Willow 1x04

Willow 1x04

Mit Folge vier, Das Flüstern von Nockmaar, legt die Fantasy-Serie Willow auf Disney+ ihre bisher stärkste Episode vor. In den verlassenen Gemäuern Nockmaars geht es in einer toll inszenierten Geschichte um nicht mehr oder weniger als das Leben des Prinzen von Galladoorn - und das auf höchst unterhaltsame Art.

Szenenfoto aus der Willow-Folge Das Flüstern von Nockmaar (c) Disney+/Lucasfilm
Szenenfoto aus der Willow-Folge Das Flüstern von Nockmaar (c) Disney+/Lucasfilm
© zenenfoto aus der Willow-Folge Das Flüstern von Nockmaar (c) Disney+/Lucasfilm

Das passiert

Graydon wurde während des Gefechts am Geschlachteten Lamm mit einer Lich-Klinge verletzt und ist nun vom Bösen korrumpiert. Um einen Gegenzauber vorzubereiten und durchführen zu können, suchen Willow und seine Gefährten in der schwarzen Burg Nockmaar Unterschlupf, wo der Zauberer die nötigen Zutaten zu finden hofft. Doch in der gefallenen Festung wohnt noch immer der mächtige Geist Bavmordas, und das Blut der Sechs pocht in Kit. Während die alten Gemäuer die Helden in der Nacht zu verwirren und zu täuschen versuchen, wird der Lich in Graydon immer stärker. Bald schon übernimmt er die Oberhand und es gelingt ihm, Elora in den Hohen Turm zu locken, wo er das einst von Bavmorda begonnene Ritual, das unendliche Macht verspricht, zu Ende bringen will.

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Magische Momente

Das Flüstern von Nockmaar ist die bislang beste Folge der Staffel, und zwar mit Abstand. Dienten die ersten beiden Teile als Einführung in die Welt und die Geschichte sowie Episode drei dazu, die Quest und ihre Gefahren zu beleuchten, geht es nun hinter den verfluchten Mauern der verlassenen Burg zur Sache. Willow und seine Getreuen finden sich nach den Ereignissen beim Geschlachteten Lamm im toll ausgestatteten Thronsaal wieder, wo sie den mit einer Lich-Klinge verletzten Graydon direkt vor dem Herrscherstuhl anketten.

Wieso sich an jener Stelle Eisenfesseln finden, erklärt uns Thraxus in seiner gewohnt zynischen Art. Bavmorda liebte es, wie er erzählt, „wilde Partys“ zu feiern und dabei tagelang die Unglücklichen zu foltern, die ihr in die Hände fielen. Überhaupt lockern die Sprüche des Kriegers die ansonsten recht düstere, manchmal sogar gruselige Atmosphäre immer wieder auf, so dass dem vierten Teil eine hübsche Mischung aus Spannung, Mystery, Action und Humor eigen ist, klasse.

Schnörkellose Erzählkunst

Schön ist zudem, dass sich das Autoren-Team Jonathan Kasdan und Julia Copperman unnötige Schlenker innerhalb der Story sparen und das Publikum geradewegs durch die Geschichte führen. Zwar fließen immer wieder die Ereignisse aus dem Film mit ein, doch entweder sind diese in Dialoge verpackt, oder in Rückblenden, die aber nicht aus dem Geschehen reißen, sondern sich wie eine Art Erinnerungsschatten im Beisein der Protagonisten abspielen. Das ist eine nette Idee, die nicht nur den Bezug zum Original aufrechterhält, sondern auch bisher unbekannte Ereignisse beleuchtet. Und das, ohne dabei die zeitliche Ebene des sich soeben abspielenden Abenteuers aus dem Fokus zu verlieren. Es geht um Graydons Rettung und darum, wie sich der Prinz von Galadoorn gegen das Böse zur Wehr setzt.

Figurenentwicklung

Das klingt zunächst einmal simpel, ist aber doch so viel mehr, weil die bisher doch etwas ins Hintertreffen geratene Figur des Graydon endlich stärker die Geschehnisse eingebunden wird. Tony Revolori hat sichtlich Spaß daran, die schmale schauspielerische Komfortzone, in der er sich bislang bewegte, zu verlassen und sich von einer dunklen Seite zu zeigen. Außerdem wird klar, dass auch auf seiner Vergangenheit tiefschwarze Schleier liegen, die er nicht zu lüften vermag. Er fühlt sich für den Tod seines Bruders verantwortlich, oder ist es vielleicht sogar, je nachdem wie man die entsprechende Szene interpretiert, in der Elora Danan ihm den Lich austreibt.

