Willow 1x05

Willow 1x05

Mit Der Wildwald erreicht die High-Fantasy-Serie Willow nach der starken vierten Folge einen Tiefpunkt. Statt einer epischen Wanderung landen die Helden in einem lichten Gehölz und feiern eine sinnlose Party mit dümmlichem Herumgetanze und schlecht geschriebenen Gags vor ärmlicher Kulisse.

Szenenfoto aus der Willow-Folge Der Wildwald (c) Disney+/Lucasfilm
Szenenfoto aus der Willow-Folge Der Wildwald (c) Disney+/Lucasfilm
© zenenfoto aus der Willow-Folge Der Wildwald (c) Disney+/Lucasfilm

Das passiert

Nachdem Willow (Warwick Davis) und seine Gefährten aus Nockmaar geflohen sind, werden sie von den Schergen der Welken Vettel gejagt. Sie fliehen in den Wildwald, wo sie von einer gefährlichen Horde Knochenräuber gefangengenommen werden. Doch noch ist nicht alles verloren, denn Thraxus verbindet mit der Anführerin Scorpia (Adwoa Abdoah) mehr als nur eine Bekanntschaft.

Doch die Outlaw ist alles andere als erfreut, den großmäuligen Kämpfer wiederzusehen. Als sich aber herausstellt, dass Jade in Wirklichkeit die Tochter von General Kael und Scorpias Schwester ist, wendet sich das Blatt zugunsten der Helden.

Eine böse Überraschung

Oha. Was ist da nur passiert? Nach der spannenden und gut inszenierten vierten Folge Das Flüstern von Nockmaar ist Der Wildwald ein regelrechter Schock und ein grober Ausrutscher nach unten. Schon der Einstieg gestaltet sich alles andere als gut geschrieben.

Standen The Doom und die Schwingenzauberin The Dag soeben noch auf den Zinnen der verfallenen und verfluchten Burg Nockmaar, verfolgen Sie nun im Morgengrauen die Heldengemeinschaft. Es gibt weder eine Einleitung, noch sonst irgendwas, das uns darüber aufklärt, was in der Zwischenzeit geschah und wie lange es bis zum Angriff dauerte. Im Schweinsgalopp flüchten Willow, Thraxus, Elora und die anderen durch irgendwelche Ruinen, ohne eine Chance, ihren Gegnern standzuhalten oder zu entkommen. Die Schnittfolge kommt fahrig daher und bleibt blutleer, nicht zuletzt, weil die Action in viel zu kurzen Schritten abgehandelt wird und die Monster wenig gefährlich agieren.

Wo geht's in den Wald?

Ein kurzer Blick auf das undurchdringliche Unterholz des Wildwaldes und ein Satz Willows genügen, um zu wissen, dass die Flucht dorthin die einzige Option ist. Doch warum eigentlich? Ein Riesenmonster wie der Unheilbringer, der Verdammte, fürchtet, so wurde uns bisher suggeriert, nichts und niemanden. Schürt diese Erkenntnis noch kurzfristig die Neugier, wird diese jedoch in der nächsten Szene schon wieder zunichtegemacht. Nicht nur, dass die paar Bäume, die als Wald herhalten müssen, mittels schlecht gemachter CGI zu einem endlos erscheinenden Urwald heranwachsen, der so dicht ist, dass kaum ein Sonnenstrahl den Boden erreicht.

Die ersten Schritte hinein offenbaren auch noch, dass man sich eher in einem Park wähnt, als in einem Dickicht. Das ist ein Atmosphäre-Killer par exellence, den man mit einer besseren Location leicht hätte vermeiden können. Noch ärgerlicher wird es, als die Hauptfiguren von Knochenräubern in mittelprächtigen Kostümen entführt und zu einem viel zu kleinen und ärmlich ausgestatteten Set geschleift werden. Da wähnt man sich fast in der guten alten Zeit von Serien wie „Hercules“ und fragt sich unwillkürlich, ob die Vorgängerepisode so teuer war, dass dem Produktions-Team nun das Geld ausgegangen ist...

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Albernheiten

Das alles ist nicht schön, ließe sich aber vielleicht noch verschmerzen, wenn das Drehbuch mit einer spannenden Handlung glänzen könnte. Doch auch die bleibt uns versagt. Vielmehr ergeht sich die Episode ein ums andere Mal in entweder peinlich albernen oder unnötig steifen Dialogen, die zum Beispiel in Haudraufmanier den nicht sonderlich innovativen Background von Jade etablieren.

