Vikings 5x18

Vikings 5x18

Vikings bleibt auch in der Episode Baldur seiner aktuellen Marschrichtung treu und setzt bei der Erzählung weiterhin auf einen charakterzentrierten Ansatz. Davon profitieren wiederum die unterschiedlichen Figuren, während der Plot eher gemächlich vorangetrieben wird. Eine besondere Rolle spielen indes die Geister der Vergangenheit.

„Vikings“ (c) History
„Vikings“ (c) History
© ??Vikings“ (c) History

Vielleicht geht es nur mir so, aber ich habe den Eindruck, dass Vikings sich wieder gefunden hat. Die ersten paar Episoden der neuen Halbstaffel waren alles andere als schlecht, jedoch insgesamt dennoch nur in Teilen überzeugend. Es herrschte eine große Unordnung (zwangsläufig - nach dem Ende der ersten Hälfte der fünften Staffel...) und es wirkte ein wenig so, als würden sich Michael Hirst und sein Team etwas schwer tun, Struktur in ihre Geschichten zu bringen. Vielerorts wurde geklüngelt, sich verbündet und zerstritten. Ich persönlich nahm derartige Entwicklungen aber mehr als Mittel zum Zweck wahr, um den Plot nicht zum Erliegen kommen zu lassen, als dass wirklich aufgezeigt wurde, was die Charaktere bewegt und warum sie welche Entscheidungen treffen. Interessant war es allemal. Doch leider fehlte ein Stück weit der Unterbau.

Das hat sich nun in den letzten Folgen deutlich geändert. Der Plot ist zwar nicht wirklich komplett zweitrangig geworden, jedoch ist es schon auffällig, dass wir zuletzt eher kleinere Schritte vorwärts gemacht haben, wenn es um die Machtspielchen in Kattegat oder auch England gegangen ist. Dafür sind jetzt wiederum einzelne Charaktere wieder mehr ins Rampenlicht gerückt, deren Ängste, Sorgen und Motivationen präzise beleuchtet werden, wodurch die Zuschauer prompt ein besseres Gefühl für die Figuren bekommen, die sich in dieser Welt tummeln und ebenjener ihren Stempel aufdrücken wollen. Und, wenn ich ehrlich bin, habe ich das ein wenig vermisst. Ich bin der Letzte, der sich nicht über eine imposante Highlightfolge wie zum Beispiel Hell freut. Es ist aber auch schade, wenn die Vielfalt an Charakteren in „Vikings“ nicht so richtig zum Tragen kommt und das starke Ensemble zu wenige Möglichkeiten erhält, mit ihren Rollen zu arbeiten.

Changes

Die neueste Episode, Baldur, ist ein gutes Beispiel dafür, dass man das Historiendrama eben nicht nur auf große Schlachten, fiese Intrigen und schockierende Wendungen reduzieren kann. Die Episode beschäftigt sich erneut intensiv mit den verschiedenen Figuren und ganz persönlichen Herausforderungen, die sich ihnen stellen. Dies hat zahlreiche intime Einblicke zur Folge, so dass wir teilweise hinter die Fassade einiger Schlüsselspieler blicken, deren Außendarstellung konträrer zu ihrem innerlichen Befinden nicht sein könnte. Schauen wir uns nur Ivar (Alexander Hogh Andersen) an. Über mehrere Episoden haben wir nun gesehen, wie er sein Terrorregime in Kattegat installiert hat. Er beschreibt sich selbst als gütig, als jemand, der an das Allgemeinwohl denkt. Doch in Wirklichkeit herrscht er mit harter Hand und erstickt eine potentielle Widerstandsbewegung sogleich im Keim.

Outsiders

In einer schrecklichen, fantastisch gefilmten Szene wird das Grauen deutlich: Hvitserks Partnerin Thora (Eve Connolly), ihre Familie und weitere Bewohner der Stadt werden kaltblütig umgebracht, am lebendigen Leib verbrannt, da Ivar keine Opposition billigt. Nach der Entweihung einer seiner Abbilder entledigt er sich seiner Feinde im Inneren (die Markierungen in deren Gesichtern, um zu kennzeichnen, wer dem Tod geweiht ist, sind ein schauerliches Detail), von göttlicher Güte kann keine Rede sein. Als dann „sein“ Sohn Baldur geboren wird, scheint es fast so, als würde der selbsternannte Gott die Strafe für sein anmaßendes, tyrannisches Verhalten bekommen. Das Neugeborene ist verformt, was Freydis (Alicia Agneson) als Gütesiegel der Götter interpretiert. Doch Ivar sieht es anders. Er sieht sich selbst in seinem Sohn, eine bemitleidenswerte Gestalt, die man ein Leben mit dieser Schmach nicht erfahren lassen sollte.

