenahme von Ăbertreibung - was bekanntlich schon Spock sehr gut konnte), ist nochmals eine nette Wendung und sorgt noch fĂŒr kurze Lacher. Allerdings verkommen die Klingonen hier vielleicht ein wenig zu frĂŒh wieder zum Comic Relief. Schade.
Zu guter Letzt noch etwas zu T'Pol - dem Dauerthema fĂŒr mich. Jolene Blalock scheint wirklich mit der Zeit besser in ihre Rolle hineinzufinden, ihre ĂŒbertriebene Arroganz und EmotionalitĂ€t lassen doch merklich nach und die kĂŒhle, rationale und deutlich sympathischere Version kommt zum Vorschein. Ich habe jede Woche mehr Hoffnung. Wobei auch hier angemerkt sei, dass die Vulkanierin in der deutschen Synchronisation bereits hier ĂŒberzeugen kann, da die groĂartige Sprecherin es schafft, alle SchwĂ€chen in Blalocks Spiel zu kaschieren.
Gib dem Kind einen Namen
„Unexpected“: Diesmal muss natĂŒrlich gesagt sein, dass der Originaltitel wenig originell ist. Klar ist Trips Schwangerschaft unerwartet, aber besonders toll ist diese Titelwahl deswegen nicht. AuĂerdem finde ich aus nur einem Wort bestehende Episodentitel meistens schwach. Diesmal auch.
„In guter Hoffnung“: Ein wirklich gelungener Titel, wenn er sich auch ausschlieĂlich auf die Schwangerschaft bezieht, wĂ€hrend der englische Titel auch noch die Aliens an sich meinen könnte. Oder meinen ungebrochenen Optimismus bezĂŒglich der Serie.
Fazit
Als Comedyfolge - und nichts anderes will âUnexpectedâ sein - funktioniert das Ganze recht gut. Inhaltlich und vom Standpunkt eines tieferen Sinns oder einer gewissen SensibilitĂ€t im Umgang mit dem Thema kann man hingegen geteilter Meinung sein. Somit bleibt am Ende ein Mischmasch mit formal guter QualitĂ€t, der sich jedoch durch kurzsichtige Entscheidungen oder zu einfache Auswege selbst ins Bein schieĂt und letztlich im tristen MittelmaĂ absĂ€uft.
Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 30. November 2014(Star Trek: Enterprise 1x05)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?