Vikings 6x05

Vikings 6x05

Zu den Wahlurnen, bitte! In der Episode The Key kommen die Jarls von Norwegen zusammen, um ihren neuen König zu bestimmen. Während Hvitserk einen neuerlichen Tiefpunkt erreicht und sich die kampfesmüde Lagertha auf das Schlimmste gefasst macht, spielt Ivar in der Kiewer Rus mit dem Feuer. Außerdem kommt es zu einem unerwarteten Wiedersehen.

Vikings (c) History
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© ikings (c) History

Diplomatie und dialoggetriebene Politik waren bisher eher selten Stärken der Wikinger in Vikings. Zwar wurden in der Vergangenheit untereinander immer wieder Abkommen getroffen und (wackelige) Allianzen geschmiedet, doch das Ende vom Lied lautete zumeist, dass man sich auf dem Schlachtfeld wiedertraf, auf dem man Machtansprüche mit Schwert und Schild „ausdiskutierte“. Die vielen unterschiedlichen Parteien in Norwegen, die diversen Jarls, Earls, souveräne Kleinherrscher und Kleinherrscherinnen haben die politische Landschaft von Norwegen und die Mentalität ihrer Teilnehmer dementsprechend geprägt: Letztlich kannst du nur dir selbst vertrauen, ein jeder hat es auf deinen Einfluss und deine Macht abgesehen, und wenn du dich nicht vorsiehst, dann findest du dich schneller in Walhalla wieder, als du es für möglich gehalten hast.

Das ist der Weg der Wikinger, seit Jahrtausenden ein kampflustiges Völkchen, bei dem die rauen Umgangsformen zum guten Ton gehören. Doch das soll sich in „The Key, Vikings“ nun erstmals ändern. Olaf (Steven Berkoff, in dieser Folge voll in seinem Element und gewohnt theatralisch, aber auch sehr kurzweilig unterwegs) hat zur großen Königswahl geladen, die einen Alleinherrscher über Norwegen hervorbringen soll, hinter dem sich alle Stämme versammeln können. Nur gemeinsam, als eine geeinigte Front, können sich die Wikinger und Wikingerinnen Norwegens den zukünftigen Bedrohungen von außerhalb erwehren. Dafür benötigen sie einen starken Anführer, der sie beispielhaft delegiert und dem sie unisono vertrauen können. Spitzenkandidat ist Bjorn Ironside (Alexander Ludwig), auf dessen Schultern mit der im Raum stehenden Ernennung zum König über die norwegischen Wikinger neben dem schweren Erbe seines Vaters Ragnar Lothbrok eine ganz neue Herausforderung lasten würde.

Power and prestige

Da wir bereits die Halbzeit des ersten Teils der finalen sechsten Staffel von „Vikings“ erreicht haben, tut der Serienschöpfer Michael Hirst gut daran, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Wir arbeiten gemächlich auf den großen Konflikt mit Prinz Oleg (Danila Kozlovsky) und seinen Rus-Wikingern hin, zuvor gilt es jedoch, die Nordleute um Bjorn allesamt zu vereinen, damit die drohende Auseinandersetzung umso gewaltiger und epischer ausfällt. Rein handlungstechnisch vollführt Hirst mit dieser Entwicklung also einen notwendigen Schritt, wenngleich er sich ein spannendes Hintertürchen offenlässt. Denn, ob es wirklich zu einer friedvollen Vereinigung aller norwegischen Wikinger kommt, darf stark bezweifelt werden. Vielsagende, verdächtige Blicke bei einigen der Beteiligten, genauer Harald (Peter Franzen) und Kjetill (Adam Copeland), erwecken nämlich den wenig subtilen Eindruck, dass ein harmonischer Schulterschluss eine gefährliche Illusion ist.

