Willow 1x06

© zenenfoto aus der Willow-Folge Die Gefangenen von Skellin (c) Disney+
Das passiert
Während Airk versucht, den Ruinen der Vorgeborenen Stadt zu entkommen, brechen Scorpia, Jade, Thraxus, Graydon und Elora auf, um Willow und Kit aus den Klauen der Trolle zu befreien. In den Minen von Skellin suchen sie nach ihren Freunden, die es derweil mit dem alternden Krieger Allagash zu tun bekommen. Dieser kannte nicht nur Madmartigan, sondern weiß auch, wo er und der Kürass von Kymeria sich befinden. Im Grab eines legendären Nelwyn-Helden kommt es zum Showdown, bei dem sich zeigt, auf welcher Seite Thraxus wirklich steht.
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Kein neuer Schock
Nach der in fast allen Belangen verhunzten fünften Folge gelingt Die Gefangenen von Skellin etwas besser, auch wenn die Serie sich noch einmal mächtig steigern muss, um zu einem würdigen Staffelabschluss zu gelangen. Zu oft reißen die unpassend platzierten Gags aus der Immersion und zerstören die gerade erst so mühsam aufgebaute Atmosphäre. Wenn unsere Helden die Minen von Skellin betreten, scheint sich die Geschichte mit einem gewissen Ernst der Befreiung von Willow und Kit zu widmen.
Der Eindruck geht jedoch sogleich wieder den Bach herunter, wenn Graydon und Elora mitten in einem Kampf um Leben und Tod im Vordergrund in bester Teenie-Manier über ihre Gefühle debattieren. Schon klar, die Serie richtet sich ohne Frage an ein jüngeres Publikum. Doch es gibt zahlreiche ältere Fans da draußen, die den Film liebten und gerne mit ihren Kindern mitschauen. Pubertäre Jokes in angemessenen Dosen lassen sich ja ohne Weiteres verschmerzen, doch das Autoren-Duo Hannah Friedman und Stu Selonick tragen oft zu dick auf.
Immerhin spielt Willow in einer High-Fantasy Welt, in die man als Zuschauer abtauchen möchte und in der man vor allem auch über die Folgen hinweg verweilen mag. Wenn aber der Trollboss an eine College-Version der Morlocks aus „The Time Machine“ von 1960 erinnert, Thraxus wieder einmal den Mund zu voll nimmt und sich gleichzeitig ein auf ironisch getrimmtes Teenie-Drama abspielt, ist das eindeutig zu viel des Guten. Mit anderen Worten: Progressives Storytelling geht anders.
Gute Ansätze

