Vikings 6x08

Vikings 6x08

In der Episode Valhalla Can Wait richten sich die verschiedenen Charaktere nach den letzten Schicksalsschlägen neu aus und suchen nach einem Weg, ihre Leben trotz schwerer persönlicher Verluste irgendwie fortzuführen. Am Horizont bahnt sich jedoch schon die nächste große Herausforderung für die Wikinger an.

Szenenfoto aus der US-Serie Vikings (c) History
Szenenfoto aus der US-Serie Vikings (c) History
© zenenfoto aus der US-Serie Vikings (c) History

Wie hatte die serbische Trainerlegende Dragoslav Stepi Stepanovi&#263 nach der denkbar knapp verpassten Meisterschaft der Eintracht aus Frankfurt am Ende der Bundesligasaison 1991/1992 so nüchtern, aber auch durchaus weise den tragischen Ausgang dieses vermeintlichen Fußballmärchens kommentiert? „Lebbe geht weider.“ In der Tat, was auch immer einem entgegengeschleudert wird, welche gewaltigen Hürden sich einem auch stellen mögen, es geht immer weiter. Irgendwie. Am Ende heißt es stets Mund abputzen, sich aufrichten und mit neuer Kraft den Blick nach vorne zu richten. Was das mit der sechsten Staffel von Vikings zu tun hat? Auch hier ist es in den letzten Episoden zu einer schwerwiegenden Veränderung gekommen. Nach dem Tod von Lagertha (Katheryn Winnick) ist die Welt der Wikinger nicht mehr die gleiche. Die Trauer und die Wut ob dieses Verlusts ist nach wie vor riesig, allen voran bei Bjorn (Alexander Ludwig). Doch: „Lebbe geht weider“ - beziehungsweise „muss weidergehen“, nicht wahr?

Zumindest versucht man es. Immerhin ist noch längst nicht aller Tage Abend, wie man auch unschwer dem vielsagenden Episodentitel Valhalla Can Wait entnehmen kann. Irgendwann werden sie sich alle in den opulenten Festhallen Odins wiederfinden und nach ihrer Zeit auf der Erde das ewige Leben als stolze, unvergessene Krieger feiern. Doch bis dahin kann und wird noch einiges passieren. Die Wikinger leben im Hier und Jetzt, wie es Bjorn zum Abschied von Ubbe (Jordan Patrick Smith) und Torvi (Georgia Hirst), die ihre Zelte in Kattegat abbrechen, so andächtig formuliert. Es gibt eine Zeit für das Leben, für den Tod und für Walhalla. Und die beiden letzteren sind für Bjorn und seine Mitstreiter noch nicht gekommen, auch wenn es sich aufgrund der schmerzhaften Verluste zuletzt so angefühlt haben dürfte, als wäre eine ganze Welt in die Brüche gegangen. Bjorn ist die zentrale Figur dieser Leidensgeschichte, hat er doch nicht nur seine Mutter, sondern auch seinen Sohn Hali verloren. Und als wäre dies noch nicht genug, hatte er Harald (Peter Franzen) gegenüber auch noch das Nachsehen, als es um die Wahl zum König über ganz Norwegen ging.

A sad wreck of a man

Die Götter meinen es aktuell nicht gut mit dem ältesten Sohn Ragnar Lothbroks, der zweifelsohne momentan am Tiefpunkt angekommen ist. Was er dagegen tun kann? Zunächst einmal dürstet es Bjorn nach Gerechtigkeit oder, besser gesagt: Vergeltung. Hvitserk (Marco Ilso) wurde von Beginn an verdächtigt und macht jetzt vor versammelter Mannschaft auch reinen Tisch: Er gesteht den Mord an Lagertha, die er für Ivar (Alex Hogh Andersen) hielt und er ist bereit, die Strafe (der Scheiterhaufen wartet auf ihn...) anzunehmen, die Bjorn für angemessen hält. Diesem sieht man während des „Prozesses“ zu jeder Zeit an, wie es in ihm brodelt, wie unfassbarer Zorn auf quälende Trauer prallt und Bjorn hart mit sich zu kämpfen hat, sich und seine Emotionen zu kontrollieren. Ein Teil von ihm will seinen Halbbruder an Ort und Stelle in Stücke reißen, ein anderer mahnt ihn dazu an, kühlen Kopf zu bewahren, haben einige seiner letzten Entscheidungen doch zu unerwünschten Kettenreaktionen geführt, die nur noch mehr Leid und Kummer mit sich brachten.