Nachdem wir zuletzt den Tyrann und Gott Ivar gesehen haben, zeigt sich nun ein altbekanntes Gesicht seiner selbst: Der unsichere, tief verletzte Ivar, der seinen Platz auf dieser Erde stets hinterfragt hat; der sich davor gefürchtet hat, nicht geliebt zu werden; der immer um Respekt und Zuneigung kämpfen musste, von anderen sowie von seiner eigenen Familie; der nicht verstehen konnte, warum sein eigener Vater Ragnar Lothbrok ihn nicht gleich nach seiner Geburt erlöst und Ivar dieses schwierige, brutale Leben erspart hat. In einem Augenblick fällt die monströse Maske, die Ivar getragen hat, um sich selbst zu schützen. Wir sehen einen jungen, verwundeten Mann, den man nur bemitleiden kann. Und zwar, weil er nie geliebt wurde und auch, weil er es sich selbst so schwer macht.

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History
History - © History

My boy

Ist es aufgrund dieser Voraussetzungen unvermeidbar gewesen, dass Ivar sich so entwickelt hat, wie er heute ist? Trifft Ragnar wirklich eine Schuld, dass er Ivar am Leben gelassen und nicht erlöst hat, bevor das Schicksal seinen Lauf nehmen konnte? Der legendäre Wikinger spielt in Baldur durchgehend eine große Rolle, etliche Charaktere erinnern sich an ihn, rufen Ragnar und seine Taten, seinen Legendenstatus, seine Gütigkeit, seinen Heldenmut und seine Abenteuerlust in Erinnerung. Ein faszinierender Personenkult, der jedoch nicht von jedem geteilt wird. Für manch einen ist Ragnar ein unerreichbares Ideal, jemand, der seinen Schatten für alle Ewigkeit vorauswerfen wird. Siehe Harald (Peter Franzen), der wahrscheinlich nie seine Ziele verwirklichen wird. Für andere ist Ragnar ein Vater gewesen, der seiner Pflicht nicht nachgekommen ist, der erst gar nicht und dann viel zu spät eine Beziehung zu seinem gebrechlichen Sohn Ivar aufgebaut hat. Er möchte seinem eigenen Kind, das in Wahrheit gar nicht sein Kind ist, diese Schmerzen nicht aufbürden und überlässt es allein seinem traurigen Schicksal...

Die Präsenz von Ragnar legt sich wie ein schwerer Schleier über diese Episode, womit Michael Hirst wieder einmal deutlich machen möchte, welch große Bedeutung der Wikinger für seinesgleichen und ehemalige Wegbegleiter hat. Bjorn (Alexander Ludwig) hat verstanden, was seinen Vater ausgezeichnet hat, auch wenn es keine rationale Erklärung für Ragnars Werdegang gibt. Die Götter waren ihm hold, sein Aufstieg zur Legende war ihm vorbestimmt. So, wie es Harald vorbestimmt zu sein scheint, der ewige Zweite zu bleiben. Er macht während der Hochzeitsfeier von Bjorn und Gunnhild (Ragga Ragnars) gute Miene zum bösen Spiel, galant-provokant tauschen sich die beiden Verbündeten im Kampf gegen Ivar aus. Ob Harald seinem Schicksal trotzen und nicht nur Ivar, sondern letztlich auch Bjorn überkommen kann? Anders wird er nie König über Norwegen sein. Oder sind die Nachfahren Ragnars eine Nummer zu groß für ihn?

Only human

Wir sehen es zum Beispiel auch im Fall von Ubbe (Jordan Patrick Smith), der es im Namen von König Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) mit den Dänen aufnimmt, die an die Haustür der Angelsachen klopfen. Die unheilvolle Atmosphäre, als Ubbe zusammen mit Torvi (Georgia Hirst) im Lager der dänischen Invasoren ankommt, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch diese alles andere als freundliche, willkommen heißende Grundstimmung verpufft auf Anhieb, als Ubbe lauthals von den Soldaten der drei Könige Hemming, Angantyr und Frodo begrüßt wird. Torvi sagt es: Ubbe ist berühmt. Weil er sich selbst einen Namen gemacht hat, aber auch, weil er der Sohn von Ragnar Lothbrok ist. Dieser Umstand hat Gewicht. Und deswegen gelingt es Ubbe wahrscheinlich auch, Hemming (Erik Madsen) und Angantyr (Markjan Winnick, ein Bruder von Katheryn Winnick) von Ragnars altem Traum einer Wikingersiedlung in England zu überzeugen. Einzig Frodo (Gavan O Connor Duffy) spurt nicht, also wird es zum Zweikampf zwischen diesem und Ubbe kommen, um die Angelegenheit zu klären, ohne dass tausende Krieger ihr Leben auf dem Schlachtfeld lassen müssen.

