What If...? 1x01

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Das Marvel Cinematic Universe wird ab sofort durch eine Animationsserie erweitert, die sich zu fragen erlaubt, was passiert wäre, wenn jeweils nur ein Detail anders verlaufen wäre, als wir es kennen. Zum Einstieg wird Peggy Carter statt Steve Rogers zur Supersoldatin.

Szenenfoto aus What If...?
Szenenfoto aus What If...?
© Disney+

Was ist eigentlich What If...?

Das Konzept zur Animationsserie What If...? hat bei Marvel Comics eine lange Tradition. Die gleichnamige Comicvorlage feierte bereits 1977 ihr Debüt und erreichte über 200 Ausgaben. Wie es üblich ist bei den Superheldencomics, folgten immer wieder Reboots und Revivals mit Miniserien, die zahlreiche „Was wäre, wenn“-Fragen stellten. Besonders die Versuche aus den letzten 20 Jahren sind mir dabei vertraut und wie bei jedem Anthologie-Konzept ist das Endresultat mal spannend und mal etwas langweilig oder die Mühe etwas verschenkt.

Bei Disney+ machen Kevin Feige und die Marvel Studios daraus nun eine Animationsserie, deren erste Staffel neun Folgen umfasst und gewohnt wöchentlich herauskommt. Ich habe mir die erste Folge angeschaut. Ich hatte zwar Screener, aber full disclosure - diese kamen recht kurzfristig und waren auf ein Wochenende beschränkt, an dem ich aus privaten Gründen keine Zeit dafür hatte.

In den kommenden Kapiteln werden einige wichtige Ereignisse aus der Infinity-Saga des MCU neu interpretiert und die titelgebende Frage gestellt. Zu den alternativen Möglichkeiten zählen Killmonger (Michael B. Jordan) als Tony Starks Lebensretter, aber auch Peggy Carter (Hayley Atwell) als Captain Carter statt Steve Rogers, T'Challa (Chadwick Boseman) als Star-Lord oder die „Guardians of the Galaxy“ statt die Avengers beim Battle of New York, aber auch eine Folge mit Spider-Man als Jäger von Untoten soll laut Spielzeug-Spoiler produziert worden sein. Pro Folge widmet man sich also einer anderen Ecke aus dem bunten Marvel-Kosmos der Kinofilme.

Als Erzähler fungiert die bekannte Marvel-Figur The Watcher, der von Jeffrey Wright (Westworld, „The Batman“) gesprochen wird. Somit ist ein Einstieg und eine Rahmenhandlung wie bei The Twilight Zone, „X-Factor“ oder ähnlichen Formaten gegeben. Autor der Serie „What If...?“ ist A. C. Bradley.

Hier geht es zum Angebot von Disney+ mit allen Filmen, Serien und Specials. Dort kann man auch die meisten MCU-Filme sowie die Serie Agent Carter anschauen.

Was wäre, wenn Captain Carter die erste der Avengers geworden wäre?

Disney+
Disney+ - © Disney+

Die Auftaktepisode Was wäre, wenn Captain Carter die erste der Avengers geworden wäre? nimmt sich Captain America - The First Avenger vor und präsentiert hierzu einen alternativen Ablauf. Im Juni des Jahres 1943 testen die Amerikaner das Supersoldatenprogramm. Hier soll Steve Rogers (Josh Keaton statt Chris Evans) zur Kriegshoffnung gegen die Nazis und Hydra werden.

Wie schon im Film findet jedoch ein Sabotageversuch statt, der sogar relativ erfolgreich ist - bis die Anwesende Carter (Hayley Atwell) einschreitet. Rogers wird zuvor angeschossen und kann somit nicht die Transformation durchmachen. Also wer dann? Howard Stark (Dominic Cooper)? Der muss sich um den reibungslosen Ablauf kümmern. Stattdessen bietet sich Margeret Peggy Carter ohne lange zu überlegen an und wird in wenigen Minuten so muskulös wie Rogers im regulären MCU. Die Macher hangeln sich größtenteils an ähnlichen Momenten wie im ersten „Cap“-Film entlang und bringen Captain Carter und ihre Verbündeten Steve und Howard als Sidekick unter. Howard bleibt der Erfinder und Steve erhält einen eigenen Mech namens Hydra Stomper, der das macht, was der Name schon nahelegt.

Wie ist der Stil von What If...? gelungen?

