Waco 1x01

© aylor Kitsch als David Koresh in âWacoâ (c) Paramount TV
Zum Einstand liefern Drew und John Erick Dowdle, Autoren und Regisseur der neuen Paramount TV-Miniserie Waco, eine sehr solide Episode ab. Visions and Omens nĂ€hert sich dem Serienthema aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln an. Es sind die Blickwinkel zweier Widersacher, von denen einer dem anderen dabei helfen will, lebend aus seiner selbst verschuldeten ZwickmĂŒhle herauszukommen. Ob das gelingt, soll hier nicht verraten werden. Wer es unbedingt jetzt schon wissen will, dem hilft eine schnelle Internetrecherche.
We all have something broken in us
âWacoâ spielt in den Jahren 1992 und 1993, an dem Ort in Texas, der dem Format seinen Namen gibt. Dort hat David Koresh (Taylor Kitsch) ein Areal namens Mount Carmel gepachtet, auf dem er ein Gotteshaus fĂŒr seine Kongregation - manche wĂŒrden und werden es Sekte nennen - Branch Davidian errichtet hat. Hier predigt er seine Auslegung der Bibel, die besagt, dass die Kinder der Glaubensgemeinschaft ebenjene Propheten sein werden, die den Untergang der Welt einlĂ€uten. Im Laufe der Episode stellt sich heraus, dass diese Kinder allesamt von ihm gezeugt sind, mit unterschiedlichen Frauen.
Seine Philosophie sieht nĂ€mlich vor, dass er der einzige ist, der Sex haben darf. Alle anderen MĂ€nner wĂŒrden sich davon zu sehr ablenken lassen. Alkohol, Drogen und Zigaretten sind auĂerdem verboten, fĂŒr alle. Wie sich die Sekte finanziert, wird lediglich angedeutet. Wahrscheinlich haben die Mitglieder einen betrĂ€chtlichen Anteil der Kosten vorab eingezahlt, laut Koresh gehören jedenfalls MillionĂ€re, GeschĂ€ftsleute und anderweitig erfolgreiche Individuen dazu. Geld wird jedoch auch mit dem Verkauf von Waffen und selbst gestrickten Camouflage-Westen erwirtschaftet.
Was an David und seiner Glaubensrichtung so toll sein soll, erfahren wir anhand des Neumitglieds David Thibodeau, der nach einem halben Jahr von allen nur noch âThibsâ genannt wird. Ebenjener Thibs springt bei einem Konzert - eine weitere Einnahmequelle? - als Drummer fĂŒr Koreshs Band ein. Aus dem Angebot, eine Nacht auf dem SektengelĂ€nde verbringen zu können, um nicht den weiten Weg nach Los Angeles zurĂŒcklegen zu mĂŒssen, wird eine weitere Gefolgschaft. Von Steve (Paul Sparks) erfĂ€hrt Thibs beispielsweise, dass er Koresh fĂŒr ein Genie, ja sogar eine wundersame Erscheinung hĂ€lt.

Wenn Steve von der SpiritualitĂ€t seines AnfĂŒhrers spricht, leuchten ihm die Augen. Ein anderes Thema droht, ihn und seine Ehefrau Judy (Andrea Riseborough) allerdings zu zerreiĂen. Als sie erfuhr, dass sie fortan nur noch mit Koresh schlafen und ausschlieĂlich von ihm Kinder bekommen dĂŒrfe, wollte sie die Sekte bereits verlassen. Steve hinderte sie jedoch daran. Nun, da sie tatsĂ€chlich schwanger ist, glaubt er, das nicht aushalten zu können, und will seinerseits das Weite suchen. ĂuĂerst unfair, was er da mit seiner Ehefrau veranstaltet. Immerhin hat er ein Einsehen.
Dead men don't get a trial
Die interessantesten Konflikte werden sich wohl aber nicht innerhalb der Sekte abspielen, denn solche Leute sind fĂŒr Normalzuschauer wahrlich schwer ernst zu nehmen. Diese Problematik umgehen die Serienschöpfer geschickt, indem sie eine weitere Hauptfigur etablieren, die Ă€hnlich viel Spielzeit bekommt wie Koresh. Gary Noesner (Michael Shannon) ist VerhandlungsfĂŒhrer des FBI und als solcher darauf spezialisiert, lebensgefĂ€hrliche Geiselnahmen oder sonstige Auseinandersetzungen unblutig ausgehen zu lassen. Wie er das macht, beweist er uns bei der zumindest halbwegs erfolgreichen EntschĂ€rfung des berĂŒhmten Ruby-Ridge-Falls.
Es ĂŒberrascht dann aber doch ein wenig, dass diesem Fall bei nur sechs Episoden so viel ErzĂ€hlzeit eingerĂ€umt wird. Dessen Ausgang ist zwar nicht unwichtig fĂŒr Noesners nĂ€chsten Fall in Waco, da er mit dem Vorgehen seines Kollegen nicht einverstanden ist und sich ĂŒberhaupt Gedanken um die Neuausrichtung des FBI macht, aber wir hĂ€tten wohl auch ohne ein PortrĂ€t der Ruby-Ridge-Auseinandersetzung verstanden, dass er ein begnadeter Vermittler ist. So hĂ€tte man sich schneller dem eigentlichen Konflikt in Waco widmen können, der erst am Ende der Pilotepisode ins Rollen kommt.
Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt am Ă€uĂerst zufriedenstellenden Auftakt. GlĂ€nzen kann das Format vor allem mit seinem herausragend besetzten Cast und der blitzsauberen visuellen Umsetzung, die in Kombination mit dem Score von Jordan Gagne und Jeff Russo das Herz jedes Friday Night Lights-Fans höherschlagen lĂ€sst. Waco mag das Fernsehen nicht revolutionieren und auch nicht der groĂe Wurf sein, den sich der ehemals unter Spike firmierende Sender Paramount TV erhofft hat. Alleine wegen der Schauwerte lohnt sich das Einschalten aber doch.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 25. Januar 2018Waco 1x01 Trailer
(Waco 1x01)
Schauspieler in der Episode Waco 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?