Star Trek: Enterprise 1x03

Star Trek: Enterprise 1x03

Schweigsame Außerirdische definieren eine neue Form des Abhängens, Hoshi erkennt in einem kleinen, sterbenden Wurm ihren Seelenverwandten und Archers Bodenplatten stellen den Captain auf eine harte Nervenprobe... Ein Gastreview von Björn Sülter.

Hoshi und ihr neues Haustier in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN
Hoshi und ihr neues Haustier in „Star Trek: Enterprise“ / (c) UPN

Was geht ab?

Die Crew trifft auf ein Schiff voller außerirdischer Leichen - der erste Kontakt mit fremden Wesen nach den Geschehnissen rund um den Klingonen Klaang. T'Pol (Jolene Blalock) rät zum Rückzug, Archer (Scott Bakula) stellt sich jedoch nach anfänglichem Zögern der Situation. Damit bringt er Schiff und Crew in große Gefahr, als die Verantwortlichen für den Mord zurückkehren...

Dies & das

  • Als Datum wird der 05.06.2151 genannt.
  • Bei 43.000 Planeten gibt es nur auf einem intelligentes Leben.
  • Die Crew ist zwei Wochen unterwegs und hat noch nichts gesehen.
  • Man braucht eine halbe Stunde, um ein Shuttle vorzubereiten.
  • Die „Raumanzüge“ machen Hoshi (Linda Park) Angst - sie hat Klaustrophobie.
  • Hoshi ist Exolinguistin - sie wurde Zweitbeste ihrer Klasse und befand sich drei Jahre in Starfleet-Training.

Sätze für die Ewigkeit

Phlox: „Crewmen Bennett and Hayden over there, do you see them? If I'm not mistaken, they are preparing to mate. Do you think they might let me watch?

Back to basics

Nach dem actionreichen und in vielerlei Hinsicht überraschend starken Pilotfilm war ich wirklich gespannt, wie die Serie ihre reguläre Arbeit aufnehmen würde. Fight or Flight überraschte mich in mehrfacher Hinsicht, machte mir aber hauptsächlich eine Sache klar. Nämlich wie sehr sich selbst Star Trek in den letzten zehn Jahren dem Mainstream ergeben hat. Die Erzählstruktur der Episode ist gerade für Sinne, die zuletzt an Star Trek: Voyager gewöhnt waren, ein so deutlicher Umbruch, dass man sich über den Mut der Produzenten nur wundern kann. Es geht hier eindeutig einen Schritt zurück, Geschwindigkeit und Action ziehen sich aus dem Mix zurück, man konzentriert sich mehr auf die Menschen, auf Gefühlsregungen und Gedanken. Dabei ist das alles natürlich schon einmal da gewesen - bei Kirk und Picard gab es auch immer ein Gros solcher Charakterepisoden, die ihre ganze Kraft aus den Dialogen und der kammerspielartigen Inszenierung zogen.

Und nun, 35 Jahre nach The Cage und selbst schon 14 Jahre nach Encounter at Farpoint stehen wir wieder an diesem Punkt. 14 Staffeln DS9 & Voyager haben in Ton und Bild deutliche Veränderungen gebracht, die man in ihrer Tragweite für das Franchise erst jetzt erfassen kann. DS9 hat zwar für mich die Balance zwischen krachender Action und tiefschürfenden Themen wie keine andere Serie über die kompletten sieben Jahre halten können. „Voyager“ hingegen hat viel zu oft den einfachen Weg gewählt - Schilder runter auf 15 Prozent, Selbstzerstörung aktiviert, die Borg kommen, Feuer! Hier wurden zunehmend Inhalte durch Schauwerte ersetzt. Und mit „Enterprise“ scheint man nach Ansicht von Fight or Flight nun den entgegengesetzten Weg zu wählen.