Quarrel and fight

Grundsätzlich erklärt sich jeder der geladenen Anführer und Anführerinnen dazu bereit, diesen neuen, demokratischen Weg einzuschlagen. Doch so recht wollen wir dem Braten nicht trauen. Ein Gefühl, das eventuell auch dadurch verstärkt wird, dass wir zwischendurch immer wieder sehen, wie rabiat und undiplomatisch es im Leben der Wikinger zugeht. Es ist zwar ganz nett, zu sehen, wie sich die Eliten dieser Gesellschaft gegenseitig Honig ums Maul schmieren. Doch die wahre Natur dieses Volkes zeigt sich auf den Straßen, auf denen wild gefeiert und kleine Meinungsverschiedenheiten gerne mal mit einer beherzten Backpfeife geklärt werden. So löblich und fortschrittlich Olafs Überlegungen auch sind, seine Vorstellung eines neuen, geeinten Norwegens unter einem einzigen König mutet arg idealistisch an. Er verlangt von seinen Gästen, dass sie alle ihre Macht abgeben - und nicht jedem von all diesen Alphatieren dürfte dieser Vorschlag schmecken.

Insbesondere Harald stellt in diesem Zusammenhang eine hochinteressante Personalie dar. Neben Bjorn, König Hakon (Mishaël Lopes Cardozo), der ersterem seine Lehnstreue zugesichert hat, und dem selbstbewussten Jarl Thorkell (Fredrik Hiller) ist Harald einer von vier Kandidaten für den Platz an der Sonne. Er stimmt bei der Wahl - zeremoniell stilvoll angerichtet auf einem Plateau im Wasser - jedoch ebenfalls für Bjorn ab, was ein cleverer Schachzug ist. Die Vermutung liegt nahe, dass Harald selbst die Macht ergreifen will, immerhin ist dies sein Lebenstraum. Als treuer Unterstützer Bjorns und als dessen inniger Freund kann er seine wahren Motive gut im Verborgenen halten. Vielleicht bin ich aber auch zu vorschnell, Harald jetzt schon zu verurteilen, immerhin ist seine Klüngelei mit Kjetill fast schon zu offensichtlich. Möglicherweise kommt es am Ende doch ganz anders, Stand jetzt können wir aber festhalten, dass die demokratischen Bemühungen bei den Wikingern mit einigen internen Spannungen unterhalb der Oberfläche einhergehen, deren Ausmaß noch nicht wirklich messbar ist.

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King of kings

Wie demokratisch sich das Prozedere rund um die Königswahl überhaupt gestaltet, ist ohnehin diskutabel. Das einfache Wikingervolk nimmt vom Hafen aus als Zuschauer an der Abstimmung teil, verfügt jedoch über keinerlei Wahlrecht, selbst ihren zukünftigen Herrscher zu bestimmen. Das obliegt einzig und allein den Entscheidungsträgern dieser Gemeinschaft. Aber, ob diese letztlich die Meinung und Ansichten ihrer Gefolgschaften gewissenhaft vertreten oder eben doch eher ihren eigenen Interessen folgen, steht auf einem anderem Blatt Papier. Eine basisdemokratische Lösung sollte man wohl nicht erwarten und vielleicht hat es Michael Hirst auch genau auf diese Lektion abgesehen: die politische Situation unter den Wikingern in Vikings ist komplex, alles andere als gerecht und nur schwer zu entschlüsseln. Und selbst, wenn man eine geeinigte Front bilden kann, wird es immer Unruheherde und Faktoren geben, die diese geschlossene Gemeinschaft in Gefahr bringen.

Gemeinschaft ist auch in dem Handlungsstrang um Lagertha (Katheryn Winnick) ein Thema, die von Gunnhild (Ragga Ragnars) aufgesucht wird, nachdem diese einen schrecklichen Traum von der Zerstörung von Lagerthas Dorf hatte. Die Stimmung vor Ort ist nach dem jüngsten Angriff der Banditen und den damit einhergegangenen Verlusten geknickt und Lagertha erscheint schrecklich kampfesmüde. Ein wenig beißt sich ihre aktuelle Einstellung mit dem flammenden Plädoyer, das sie vor wenigen Folgen gehalten hatte. Doch in der Zwischenzeit hat sie eben auch ihr Enkelkind verloren und mit ansehen müssen, wie unschuldige und wehrlose Menschen massakriert wurden. Man ist es nicht gewohnt, die stolze Wikingerin so gebrochen und am Boden zerstört zu sehen. Sie wollte nur ihren Frieden, wurde erneut dazu gezwungen, zu den Waffen zu greifen, und hat abermals einen tiefen Rückschlag hinnehmen müssen. Ihr Verhalten ist daher durchaus nachvollziehbar, auch wenn es ein Stück weit wechselhaft erscheint.

