Willow 1x07

© zenenfoto aus der Folge Jenseits der Zerteilten See der Serie Willow (c) Disney+
Das passiert
Willow und seine Freunde erreichen die Zerteilte See. Die Überquerung des unermesslich erscheinenden Meers erweist sich jedoch als fast unmögliches Unterfangen, denn wer sich dort hineinwagt, findet nie wieder heraus. Die Helden verlieren jegliches Gefühl für die Zeit und wandern ziellos umher, bis sie plötzlich vor einem gewaltigen Wasserfall stehen, der in einen endlosen Abgrund führt. Doch wo ist die Vorgeborene Stadt und welche Abenteuer müssen die Helden noch bestehen, um sie zu erreichen? Da hat Kit eine ebenso mutige wie verrückte Idee. Elora und sie springen ins Ungewisse.
Geht doch
Na, also! Nach dem schwachen Mittelteil beweisen Jonathan Kasdan und sein Team kurz vor dem Staffelfinale doch noch, dass sie es können. Endlich beginnt Willow wieder, sich und seine Geschichte ein wenig ernster zu nehmen und dennoch einen gewissen jugendlichen Witz und Charme zu versprühen.
Sicherlich kann man über das Stilmittel, Rockmusik zur Untermalung bestimmter Szenen in einer mittelalterlichen Welt zu verwenden, streiten. Ebenso muss einem die Kostümauswahl, die stellenweise arg an Xena: Warrior Princess und Co erinnert, nicht unbedingt gefallen. Ähnliches gilt für Thraxus' bissige Sprüche, die nicht immer den passenden Ton in der jeweiligen Szene finden. Doch das alles ist reine Geschmackssache, zumal uns die Serie immer wieder daran erinnert, welches Zielpublikum letztlich anvisiert wird. Lässt man die ohnehin nicht mehr änderbaren genannten Details aber einmal wohlwollend außer Acht, ist Jenseits der Zerteilten See richtig gute Fantasy.
Die Zerteilte See
Die See ist ein wahrlich seltsamer Ort, der trist und schön zugleich ist. Wer sie durchstreift, verliert jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Das wird besonders deutlich, als die Helden eine Fischerhütte entdecken, die mitten auf dem Watt-artigen Niedriggewässer steht. In ihr lebt der schrullige Zeb (Julian Glover), der glücklicherweise nicht ganz so skurril wie Hubert und Anne in The Battle of the Slaughtered Lamb ist und zumindest eine Funktion erfüllt. Er klärt Willow und seine Getreuen darüber auf, dass er einst einer von drei Paladinen aus Kashmir war, die loszogen, um ihre entführte Prinzessin zu finden. Dass dies mehr als nur ein paar Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte her ist, wird kurz vor dem Ende der Folge deutlich.
Obwohl die vermittelte Information nicht unwichtig ist, passt die Szene an sich jedoch nicht ganz zum ernsteren Ton der Episode, was ein wenig schade ist. Der immer wieder durchblitzende „Tom-Sawyer-Look“, (Holzfällerin in Jeansjacke, oder eben Zeb mit Strohhut und Latzhose) muss einfach nicht sein und schadet dem Ambiente insgesamt mehr, als er nützt. Damit hat es sich aber auch schon mit dem Meckern, denn ansonsten gestaltet sich die Wanderung durch die See atmosphärisch und sogar spannend.
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Angriff und Verteidigung
Dazu tragen vor allem zwei Komponenten bei. Nach ihrem Besuch bei Zeb setzen die Gefährten ihre Reise mit einem Schlitten fort, der von einem knuffigen, Fuchur-artigen (der aus dem Filmklassiker „The NeverEnding Story“) Wesen gezogen wird. Plötzlich tauchen die Schergen der Welken Vettel auf und verfolgen die Helden. Die Szene ist in typischer Westernmanier wie die Jagd von Gangstern auf eine Kutsche gefilmt und insgesamt ansehnlich und actionreich inszeniert. So sehr sich die Freunde auch wehren, sie können dem Doom und der Dag nicht entkommen, bis etwas Unvorhergesehenes geschieht.
