Waco Staffel 1
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Normalerweise tun sich Serien keinen Gefallen damit, ihre Geschichten unnötig in die Länge zu ziehen. In der umfangreichen Bibliothek von Netflix lassen sich zum Beispiel zahlreiche Titel finden, die nicht wirklich schlecht, aber einfach zu lang sind. Wie gern schaut man sich eine kompakte, clever durchgetaktete Erzählung an, bei der vermieden wird, dass irgendwann nur noch um den heißen Brei herumgetanzt wird, als dass man endlich zum Wesentlichen kommt. Es ist nicht einfach, einen gelungenen Kompromiss zu finden, ob man als Serienschöpfer noch mehr Zeit in die Charaktere oder ein Setting investieren sollte, um das Publikum vollends zu involvieren - oder ob man eben im Sinne der Handlung und des Pacings ein paar Abstriche macht, um die Spannung hochzuhalten.
Waco stellt im Vergleich zu den Serien, die sich zu viel vornehmen und manchmal einfach nicht aufhören wollen, das Gegenteil dar. Die Miniserie des Paramount Network, ehemals Spike, erzählt in sechs Episoden die Geschichten der Branch-Davidians-Glaubensgemeinschaft um Anführer David Koresh, die 1993 für 51 Tage von den US-Behörden auf ihrem Grundstück nahe Waco, Texas belagert wurden. Es handelt sich um einen spannenden historischen Vorfall, der ein furchtbares Ende fand und die Leben von mehr als 76 Menschen forderte, darunter 25 Kinder. Das FBI hatte nach einer desaströsen Razzia des Geländes durch die ATF - das US-Büro für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe - das Kommando in dieser angespannten Situation übernommen.
Not an assault
Nach wochenlangen Verhandlungen und kleinen Teilerfolgen kam es jedoch zu einer brutalen Eskalation der Lage, die von Millionen Menschen über die Medien verfolgt wurde. Die Serie von John Erick und Drew Dowdle arbeitet dieses Drama auf und gewährt Einblicke in diesen Fall, der Geschichte schrieb und die US-Regierung vor harsche Kritik stellte. Leider wird man dem Thema und dem wahren Ereignis nur bedingt gerecht. Denn wo andere Serienproduktionen ihr Material eben ohne Grund ausreizen, nimmt „Waco“ eine Abkürzung. Ein starker Cast, hohe Produktionswerte und ein Finale, das durch Mark und Bein geht, reichen nicht aus, um das eigentliche Problem von „Waco“ zu kaschieren: Es fehlt viel zu häufig an Kontext und essentiellen Hintergründen, um die Charaktere sowie die Gesamtsituation verstehen oder einordnen zu können.
Die Dowdle-Brüder zeichnen von Beginn an ein recht einseitiges Bild der involvierten Parteien in diesem Konflikt. Auf der einen Seite haben wir David Koresh, der bisweilen überraschend charismatisch von Friday Night Lights-Star Taylor Kitsch dargeboten wird. Er ist der unbeugsame Hirte seiner frommen Branch-Davidians-Lämmer, die sich allesamt in Davids Bann haben ziehen lassen. Auf der anderen Seite haben wir das FBI, das in den frühen 1990er Jahren ohnehin nicht den besten Ruf genießt und die vermeintliche Geiselsituation um jeden Preis auflösen möchte. Irgendwo dazwischen befindet sich FBI-Verhandlungsexperte Gary Noesner (gespielt von Michael Shannon), der ein Blutbad verhindern will und unentwegt an einer friedlichen Lösung arbeitet. Vergebens, wie sich letztendlich zeigt.
