Star Trek: Enterprise 1x04

Star Trek: Enterprise 1x04

In der Episode Strange New World pinkelt Porthos - hier noch ohne Konsequenzen - an einen Baum, Trip dichtet das Star-Trek-Mantra um und T'Pol ist auf Drogen erträglicher als ohne. Ein Gastreview von Björn Sülter.

Die Crew aus „Star Trek: Enterprise“ erkundet Archer IV / (c) UPN
Die Crew aus „Star Trek: Enterprise“ erkundet Archer IV / (c) UPN

Was erwartet uns?

Der erste „richtige“ Planet wird gefunden - die Crew macht sich in bester Stimmung auf den Weg, diese fremde neue Welt zu erkunden. Doch aus der Forschungsmission wird über Nacht ein Albtraum, als märchenhafte Wesen aus Steinen wachsen und T'Pol (Jolene Blalock) sich mit Fremden verbrüdert...

Dies & das

  • Die Crew der Enterprise besteht aus 82 Mitgliedern.
  • T'Pol erklärt den Begriff „Minshara Class“ (nur Hoshi kannte ihn): für menschliches Leben geeignet.
  • Elizabeth Cutler ist Entomologin.
  • Die Shuttles haben ausfahrbare Flügel für den Eintritt in die Atmosphäre.

Unterhaltung für die Ewigkeit

Tucker: „Give me your boot!
Mayweather: „For what?
Tucker: „So I can squash him.
Mayweather: „Are we allowed to squash alien life forms?
Tucker: „If they're inside your sleeping bag!

More of the same, but...

Die Ankündigung im Trailer weckte viele Erinnerungen. Die Crew infiziert sich mit halluzinogenen Pollen und benimmt sich vollkommen untypisch.

Hmm. Moment. Klar, so etwas gab es in jeder Trek-Serie - teilweise sogar mehrfach. Und natürlich ist dieser Kniff perfekt dazu geeignet, Charaktere einzuführen und zu zeigen, wie sie sich in einer Situation verhalten, deren Kontrolle sie verloren haben. Aber muss das schon wieder passieren? Und erneut so früh in der Serie? Zum Glück wurde ich, was „Enterprise“ bisher angeht, erneut eines Besseren belehrt.

Strange New World überzeugt auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass die oben genannte Ausgangssituation als nettes aber letztlich irrelevantes Beiwerk funktioniert.

Zuerst haben wir da die Faszination der Crew, perfekt in der Messe durch einige Crewmitglieder eingefangen, für diese neue und spannende Welt, die sie nach Wochen endlich zu Gesicht bekommen. Das Leuchten in den Augen der Crew spricht Bände und untermauert die Gangart der Serie.

Dann Archers Begeisterung, endlich etwas zum Erforschen gefunden zu haben. „Maul halten, T'Pol, wir werden jetzt erst einmal Spaß haben“, scheint er fast zu sagen - und tut es natürlich deutlich charmanter. Und so naiv das Ganze im ersten Moment scheint - hey - der Typ ist einfach noch begeisterungsfähig. Eine neue Welt - und er ist einer der ersten Menschen darauf! Also, ich würde auch keine Woche warten wollen...

Schließlich die tollen Szenen nach der Ankunft auf dem erdähnlichen Planeten. Porthos hüpft als erster aus dem Shuttle - und sucht nach einem Baum. Trip (Connor Trinneer) dazu: „Where no dog has gone before.“ Perfekt! Die Crew mit ihren Baseballcaps sieht fast aus wie Campingurlauber auf Sightseeing. Und tatsächlich macht Tucker sogleich Fotos vom Rest des Außenteams - „Smile“, sagt Archer zu T'Pol - sie tut es nicht. Situationskomik mit talentfreier Mimin, muss man erstmal schaffen.

Die Erkundung des Planeten, als Bildermontage präsentiert, die Verspätung von Archer (Scott Bakula) und Co. („We lost track of time.“), dann noch Tucker und Mayweather, die sich dem (Zelt-)team anschließen, welches vor Ort bleibt, um Daten zu sammeln und die abendliche Geistergeschichte - von Mayweather am Lagerfeuer erzählt. Timing ist beim Medium Film & TV manchmal alles und hier ist daraus sogar ein kleines, feines Lehrstück geworden.

Genau genommen ist auf dem Planeten, der weder „strange“ noch „new“ ist, allerdings natürlich nix los. Der Yellowstone Nationalpark sieht eigentlich sogar fast identisch aus (...), dennoch ist die ganze Situation dermaßen niedlich gespielt, geschrieben und ausgeführt - ein Riesenkompliment! In Sachen Umsetzung ist der Serie hier nichts vorzuwerfen.

