What If...? 1x02

© zenenfoto aus What If... T'Challa Became a Star-Lord? (c) Marvel Studios/Disney+
In der zweiten Ausgabe der Zeichentrick-Anthologie What If...? namens What If... T'Challa Became a Star-Lord? geht es genau darum, was der Name schon verrät. Also um das, was passiert wäre, wenn Yondu (Michael Rooker) und seine Ravagers sich im Kind geirrt und statt Peter Quill (Chris Pratt) T'Challa (Chadwick Boseman) auf ihre Eskapaden ins All mitgenommen respektive entführt hätten.
Do the Cha-Cha!
Anders als in der Auftaktfolge erinnert nur die erste Szene an den Originalfilm „Guardians of the Galaxy“, in dem wir den neuen Star-Lord beim Stehlen des lilanen Orb sehen. Doch die Reaktion auf ihn ist nicht „Who?“, sondern fällt sehr viel freudiger und respektabler aus. Ein kurzer Kampf, der gleichzeitig ein Rekrutierungsdrive ist, zeigt, wie sehr es T'Challa auch außerhalb von Wakanda draufhat und ein paar Techno-Gadgets besitzt, die diesmal wohl nicht aus Shuris Werkstatt kommen. Erneut kann man festhalten, dass die Actionszenen der Serie recht anschaulich sind. Trotzdem werde ich bei den funny bits (Phrasing! Boom!) manchmal das Gefühl nicht los, eine 3D-Version von Archer zu schauen. Schlimm ist das nicht, aber man muss sich nach wie vor etwas an den Stil gewöhnen, wenn es alberner wird, finde ich.
In einem Flashback ins Jahr 1988 sehen wir dann auch, wie T'Challa an Bord der Ravagers gekommen ist und dagegen eigentlich gar nichts zu haben scheint, denn er will die Welt außerhalb der Grenzen von Wakanda kennenlernen und Yondu bietet ihm nicht nur die Welt, sondern gleich die ganze Galaxie an. Später wird daraus eine Lüge, in der es heißt, dass das Königreich und die Familie zu Schaden gekommen ist. Doch aus der „Notlüge“ wird etwas, was offenbar für das Schicksal des Universums nur von Vorteil sein kann. Denn dort, wo T'Challa erscheint, gibt es Konfliktlösungen und Hilfe. Ein gewisser Thanos (Josh Brolin) strebt zwar immer noch streng genommen nach Genozid, konnte aber zur Vernunft gebracht werden und ist nun sogar Teil der Ravagers.
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Daddy Thanos, Happy Drax und Blonde Nebula
In einer Bar kommen die Ravagers unter, in der Drax (Fred Tatasciore) die Drinks ausgibt. Ähnlich wie Peter Quill wird der Guardian nicht von seinem Originalsprecher vertont. Bei Quill ist Brian T. Delaney vorm Mikrofon. Der nicht mehr ganz so zerstörerische Drax freut sich darüber, dass seine Familie am Leben ist und verlangt ein Selfie, ist aber weiterhin völlig ironiebefreit, was seine Ehrlichkeit angeht, wenn T'Challa auf dem Bild nicht von seiner besten Seite abgebildet ist.
Dadurch, dass Thanos (Josh Brolin) nicht der megalomanische Eroberer ist, bedeutet das auch einen alternativen Lebensweg für Adoptivtochter Nebula (Karen Gillan), die einer klassischen Schönheit näherkommt als ihr bekanntes - von Thanos verstümmeltes - Selbst und mit blonder Mähne und verführerischer Stimme präsentiert wird. Sie und T'Challa scheinen gerne zu flirten und sie nennt ihn liebevoll Cha-Cha. Die Beziehung zum Daddy ist zwar immer noch nicht optimal, aber eher so, wie die von Gamora und ihm war. Sie kann mit manchen seiner Eigenarten eben nicht so gut...