Unify

Unterstützung erhält sie nun von Gunnhild, die mit ein paar jungen Schildmaiden zur Hilfe geeilt ist und beim Wiederaufbau der spärlichen Verteidigungsanlagen des Dorfes mit anpackt. Gunnhilds Integration in Lagerthas Geschichte wirkt ein wenig beliebig, doch der kleine Mikrokosmos, der hier aufgebaut wurde und abseits der großen politischen Entscheidungen hinsichtlich ganz Norwegen an anderer Stelle existiert, dient als gelungene Erinnerung daran, wie das Wikingerleben auch aussehen kann und dass es nicht immer um klassische Machtkämpfe und gigantische Schlachten gehen muss, um eine emotionale Reaktion bei der Zuschauerschaft hervorzurufen. So ist zum Beispiel das gemeinsame Feiern der jungen Schildmaiden um Gunnhild und der alten Schildmaiden um Lagertha eine tolle, kleine Momentaufnahme, die die Solidarität dieser eingeschworenen Gruppierung innerhalb der Wikingergemeinschaft treffend auf den Punkt bringt.

Am Ende geht es um den Kampf für die eigene Freiheit und Unabhängigkeit, für ein Leben ohne Angst vor fremden, externen Kräften, die einen ausbeuten und malträtieren wollen. Lagertha und Gunnhild entstammen zwei unterschiedlichen Generationen, doch sie sind von einer ähnlichen Denkweise geprägt, die sie und ihresgleichen zusammenschweißt. In einer unscheinbaren Szene wie das kleine Festmahl und die herzliche „Verschwesterung“ junger, tatendurstiger Kriegerinnen mit älteren Kampfgenossinnen, die ihre Pflicht eigentlich längst erfüllt, sich aufgeopfert haben und ein letztes Mal gefordert werden, steckt viel Strahlkraft und ein Aufruf für Empathie und gegenseitigen Rückhalt in harten Zeiten. Ein Moment wie dieser nimmt so urplötzlich eine wunderbare Bedeutung in einer brutalen Welt ein, die über die Jahre immer größer geworden ist, deren kleine Augenblicke aber nicht übersehen werden sollten.

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External forces

In der Kiewer Rus schraubt indes Ivar (Alex Hogh Andersen) weiter durchaus risikoreich an seiner Position am Hof von Prinz Oleg. Ivars gutes Verhältnis zum eigentlichen Thronerben Igor (Oran Glynn O'Donovan) ist mittlerweile fest etabliert, gemeinsam mit dem jungen Burschen geht der exilierte Wikinger nun ein großes Wagnis ein: Sie befreien in einer Nacht- und Nebelaktion den gescholtenen Dir (Lenn Kudrjawizki) aus seinem Hundezwinger und setzen Olegs Bruder auf freien Fuß. Unterstützung bekommen sie bei diesem Vorhaben von Dirs Frau Anna (Serena Kennedy), die die Wachen ablenkt, welche wiederum wenig später für ihre Unachtsamkeit von Oleg grässlich bestraft werden. Doch warum lässt sich Ivar auf dieses gefährliche Spiel ein? Ein richtiges Vertrauen in Oleg scheint sich wohl doch nicht aufgebaut zu haben, die Beziehung zu Igor ist dem Knochenlosen wichtiger. Gleichzeitig kann Ivar durch die Befreiung von Dir für eine politisch instabile Lage in der Kiewer Rus sorgen, wovon er möglicherweise profitieren kann.

Der Masterplan Ivars erschließt sich mir noch nicht ganz, doch klar ist auch, dass es im kalten Osten alles andere als langweilig zugeht und die weitere Entwicklung dieses Handlungsstranges sicherlich noch die eine oder andere Überraschung für uns bereithalten wird. Was in The Key ganz nebenbei besonders auffällt, ist das hervorragende Setdesign in Kiew, die fantastische Ausstattung und die fabelhaften Kostüme. Und dann lässt Oleg auch noch eine kleine Bombe platzen, als er Ivar seine neue zukünftige Frau vorstellt: Prinzessin Katia, die exakt so aussieht wie Ivars alte Flamme Freydis, seine ehemalige Königin und Mutter seines Kindes, welche er eigenhändig aus dem Leben getilgt hat. Tatsächlich tritt Schauspielerin Alicia Agneson in einer verspäteten Doppelrolle auf - aber warum? Ein interessanter Kniff von Michael Hirst, wird Ivar so doch komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Handelt es sich wirklich um eine Art Retourkutsche von Oleg? Aber woher sollte dieser wissen, wie Freydis ausgesehen hat, geschweige denn, dass Ivar mit ihr liiert war?

