Wicked City 1x01

Die Serie Wicked City kommt in ihrer Pilotepisode nicht über den Durchschnitt hinaus, fällt aber auch nicht wesentlich darunter. Damit kann man leben, wenn man Krimis, die Achtziger oder Ed Westwick in besonderem Maße zu schätzen weiß.
Worum es geht
Kent (Ed Westwick, Gossip Girl) ist ein Mann, der gerne mysteriös starrend in angesagten Clubs rumsteht und immer genau weiß, was ein Mädchen hören möchte. Diese beiden Eigenschaften kommen ihm zugute in seiner Nebentätigkeit als Serienkiller. Und es dauert nur wenige Minuten, bis er uns in dieses Geheimnis einweiht. Er jagt junge Frauen in den Clubs des Sunset Strip, wünscht sich einen Song für sie im Radio, bevor er sie mit dem Messer tötet.
Um Vertrauen zu erwecken, plant er dabei auch vor und nicht zuletzt macht sein gutes Aussehen es ihm leicht, die Mädchen in sein Auto zu bekommen.
In der Pilotepisode erfahren wir, dass er auch eine andere Seite hat, eine, in der er der nette Nachbar ist, der gerne auf die Töchter seiner Bekannten aufpasst und sich ihnen gegenüber als perfekter Schwiegermutterliebling zeigt.
Doch in derselben Episode sind wir auch dabei, wie er eine Mordkumpanin findet, Betty (Erika Christensen, Parenthood). Sie lernen sich in einer Bar kennen, er bezaubert sie mit seiner verständnisvollen Art und seiner Liebe zu Kindern. Das ist besonders praktisch, weil Betty von ihrem Freund während der zweiten Schwangerschaft sitzen gelassen wurde. Ebenfalls praktisch ist, dass sie eine sadistische Seite hat, die sie als Krankenschwester an ihren Patienten und ansonsten nur an Insekten auslassen kann.
Zum Ende der Pilotepisode sehen wir zu, wie die beiden mit einer naiven, ahnungslosen Clubgängerin in die Nacht ziehen und hören dem Lied zu, das Kent sich für ihr gemeinsames Opfer im Radio gewünscht hat.
Doch selbst auf dem Sunset Strip kommt man mit solchen Verbrechen nicht einfach so davon. Auf der Seite des Rechts ist Jack (Jeremy Sisto; Law & Order, Suburgatory) dem Mörder bereits auf der Spur. Kurz zuvor hat er den Hillside Strangler dingfest gemacht und nun hat er es auf den nächsten Serienkiller abgesehen. Dabei setzt er auf die Hilfe einer Undercoverpolizistin namens Dianne (Karolina Wydra, True Blood), die auf dem Strip verdeckt in einem Drogenhändlerring ermittelt und ihm wertvolle Informationen zuspielen kann.
Ein Klotz am Bein ist dem Cop dagegen eher sein neuer Partner, Paco (Gabriel Luna, Matador), den er für vieles verantwortlich macht, was auf dem Revier für ihn in letzter Zeit schiefgelaufen ist. Zusätzlich unterstellt er ihm rücksichtslosen Ehrgeiz und keine Empathie für die Opfer. Während Paco mit neumodischen Fingerabdruckdatenbanken und anderem Schnickschnack um die Ecke kommt, braucht Jack keinen Lehrgang, um sich in die Seele des Mörders zu fühlen. Er ist halt ein erfahrenes Talent.
Doch ein bisschen Dreck am Stecken hat auch er. Der Sex mit der Undercoverpolizistin ist ja noch nicht weiter schlimm, zumindest bis zu dem Punkt, an dem wir erfahren, dass er eine liebevolle und treu sorgende Ehefrau namens Allison (Jaime Ray Newman; Drop Dead Diva, Eastwick) samt jugendlicher Tochter zu Hause sitzen hat, die ihn erwarten.
Komplett wird der Cast dann mit der jungen Reporterin Karen (Taissa Farmiga, American Horror Story), die dem Killer auf der Suche nach der nächsten großen Story näherkommt als ihr lieb ist. Jack erkennt die Gefahr, aber auch das Potential, das ihre Position für die Ermittlungen haben könnte und entscheidet sich dafür, mit der Journalistin zusammenzuarbeiten.
Wie es wirkt
Die Krimiseite der Story ist ziemlich altbacken, es fallen in Bezug auf den Hergang des Mordes und die Motivation des Killers alle Sätze, die man schon zigfach aus dem Mund anderer Fernsehdetectives gehört hat. Eine unnahbare Mutter führt zu weiblichen Opfern, eine medizinische oder militärische Vorbildung erklärt die einwandfreie Mordtechnik.
Auch darüber hinaus ist vieles vorhersehbar. Der Killer starrt mysteriös und gefühllos minutenlang in der Diskothek herum, der Polizist braucht die Hilfe seiner Tochter, um cool genug für den Undercovereinsatz zu werden. Der neue Partner ist ein aalglatter Karrierist und die Nachwuchsreporterin ist frech und ein bisschen schüchtern.
Die Entwicklung geht in Pilotepisodenschritten voran, vom Kennenlernen des Paares bis zum ersten gemeinsamen Mord scheint kaum eine Woche zu vergehen. Doch an dieser Stelle sind es die Darsteller, die die Schwächen des Drehbuchs auffangen. Jeremy Sisto serviert selbst die abgegriffensten Copzeilen mit einem ernsten Gesicht, aber auch einem Hauch von Ironie. Ed Westwick hat einfach das Gesicht zum bösartig sowie attraktiv In-der-Gegend-Starren und Erika Christensen gibt die scheinbar naive Mutter mit sadistischer Neigung ebenfalls ziemlich gut.
Auf der Seite der Pluspunkte darf die Serie sich auch das Zeitkolorit schreiben. Die Musikauswahl ist schön, die Ästhetik der Achtziger Jahre wird ebenfalls gekonnt getroffen. Schön wäre es noch, wenn die Autoren nach der Pilotepisode aufhören würden, uns genau mit Hinweisen auf den spezifischen Handlungsort sowie die Zeit zu nerven. Das ständige Erwähnen des Sunset Strip und die demonstrative Allgegenwärtigkeit von Kokain sind in der Pilotepisode akzeptabel, danach könnte es nervig werden. Die Autoren dürfen ruhig darauf vertrauen, dass sie die Epoche auch ohne diese Hinweise gut eingefangen haben.
Fazit
Die Pilotepisode der Serie Wicked City bleibt solides Mittelmaß. Nichts sticht als besonders gut heraus, aber so richtig zum Haareraufen schlecht wird es auch nicht. Um es auf die „Watch-List“ zu setzen, sollte man gegenüber Krimiklischees gewappnet und dem Cast gewogen sein.
Trailer zur US-Serie „Wicked City“: Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 28. Oktober 2015Wicked City 1x01 Trailer
(Wicked City 1x01)
Schauspieler in der Episode Wicked City 1x01
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