Vikings 5x16

Vikings 5x16

Nach dem jüngsten Spektakel in Vikings kehrt in der Episode The Buddha wieder etwas Ruhe ein. Die Charaktere nutzen die kleine Atempause zur Neujustierung. Doch die Stimmung bleibt allerorts angespannt. Gevatter Tod fordert derweil etwas unerwartet sein nächstes Opfer...

„Vikings“ (c) History
„Vikings“ (c) History
© ??Vikings“ (c) History

Es hat fast schon Tradition, dass auf jede opulente, im Zeichen einer großen Schlacht stehenden Vikings-Episode ein vergleichsweise ruhiges Kapitel des Historiendramas folgt, in dem die Figuren ihre Wunden lecken und die neue, aus den letzten Ereignissen resultierende Situation bewerten, um sich für die unmittelbare Zukunft aufzustellen. So auch im Falle der Folge The Buddha, in der das blutige Scharmützel zwischen Angelsachsen und Wikingern aus Hell hinter sich gelassen und der Blick nach vorne gerichtet wird.

Von einem allzu großen Spannungsabfall kann hier jedoch nicht die Rede sein. Die verschiedenen Figuren werden für die zweite Hälfte dieser Halbstaffel deutlich positioniert, abermals werden wacklige Allianzen geknüpft sowie tollkühne Pläne geschmiedet. Während auf der einen Seite ein Stück weit Aufbruchsstimmung Einzug hält, kommt es aber auch zu einer dramatischen Entwicklung im Hause von König Alfred (Ferdia Walsh-Peelo), die im Nachhinein wohl unvermeidbar gewesen, vom Zeitpunkt her aber durchaus überraschend ist. Damit unterstreicht Serienschöpfer Michael Hirst erneut, dass niemand in seiner Serie sicher ist und von jetzt auf gleich Veränderungen in Kraft treten können, die nur bedingt absehbar sind.

Ich persönlich weiß die Unberechenbarkeit von „Vikings“ durchaus zu schätzen, weil dieses Element oftmals wie eine perfekt abgestimmte Prise Salz in der Suppe ist, wodurch das Format besondere Reizpunkte setzen kann. Die Charaktere (und auch wir Zuschauer) werden auf dem falschen Fuß erwischt und müssen sich schleunigst umorientieren, wollen sie doch nicht unter die Räder kommen. Der gern von mir beschriebene „Druck auf dem Kessel“ ist hoch, Entspannung und Deeskalation sind absolute Fremdwörter. Dies lässt sich auch in „The Buddha“ beobachten, wobei sich in Person von Ubbe (Jordan Patrick Smith) und Hvitserk (Marco Ilso) durchaus Ausnahmen finden lassen, die auf ihre persönliche Art und Weise Frieden finden könnten.

This time will be different

Die beschriebene Unberechenbarkeit von „Vikings“ hat aber auch ihre Nachteile. Michael Hirst zieht nämlich gern und oft sehr abrupt seine Trümpfe aus dem Ärmel, er überfällt sein Publikum immer wieder mit plötzlichen Plotentwicklungen, zum Beispiel auch Zeitsprüngen, was irritierend sein kann. Wann wird ein Twist zum Gimmick, wann hat ein Schockmoment wirklich Gewicht und ist nicht nur ein einfaches Mittel zum Zweck, um uns Außenstehende keine Verschnaufpause zu gönnen, um uns zu involvieren und zu fesseln? Ein schwieriges Thema, allgemein in Serien und Filmen, aber auch im konkreten Fall von „The Buddha“, bei dem ich mir zwischenzeitlich immer wieder uneins bin, ob mir die Entscheidungen von Hirst und seinem Team gefallen, oder ob vieles nicht doch ein wenig eigenartig vonstattenläuft.

Der Auftakt der Episode gestaltet sich eher unspektakulär: Nach dem Sieg über Harald (Peter Franzen) und seine Armee erhalten die Nordleute um Ubbe, Torvi (Georgia Hirst) und Bjorn (Alexander Ludwig) ihren verdienten Lohn: Alfred übergibt ihnen ganz offiziell mit königlichem Siegel Ländereien im Osten Englands, in denen sie sich niederlassen können. Ubbe ist der Erfüllung eines Traums seines Vaters Ragnar einen großen Schritt näher, während Bjorn - abgesehen von seiner generellen Skepsis gegenüber Alfred - andere Sorgen plagen: das spurlose Verschwinden seiner Mutter Lagertha (sie ist kurz zu Beginn der Folge zu sehen, wie sie über dem toten Heahmund steht), die nach der Schlacht wie vom Erdboden verschluckt ist und womöglich ihren Grund zum Leben verloren hat (der Tod von Heahmund?), wie Torvi spekuliert, und daher nie wieder zurückkehren könnte...