Only a shell

Wie dem auch sei, es bleibt rätselhaft in der Kiewer Rus, aber auf eine gute Art und Weise. Während Oleg die Invasion von Skandinavien vorbereitet (mit gefälschten Dokumenten lässt sich ein Machtanspruch durchaus gut zementieren), werfen wir noch einmal einen Blick zurück nach Norwegen, genauer gesagt Kattegat. Dort ist die Kunde von Ivars Aufenthalt in Kiew inzwischen angekommen, was vor allem für eine Person von großer Bedeutung sein könnte: Hvitserk (Marco Ilso). Dieser erreicht jede Woche einen neuen Tiefpunkt und scheint nun völlig dem Wahn verfallen zu sein, als er ein altes Eisentor durch die Stadt schleppen lässt, um sich damit vor den Geistern zu schützen, die ihn plagen. Doch Hvitserk kann diesen Dämonen nicht entrinnen, erneut wird er von Thoras (Eve Connolly) verbrannter Leiche heimgesucht, die ihn auffordert, Rache zu üben. Das scheint Hvitserks Aufgabe, seine Verantwortung, seine Bestimmung zu sein.

Things to do

Doch was ist wirklich Hvitserks Bestimmung? Der Wikinger gibt sich wieder einmal seinem neuerlichen Drogenlaster hin und hat eine Art Eingebung, bei der ihm der tote Seher von Kattegat kryptisch vor Augen führt, dass sich Hvitserks wahre Bestimmung erst noch offenbaren wird. Die Ausführungen des Orakels sind etwas verwirrend, und auch Hvitserk scheint kurzzeitig nicht mehr zu wissen, wo oben oder unten ist. Das dürfte jedoch auch an seinem extremen Drogenkonsum liegen, wofür er sogar seinen Armreif veräußert, auf den er zuvor geschworen hatte, Ivar nicht ungeschoren davonkommen zu lassen. Hvitserk glaubt, dass er Ivar töten muss, der hier als ein schuppige Bestie dargestellt wird, die Hvitserk quält und niemals in Frieden lassen wird, solange sich dieser nicht seinem Trauma stellt. Die Vorhersage im Drogenrausch lässt nun darauf schließen, dass Hvitserk seinem Wunsch nach Vergeltung an Ivar zwar nachgehen muss, er im Zuge dessen aber erst erkennen wird, was die Götter wirklich von ihm verlangen.

Das alles mutet ein wenig konfus an, doch es ist stimmungsvoll inszeniert und macht Hoffnung, dass Hvitserk als Charakter jetzt den nächsten Schritt machen wird, vor allem, weil die Wikinger in Kattegat um Ubbe (Jordan Patrick Smith) nun wissen, wohin es ihren kleinen Bruder verschlagen hat. Ob es wirklich sinnvoll ist, Hvitserk in seinem aktuellen Zustand auf die Suche nach Ivar zu schicken, darf hinterfragt werden. Doch es dürfte auch schwer sein, Hvitserk aufzuhalten, der sich letztlich auf eigene Faust losmachen könnte, ohne den Segen seines Bruders Ubbe, um seiner Pflicht - Rache für Thora - nachzugehen. Wir warten gespannt ab - was natürlich auch für die Causa Ingrid (Lucy Martin) gilt, die in einer kurzen Szene mit Torvi (Georgia Hirst) interagiert und in dieser ganz fest daran glaubt, dass Bjorn schon bald zu ihr zurückkehren wird. Torvi kennt dieses Gefühl nur zu gut und kann die Chancen dafür daher sehr realistisch einschätzen. Es gilt: Man wird ja wohl noch träumen dürfen...

Hier abschließend noch der Trailer zur „Vikings“-Episode 6x06, Death and the Serpent:

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 6. Januar 2020

Vikings 6x05 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 5
(Vikings 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Wahltag
Titel der Episode im Original
The Key
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 1. Januar 2020 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 2. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 2. Januar 2020
Autor
Michael Hirst
Regisseur
David Frazee

Schauspieler in der Episode Vikings 6x05

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen

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