Fast zum Fremdschämen gestaltet sich leider das herbeigesehnte Wiedersehen mit dem aus dem Film bekannten und beliebten Brownie Rool (Kevin Polak). Statt dass der Krieger ein letztes Mal zur Höchstform auflaufen darf, lässt Autorin Hannah Friedman dessen Teenie-Tochter Ganush (Amalia Vitale) auftreten, eine vollkommen am Flair der Serie vorbeigeschriebenen Figur mit typisch schnippischen Sprüchen, wie man sie heutzutage bisweilen vom eigenen Nachwuchs zu hören bekommt.

Allerdings ist das nicht der einzige Anachronismus der Episode. Als endlich herauskommt, dass Jade die Tochter von General Kael ist (der gar nicht mehr so böse wie einst im Film sein soll, weil die Knochenräuber in Wirklichkeit Sklaven waren), schmeißt die Bande eine große Party. Und plötzlich entpuppen sich mordlüsterne Krieger, die ausgebleichte Menschenschädel als Masken tragen, als nette Zeitgenossen.

Man tanzt zu einem Popsong, lauscht dem mächtigen Toth (Charlie Rawes) dabei, wie er mit Elora über das Kochen philosophiert und Graydon, wie er seine Liebe zu Elora Danan kundtut. Spätestens ab hier passt gar nichts mehr zusammen. Die Dialoge zwischen Scorpia und ihrer Schwester Jade sind unglaubwürdig, die Songauswahl und das Gehupfdohle der Feiernden mehr als nur unpassend und die Kameraführung hat etwas von einer gestandenen Seifenoper.

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Der einzige Lichtblick ist der intime Moment zwischen Jade und Kit, die endlich das Offensichtliche aussprechen und sich ihre Liebe gestehen. Gut, auch das ist nun nicht unbedingt eine Neuerung und eigentlich schon seit der Debüt-Folge klar. Doch die entsprechende Szene ist hübsch geschrieben und gefühlvoll in Szene gesetzt. Leider kommt es nicht einmal zum Kuss zwischen den beiden, weil Kit plötzlich wie aus dem Nichts in die Baumkronen entschwindet. Trolle haben die Unachtsamkeit der Räuber ausgenutzt und sich angeschlichen. Nun überfallen sie das Lager und rauben zahlreiche Menschen, um sie als Sklaven in irgendwelchen Minen zu verheizen. Auch dieser kurze, eher mittelmäßige Spannungsmoment rettet die Story aber nicht.

Fazit

Was für eine verhunzte Episode, die die bisher eigentlich recht hübsche Serie fast ins Bodenlose sinken lässt. Ob sich Willow von diesem Zuschauerschreck noch einmal erholt, vermag wohl niemand an dieser Stelle zu beantworten. Der Wildwald macht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Die Episode ist in allen Belangen ein reiner Atmosphäre-Killer mit einem langweiligen Plot, fürchterlichen Dialogen und pubertären Albernheiten vor einer armselig wirkenden Kulisse.

Die Nebendarsteller erreichen teilweise nur Statistenniveau. Zu allem Überfluss geht Rools Auftritt, auf den sich sicherlich zahlreiche Fans gefreut haben dürften, vollkommen in die Hose. Nach Kits Entführung ist auf jeden Fall klar, dass es nun in das Reich der Trolle geht, um die Verschleppten zu befreien. Weniger klar ist hingegen, wann es endlich in der Geschichte weitergeht und ob sich Jonathan Kasdan und sein Writers Room künftig derartige Ausrutscher verkneifen können. Fakt ist: Bei einer Staffel mit gerade mal acht Folgen darf man sich so etwas einfach nicht erlauben.

Von uns gibt es deshalb dieses Mal leider nur eineinhalb von fünf Zauberstäben.

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Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 21. Dezember 2022
Episode
Staffel 1, Episode 5
(Willow 1x05)
Deutscher Titel der Episode
Der Wildwald
Titel der Episode im Original
Chapter V: Wildwood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 21. Dezember 2022 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 21. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 21. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 21. Dezember 2022
Autoren
Hannah Friedman, Jonathan Kasdan, George Lucas
Regisseur
Philippa Lowthorpe

Schauspieler in der Episode Willow 1x05

Darsteller
Rolle
Amar Chadha-Patel
Ellie Bamber
Ruby Cruz
Kit
Erin Kellyman

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