Archer IV in %26bdquo;Star Trek: Enterprise%26ldquo; © UPN
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Don't fear the Reaper

Mit dem nächtlichen Sturm ändert sich die Stimmung der Folge jedoch komplett. Nach der Flucht in eine nahe Höhle, dem gescheiterten Rettungsversuch per Shuttle durch Archer und Reed (Dominic Keating) und der Flucht von Crewman Novakovich beginnen alle, sich sonderbar zu verhalten. Mayweather sieht Gestalten, Crewman Cutler beobachtet T'Pol dabei wie sie mit Fremden konspiriert, Tucker sieht Wesen, die aus Steinen wachsen. Der Paranoia-Level erreicht kritische Werte und gipfelt in einem fantastischen Show-Down, in dem Archer in einer Mischung aus Kreativität, Diplomatie und Unverschämtheit seinen Kumpel Tucker davon abhält, T'Pol zu erschießen.

Die Darstellung von Connor Trinneer als Tucker ist hervorragend. Neben Bakula, Billingsley und Park hat er mich als vierter der Stammcrew schauspielerisch bereits überzeugt. Fehlen aktuell nur noch Blalock, Montgomery und Keating. Von diesen Dreien hat aber zumindest Jolene Blalock ein paar Punkte gutgemacht. Meine Kritikpunkte an ihrem Spiel bleiben jedoch leider bestehen, da sie nur in knapp zwei Dritteln der Episode eine andere, irgendwie angemessenere Art findet, die überlegene Vulkanierin zu geben. Sie wirkt zumindest in diesen Szenen kühler, rationaler als zu Beginn der Serie und auch - leider - wieder am Ende dieser Episode. Ihre Darstellung unter dem Einfluss der Pollen ist jedoch vollkommen in Ordnung. Wenn sie diese Gratwanderung in den Griff bekommt, werde ich mich auch zumindest an sie gewöhnen können. Was Reed und Mayweather angeht - tja, ersterer ist bisher vollkommen farblos, aber sympathisch - letzterer durfte ja zumindest mal einen längeren, gruseligen Monolog halten. Aber bei beiden muss viel mehr kommen.

Zu guter Letzt noch ein Lob für den Transporterunfall. Novakovich muss aus dem Sturm heraus gerettet werden, kommt auf der Enterprise aber mit Pflanzenteilen und Felssplittern im Körper an. Gruselige Vorstellung. Sein Heilungsprozess verschafft auch Dr. Phlox noch eine herausragende Szene, in der er eingestehen muss, einen Faktor übersehen zu haben. Mit Pech wäre der junge Mann gestorben. Phlox' Bedauern und seine Selbstzweifel werden überdeutlich - eine tolle Leistung von John Billingsley. Gut, dass der lustige Außerirdische nicht auf die Kasper-Rolle beschränkt wird. Er ist nämlich keiner, sondern nur ein etwas schräger Typ, der einen sehr verantwortungsvollen Job hat. Genau diesen Spagat müssen die Produzenten hervorheben.

Erstmal nichts riskieren

Die Autoren klammern sich aktuell noch an Bekanntes und Etabliertes und scheinen sich mehr um die Umsetzung zu kümmern. Somit definiert sich Star Trek: Enterprise bisher mehr über das „wie“ als über das „was“ - Zuschauer, die innovative Geschichten erwartet haben, werden bisher sicher enttäuscht. Und auf Dauer wäre es gefährlich in immer denselben Stereotypen zu verharren. Für den Moment verbleibe ich jedoch noch optimistisch - die Form stimmt, der Rest kann folgen.

Gib dem Kind einen Namen

Strange New World“: Der Originaltitel klingt bombastisch, euphorisch und mysteriös - geradezu eine Antithese zur Handlung der Episode, da sich auf dem Planeten schließlich nur eine Art zweiter Yellowstone Nationalpark befindet. Die Gefahren, die Reisen zu fremden Sternen bergen, macht der Titel jedoch im Rückblick gut deutlich.

Geistergeschichten“: Zugestanden, dass Travis (Anthony Montgomery) am Lagerfeuer eine Geistergeschichte erzählt und das alle in der Folge davon „irgendwie“ angesteckt zu sein scheinen - gerecht wird der Titel der Handlung jedoch nicht.

Fazit

Insgesamt eine sehr erfreuliche Episode mit 45 Minuten bester Unterhaltung, gut dosierter Charakterentwicklung, viel Humor und herrlichen Dialogszenen. Wenn jetzt noch ein paar frische Ideen dazukommen, darf es so gerne weitergehen!

Verfasser: Lenka Hladikova am Samstag, 29. November 2014
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Star Trek: Enterprise 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Geistergeschichten
Titel der Episode im Original
Strange New World
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Oktober 2001 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 28. März 2003
Autoren
Fyvush Finkel, Jessalyn Gilsig
Regisseur
David Livingston

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x04

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