Der kanadische Sender Bravo versucht sich mit 19-2 an einem Remake der gleichnamigen Serie von 2011 und möchte dem Zuschauer so ein neues, spannendes Cop-Drama präsentieren. Leider gestaltet sich die Pilotepisode als äußerst generisch und kann so trotz guter Atmosphäre nicht vollends überzeugen.

Das Team aus „19-2“: Adrian Holmes und Jared Keeso als Nick Barron und Ben Chartier / (c) Bravo
Das Team aus „19-2“: Adrian Holmes und Jared Keeso als Nick Barron und Ben Chartier / (c) Bravo

Allein die Entstehungsgeschichte der neuen Dramaserie des kanadischen Senders Bravo ist einen genaueren Blick wert: So gab es nämlich bereits 2011 eine französischsprachige Version von 19-2, welche so wie die englischsprachige Umsetzung in der kanadischen Stadt Montreal situiert ist. In beiden Serien dreht sich alles um die Polizisten einer fiktiven Polizeistation, ihre Arbeit sowie ihre persönlichen Probleme und Dilemmata.

Ob es der englischsprachigen Adaption von „19-2“ jedoch bedurft hätte, darf bezweifelt werden. Zwar gefällt das etwas andere Setting rund um die kanadische Metropole Montreal und die scheinbar graue Tristesse der Großstadt, und auch handwerklich kann man der Dramaserie nicht viele Vorwürfe machen. Jedoch krankt es vor allem an einer originellen Story und erfrischenden Charakteren. Die Abläufe und Handlungsvorgänge sind schlicht und einfach viel zu generisch, um den Zuschauer wirklich zu packen. Irgendwo in 19-2 scheint vielleicht ein grundsolides Cop-Drama zu schlummern, doch die Auftaktfolge bietet hinsichtlich Originalität und serieller Individualität viel zu wenig an, um potentielle Zuschauer mit etwas Anspruch auf mehr zu überzeugen.

Ready to go back to work

Der Einstieg in 19-2 ist eigentlich genau so, wie man es von einer Serie dieser Art erwarten würde: Zwei Polizisten, darunter Hauptfigur Nick Barron (Adrian Holmes, Arrow, Continuum), werden zu einem Einsatz gerufen, wo dann Barrons Partner niedergeschossen wird. Es folgt ein Zeitsprung, nach welchem wir erneut Barron sehen, der nach einer Auszeit vom Dienst zurückkehrt ins Tagesgeschäft der Polizei von Montreal. Er macht sich natürlich immer noch Vorwürfe, hatte er sich doch im Gegensatz zu seinem scheinbar erschossenen Partner gegen Verstärkung ausgesprochen. So wird sich an der ersten Charakterzeichnung in „19-2“ probiert, die zwar nachvollziehbar sein mag, aber keineswegs originell ist. Diese Art von Ausgangssituation hat der Zuschauer schon unzählige Male im Fernsehen gesehen, also fällt es eher schwer, von den ersten Minuten von „19-2“ gefesselt oder emotional gepackt zu werden.

Im Folgenden wird die stereotype Klischeeliste eines Cop-Dramas konsequent abgehakt: Ein verständnisvoller Vorgesetzter, ein misstrauischer und unangenehmer Polizeichef, ein buntes Potpourri an altbekannten Charakteren, die neben unserer Hauptfigur ebenfalls als Polizisten tätig sind, und natürlich der Rookie, welcher dem belasteten Brannon in der ersten Folge zur Seite gestellt wird. Ben Chartier (Jared Keeso, The Guard) kommt frisch aus der kanadischen Provinz, wo er jahrelang als Polizist tätig war. Nun soll er der neue Partner von Barron werden. Dieser hat damit natürlich ein Problem, kann aber nicht viel machen, als sich mit der neuen Situation abzufinden.