Das ist umso mehr schade, als dass die Episode einige gute Ansätze zeigt. Die Flucht aus den Krähenkäfigen, in die Willow und Kit gepfercht werden, ist unterhaltsam anzusehen, zumal mit Allagash (witzig gespielt von Christian Slater, Mr. Robot) eine recht smarte Figur in Erscheinung tritt. Der Charakter ist nicht nur skurril angelegt, Allagash ist pfiffig, mutig und hat bei allem Zweifel an seiner Integrität das Herz am rechten Fleck. Außerdem begleitete er einst Madmartigan und Thraxus Borman auf der Suche nach dem Kymerischen Kürass, der sich - Wunder über Wunder - in den Tiefen der Skellin-Minen verbirgt. Zugegeben, die Idee ist nicht sonderlich innovativ, dennoch erfahren wir so mehr über das Schicksal Madmartigans.
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Die Suche nach der Grabkammer des altvorderen Nelwyn-Abenteurers Wiggleheim ist stellenweise erneut zu dunkel gefilmt, sorgt aber dafür, dass man sich endlich wieder in einer Fantasy-Story mit mittelalterlichem Setting wähnt. Schön ist, dass auf der einen Seite Allagash, Willow und Kit nach der Kammer suchen, während Scorpia, Thraxus und Jade zwangsläufig einen anderen Weg einschlagen.
Das Aufeinandertreffen von Thraxus und Allagash gerät wenig überraschend zu einer handfesten Prügelei, bei der sich die beiden ehemaligen Freunde vorwerfen, einander betrogen zu haben. Am Ende erweisen sich beide als Schurken, was nicht anders zu erwarten war. Dennoch macht es durchaus Spaß, die Heldengruppe dabei zu beobachten, wie sie Wiggleheims letzte Ruhestätte betreten und von dessen Stimme mit Rätseln überhäuft werden.
Die Szenen in der Kammer sollen wohl nicht ganz zufällig an „Indiana Jones“, „Tomb Raider“ und Co erinnern, wenn sie auch wesentlich weniger spektakulär ausfallen. Selbstredend öffnet sich die Tür zum Schatz irgendwann. Allagash und Borman versuchen gleichzeitig an den Kürass zu gelangen und prügeln sich wie die Pennäler um das gute Stück.
Um der Slapstick dann doch ein wenig echtes Willow-Feeling entgegenzusetzen, hat das Autoren-Team sich etwas einfallen lassen, das aller Ehren wert und die beste Szene der Folge ist. Kit beachtet die Streithähne nicht weiter und betritt den Schatzraum, hat ihr Allagash doch zuvor berichtet, dass ihr Vater dort den Kürass entdeckt hat und von Thraxus verraten wurde. Tatsächlich findet sie sein Schwert. Und nicht nur das. In einer Art rundem Spiegel erscheint ein magischer Durchgang, aus dessen Nebel Madmartigan seine Tochter um Hilfe anfleht. Nun wissen wir endlich, dass der alte Haudegen noch lebt und es vielleicht doch noch ein Wiedersehen mit ihm gibt.
Als Funfact sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Stimme, die wir in der Originalfassung vernehmen, jene von Jack Kilmer (Val Kilmers Sohn) ist.
Troll-Haue
Kurz vor dem Finale der Folge dürfen wir dann noch einen nett choreografierten Kampf miterleben, der uns den Abschied vom nun doch heldenhaft agierenden Allagash schwer macht. Schade eigentlich, die Figur hätte sicherlich ein wenig Würze in den Alltag der Heldengemeinschaft gebracht. Trotz einiger obligatorischer Sprüche ist die Szene kurzweilig und hübsch actionlastig. So was macht immer Spaß, zumal die beiden fast schon schrulligen Troll-Bosse dabei das Zeitliche segnen.
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Die letzten Augenblicke gehören wieder Airk Tanthalos (Dempsey Bryk), den die Vettel offenbar zum Bösen bekehren will. Die Flucht aus den Ruinen ist nicht geglückt, doch der Königssohn trifft in einem Kerker auf die mysteriöse Lili (Rosabell Laurenti Sellers, Game of Thrones), die dort auf ihre Befreiung hofft. Ob die junge Frau eine willfährige Gehilfin der Vettel oder wirklich eine Gefangene ist, wird sich in den letzten beiden Folgen zeigen.
Fazit

Im Vergleich zu Der Wildwald ist Die Gefangenen von Skellin eine echte Steigerung, wenn es auch einiges zu mäkeln gibt. Bormans Gags nutzen sich allmählich ab und das pubertäre Beziehungsdrama zwischen Graydon und Elora findet zunehmend zu den unpassendsten Zeiten an den unmöglichsten Orten statt. Der Plan, dem Fantasy-Genre mit einem Augenzwinkern zu begegnen, geht zu oft nicht auf, weil die komödiantischen Anteile die Atmosphäre stören und sich wie eine halbherzige Kopie von Legenden wie Monty Python anfühlen.
Will Willow nun pure Comedy - eine Verballhornung erster Güte - sein oder eine epische Geschichte mit Slapstick-Elementen erzählen?
Diese Frage ist letztlich schwer zu beantworten, weshalb das Konzept wenig durchdacht wirkt. Dennoch hat die Folge auch ihre starken Momente. Christian Slater als Allagash, die Reminiszenzen an „The Lord oft he Rings“, „Indiana Jones“, „Star Wars“ (man höre einmal genauer auf die Musik) oder „Conan the Barbarian“ (Kymeria aka Cimmerien und Khromium bzw. Crom) gehören dazu. Die witzigen Szenen in der Grabkammer und der Finalkampf gegen die Trolle gehen ebenfalls in Ordnung. Gleiches gilt für die Beziehung zwischen Jade und Kit. Doch wirklich rund fühlt sich das Ganze noch lange nicht an. Bleibt zu hoffen, dass sich der Plot in den letzten zwei Folgen wieder mehr in Richtung Epik bewegt.
Von uns gibt es diesmal dreieinhalb von fünf Zauberstäben.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 29. Dezember 2022(Willow 1x06)
Schauspieler in der Episode Willow 1x06
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