Mein Ersteindruck von der Animation abseits der Trailer: Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Allerdings habe ich mich schnell reingefunden, nachdem die ersten Sekunden etwas off wirkten, was Lippensynchronität im englischen Original und Dynamik der Animation anging. Im Verlauf der Folge offenbaren sich dann aber doch die Stärken. Was zunächst wie eine CGI-Version der Agentenserie Archer wirkt (die damit den alten Hanna-Barbara-Serien Tribut zollt, wandelt es sich für mich zu einem Disney-Animation-Ableger im Cell-Shading-Look, den ich besonders in den dynamischen Actionszenen dann zu schätzen lernte. Von den Sprechern gibt es eine kleine Wundertüte. Denn Evans und in späteren Folgen auch Robert Downey Jr. und Scarlett Johansson werden wohl nicht mitmischen, viele andere MCU-Stars sind aber mit dabei. Zumindest ist Caps Stimme darum bemüht, ihn so gut es geht nachzuahmen. Auch die likeness der MCU-Figuren wird bestmöglich durch den Stil der Animation eingefangen, was ein Plus ist. Trotzdem denke ich, dass es eine gewisse Schnittmenge der Zuschauer geben wird, die vielleicht mit dem Zeichenstil nicht so viel anfangen können, was schade ist, weil die Unterhaltung in der Folge sehr actionreich ist und wie so oft bei den Formaten von Disney+ durch einige „Easter Eggs“ glänzt.

So gibt es einige Witze über die Propaganda-Tour der USO, die Steve in seiner Version durchleben musste, aber auch ein paar alternative Ereignisse rund um Bucky (Sebastian Stan), der beim Zug eben nicht verschüttgeht, aber zusammen mit Dum Dum Duggan und den Howling Commandos von Captain Carter und ihrer Crew aus der Gefangenschaft befreit wird. Auch Zola (Toby Jones) und Red Skull (Ross Marquand wie in „Avengers: Endgame“ statt Hugo Weaving) mischen mit.

Letztgenannter will Hydra statt den Nazis und dem Dritten Reich an die Spitze bringen und plant deswegen, ein extraterrestrisches Wesen auf die Erde zu holen. Ich bin mir nicht sicher, ob es der Hive (bekannt aus Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.) oder vielleicht sogar Shuma-Gorath sein könnte, den manch einer aus den „Marvel vs. Capcom“-Spielen kennen könnte, welcher hier angreift oder vielleicht einfach nur ein ganz willkürliches namenloses Tentakelmonster. Da die S.H.I.E.L.D.-Serie aber offenbar kein Teil des MCU-Canons mehr zu sein scheint, schließe ich Hive einfach mal aus. Zumal Feige die Inhumans wohl gerne verschweigen würde. Mehr dazu auch weiter unten. Was denkt Ihr dazu?

Actiontechnisch finde ich Peggys Kampf in Berlin vor dem Brandenburger Tor recht unterhaltsam, weil man im Animationsbereich inzwischen sehr gut Dinge ausschöpfen und probieren kann, die in Live-Action zu kostspielig wären, aber hier als one-off gut funktionieren. So zerlegt Agent Carter einige Hydra-Gefährte und auch die dazugehörigen Soldaten, inklusive einem überheblichen Muskelmann. Dazu liebe ich es einfach, wie der Schildwurf animiert wird, was man in der Folge auch gut ausschöpft. Obendrein kommen spätere Montagen, die ich ebenfalls gerne mag und der Sturm auf Red Skulls Hauptquartier, bei dem die Teamdynamik gut rüber- und das Tentakelmonster zum Einsatz kommt. Das alleine wären im frühen MCU wahrscheinlich tabu gewesen wäre und würde auch heute in bestimmten „realistischen“ Filmecken des Marvel-Kosmos nicht so ganz passen. Ebenfalls ein wunderbarer Moment: Peggy reitet auf dem Hydra Stomper in den Kampf ein. Außerdem bleibt auch die Dynamik von Peggy und Steve erhalten, nur eben mit vertauschten Rollen, wobei in 30 Minuten vielleicht nicht ganz so viel Chemie aufgebaut werden kann, wie es über mehrere Kinofilme und über mehrere Jahre bis zum Happy End der Fall ist. Aber das verlangt ja auch keiner ernsthaft.

Marvel-Sandkasten

Disney+
Disney+ - © Disney+

Rein wegen des Konzepts bietet die Serie den Machern natürlich wahnsinniges Potential. Nicht nur auf kreativer Ebene, sondern auch, was Merchandise angeht. Denn, wenn man im Thema etwas versiert ist, dann weiß man, dass Firmen wie LEGO, Hasbro oder Funko schon längst eine Reihe von Figuren angekündigt haben, die man sich kaufen oder vorbestellen kann. Das beflügelt die Fantasie der Fans und erweitert die Möglichkeiten enorm. Zudem kann man so auch Figuren zurückholen, die in der Prime-Kontinuitiät wahrscheinlich nicht mehr auftauchen werden. Neben Steve Rogers, Tony Stark oder Howard Stark gilt das auch für „Black Panther“ aka T'Challa (Chadwick Boseman, der vor seinem Tod sogar noch Sprechrollen für mehrere Folgen einsprechen konnte). Somit setzt man ihn nach seinem viel zu frühen Ableben ein kleines Denkmal, was einen emotionalen Abschied auf Zeit bedeuten könnte.