Weil T'Challa glaubt, seine Heimat verloren zu haben, hat er es sich jedenfalls zur Aufgabe gemacht, die Welten aller anderen zu retten und scheint damit bisher gute Erfolge gefeiert zu haben.
Yondu's Eleven

Mit einem Score, der direkt aus Heistfilmen der „Ocean's“-Reihe stammen könnte, stellt Nebala einen Plan vor, den T'Challa kaum ablehnen kann. Es geht um das sogenannte „Embers of Genesis“. Eine Substanz, die gesamte Ökosysteme heilen und verändern kann, womit man Ressourcenmängel oder Hunger in Windeseile beseitigen könnte. Der Haken an der Sache: Es befindet sich im Besitz des Collector (Benicio Del Toro). Dieser hat offenbar das Machtvakuum aufgefüllt, das durch Thanos' Wandel entstanden ist.
Die Kurzrecherche der Sprecher führt vor Augen, dass es kein festes System zu geben scheint, wer aus dem MCU Lust oder Zeit hatte und wer nicht. Zunächst dachte ich, dass es die vermeintlich großen Namen sind, was auch ein wenig zutrifft, weil Chris Evans, Chris Pratt, Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson nicht mitwirken, allerdings sind dann andere bekannte Namen doch dabei, wie man hier und in den End Credits sehen kann. Zuvor war auch bekannt, dass Samuel L. Jackson oder Chris Hemsworth ebenfalls mitmischen. Man kann also gespannt sein, wer Lust/Zeit hatte und wer eben nicht.
When you're out of luck, always go duck

Zurück zum Heistaspekt: Die Ravagers sind durch T'Challas Einfluss nun so etwas wie die Robin Hoods des Weltalls. Doch beim Collector scheint Yondu Bedenken zu haben. Zumal die Black Order, bekannt aus „Avengers: Infinity War“ seine Leibgarde ist. Natürlich darf eine Heistmontage mit dem Plan bei so einem Exkurs nicht fehlen. Hier gibt es die klassische Rollenverteilung der Beteiligten zu sehen, einige geplante Täuschungsmanöver und noch mehr.
Star-Lord ist für den gefährlichen Panther-Anteil zuständig und trifft dabei auf Howard the Duck (Seth Green), der auch schon in „GotG“ diese Figur ins MCU brachte. Für die easter eggs-Sammler birgt die Sammlung des Collector natürlich derweil wieder zahlreiche Augenschmäuse. Ob der Marvel-Ente vielleicht nach der gescheiterten Zeichentrickserie bei Hulu bald ein größeres Comeback vergönnt sein wird? Der Lucasfilm von Regisseur Willard Huyck ist inzwischen ebenfalls bereits 35 Jahre alt...
Beim Heist erfährt T'Challa zufällig die Wahrheit über sein Heimatland, als seine Kette ein Raumschiff aktiviert, das eine Botschaft von T'Chaka (John Kani) abspielt. Selbst als Zeichentrick liefert Chadwick Boseman eine mitnehmende Performance ab und als Marvel-Fan ist es wirklich sehr schön, ihn auf diese Weise noch einmal zu sehen und zu hören zu bekommen. Auch wenn man ihn am liebsten in „Black Panther: Wakanda Forever“, der Fortsetzung von „Black Panther“ sehen würde... Jedenfalls reicht mir dieser kleine emotionale Beat, um Boseman noch mehr zu vermissen.
Das Heistgesetz in Filme und Serien sagt übrigens aus, dass es ein Double-Cross oder ein Triple-Cross geben muss und genau das passiert, als Nebula ihre Crew „verrät“. Doch eigentlich ist das nur Teil des „geheimen“ B-Plans und natürlich vorab vollkommen einkalkuliert.
Trotzdem muss man sich fragen, ob Heistgeschichten eigentlich auch ohne so etwas auskommen oder ob es einfach dazugehört, wie jump scares zu gewissen Horrorstreifen. Wunderbar wurde das Genre ja bereits bei Rick and Morty in der Folge One Crew over the Crewcoo's Morty durch den Kakao gezogen. Zudem zeigen auch Filme wie „Lucky Logan“ oder „Baby Driver“, dass das Genre noch durchaus frische Ansätze bieten kann.