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History
History - © History

Vanished

Die Abwesenheit von Lagertha (da Katheryn Winnick momentan immer mehr als TV-Regisseurin aktiv ist, unter anderem auch für Vikings, ergibt dieser kreative Kniff um das mysteriöse Schicksal der gefallenen Wikingerkönigin durchaus Sinn) belastet ihren Sohn Bjorn sehr, der momentan ein wenig verloren wirkt. Er fühlt sich unwohl in England, er fühlt sich unwohl in den Reihen der Christen, er weiß nicht, ob seine Mutter noch lebt oder nicht. Man versteht die Leiden des jungen Berserkers, der in der lässigen Gunnhild unerwartet ein offenes Ohr (und sehr wahrscheinlich noch viel mehr als nur das...) für seine Sorgen findet. So selbstreflektiert und unsicher haben wir Bjorn lange nicht mehr gesehen und es ist schön, dass wir nun mal wieder diese intimen Einblicke in den Charakter erhalten. Dass der kernige Hüne auch herzliche Emotionen zeigen kann (siehe seine rührende Danksagung an Torvi, die sich diese wahrlich verdient hat), hatte man fast schon wieder vergessen.

Aber Bjorn ist und bleibt ein kleines Problemkind in dieser Halbstaffel von „Vikings“ - und damit meine ich nicht die Probleme, die den Charakter beschäftigten. Es ist der Charakter selbst, der mal so und dann mal wieder so tickt, impulsive Entscheidungen trifft und keiner klaren Linie zu folgen scheint. Ist das beabsichtigt, weil Bjorn offensichtlich gerade damit Schwierigkeiten hat, für sich herauszufinden, was er eigentlich will? Oder weiß die Serie selbst momentan nicht so recht, was sie mit dem Charakter anfangen soll? Etwas überrascht bin ich auch von der neuen Einbindung Gunnhilds, die nun einfach so zur Gefährtin von Bjorn gemacht wird. Ich mag den Charakter und die Schauspielerin Ragga Ragnars (was für ein Name!) gefällt mit ihrem unbeeindruckten, abgebrühten Spiel. Ihre neue Rolle an der Seite von Bjorn kommt dann aber doch etwas plötzlich.

Und dann scheint Gunnhild auch noch zum Zünglein an der Waage im Verhältnis zwischen Harald und Bjorn zu werden, die sich nun zusammenschließen, um gemeinsam Kattegat anzugreifen und Ivar (Alex Hogh Andersen) zu stürzen. Der geschlagene Harald hat sicherlich schon bessere Tage gesehen, mit dem berühmt-berüchtigten Bjorn Ironside auf seiner Seite kann er das Momentum aber eventuell wieder zu seinen Gunsten drehen. Und wieder schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Bjorn und Harald gegen Ivar? Gerne doch! Andererseits sehen wir nun schon die gefühlt zigste Kaupelei in dieser Halbstaffel, das nächste fragile Bündnis, von dem ich mir wünschen würde, dass es erst einmal etwas aufgebaut wird, bevor der nächste Verrat folgt. Das muntere Hin- und Herspringen von Intrige zu Intrige nutzt sich irgendwann nämlich ab und verliert letztlich seinen Effekt.

Enlightened

Während in York also die Feinde Ivars zu Freunden werden, wirkt es so, als hätte sich die Lage in Kattegat ein wenig normalisiert. Ivar ist nach wie vor ein Gott auf Erden und bastelt eifrig an neuen Plänen, abermals mit den Angelsachsen in den Ring zu steigen. Das Verhältnis zu seinem Bruder Hvitserk hat sich scheinbar auch etwas gebessert, zumindest ist nicht mehr so viel Gift und Galle im Spiel wie noch zuvor. Aber warum eigentlich? Weil Hvitserk nun einen neuen Weg gefunden hat, sein Leben zu bestreiten? In der Tat scheint sich der junge Wikinger plötzlich für die Lehre des Buddhismus zu interessieren (ein amüsantes Detail: der asiatische Händler, der Hvitserk eine Buddha-Figur gibt, könnte optisch selbst als ebenjener Religionsstifter durchgehen) und diese neue Perspektive trägt sogleich Früchte.

Ähnlich wie Bjorn ist auch Hvitserk zuletzt sehr ziellos unterwegs gewesen, er hat seine Entscheidung, sich Ivar anzuschließen, hinterfragt und war sich alles andere als sicher, ob ihm die nordischen Gottheiten noch hold sind, geschweige denn einen Plan für ihn haben. Die vermeintliche Einfachheit des Buddhismus stellt nun eine valide Option für ihn dar, seinem Leben einen Sinn zu geben. Vielleicht ist sein Schicksal nicht vorbestimmt, vielleicht leiten ganz andere Kräfte (Karma) seine persönlichen Geschicke und Hvitserk muss sich von den irdischen Hürden frei machen, die unter anderem von Ivar aufgestellt werden. Dieser zweifelt wiederum an der geistigen Verfassung seines Bruders und kann nicht anders, als abermals eine kleine Drohung von sich zu geben, was mit denjenigen passiert, die nicht mehr ganz fit in der Rübe sind...