Tales of triumph

Ein wenig komisch ist es schon, dass mit den Dänen von jetzt auf gleich eine ganz neue Partei eingeführt wird. Auf der anderen Seite ist dieses neue Element nicht uninteressant, selbst, wenn ich den Eindruck habe, dass sie vor allem auf den Plan treten, damit der diplomatische Ubbe etwas in England zu tun hat und wir mehr über seinen Charakter erfahren, der Ragnar in gewissen Bereichen sehr ähnelt. Diese Parallelen zwischen Vater und Sohn sind spannend zu beobachten und Ubbe ist nicht der einzige von Ragnars Söhnen, bei dem sich ein kleiner Vergleich mit dem alles überschattenden Wikingerfürsten anbietet. Dieser begab sich, wie wir wissen, auch immer wieder auf gewagte, spirituelle Ausflüge und zeigte sich offen gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Hvitserk (Marco Ilso) übernimmt nun ein wenig diesen Charakterzug, nachdem er ein Interesse für den Buddhismus entwickelt hat - also einen Glauben, der ihm wiederum einen neuen Weg weisen könnte.

Hvitserk schlägt in „Baldur“ im Auftrag von Ivar in den schneebedeckten, frostigen Ländereien von König Olaf (Schauspielveteran Steven Berkoff) auf, wo ihm sogleich sehr deutlich sein Platz zugewiesen wird. Das Aufeinandertreffen mit Olaf in einer altertümlichen Sauna gestaltet sich dann etwas kurios, glaubt Hvitserk doch, dass hier der allwissende Buddha vor ihm sitzt. Bei der gewaltigen Trommel, die Olaf vor sich trägt, durchaus vorstellbar. Leider macht man aus diesem sonderbaren Trip nichts Halbes und nichts Ganzes und so hat diese kleine Nebenhandlung letztlich nur einen Zweck: Hvitserk bekommt, nachdem er die Hitzefolter durchgestanden hat, die Unterstützung von Olaf, um gegen Ivar vorzugehen. Olaf war anfangs noch dagegen, sichert Hvitserk dann aber Hilfe zu. Es mutet ein wenig skurril an und vielleicht hat sich Hvitserk wirklich in einer Art Mischung aus Illusion und Realität wiedergefunden. Wie dem auch sei: Mit ihm und Olaf in Skandinavien und Bjorn und Harald in York auf dem Weg nach Kattegat erwartet Ivar sein blaues Wunder.

History
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Deliver us from evil

Die feine Balance zwischen Einbildung und Wirklichkeit, das Verschwimmen der Grenzen zwischen diesen beiden Seiten, das ist auch ein großes Thema in dem Handlungsstrang um Lagertha (Katheryn Winnick), die nach zwei Folgen der Abwesenheit nun wieder zu sehen ist. Eher zufällig stolpert Judith (Jennie Jacques), die sich von einer Waldhexe behandeln lässt, über die gefallene Schildmaid, die komplett von der Rolle ist und geistig verwirrt scheint. Während sie ins Königshaus gebracht wird, erhaschen wir einen Blick in ihre konfuse Gedankenwelt, die Rätsel aufgibt. Wir hören die Stimmen von Athelstan und Ragnar, wie sie das Vaterunser aufsagen und sehen mehrere Lagerthas, als wäre sie auf der Suche nach sich selbst. Und dann befinden wir uns plötzlich mitten in der Hinrichtung von Ragnar durch King Aelle, an dessen Stelle in einer gespenstischen Szene auf einmal Lagertha steht.

