Yellowstone 2x10

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Nach den Geschehnissen in der ersten Staffel von Yellowstone werden die Zeiten auf und um das Familienanwesen herum keineswegs entspannter. Patriarch John Dutton (Kevin Costner, „Der mit dem Wolf tanzt“) enthebt Vormann Rip Wheeler (Cole Hauser, „Acts of Violence“) seines Postens, den nunmehr sein jüngster Sohn Kayce (Luke Grimes, „Fifty Shades of Grey“) nach der Trennung von seiner Frau Monica (Kelsey Asbille, One Tree Hill) übernimmt.
Dabei lernt Kayce auch den geheimnisvollen Neuzugang mit dem schlichten Namen Cowboy (Steven Williams, The X-Files) kennen und erlaubt dem Gebrandmarkten Walker (Country-Musiker Ryan Bingham, als Schauspieler unter anderem in „Crazy Heart“) gar, die Ranch lebend zu verlassen. Monica erholt sich inzwischen nur langsam von der schweren Verletzung, die sie erlitt, als sie in eine Schülerschlägerei geriet.
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Jamie Dutton (Wes Bentley, American Horror Story) hingegen soll nach dem Willen seines Vaters die Kandidatur für den Posten des Generalstaatsanwaltes aufgeben, wozu er nicht bereit ist. Gemeinsam mit seiner Assistentin und neuen Freundin Christina (Katherine Cunningham, Condor) will er sein Ziel trotzdem erreichen, obwohl er deswegen der Ranch verwiesen wird.
Erst als John und seine Tochter Beth (Kelly Reilly, Black Box) mit der attraktiven Cassidy Reid (Kelly Rohrbach, „Baywatch (2017)“) eine Gegenkandidatin aufbauen wollen, gegen die Jamie keine Gewinnchancen sieht, zieht er seine Kandidatur zurück. Die Sache hat jedoch einen schweren Haken. Er hat der Enthüllungsjournalistin Sarah Nguyen (Michaela Conlin, Bones) Material für einen hochbrisanten Artikel über das Familienoberhaupt geliefert. Als Nguyen nicht vom Schreiben dieses Artikels absehen will, begeht er eine Verzweiflungstat.
Doch auch die Fehde zwischen den Duttons und Reservatschef Rainwater (Gil Birmingham, Animal Kingdom) und dessen Geschäftspartner Jenkins (Danny Huston, „Wonder Woman“), der die von den Duttons im Westernstil erteilte Lektion aus Staffel Eins überlebt hat, setzt sich unvermindert fort. Ihre Machenschaften drohen dazu zu führen, dass der Familienclan Yellowstone verliert.
Während Kayce und Monica nach ihrer kurzen Beinahe-Affäre mit dem Physiotherapeuten Martin (Martin Sensmeier, „Die glorreichen Sieben (2016)“) wieder zusammenkommen, mausert sich Nachwuchs-Cowboy Jimmy Hurdstram (Jefferson White, Chicago PD) zum angesehenen Rodeoreiter. Allerdings wird er in schicksalhafter Weise mit seiner kriminellen Vergangenheit konfrontiert.
Der Machtkampf zwischen Yellowstone und dem Reservat wird indes in neue Dimensionen versetzt, als sich das bösartige Brüderpaar Malcolm (Neal McDonough, Band Of Brothers) und Teal Beck (Terry Serpico, Army Wives) mit einklinkt. Die skrupellosen Gangster, die ihre Finger in zahlreichen Geschäftsbereichen haben, schrecken vor nichts zurück. Auch nicht davor, Beth übel zusammenschlagen zu lassen, was jedoch tödlich für ihre gedungenen Peiniger endet, und schließlich der Entführung von Johns kleinem Enkel Tate (Brecken Merrill, „Lifeline“).
Ein Gang höher

Obwohl die erste Staffel von „Yellowstone“ in erster Linie dazu diente, die Figuren in der Serie vorzustellen, geizte bereits sie nicht mit allerlei toughen Schilderungen der schwierigen Lebens- und Familienverhältnisse der Sippe und der Menschen aus ihrem Umfeld.
Staffel zwei jedoch legt, was dies angeht, noch eine gehörige Schippe drauf. Diese präsentiert mit A Thundering („Ein Sturm zieht auf“), New Beginnings („Grabenkämpfe“), The Reek of Desperation („Der Geruch der Verzweiflung“), Only Devils Left („Nur noch Teufel“), Touching Your Enemy („Den Feind berühren“), Blood the Boy („Junge in Blut“), Resurrection Day („Tag der Auferstehung“), Behind Us Only Grey („Hinter uns nur Grau“), Enemies by Monday („Feinde bis Montag“) und Sins of the Father („Die Sünden des Vaters“) diesmal zehn statt neun Folgen wie Staffel eins, welche dafür jedoch mit einem 90-Minuten-Piloten startete.
Spitzen-Cast