Wobei: In Kattegat dürfte aktuell ein jeder Bjorn verstehen - wir Zuschauer tun es, ja selbst Ubbe zeigt Verständnis und könnte wohl nachvollziehen, wenn Bjorn seinem Hass auf Hvitserk ungebremst freien Lauf lassen würde. Doch Bjorn will seinem Gefolge, aber vor allem auch sich selbst beweisen, was in ihm steckt, dass er die vielen wertvollen Lektionen seines Vaters und seiner Mutter verinnerlicht hat, dass er beispielhaft vorangehen und seine Wikinger in ein neues Zeitalter führen kann. Es ist eine der schwierigsten Prüfungen für diesen Charakter, dessen Auseinandersetzung mit seinen eigenen Überzeugungen im leicht nachvollziehbaren, extrem emotionalen Kontext der aktuellen Situation spannend zu beobachten ist. Es schlägt die dunkelste Stunde für Bjorns Herz, der von Katheryn Winnick, die hier als Regisseurin fungiert, mehrfach isoliert von seinen Mitmenschen und nur sich selbst und seinen Gedanken überlassen eingefangen wird. Es zeigt sich, dass auch er nur ein einfacher Mensch ist, trotz all der unglaublichen Geschichten, die sich um ihn ranken, und dass auch Bjorn ein gutes Recht auf all diese schwierigen Emotionen hat, wie Erik (Eric Johnson) richtig festhält.

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Instrument of the Gods

In dieser für Bjorn sehr belastenden Phase kommen auch einige alte Erinnerungen hoch, so zum Beispiel die an den Moment, als sich die Wege von Lagertha und Ragnar (Travis Fimmel) einst trennten und der junge Bjorn (Nathan O'Toole) an der Seite seiner Mutter blieb, wodurch noch einmal die sehr enge Bindung zwischen den beiden verdeutlicht wird. Mehr als das: Bjorn erinnert sich daran, wie sein Vater Ragnar ihm den Auftrag gab, auf Lagertha Acht zu geben. Nun ist sie tot und Bjorn gibt sich die Schuld daran, weil er abwesend war und seinen eigenen Worten nach Ruhm und Ehre hinterherjagte. Letztere verweigert er nun dem zum Tode geweihten Hvitserk, der kurz vor seiner „Erlösung“ - der sich öffnende Himmel und die dunklen Wolken, durch die sich die Sonne kämpft, haben eindeutigen Symbolcharakter - zu einem Leben in Schande und Nichtachtung verdammt wird. Hvitserk hat sich sehr bewusst seiner Schuld gestellt und argumentiert gegenüber seinem Bruder Ubbe sogar noch, dass es ja irgendwann so kommen musste, immerhin wurde es ihnen prophezeit. Da scheint jedoch eher der Wahn aus ihm zu sprechen, so liest sich zumindest auch die stumme Reaktion Ubbes auf Hvitserks Ausführungen.

Mit seiner Hinrichtung kann Hvitserk nun endlich seine irdischen Leiden ablegen und die Dämonen, die ihn heimsuchen, hinter sich lassen. Doch er hat sich einen Aufstieg nach Walhalla durch das bereitwillige Sühnen seiner Missetat nicht verdient, so das niederschmetternde Urteil von Bjorn, was in der Kultur und im Glaube der Wikinger die schlimmste Strafe ist, die man sich nur vorstellen kann. Hvitserk wird verstoßen und aller Wahrscheinlichkeit nach den Winter nicht überleben, man wird ihn vergessen, denn nichts anderes steht ihm nach dem Mord an der legendären Lagertha zu. Diese Entscheidung für den Plot ergibt Sinn und trägt ein anderes, wertigeres Gewicht, als wenn man Hvitserk einfach nur über die Klinge hätte springen lassen. Auf der anderen Seite hält man sich aber auch recht simpel eine Hintertür offen, um Hvitserk im späteren Verlauf noch einmal auftreten zu lassen. Doch auch das wurde ja bereits angedeutet, nachdem der tote Seher zuletzt noch einmal untermauert hat, dass Hvitserks Schicksal weitaus komplexer ist, als dieser es sich vorstellen kann.

