White Collar 4x03

In einer Serie über einen Verbrecher, der die Seiten wechselt, sollte man damit rechnen, dass die Frage nach dem Richtig und Falsch eine große Rolle spielt. In der Vergangenheit wurde bei White Collar schon damit gespielt, wer wem eigentlich vertrauen kann. Ermittlungen hinter dem Rücken Neals waren nichts Ungewöhnliches.
Idylle Pur
Doch mittlerweile legt White Collar für seine Protagonisten einen strengen Moralcode an. Und der fordert absolute Loyalität von allen Beteiligten. Das wird in der Episode Diminishing Returns wieder einmal besonders deutlich.
Peter (Tim DeKay) wurde versetzt, weil er dem flüchtigen Neal (Matt Bomer) geholfen hat. Nun ist Neal an der Reihe und ruht nicht, bis er einen Weg findet, Peter wieder in die Abteilung zurückzuholen. Doch Peter zeigt sich mehr als demütig, schlägt die Gelegenheit in allerletzter Minute aus und lässt Neal den Fahndungserfolg zuschreiben.
Diana (Marsha Thomason) und Jones (Sharif Atkins) haben im Grunde immer zu Neal gehalten, wenn es eng wurde, doch nun dürfen sie kurz andeuten, dass sie noch ein Stück loyaler zu Peter stehen. Aber nur kurz, denn Neal zeigt sich von seiner besten Seite und wird schnell wieder in den Vertrauenszirkel aufgenommen.
Peter selbst zeigt immer stärkere Zuneigung zu Neal. Seine erste Sorge, nachdem er vom Ziel seiner Versetzung erfährt, gilt Neals Zukunft.
Unnötig zu erwähnen, dass Elizabeth (Tiffani Thiessen) sich einmal mehr als beste Ehefrau der Welt verhält und nichts als Unterstützung ihres Mannes im Kopf zu haben scheint.
Auch Mozzie (Willie Garson) kehrt an die Seite seines besten Freundes zurück. Das ergibt Sinn und kommt wenig überraschend, da die Serie ohne Mozzie einen zu großen Verlust zu verkraften hätte. Doch ob dieses Verhalten des Gauners in sich logisch ist, bleibt diskussionswürdig. Denn den Großteil der letzten Staffel hat Mozzie damit verbracht, Neal zur Flucht zu überreden. Und nun gibt er das eben erworbene Idyll recht widerstandslos auf, um seinem Freund nahe zu bleiben.
In dem Maße wie Diana und Jones ihre Toleranz Neal gegenüber zeigen, gewöhnt sich Mozzie an die Zusammenarbeit mit dem FBI und hilft Peter bei seiner frustrierenden Sortieraufgabe.
Neal und Mozzie haben eine Idylle aufgegeben und finden sich in einer anderen wieder. Natürlich ist es schön zu sehen, wie wunderbar sich die Zusammenarbeit zwischen den Kunsträubern und den Agenten entwickelt, doch langsam nähert die Serie sich damit an ein für die Zuschauer schwer erträgliches Maß von Vorhersehbarkeit an.
Auch die Mitarbeit der eigentlich nicht Beteiligten ist schon lange obligatorisch. Mozzies Fähigkeiten sind ohnehin unendlich, und auch „Hausfrau“ Elizabeth hat sich nicht zum ersten Mal über die Akten der Agenten gebeugt und im Vorrübergehen zwischen Küche und Wohnzimmer einen wertvollen, oft sogar entscheidenden Hinweis gegeben.
Nach der Stärke der letzten Staffel, dem Geheimnis um den Schatz, der Frage, wo Neal eigentlich steht, ist diese Vorhersehbarkeit und Idylle ein bisschen lahm. Aber es ist die erste Episode der vierten Staffel von White Collar, die wieder in dem altbekannten Muster spielt, die erste, in der alle endlich wieder gemeinsam in New York sind. Hoffentlich schaffen die Autoren es in kommenden Episoden, ein Stück weit die Idylle beizubehalten und trotzdem Spannung aufzubauen.
Neals Geschichte
Die Episode Diminishing Returns hat bereits die Vorzeichen aufgezeigt, unter denen die Staffel stehen wird. Neal begibt sich auf die Suche nach seinem Vater und führt den Zuschauer damit in seine Vergangenheit ein.
Das klingt zunächst geheimnisvoll und daher extrem vielversprechend. Doch die letzten Minuten der Folge lasen schlimmes befürchten. Es scheint bereits jetzt offensichtlich, dass Neals Vater natürlich nicht der Mörder des Polizisten ist, aber vermutlich in einer Zwangslage ein Geständnis abgelegt hat. Legt man den starken Drang der Serie zugrunde, Loyalität und Selbstaufgabe zu zeigen, kann man vermuten, dass er durch sein Geständnis jemanden schützt. Nicht unwahrscheinlich, dass es sein Sohn Neal ist, dem er damit eine glückliche Kindheit in der Obhut von Ellen (Judith Ivey) ermöglicht hat.
Doch Neal wird mithilfe seiner Freunde die Wahrheit herausfinden, seinen Vater rehabilitieren und ihn als den Helden in Erinnerung behalten können, den er als Kind in ihm sah.
Wird es wirklich so voraussehbar sein? Die Serie White Collar hat starke Storylines gehabt, die mit wirklich überraschenden Wendungen aufwarten konnten. Aber sie hat auch schwache, vorhersehbare Seiten gezeigt.
Fall, abgehakt
Eine eher schwache Storyline ist zum Beispiel der Fall der Woche. Ein alter Fall, der Peter persönlich wichtig ist und von seinem Freund Neal aufgeklärt wird. Interessant ist hier einzig die Drehung der „normalen“ Verhältnisse: Peter ist nun derjenige, der überwacht und dessen Freiheit ein Stück weit eingeschränkt wird. Neal ist derjenige, der die Führung übernimmt.
Doch darüber hinaus bleibt der Fall des Betrügers, der nur alle fünf Jahre zuschlägt, blass. Den Verdächtigen zu finden, geht zu schnell und problemlos dafür, dass das FBI ihn schon so lange im Auge hat. Die Idee, dass Peter undercover gehen soll, ist kaum ein echter Kniff, sondern liegt auf der Hand.
Fazit
Die Episode Diminishing Returns bringt White Collar nach der Aufarbeitung des Endes der letzten Staffel in den ersten beiden Episoden nun näher an die Storyline der aktuellen Staffel: Neals Suche nach der Wahrheit über seinen Vater.
Nach vierzig Minuten bleibt man mit dem Eindruck zurück: Stört nicht weiter, aber reißt auch auf keinen Fall vom Hocker.
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 28. Juli 2012(White Collar 4x03)
Schauspieler in der Episode White Collar 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?