Insbesondere hervorzuheben ist auch diesmal die erstklassige Besetzung bis in die kleinsten Nebenrollen und die Ambivalenz der einzelnen Charaktere, die hier noch weiter ausgebaut beziehungsweise von Anfang an überaus konsequent gezeichnet werden. Gute Beispiele hierfür sind neben dem zweifelnden Gebrandmarkten Walker auch die frühere Stripperin und jetzige Pferdepflegerin Avery (Tanaya Beatty, The Night Shift) oder auch Jimmy, der sich vom Dorftrottel für die Cowboys zur tragischen, aber schließlich auch respektierten Figur wandelt.
Auch insgesamt verfeinert Serienmacher Sheridan (der im Gegensatz zur samt und sonders von ihm inszenierten ersten Staffel in der zweiten bei keiner einzigen Folge selbst Regie führt) seine ausgesprochene Spezialität, selbst hochgradig zwiespältig gezeichnete Hauptfiguren trotz aller möglichen begangenen Untaten niemals nur als reine Unsympathen darzustellen.
Stets bleiben ihnen genügend menschliche Züge übrig, um sie trotzdem zu mögen, jedenfalls irgendwie. Besonders hart trifft es diesmal zunächst den bereits in Staffel eins leidgeprüften karrieristischen Anwalt Jamie, den eine hitzköpfig und unbedacht von ihm selbst herbeigeführte Konfliktsituation gar zum Mörder werden lässt.
Auf der anderen Seite steht Johns Hingezogenheit zu seinem einzigen Enkel Tate. Dem Jungen liest der seinen eigenen Kindern gegenüber stets distanziert und abweisend auftretende Patriarch jeden Wunsch von den Augen ab, ein Umstand, den seine Gegner letztlich auf schwerwiegende Weise ausnutzen. Auch Kayces Frau Monica findet trotz Johns anfänglicher Ablehnung ihrer Person schließlich Verständnis und Wärme bei dem harten Rancher.
Hilflos muss seine leibliche Tochter Beth dabei zuschauen, wie ihr Vater der Mutter seines Enkels genau die Schulter zum Anlehnen bietet, die sie selbst so oft in ihrer Vergangenheit dringend gebraucht hätte und noch immer bräuchte. Damit schwindet für den Zuschauer auch bei Beth endgültig jede Frage bezüglich ihrer Entwicklung zu der gnadenlosen Furie, die schließlich aus ihr wurde. Man kann die tiefe Bitterkeit der Figur förmlich spüren.
Bei den Antagonisten hingegen klammert Sheridan jeglichen Aufbau eventueller Sympathien zumindest weitestgehend strikt aus. Gegen Fieslinge wie die beiden finsteren Beck-Brüder nahm sich einstmals die verfeindete Familie Barnes aus Dallas (2012) aus wie die reinsten Chorknaben.
Im Zuge der geschilderten Machenschaften bedient „Yellowstone“ sich einer Härte, die selbst in den intrigantesten aller 70er-Jahre-Soap Opera-Fernsehszenarien unvorstellbar gewesen wäre und die man eher im harten Thriller-, wenn nicht gar Horrorgenre vermuten würde. Insgesamt versteht man meisterlich, die bereits sehr gelungene erste Staffel noch zu toppen und behält trotzdem den schon dort eingeschlagenen Stil bei.
Bei alledem bleibt den Machern trotzdem noch genügend Raum, um die Chronik des in sich zerrissenen Familienclans teilweise in ausgesprochen epische und malerische Bilder des rauen, aber ungemein idyllischen Montana zu kleiden.
Bröckelnde Macht
Eher am Rande der Geschehnisse erfährt man in Staffel zwei auch Näheres darüber, dass der enorme Einfluss der Duttons mehr und mehr im Schwinden begriffen ist. Beim gnadenlosen Ränkespiel, dass die Beck-Brüder eingefädelt haben (wobei der durch Auftritte in Filmen wie „Star Trek: First Contact“ bekanntgewordene Neal McDonough weit über seinen Serienbruder Terry Serpico herausragt) geht es schließlich um weit mehr als lediglich Prestige und Ansehen der alteingesessenen Sippe. Dies geht so weit, dass selbst der Konflikt mit Häuptling Rainwater vom benachbarten Großreservat in die Warteschleife gelegt wird und man sich angesichts dessen eigener Bedrohungssituation schließlich verbündet. Und zwar genau bis Montag.
Keine Ruhepause auf Yellowstone

Nach einem dramatischen und actionreichen Finale von Staffel zwei (in dem quasi nebenbei der organisierte Rassismus in den USA thematisiert wird) würde man selbst den toughen Duttons in der nachfolgenden Season erst einmal eine kleine Ruhepause gönnen. Doch ohne bereits Staffel drei spoilern zu wollen, ist im noch immer wilden Montana gar nicht an dergleichen zu denken.
Kurz gesagt: Wer nicht bereits durch Staffel eins von „Yellowstone“ zum Fan der Serie geworden ist, wird dies sicherlich auch nicht durch die Nachfolge-Season werden. Doch die zahlreichen Freunde epischer Familiensagen in knüppelhartem Neo-Western-Stil bleiben auch in Season zwei bestens bedient mit der sozusagen retro-innovativen Serienwelt. Da sich diese gegenüber Staffel eins noch einmal steigert, ist sie somit viereinhalb von fünf Lassos wert.
Hier ein englischer Trailer zur zweiten Staffel von „Yellowstone“:
Verfasser: Thorsten Walch am Sonntag, 25. Februar 2024(Yellowstone 2x10)
Schauspieler in der Episode Yellowstone 2x10
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