Wegen der langen Zeit, die die Produktion braucht, ist es diesmal kein großes Geheimnis, dass es eine zweite Staffel geben wird. So viel haben Kevin Feige und einige Macher in diversen Interviews bereits verraten. So wird es wohl mindestens 18 alternative Szenarien zu sehen geben, auf die man durchaus gespannt sein kann.

Ohne die anderen Folgen gesehen zu haben, ist meine Befürchtung eine ganz allgemeine, denn die meisten Anthologieserien haben eine wechselhafte Qualität. Wahrscheinlich wird also nicht jede Idee und jede Umsetzung ein Volltreffer sein. Das ist aber eben auch die Natur der Comicvorlage, die Experimente wagte, auch wenn sie scheitern können. Ein großer Wunsch von mir wäre eine Parodiefolge, denn es gab auch einige One-Shots namens „Wha...Huh?“, die die Helden ordentlich durch den Kakao ziehen.

Hayley Atwell in What If...? (2021). Szenenfoto aus der ersten Episode der US-Serie What if...?
Hayley Atwell in What If...? (2021). Szenenfoto aus der ersten Episode der US-Serie What if...? - © Disney+

Festzustellen ist ebenfalls, dass die Actionqualität und die Handlung einfach mehrere Stufen über den üblichen Marvel-Zeichentrickserien ist, denn diese sind bislang meist an jüngere Zuschauer gerichtet gewesen (Ausnahmen bilden etwa die Marvel-Anime-Serien oder Marvel's M.O.D.O.K.), aber der Gros des Animationsoutput mit Marvel Branding war eher locker-leichte Unterhaltung ohne wirkliche Konsequenzen. Durch das aktuelle Multiverse-Konzept der vierten Phase des MCU kann es sogar sein, dass die hier gezeigten Varianten/alternativen Szenarien in zukünftigen Filmen oder Staffeln aufgegriffen werden. Ob als „Easter Eggs“ oder in längeren Auftritten muss sich dann zeigen. Ich würde jedenfalls Atwell sehr gerne mal „in echt“ in der Captain-Carter-Montur sehen wollen.

Mit etwa 30 Minuten hat das Format für mich zudem die passende Länge, wobei die erste Folge im Prinzip sich recht nahe an den ersten „Captain America“-Film anlehnt und ein paar leichte Änderungen abliefert. Als Fan von der Peggy-und-Steve-Paarung bin ich zudem angetan, wieder mehr von beiden zu sehen und begrüße ohnehin die Entscheidung, dass man Peggy für dieses Projekt zur Heldin der Story macht.

What the Canon?

Hayley Atwell in What If...? (2021). Szenenfoto aus der ersten Episode der US-Serie What if...?
Hayley Atwell in What If...? (2021). Szenenfoto aus der ersten Episode der US-Serie What if...? - © Disney+

Eine kleine Schattenseite der Übernahme der TV-Sparte durch die Marvel Studios und Kevin Feige scheint derweil zu sein, dass Serien wie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. oder Marvel's Agent Carter, die vorher zumindest halbwegs als Teil des MCU galten, offenbar momentan nicht mehr zum Kanon gehören. Das zeigte sich beispielsweise in der Marvel Studios LEGENDS-Ausgabe rund um Peggy, denn dort wurden nur Ereignisse aus den Filmen aufgegriffen, aber nichts aus den zwei Staffeln ihrer ABC-Serie.

Fazit

Der Auftakt der Serie What If...? trifft bei mir als Peggy-Carter-Fan zielsicher ins Fanherz. Als kleiner Exkurs und als Huldigung der Figur funktioniert das Dargebotene gut. Zudem hangelt man sich schlauerweise auch chronologisch an den Anfängen der Marvel-Helden entlang. Ob wir in der ersten Staffel des Formats schon Alternativen aus allen bisherigen Phasen sehen werden, bleibt abzuwarten. Ich bleibe auf jeden Fall dran, kann momentan aber noch keine wöchentlich Besprechung versprechen. Lust hätte ich. Das kommt aber auch auf Resonanz und persönliche Zeit dafür an. Hättet Ihr Lust darauf?

Hier abschließend noch der Originaltrailer zur heute angelaufenen neuen Serie „What If...?“ auf Disney+:

Hier geht es zum Angebot von Disney+ mit allen Filmen, Serien und Specials. Dort kann man auch die meisten MCU-Filme sowie die Serie Agent Carter anschauen.

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 11. August 2021

What If...? 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(What If...? 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Was wäre, wenn Captain Carter die Erste der Avengers geworden wäre?
Titel der Episode im Original
What If... Captain Carter Were The First Avenger?
Länge der Episode im Original
36 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. August 2021 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 11. August 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 11. August 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 11. August 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 11. August 2021
Regisseur
Bryan Andrews

Schauspieler in der Episode What If...? 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?