Graydon entpuppt sich nämlich als magiebegabt und kanalisiert seine Kraft durch seine geliebte Flöte, die ihm nun als Zauberstab dient. Damit ändert sich auch sein Stellenwert innerhalb der Erzählung. Er ist nicht mehr das fast nutzlose Anhängsel der Truppe, den man kaum beachtet, sondern ebenso talentiert wie Elora. Und das nutzen die Autoren, denn die Zauberin beginnt endlich aufrichtig mit Willow und mit Graydon zu trainieren. Dasselbe gilt für Jade und Kit, die sich nun ebenfalls auf den unweigerlichen Showdown vorbereiten. In gefühlvollen und schönen Momenten dürfen sich die Frauen dann endlich ausgiebig küssen und Graydon gesteht Elora seine Liebe. Die Szenen sind harmonisch ins Geschehen eingefügt und rücken uns näher an die Protagonisten heran, gut so.
Der Weg der Vettel
Im B-Plot, der sich hauptsächlich zu Beginn, im Mittelteil und am Ende der Folge abspielt, geht es um Airk, der ebenfalls eine Entwicklung durchlebt, wenn auch anders als gedacht. Lili und er kommen sich näher und irgendwann erzählt sie ihm, dass sie einst eine Prinzessin aus Kashmir war, die vor langer Zeit entführt wurde. Hier stellen die Skript-Schreiber Julia Cooperman und Bob Dolman den oben angedeuteten Bezug zum ehemaligen Paladin Zeb her, der sich im fortgeschrittenen Rentenalter befindet, während Lili eine junge Frau ist. Doch warum ist er gealtert und sie nicht und wie lange wandelt sie schon durch die Ruinen der Vorgeborenen Stadt?
Dem aufmerksamen Publikum dürfte die Antwort auf die Fragen ohnehin auf der Zunge gelegen haben, doch nun wird sie ausgesprochen. Lili ist niemand anderes als die Welken Vettel, die sich einst der Sekte des Magie fressenden Wurms verschrieb und zur mächtigen Hexe mutierte. Airk wehrt sich zunächst dagegen, von ihr korrumpiert zu werden, doch er nimmt seit Wochen eine mysteriöse Flüssigkeit zu sich, die ihn immer mehr zu einem der ihren macht.
Schließlich ergibt er sich und wird nun zu ihrem dunklen Ritter, der kostümtechnisch tatsächlich eine unverkennbare Ähnlichkeit zu Anakin Skywalker kurz vor seiner Verwandlung in Darth Vader aufweist. Das ist nur eine von vielen kleinen Avancen an George Lucas' Vermächtnis und Disneys großes Zugpferd.
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Die Technik
Abschließend sollen noch ein paar Sätze zur technischen Seite der Show verloren werden. Fans kritisieren immer wieder, dass Willow im Gegensatz zu anderen großen Genrevertretern der Konkurrenz billig aussehen würde. Tatsächlich arbeiten die Macher offensichtlich viel mit einer LED-Wand (Volume) und vor dem Green Screen. Dass die Serie nicht die Qualität von Game of Thrones oder The Lord of the Rings: The Rings of Power erreicht, ist richtig.
Andererseits beweisen Folgen wie Das Flüstern von Nockmaar und jetzt Jenseits der Zerteilten See wie gut sie aussehen kann. Llanharan in Wales, wo viele der Aufnahmen entstanden, ist eine tolle Location, die als stimmungsvolle Basis für die Drehs vor der AR-Wand und in den Kulissen dient. Zusammengefügt ergeben sich so vor allem in der aktuellen Folge schöne Bilder, die Freude bereiten und zu gefallen wissen.
Fazit

Wer hätte gedacht, dass sich „Willow“ noch einmal fängt und kurz vor dem Staffelfinale eine so hübsche Folge abliefert? Nach der Durststrecke im Mittelteil war das auch bitternötig... Jenseits der Zerteilten See sieht hübsch aus, hat bis auf einen kleinen Ausrutscher einen ansprechenden Ton und wird spannungsvoll vorgetragen. Endlich fahren die Macher die zu vielen Skurrilitäten zugunsten des Narrativs zurück und lassen uns wieder in eine zwar eigenwillige, letztlich aber glaubwürdige Fantasy-Welt eintauchen. Mit ein paar Abzügen in der B-Note gibt es dafür vier von fünf Zauberstäben.
Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 4. Januar 2023(Willow 1x07)
Schauspieler in der Episode Willow 1x07
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