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Auch die Auserwählte zeigt neue Facetten. An ihrem Geburtsort, Bavmordas Burg, wird ihr klar, dass sich ihre Mutter einst dafür opferte, dass sie die Welt in der Zukunft von der Schreckensherrschaft der Vettel befreit. Nun ist die Zeit gekommen und Elora wird sich ihrer Macht bewusst. Nur deshalb ist es ihr möglich, den Prinzen zu retten. Währenddessen irrt Kit durch die Burg ihrer verdorbenen Großmutter und spürt, dass auch in ihr und Airk das Blut der Sechs pocht, der sechs Feen, die vor Äonen die Ur-Mütter verrieten, um der dunklen Macht zu dienen. Ist sie zu Beginn der Episode noch gewohnt zickig, reift sie nun allmählich zu einer Heldin heran, die endlich in Elora die Hoffnung der Neun Reiche erblickt. Das wurde höchste Zeit und macht entsprechend Spaß.

Von düster bis gruselig

Auf inszenatorischer Ebene hat sich ebenfalls einiges getan. Schon The Battle of the Slaughtered Lamb fühlte sich deutlich düsterer an, wobei das Gefecht am Geschlachteten Lamm tatsächlich zu dunkel fotografiert war. Die aktuelle Episode ist wesentlich besser ausgeleuchtet, der Spagat zwischen dem fast schon Horror-artigen Setting, und guter Sichtbarkeit gelingt im Thronsaal, in den Gewölben und vor allem im Hohen Turm hervorragend. Die Szenerie fühlt sich stets bedrohlich, mysteriös und von böser Magie aufgeladen an. Sicherlich kommt das Set-Design Genre-typisch daher, doch schließlich handelt es sich um High Fantasy, zu der verlassene Burgen, Vorratskammern mit allerlei alchemistischen Utensilien und geheime Türen einfach dazugehören.

Nockmaar steckt voller schrecklicher Erinnerungen und die Mauern scheinen von Tod und Verderbnis zu kunden. So sehr, dass die Helden lockende Stimmen zu vernehmen glauben, die sie in den Untergang führen wollen. Dieser Umstand wird nicht nur stimmig visualisiert, sondern wirkt sich auch klanglich in Form eines Mystery-artigen Sounddesigns aus. Dem steht vor allem gegen Ende die epische Musik von Xander Rodzinski gegenüber, die den Sonnenaufgang ankündigt und die Weiterreise der Gefährten untermalt.

Ein Ausblick

Die rund 48-minütige Episode endet mit einem spannenden Ausblick auf das Ziel der Reise der Heldentruppe. Während Willows Austreibungszauber sagte der Lich, dass sich Airk allein in einer dunklen Zelle befindet und genau die bekommen wir nun zu sehen. Allerdings steht die Gittertür weit offen, so dass sich Kits Bruder aus dem Kerker wagen kann. Doch im Freien angekommen, steht er in den Ruinen einer riesigen, einst mächtigen Metropole, womöglich die Vorgeborene Stadt.

Die Antwort auf die Frage, was mit dem Ort geschehen ist und warum Airk als Einziger überlebt zu haben scheint, lässt das Finale klugerweise offen, so dass die Vorfreude auf die nächste Folge umso mehr steigt. Last but not least stehen wie aus heiterem Himmel plötzlich der monsterartige Doom und die Schwarzmagierin, die im ersten Teil Sorshas Burg angriffen, auf den Zinnen von Nockmaar, um die Verfolgung der Heldengemeinschaft aufzunehmen.

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Fazit

Das Flüstern von Nockmaar ist durch und durch tolle High Fantasy mit einem kleinen Schuss Mystery gewürzt. Die Folge ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ebenso spannend wie informativ und entwickelt genau die Figuren weiter, die im Verlauf der bisherigen Season zu kurz gekommen waren. Magische Momente, ein wenig Horror-Feeling, Action und Humor. Es ist alles da, was Spaß macht und zum Dranbleiben animiert. Das Highlight ist ohne Frage die Austreibung des Lichts aus Graydon im Hohen Turm, in dem es erfreulicherweise sogar ein kurzes Wiedersehen mit Bavmorda gibt, wenn auch nur als herbeigezauberte Erinnerung. Die letzte Szene um Airk macht neugierig, denn es scheint etwas geschehen zu sein, mit dem die Zuschauenden so nicht rechnen konnten.

Für diese Leistung gibt von uns fünf von fünf Zauberstäben.

Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 14. Dezember 2022
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Willow 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Das Flüstern von Nockmaar
Titel der Episode im Original
Chapter IV: The Whispers of Nockmaar
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 14. Dezember 2022 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 14. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 14. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 14. Dezember 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 14. Dezember 2022
Autoren
Julia Cooperman, Jonathan Kasdan, George Lucas
Regisseur
Debs Paterson

Schauspieler in der Episode Willow 1x04

Darsteller
Rolle
Ellie Bamber
Ruby Cruz
Kit
Amar Chadha-Patel
Erin Kellyman
Dempsey Bryk

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