Also treten er und Chartier zum ersten Mal ihren gemeinsamen Dienst an. Der erste Einsatz gestaltet sich dabei als äußerst skurril und (unfreiwillig) komisch, nachdem Chartier von einer aufgebrachten Chinesin mit einem Suppenhuhn angegriffen wird. Zwar mag dies ganz amüsant sein, aber so richtig abholen kann einen diese Aktion nicht wirklich. Ein ähnliches Problem hat auch der nächste Fall des Teams, in dessen Folge Chartier Probleme mit einer Staatsanwältin bekommt, weil er einen flüchtigen Verbrecher willkürlich niedergeschossen haben soll, obwohl dieser ihn in Wirklichkeit mit einem Messer attackiert hatte. Es kommt nie wirklich große Spannung auf, die Handlung plätschert so dahin und verliert sich in banalen Kleinigkeiten, wie die eher aufgesetzten Dramen der Hauptfiguren.

Auf den Straßen und über den Dächern von Montreal

Jedoch sollte man auch nicht zu voreilig über 19-2 urteilen, versuchen sich die Serienmacher doch an einer ausgereiften Charakterzeichnung von Barron und Chartier. Dabei werden, wie für eine Pilotepisode üblich, diverse Dinge angerissen, doch wie bereits erwähnt, fühlen sich diese Charakterisierungen nicht nur etwas aufgesetzt, sondern vor allem auch sehr einfallslos und uninspiriert an. Hier kann „19-2“ womöglich im Laufe seiner zehnteiligen ersten Staffel noch dementsprechend nachbessern, doch für den Auftakt reichen diese generischen persönlichen Schicksale nicht aus, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Es kommt zwar ein wenig Bewegung in die Angelegenheit, als sich zum Beispiel herausstellt, dass die anstrengende Rechtsvertreterin, mit welcher sich Chartier herumschlagen muss, Barrons Frau ist, oder dass der eher unsympathische Polizeichef Neuling Chartier für seine Zwecke rekrutieren will, um Problemfall Barron weiterhin im Blick und unter Kontrolle zu haben. Jedoch sind dies alles nur irgendwelche Andeutungen, wohin die Serie gehen könnte. Der Pilotfolge selbst fehlt es an der nötigen Spannung, wenn nicht sogar am Elan, um den Zuschauer zum Dranbleiben motivieren zu können. Da kann auch eine kleine Überraschung am Ende der Episode nicht helfen, in der dem Zuschauer gezeigt wird, dass Barrons ehemaliger Partner gar nicht tot ist, sondern nur schwer verletzt wurde. „Nur“ ist dabei ein wenig untertrieben, ist er doch an den Rollstuhl gefesselt, sichtlich ramponiert und muss so ein wahrlich unschönes Leben führen.

Positiv sollte man jedoch noch einmal die Atmosphäre in 19-2 hervorheben. Auch hier wird der geneigte Serienfan sagen, dass er schon etliche Male Ähnliches oder gar Identisches in anderen TV-Serien gesehen hat, aber dennoch weiß „19-2“ atmosphärisch zu überzeugen. Die Kombination des eher depressiv anmutenden Lokalkolorits und der Ernsthaftigkeit des allgemeinen Settings stellt sich dann doch als ein kleines Alleinstellungsmerkmal der neuen Dramaserie heraus.

Fazit

Wie bereits erwähnt hat 19-2 sicherlich das Potential, sich zu einem gelungenen und authentischen Cop-Drama zu entwickeln. Leider ist die Pilotfolge viel zu nichtssagend, um feststellen zu können, in welche Richtung die Serie gehen wird. Bis hierhin wirkt „19-2“ wie eine weitere, gewöhnliche Dramaserie über Polizisten, deren persönliche und private Probleme durch ihre Arbeit beeinflusst werden. Das hört sich nicht besonders erfrischend oder neu an, und so präsentiert sich „19-2“ auch in seiner ersten Folge. Das mag vielleicht beabsichtigt sein, dennoch wäre eine wenig Individualismus in der Gestaltung der Handlung oder Charaktere in der Pilotepisode sicherlich nicht zuviel verlangt gewesen.

Genrefans dürfen hier gerne einen Blick riskieren, doch würde es auch nicht verwundern, wenn selbst diese am Ende der Auftaktfolge von 19-2 etwas gelangweilt mit den Schultern zucken würden. „19-2“ ist zweifellos keine schlechte Show, doch bietet sie in der ersten Episode einfach viel zu wenig an, als dass man gespannt auf die nächsten Episoden warten würde. So bleibt eigentlich nur eins zu sagen: Feels like just another crime drama.

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