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I still believe
Man sollte die US-Behörden, die nachweislich nicht nur extrem fragwürdige, sondern gar moralisch nicht vertretbare Methoden angewandt haben, um die Gläubigen aus ihrem Haus zu holen, keineswegs in Schutz nehmen. Rund um diesen brisanten Fall entwickelte sich eine intensive Nachbetrachtung, wer letztlich Schuld an der Tragödie hatte. Nicht wenige sind heute nach wie vor skeptisch, dass die US-Regierung bei ihren internen Ermittlungen voreingenommen vorgegangen war und wichtige Details der Öffenlichkeit vorenthalten hatte. Und die Macher der Serie spielen diesem Lager nur zu gern den Ball zu. In Waco existiert in der staatlichen Gewalt, mit der es die Branch Davidians zu tun bekommen, ein klares Feindbild. Und diese Ansicht kann man sicherlich so vertreten. Allein in der jüngeren Vergangenheit gibt es genug Beispiele, in denen die US-Regierung seine Bürger schwer enttäuscht hat. Es ist aber eben auch nur eine Seite der Medaille.
Der Messias-gleiche Charakter von David Koresh ist in Waco weder Antagonist noch Antiheld. Er ist eine Heldenfigur. Nicht falsch verstehen: Für seine Anhänger mag das stimmen. Und dass ihm und seinesgleichen schreckliches Unrecht und Unheil angetan wurde, möchte niemand abstreiten. Dass Koresh jedoch so oberflächlich gezeichnet wird und entscheidende Informationen ausgespart werden, die man nicht aussparen sollte, ist mehr als seltsam. Er wird in der Serie immer wieder als leidenschaftlicher Prediger gezeigt, der seine Zuhörer auf erschreckend natürliche Art und Weise dazu manipuluiert, ihm zu folgen und zu vertrauen. Gelegentlich blitzt ein Hauch von Wahnsinn und fundamentalistischer Überzeugung in ihm auf, dass nur er den richtigen Weg kennt und nur er seine Schäfchen retten kann.
Die Miniserie traut sich jedoch nie, in die Tiefe zu gehen und Hintergründe zu der kontrovers diskutierten Hauptfigur anzubieten, die die Geschichte um ein Vielfaches komplexer machen würde. Dass David Koresh mehrere Frauen hatte, ist in Texas rein rechtlich gesehen nicht problematisch. Koresh unterhielt jedoch auch Beziehungen zu Minderjährigen, die mitunter gerade einmal zwölf Jahre alt waren. Ihm wurde Kindesmissbrauch und sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen. In „Waco“ werden die inneren Mechanismen seiner Branch-Davidians-Sekte bis auf das Beleuchten von Machthierarchien nicht beleuchtet. Koresh präsentiert sich vielmehr als sorgender Familienvater, zwischendurch sogar als rebellischer Rockstar und wenn überhaupt mal als herrischer Ehemann.
Das mag alles irgendwo der Wahrheit entsprechen, immerhin beziehen sich die Dowdle-Brüder auf Sekundärquellen, die sehr subjektiv sein können. So zum Beispiel den Berichten des echten David Thibodeaus (in der Serie von Rory Culkin verkörpert) aus dem Buch „A Place Called Waco“. Wo ist aber die andere Seite der Betrachtung? Vielleicht hatte man kein Material, um den „anderen“ David Koresh zu charakterisieren. Trotzdem darf man den Fall um die Branch Davidians in Waco und den Menschen David Koresh nicht verklären, weil man sonst als Serienmacher seine eigene Glaubwürdigkeit einbüßt. Hier kommt wiederum das generelle Problem der Serie zum Tragen: Es fehlt eben an Kontext. Kontext zu den handelnden Persönlichkeiten in diesem Fall, Kontext zu Religionsgemeinschaften wie die Branch Davidians, Kontext zur Wahrnehmung der US-Regierung und des FBI zu dieser Zeit. In der Pilotepisode versucht man noch zu umreißen, wie das Lebensgefühl vieler US-Bürger aussieht, die sich von ihrer Regierung im Stich gelassen fühlen. Im weiteren Verlauf der Serie übernimmt ein wütender Radiomoderator die Aufgabe, in faden Plattitüden für die Allgemeinheit zu sprechen.

