24: Live Another Day 1x02

24: Live Another Day 1x02

Die zweite Episode von 24: Live Another Day führt uns zweierlei vor Augen: Einerseits liefern uns Kreativ- und Darstellerteam nach wie vor großartige Actionsequenzen. Andererseits wirken manche der typischen 24-Stilmittel doch etwas aus der Zeit gefallen.

In den Actionsequenzen machen „24“ und Jack Bauer (Kiefer Sutherland) immer noch alles richtig. / (c) FOX
In den Actionsequenzen machen „24“ und Jack Bauer (Kiefer Sutherland) immer noch alles richtig. / (c) FOX

Heißt Erwachsenwerden automatisch, dass die eigene Begeisterungsfähigkeit schneller nachlässt? Ich hatte während der zweiten Episode von 24: Live Another Day jedenfalls die gegenteilige Reaktion zur Sichtung der ersten. Was im Auftakt noch wie ein charmanter Blick in die eigene Vergangenheit wirkte, verlor danach etwas von seinem nostalgischen Glanz. Beinahe jede Szene fühlt sich an, als hätte man sie in dieser Serie schon mehrmals gesehen.

Business as usual

Aufgewogen wurde dieses Gefühl durch die intensiven Actionszenen, die schon immer einen großen Teil der Faszination an 24 ausmachten. Regisseur Jon Cassar, der maßgeblich für den Look der Serie verantwortlich war, konnte auch für das Reboot gewonnen werden. Und so liefern zwar auch die Actionsequenzen keine neuartigen oder revolutionären Einstellungen, sie schaffen es jedoch weiterhin mühelos, dieses bekannte beklemmend-wohlige Gefühl zu erzeugen - als befände man sich als Zuschauer mittendrin.

Dauerte es in der Auftaktepisode noch auffallend lange, bis sich Jack Bauer (Kiefer Sutherland) dazu hinreißen ließ, den Mund aufzumachen, so ist er in der zweiten Episode weniger wortkarg. Mir kommt es beinahe so vor, als hätten die Drehbuchautoren ihren Jack 2.0 etwas witziger angelegt - jedenfalls glaubte ich leicht James-Bond-artige Anflüge zu erkennen, als Bauer seinem Gegenüber entgegenschleuderte: „You probably think I'm at a disadvantage. I promise you I'm not.“ Ich als Gegenspieler hätte jedenfalls sofort meine Pistole niedergelegt!

Auch die Konversationen mit seiner neuen alten Partnerin Chloe O'Brian (Mary Lynn Rajskub) sind von subtilem Augenzwinkern durchzogen. Als sie ihn mit einem geklauten Volvo rettet, gratuliert er ihr dazu: „Good job.“ Ihre Auseinandersetzung im Nerd-Loft um die richtige Herangehensweise an die Probleme der Menschheit fällt hingegen etwas flacher aus. Jack begründet seinen Einsatz für Präsident Heller (William Devane) damit, dass er es seiner Familie schuldig sei. Chloe hat aus vergangenen Ereignissen indes gänzlich andere Lehren gezogen. Sie arbeitet nun mit einer völlig überzeichneten Hackergruppierung zusammen, die wohl an Organisationen wie WikiLeaks angelehnt sein soll. Deren Anführer Adrian Cross (Michael Wincott) ist das fiktionale Pendant zu Julian Assange - minus mysteriöse Aura und Charisma.

Als wäre er nie weggewesen: Der berühmte %26bdquo;24%26ldquo;-Splitscreen. © FOX
Als wäre er nie weggewesen: Der berühmte %26bdquo;24%26ldquo;-Splitscreen. © FOX

Wie von 24 gewohnt, entfaltet sich während einer Episode soviel Plot wie bei anderen Serien in einer halben Staffel. Ein Hacker namens Derek Yates entpuppt sich als derjenige, der im Auftakt die amerikanische Drohne ferngesteuert und auf eine Einheit in Afghanistan gerichtet hatte. Er hat luftige ideologische Überzeugungen und eine nervige Freundin, die natürlich alles mitbekommt, was er im Schilde führt und sich später - natürlich - als Emissärin und Tochter seiner ursprünglichen Auftraggeberin Margot Al-Harazi (Michelle Fairley) entpuppt.

Plot, Plot, Plot

Der Angriff auf die eigenen Leute wird unterdessen zum außenpolitischen Problem für den demenzerkrankten US-Präsidenten, der kurz vor einem geopolitisch sensiblen Vertragsabschluss mit der britischen Regierung steht. Um seinen Absichten mehr Nachdruck zu verleihen und ein Zeichen der Kooperation auszusenden, will er den verantwortlichen Drohnenpiloten Chris Tanner (Star-Wars-Jünger John Boyega mit einem zweifelhaften amerikanischen Akzent) an die britischen Sicherheitsbehörden übergeben und vor dem Parlament sprechen. Sein Berater Mark Boudreau (Tate Donovan) hält das wegen seines Gesundheitszustands für keine gute Idee - Heller belehrt ihn in der Vorbereitung für seine Rede eines Besseren.

Mein Höhepunkt der Episode waren die an den grandiosen Actionfilm „The Raid“ erinnernden Szenen im Sozialbau im Londoner Stadtteil West Ealing. Jack Bauer kämpft mit Knopf im Ohr und Chloe an der COM-Station („You can't go in there blind“) gegen den Rest der Welt - nicht mehr und nicht weniger erwarte ich von dieser Serie. Zwar zeichnet sich jetzt schon ab, dass es nach den zwölf Episoden wahrlich keiner weiteren Folgen bedarf. Darüber werden jedoch die Quoten entscheiden. Und wenn FOX damit zufrieden ist, könnte eine Verlängerung dieser Miniserie nicht ausgeschlossen sein - Under the Dome ist schließlich mit schlechtem Vorbild vorangegangen.

So sehr ich 24: Live Another Day auch in mein Herz schließen möchte, kann ich meine Augen nicht davor verschließen, welch ein anachronistischer Held Jack Bauer geworden ist. Der Auftakt dieser neunten Staffel hätte genauso gut im Jahr 2004 ausgestrahlt werden können - man hätte nur die Drohnenproblematik und das Whistleblowerphänomen durch damalige politische Diskurse ersetzen müssen. Und so fühlen sich diese Episoden nun an, als wären sie aus der Zeit gefallen, als gehörten sie in eine Fernsehlandschaft, die sich nicht weiterentwickelt hat. Es macht immer noch Spaß, Jack Bauer bei der Arbeit zuzuschauen. Aber es hat einen leicht faden Beigeschmack.

Review der ersten Episode

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 6. Mai 2014
Episode
Staffel 1, Episode 2
(24: Live Another Day 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Live Another Day: 12:00 - 13:00 Uhr
Titel der Episode im Original
Day 9: 12:00 P.M.-1:00 P.M.
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 5. Mai 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 6. Mai 2014
Autoren
Robert Cochran, David Fury
Regisseur
Jon Cassar

Schauspieler in der Episode 24: Live Another Day 1x02

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