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A Ravager never flies solo

Die Action kann sich sehen lassen und ist irgendwie genau das, was ich von so einer Serie will. Man kann im Animationsbereich, wenn man denn möchte, eben bestimmte Dinge viel leichter umsetzen als im Blockbusterbereich, in dem CGI ein Vielfaches kostet. Darum mag ich das Format als Spielplatz und Experimentierfläche sehr gerne. Zudem bin ich weiterhin der starken Überzeugung, dass man sich damit die nächste Generation von Fans heranzieht und ihre Fantasie anregt, so dass man eventuell in einigen Jahren neue Geschichten genau von ihnen sehen wird. Für mich sprechend kann ich nur sagen, dass ich meine Actionfiguren vielleicht auch mit einigen neuen Köpfen ausstatte, um mal zu sehen, wohin das Abenteuer mit etwas Vorstellungskraft so führen kann...
Der Collector jedenfalls nutzt im Kampf sowohl einen gewissen Dolch als auch Helas Helm und hat auch Caps Schild unter seinen Fittichen. Der Co-Main-Event wird derweil von Thanos gegen die Black Order ausgefochten, in dem wir einen Mad Titan sehen, der wie ein kontrollierter Hulk auf der Seite der Good Guys wirkt und schließlich von Nebula unterstützt wird, die das MacGuffin gegen Cull Obsidian einsetzt. Der Collector wird derweil vom Tag-Team aus Yondu und Star-Lord besiegt und eingesperrt, so dass es Sklavin Carina überlassen wird, über sein Schicksal zu entscheiden. Das macht sie mithilfe der zahlreichen Mitgefangenen, die noch ein Hühnchen mit dem Sammler zu rupfen haben...
An dieser zweiten Folge gefällt mir insgesamt wieder einiges. Ich freue mich über die implizierte Vergangenheit der Figuren, die wie im Falle von T'Challa und Yondu auf ihre Insider im Kampf setzen können. Ich mag es zudem, wie sich Schicksale mancher Figuren ändern können, wie bei Drax oder Thanos. Ebenso gefallen mir die Score-Einsätze zu den Heists, die Wakanda-Anspielungen und auch die meisten der Gags, von denen es zum Episodenende noch ein paar weitere gibt. Und sobald Cosmo, der Hund, auftaucht, ist es um mich sowieso gesehen...
Haben die klassischen Comicgeschichten von „What If...?“ häufig aufgezeigt, warum die ursprüngliche Handlung besser gewesen ist und man sonst eher eine Realität mit Black Mirror-Charme vor sich gehabt hätte, ist es in dieser Animationsversion möglich, auch glückliche Enden zu sehen, denn T'Challa und die Ravagers reisen nach Wakanda, um die königliche Crew kennenzulernen.
In einer letzten Szene, die sicherlich nicht zufällig an „Der Prinz aus Zamunda“ erinnert, sehen wir dann, wie der bei Dairy Queen moppende Peter Quill von dessen Vater Ego (Kurt Russell) besucht wird. Das könnte vielleicht bald in einer weiteren Story aufgegriffen werden.
Fazit
So stelle ich mir What If...? bestenfalls vor. Man sieht sehr große Unterschiede zum Originalkonzept, aber immer auch vertraute Aspekte, vermischt mit kreativen Ideen und Twists. Perfekt ist zwar auch diese Episode in meinen Augen nicht, aber weiterhin ein sehenswerte Ausflug in die Weiten des MCU. Es ist zudem wirklich schön, die Gelegenheit zu haben, Chadwick Boseman noch einmal als T'Challa zu erleben und es soll nicht das einzige Mal in der Debütstaffel bleiben...
Wie hat Euch der Heist-Exkurs gefallen?
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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 18. August 2021(What If...? 1x02)
Schauspieler in der Episode What If...? 1x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?