Save yourselves
Wir erfahren zu wenig über die verschiedenen Figuren, ob nun David Koresh oder selbst FBI-Agent Gary Noesner, um diese auf dem Papier spannende Geschichte wirklich komplett aufsaugen zu können. Deshalb wurde bei mir während der Sichtung der Miniserie immer wieder der Wunsch laut, dass man sich doch etwas mehr Zeit für die Charaktere, ihr Wesen und ihre Geschichte genommen hätte. Auch die mediale Aufmerksamkeit, die der Fall generierte, überträgt sich nicht wirklich auf die Zuschauer. Es ist von allem etwas zu wenig und das schlägt sich in der allgemeinen Qualität von Waco wieder. Es gibt tolle, kraftvolle Darbietungen zu bestaunen, diese bauen aber nicht wirklich auf irgendeiner Grundlage, die zuvor etabliert wurde, auf - sie bauen vielmehr auf das Talent der Darsteller und Darstellerinnen sowie der unglaublichen wahren Begebenheit, die hier verfilmt wurde.
Zwar gelingt es, glaubwürdig aufzuzeigen, wie sehr die Branch Davidians während der 51-tägigen Belagerung leiden und mental sowie physisch gefoltert werden. Dennoch vergeht diese Zeit für mich als Beobachter wie im Flug. Anstatt in die Charaktere einzutauchen oder gar gewissenhaft verschiedene Perspektiven aufzuzeigen, wiederholen sich Szenen, in denen sich das FBI und David Koresh von einer Pattsituation zur nächsten hangeln. Es ist eine absolute Seltenheit, doch an dieser Stelle wünsche ich mir doch tatsächlich mehr Episoden, mehr Inhalt, mehr Sorgfalt, damit ein kompletteres Bild von der Tragödie in Waco entsteht, als das, was letzten Endes bei der Paramount Network-Produktion herumgekommen ist. Nämlich eine schwarz-weiße Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die eigentlich von unzähligen undurchsichtigen Grautönen bestimmt ist.
Das ist im Grunde genommen der einzige, aber doch alles überstrahlende Makel dieser Miniserie. Die Performances des Casts, gerade in der aufwühlenden Finalepisode Day 51, sind eine Augenweide. Die Inszenierung ist zum Ende hin zwar etwas übertrieben rührselig, ebenso lassen sich aber etliche starke, erschütternde Bilder und Aufnahmen in den sechs Episoden von „Waco“ finden, die einen berühren und fesseln können. Der Abschluss der Geschichte frustriert und macht wütend, es ist beinahe unerträglich, mit ansehen zu müssen, wie die Lage eskaliert und selbst Vertreter des FBI merken, dass sie zu weit gegangen sind und ihre Macht missbraucht haben. Doch es bleibt dieser fade Beigeschmack, dass wir nur einen reißerischen Bruchteil des Ganzen zu Gesicht bekommen.
Es ist wichtig, mit denjenigen, die offensichtlich Fehler begangen haben, hart ins Gericht zu gehen. Genauso wichtig ist es aber, alle Elemente in diesem komplizierten Fall zu berücksichtigen. Das sektenähnliche Konstrukt, das David Koresh um sich aufgebaut hat, wird so gut wie nie hinterfragt. Wie konnte er sich diese treue Gefolgschaft aufbauen? Die Schattenseiten dieses zentralen Charakters bleiben ebenfalls unbeleuchtet. Auch die FBI-Ermittler auf der gegenüberliegenden Seite bleiben viel zu blass. Wer sind sie eigentlich? Meistens dienen sie mit ihrem Dasein nur dem Plot, anstatt eigenständige Charaktere zu sein. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich die Produzenten von Waco mit allen Facetten und Aspekten dieses traurigen Vorfalls in der jüngeren US-Historie beschäftigt hätten. So kommt am Ende eher das Gefühl auf, dass hier etwas fehlt und der Geschichte nicht vollends Gerechtigkeit widerfährt. Ausnahmsweise schießen ein paar Serienmacher mal nicht über ihr Ziel hinaus. Sie begnügen sich tatsächlich mit zu wenig. Wie ungewohnt. Und wie schade.
Trailer zur Miniserie „Waco“:
«Waco» Trailer
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