Remainders

Mit dem aus Kattegat und ebenso aus der gesamten Wikingergesellschaft entfernten Hvitserk, tut sich nun Ubbe die Chance auf, zu neuen Ufern aufzubrechen. Auch er fühlt sich mitschuldig, als kurzfristiger Stellvertreter Bjorns so unachtsam gewesen zu sein. Nun ist jedoch die Zeit gekommen, den Plan in die Tat umzusetzen, den er und seine Frau Torvi schon seit längerem hegen: eine große Überfahrt gen Westen, erst nach Island, zu dem mysteriösen Wanderer Othere, dann weiter in ein sagenhaftes Land, das noch unentdeckt ist. Ob Ubbe dort jedoch jemals angekommen wird? Zugegeben, die Abreise von ihm und Torvi kommt etwas schlagartig und ganz Unrecht hat Bjorn nicht, dass der Winter nicht die beste Reisezeit für ein solches Unterfangen ist. Aber Vikings will nach den letzten Episoden, in denen der Fokus klar verteilt war, wieder etwas Bewegung in seine Welt reinbringen, was ich verstehen kann. Mit dem Handlungsstrang in Island macht man aber ein „neues altes“ Fass auf, das mir in der Vergangenheit so einige Nerven geraubt hatte. Und jetzt?

Und jetzt werden wir sehen, wie genau sich die neue Situation in Island darstellen wird, bei der es einige Fragezeichen gibt. Die dortige Wikingersiedlung wurde auf Rachsucht und Missgunst erbaut, zwei eher weniger stabile Grundpfeiler. Kjetill (Adam Copeland) hätte indes wohl gut darauf verzichten können, dass Ubbe mit ihm nach Island reist und hier nun erst einmal nach dem verschollenen Floki suchen will, der Kjetill und seine wahre Natur wiederum ans Licht der Öffentlichkeit bringen könnte. Wie gefährlich Kjetill ist, wird etwas zu bemüht über die Bildsprache (als er sich in einer Szene entspannt zurücklehnt, rückt im Vordergrund langsam eine Kriegsaxt in den Fokus) angedeutet, jedoch könnte sich mit der Anwesenheit von Ubbe und Torvi nun auch eine neuartige Dynamik entwickeln, die das Geschehen auf Island interessant macht. Dass diese „Baustelle“ so kurz vor dem Ende der ersten Hälfte der sechsten Staffel von „Vikings“ aufgemacht wird, ist möglicherweise aber auch fatal, weil die Erzählung dadurch wiederum zerfasert wird. Es bleibt wie so oft abzuwarten, ob der Plan von Michael Hirst aufgehen wird oder nicht.

In Kattegat wird übrigens noch ein weiterer potentieller Konflikt thematisiert: Bjorns Untreue gegenüber Gunnhild (Ragga Ragnars), seine Frau, Königin und Mutter seines noch ungeborenen Kindes. Der Wikinger, dem von Gunnhild eindrucksvoll der Rücken freigehalten wird, wodurch sich erst ganz Kattegat hinter ihn stellt, geht nämlich mit Ingrid (Lucy Martin) fremd. Während sie komplett in Bjorn vernarrt zu sein scheint, stellt sich uns bei ihm die Frage, ob er aus reiner Begierde und fleischlichen Gelüsten mit der Bediensteten in die Kiste springt oder ob er wirklich auch Gefühle für sie hat. Etwas überraschend tritt dann jedoch Gunnhild auf den Plan, die sehr sportlich mit dieser Affäre umgeht und sogar eine pragmatische, polygame Lösung anbietet. Sie, Bjorn und Ingrid leben einfach in trauter Dreisamkeit weiter und respektieren einander. Ein beachtlicher Zug von Gunnhild, doch irgendetwas wurmt mich an diesen Szenen.

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Ghosts

Eventuell, weil diese Dreiecksbeziehung vor allem dafür benutzt wird, um Bjorns momentanen Gemütszustand und seine Überforderung ob all der Dinge, die gleichzeitig auf ihn einprasseln, zu bedienen. Ich hoffe einfach nicht, dass Gunnhild (Ingrids Figurenzeichnung ist übrigens auch eher mau) auf der Strecke bleibt. Ganz im Gegenteil sogar, vielleicht kann sie ja ein Stück weit das Vakuum schließen, das Lagertha durch ihren Tod hinterlassen hat. Diese Fußstapfen sind unmöglich zu füllen, doch, nachdem die prominenteste weibliche Figur der Serie nicht mehr ist, wäre es schade, wenn diese wichtige Perspektive auf der Zielgeraden der Serie vernachlässigt werden würde. Wohin es in diesem Erzählstrang nämlich gehen soll, erschließt sich mir noch nicht wirklich. Und, falls es darauf hinausläuft, dass Ingrid letztlich doch Bjorn für sich alleine haben will und dementsprechend gegen Gunnhild intrigiert, kann ich mir durchaus interessantere Dinge vorstellen als eine derartige Entwicklung.