Nach ihrem schmerzvollen Verhältnis zu Heahmund, der sich letzten Endes für seinen Gott entschieden hat, erinnert sich Lagertha an ihren Ehemann zurück, ihre erste und wahrscheinlich einzig aufrichtige Liebe. Gibt sie sich die Schuld für den Tod von Ragnar? Wenn ja, warum? Immerhin war sie von ihm unfair behandelt und links liegen gelassen worden, nachdem Ragnar mit Aslaug anbandelte. Trauert Lagertha einfach nur dem Menschen hinterher, bei dem sie glücklich war, der sie verstanden und respektiert hat, auch wenn sein Handeln oft das Gegenteil suggerierte? Erneut kommt der „Faktor Ragnar“ zum Tragen, die Reichweite seiner Persönlichkeit und was er hinterlassen hat (wortwörtlich, ruft Lagertha in ihrem Wahn doch nach Bjorn, ihrem gemeinsamen Sohn mit Ragnar).

Warriors

Lagerthas Rückkehr innerhalb dieses übernatürlichen, Trance-gleichen Rahmen gibt der Episode eine besondere Note und dass man den Charakter dann sofort an der Seite der geplagten Judith zeigt, die sich mental auf ihr baldiges Ende einstellt (die Vermutung aus der letzten Folge bestätigt sich), ist ebenfalls passend. Beide haben als Frauen, als Ehepartner, als Mütter große Opfer gebracht, beide haben auf ihre Art und Weise Schlachten geschlagen und sind nach wie vor am Leben. Selbst, wenn es zu Ende geht, die Hoffnung bleibt, dass auf der anderen Seite noch etwas auf sie wartet. Im Fall von Judith eventuell Vergebung und ewige Ruhe, im Fall von Lagertha vielleicht jemand, den sie liebt und der sie von der großen Bürde befreit, die sie seit Jahren auf ihren Schultern trägt. Es ist nur eine kleine Szene zwischen Katheryn Winnick und Jennie Jacques, doch man merkt ihren beiden Charakteren an, welchen Weg sie zurückgelegt haben, dass sie viele Gemeinsamkeiten verbinden und daher ein exzellentes Verständnis für die jeweils andere haben.

The gift of the Gods

Verständnis - davon hat Floki (Gustaf Skarsgard) nun ein für alle Mal genug. Es reicht ihm, die Menschen reichen ihm, er will nicht mehr versuchen, sie zu verändern, sie besser zu machen. Genervt wirft er das Handtuch und verabschiedet sich von den restlichen Siedlern um Kjetill (Adam Copeland), aber nicht, ohne diesem noch einmal sehr grafisch zu umschreiben, was er mit diesem und dessen Familie anstellen würde, wenn er noch der alte Floki wäre. Doch das ist er nicht, er hat sich weiterentwickelt, er hat sein Leben komplett auf den Kopf gestellt, in der Hoffnung, die Gunst der Götter zu gewinnen. Floki wollte diesen zeigen, zu was der Mensch fähig ist, dass der ewige Kreislauf von Gewalt und Leid durchbrochen werden kann. „Forget it, Floki. It's humanity.“ Ernüchtert zieht er wieder alleine umher, auf der Suche nach den Gottheiten, von denen er glaubt, dass sie ihm einst wohlgesinnt waren.

Oder war doch alles nur Einbildung? Hat er sich und seine Aufgabe überschätzt? Dachte er wirklich, er sei etwas Besseres? Und aufgrund dieser falschen Überzeugung machte er sich auf den Weg nach Island, wo für seine Begleiter die Hölle auf Erden wartete? Wir kehren ein wenig zu den Wurzeln von Flokis Einzelgeschichte auf Island zurück und ich persönlich kann mich mit dieser Entwicklung kurz vor dem Ende der Staffel gut anfreunden. Diese spirituelle Note, Flokis Suche nach den Göttern, das vermeintliche Auftreten überirdischer Kräfte, all das kann in der richtigen Dosierung durchaus spannend und stimmungsvoll sein. Darüber hinaus markiert der Blick auf Floki, der in die Tiefen der Welt hinabsteigen will, um seine Gottheiten aufzusuchen, den stimmigen Abschluss einer Folge, in der sich viele Charaktere fragen, was ein Gott oder mehrere Götter eigentlich für sie vorgesehen haben, ob sie ihres eigenen Glückes Schmied sind oder doch nur Marionetten in einem unberechenbaren Spiel des Schicksals.

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Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 17. Januar 2019

Vikings 5x18 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 18
(Vikings 5x18)
Titel der Episode im Original
Baldur
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 16. Januar 2019 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. Januar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 17. Januar 2019
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Helen Shaver

Schauspieler in der Episode Vikings 5x18

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen

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