Wenig Lärm um wenig

Dazu tragen einige Kniffe seitens der Produzenten bei: gedämpfte Musikuntermalung, viele lange Dialogszenen mit teilweise bedrückender Bewegungslosigkeit, keine durchlaufenden Momente der Dramatik - nur pure Inszenierung menschlicher Regungen. Faszinierend - wenn auch in letzter Konsequenz natürlich weder neu, noch inhaltlich überraschend. Dennoch, ich bin zurück, wo meine Trek-Odyssee begann, wieder an den Anfängen, und freue mich über diesen unerwarteten Schritt. Sollte es den Autoren gelingen, nun auch kreative und herausfordernde Inhalte zu erdenken und diese erfrischend zu präsentieren, könnte sich Enterprise für das Franchise in eine sehr gute Richtung entwickeln.

Für den Moment bleibt eine kleine Episode, in erster Linie eine Hoshi-Sato-Story, die deutlich macht, wie unwohl sie sich auf dieser Mission wirklich fühlt. Während die anderen Crewmitglieder das Entdeckertum preisen, hat sie nur einen Wunsch: zurück zur Erde und wieder unterrichten. Nach Ansicht der wenig erquickend aussehenden toten Fremden kann ich sie gut verstehen. Erst treffen sie die Suliban, dann einen kleinen orangefarbenen Wurm. Und als dritte fremde Rasse sind es nun tote, geschlachtete Außerirdische. Herrlich!

Der ganze moralische Konflikt zwischen T'Pol und Archer über das Helfen oder sich Heraushalten ist natürlich ebenfalls nur leidig originell, dient aber immerhin der Geschichte. Interessanter sind da schon die „technischen“ Aspekte: Die völlige Überlegenheit der fremden Waffen, der fehlende Übersetzer, Hoshis Verzweiflung. Bodenständige Sci-Fi - und für „Star Trek“ jetzt genau das Richtige.

Muppet on board

Mein einziger Kritikpunkt bezieht sich auf T'Pol (of nine), die nicht nur wie Seven geht, redet und teilweise aussieht, sondern auch so gespielt wird, nur drei Klassen schlechter. Hätte man, wie bei Farscape, die Rolle wenigstens konsequent mit einer mimikfreien Puppe besetzt, müsste man nun nicht über fehlende Schauspielfähigkeiten sprechen. Jolene Blalock sollte ganz schnell anfangen, neben dem bloßen Vortragen ihrer Texte auch ein wenig zu „spielen“. Dieser Kritikpunkt bezieht sich jedoch nur auf die Originalfassung. Nach Ansicht der deutschen Version muss man erstaunt feststellen, dass die Synchronsprecherin (vorher unter anderem Xena: Warrior Princess) wirklich grandiose Arbeit leistet und Blalocks Schwächen perfekt ausmerzt.

Gib dem Kind einen Namen

Fight or Flight“: ein ungewöhnlicher Titel. Dennoch fängt er gut die Situation ein, in der sich die Crew befindet - erste Mission, keiner weiß, wer oder was einen erwartet. Da stellt sich diese Frage schon einmal. Außerdem nimmt der Titel natürlich auch auf den schwelenden inneren Konflikt um Hoshi Bezug.

Freund oder Feind“: Ich gebe zu, dass „Kampf oder Flucht“ etwas sperrig geklungen hätte - dennoch ist die deutsche Floskel hier nicht gerade ein Meisterstück. Bei keinem der beiden Konflikte stellt sich die Frage nach Freund oder Feind wirklich. Deshalb halte ich eine wörtliche Übersetzung immer für sinnvoll, wenn einem gar nichts Passendes einfällt.

Fazit

Ein gelungener Start ins reguläre Serien-Abenteuer: nicht weltbewegend, aber solide und kompetent verpackt. Gewürzt mit Charakterentwicklung und sehr bodenständigen Problemen positioniert sich die Serie zu diesem frühen Zeitpunkt als ruhiger Old-School-Trek. So kann es weitergehen.

Verfasser: Lenka Hladikova am Sonntag, 23. November 2014
Episode
Staffel 1, Episode 3
(Star Trek: Enterprise 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Freund oder Feind
Titel der Episode im Original
Fight or Flight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 3. Oktober 2001 (UPN)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. März 2003
Autoren
Michael Rapaport, Natalia Baron
Regisseur
Allan Kroeker

Schauspieler in der Episode Star Trek: Enterprise 1x03

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