Eine neue Entwicklungsstufe erreichen wir im Übrigen auch hinsichtlich der Invasion Norwegens durch Oleg (Danila Kozlovsky) und seine Truppen aus der Kiewer Rus. Nein, wirklich - es ist kein Running Gag: Während es Harald in Vestfold immer noch genießt, der neue König über ganz Norwegen zu sein und daran werkelt, dass auch wirklich alle Herrscherinnen und Herrscher unter den Wikingern den Kniefall vor ihm machen, entsendet Oleg nun erste Überfallkommandos gen Skandinavien, die in einer wuchtigen Sequenz ein kleines Dorf überrollen und eine Spur der Verwüstung nach sich ziehen. Respekt an den todesmutigen Schmied, der mit Hammer und Hufeisen bewaffnet noch einige der Angreifer mit in den Tod reißen kann. Ansonsten hinterlassen Olegs Soldaten eine bedrohliche Duftmarke, stellen sie doch einen neuen, völlig fremden Feind dar, den die Wikinger überhaupt nicht einschätzen können. Krieger zu Pferde dürften zwar keine völlige Neuheit für die Nordmänner sein, doch die organisierte Kavallerie Olegs könnte durchaus eine nie da gewesene Herausforderung für sie darstellen.

Enigma

Oleg will durch derartige Angriffe aber nicht nur für Unruhe im Feindeslager sorgen, sondern auch wertvolle Informationen sammeln, wie man strategisch vorgehen sollte. Ivar spielt in diesen Überlegungen ebenfalls eine gewichtige Rolle, mit guten Plänen und ausgeklügelten Taktiken konnte der Knochenlose bereits in der Vergangenheit auftrumpfen. Doch man merkt auch, dass Oleg seinen Gast eher kleinhalten will, um ganz deutlich zu kommunizieren, wer hier die Hosen anhat. Zusätzlich ist es dem Kiewer Prinzen auch nicht entgangen, dass Kronprinz Igor (Oran Glynn O'Donovan) und Ivar inzwischen sehr eng miteinander verbandelt sind. Von jetzt auf gleich bricht es dann auch aus Oleg heraus, der seinen Neffen sogar bei der Gurgel packt und diesem unmissverständlich vor Augen führt, wo Igors Platz ist und dass er das Sagen hat. Die Schelte ist dermaßen heftig, dass Oleg dem kleinen Igor womöglich erfolgreich den Kopf gewaschen und dabei dermaßen viel Furcht in diesem ausgelöst hat, woraufhin sich Igor wieder in seinen Panzer zurückzieht und seine Ansprüche zurückschraubt, welche Ivar in letzter Zeit subtil genährt hatte.

Auf der anderen Seite kann Olegs rabiater Umgang mit Igor aber auch von Ivar genutzt werden, den Keil noch tiefer zwischen die beiden zu treiben und letztlich aus der Angst Igors vor Oleg eine unbändige Wut und Waffe machen, wovon Ivar selbst nur profitieren kann. Ohnehin ist auffällig, wie väterlich sich Ivar um den Kronprinzen kümmert. Mittlerweile scheint es so, als würde er Igor nicht mehr nur als Mittel zum Zweck, sondern als wirklich guten Freund, wenn nicht sogar eine Art Ziehsohn ansehen. Damit macht sich Ivar aber wiederum selbst etwas angreifbar und Oleg scheint daher schon die Messer zu wetzen. Es mutet verdächtig an, dass er ausgerechnet jetzt Ivar auf dessen Sohn anspricht, den vor nicht allzu langer Zeit ein schreckliches Schicksal ereilt hatte, von dem nur die wenigsten wissen. Ganz davon abgesehen, dass Oleg mal wieder mit Wissen prahlt, das der selbsternannte „Prophet“ theoretisch gar nicht besitzen kann, wird Ivar abermals zu einem fiesen, jedoch inzwischen auch etwas abgenutzten Psychospielchen herausgefordert - Ausgang ungewiss.

Hier abschließend noch der Trailer zur „Vikings“-Episode 6x09, Resurrection:

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 23. Januar 2020

Vikings 6x08 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 8
(Vikings 6x08)
Deutscher Titel der Episode
Die Hälfte des Himmels
Titel der Episode im Original
Valhalla Can Wait
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 22. Januar 2020 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 23. Januar 2020
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Katheryn Winnick

Schauspieler in der Episode Vikings 6x08

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen
Nathan O'Toole

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