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Survivors

Dieses neue Element - Hvitserks Interesse für Buddha und dessen damit einhergehende Lehre - ist spannend, wenngleich sie wie so viele andere Dinge in der Episode The Buddha völlig aus dem Nichts kommt, wodurch die Überraschung erst einmal groß ist. Grundsätzlich kann man aber einen interessanten Bogen zu den Ereignissen in der Folge und in der gesamten Serie spannen, wenn man die buddhistische Lehre oder ein Konzept wie Karma auf die Charaktere anwendet: Man erntet, was man sät. Handlungen haben Folgen und werden die Zukunft beeinflussen, im Guten wie im Schlechten. Was Michael Hirst, der bekanntermaßen ein Fan tiefsinniger, spiritueller sowie religiöser Diskurse im Rahmen seiner Serie ist, letztlich aus diesem Thema noch machen wird, bleibt abzuwarten.

Zum Abwarten ist auch die Handlung in Island, wo fauliger Fisch zum Abendbrot serviert wird und die unbarmherzige Wetterlage keine Gefangenen macht. Die Wikingersiedlung ist mittlerweile ordentlich zusammengeschrumpft (es waren doch mehr als nur zwei Familien, die Floki mit auf die Expedition genommen hat, oder täusche ich mich?) und etwas Zeit ist ebenfalls vergangen, nachdem es zur Aufteilung in zwei Lager kam. Nun erfährt Floki (Gustaf Skarsgard) von den Konsequenzen seiner harten, aber nachvollziehbaren Entscheidung, Eyvind und seine Sippe ins Exil zu verbannen: Um sie alle steht es denkbar schlecht, ihr Ableben scheint sicher. Kjetill (Adam Copeland), ein hoffnungsvoller Berg von einem Mann, ist aber bereit, zu vergeben und zu vergessen. Er glaubt noch fest eine gemeinsame Lösung, während ich fest daran glaube, dass wir uns wahrscheinlich noch ewig im Kreis drehen werden, bis es an dieser Front zu irgendeiner bahnbrechenden Entwicklung kommen wird. Die gesamte Rettungsaktion durch Schnee und Regen (und Schneeregen) stimmt einen skeptisch, vielleicht erwartet Floki sogar eine Falle. Was auch immer passiert, mein Interesse hält sich nach einem kleinen Hoch schlagartig wieder in Grenzen.

Second chances

Das kann ich wiederum nicht von den Geschehnissen in Wessex sagen, wo uns zum Ende der Folge noch ein kleiner Paukenschlag erwartet. Zunächst möchte ich noch einmal hervorheben, wie sehr ich mich für Ubbe freue, dem das Herz beim Anblick des Landes aufgeht, welches die Wikinger von Alfred erhalten haben. Für einen kurzen Moment hebt sich die Stimmung, hoffnungsfroh blickt der Sohn Ragnars um sich: Das alles hier kann eine wunderbare neue Heimat werden. Tja, wenn nur nicht immer eher der Griff zur Axt als zum Pflug erfolgen würde. Die politische Situation in England bleibt nämlich trotz des Triumphes über Harald angespannt. Nachdem Alfred sich erst einmal auf sehr rigorose, erschreckend totalitäre Art der Verräter in seinen eigenen Reihen entledigt hat, erleidet er einen Zusammenbruch, wodurch er in den Augen seiner Untertanen nicht für die Rolle ihres Königs geeignet ist. Glücklicherweise kann Aethelred (Darren Cahill) die Gemüter beruhigen.

Das beobachtet dessen Mutter Judith (Jennie Jacques) wiederum mit großer Vorsicht. Alfred hat Aethelred, dem Anführer des geplanten Coups, zwar verziehen, doch Aethelred wurde noch nicht von seinem jüngeren Bruder zurechtgewiesen. Er muss klare Verhältnisse schaffen, sonst läuft er Gefahr, dass Aethelred erneut zum Kontrahenten um die Krone wird. Nun, da Alfred ans Bett gefesselt ist, ist das Risiko nur noch umso größer, dass Aethelred diese Chance zum zweiten Mal ergreift. Was also tun? Judith trifft eine drastische Entscheidung, die mich zunächst ein wenig fassungslos stimmt, im Nachhinein aber wohl kaum anders hätte getroffen werden können: Sie vergiftet ihren eigenen Sohn Aethelred, um Alfred zu beschützen. Das gesamte Tête-à-Tête zwischen Mutter und Sohn ist technisch hervorragend umgesetzt (das detailverliebte Setdesign, der stimmungsvolle Einsatz von Licht...) und Aethelreds schrecklicher Todeskampf wird überzeugend von Darren Cahill wiedergegeben. Obendrein noch ein Kompliment an die Maske, die Aethelreds vom Gift gezeichnetes Gesicht ganz hervorragend gestaltet hat.

Doch das größte Lob muss ich hier Jennie Jacques aussprechen. Über die unmenschliche Entscheidung ihres Charakters kann man diskutieren, nicht aber über das Spiel der Engländerin. Judith zerreißt es innerlich, man sieht es ihr förmlich an, wie extrem schwer ihr diese Tat fällt, durch die sie sich selbst in den Augen Gottes richtet. Sie ist so in Sorge um Alfred (und womöglich auch um dessen Nachwuchs, wobei Ethelfleds Schwangerschaft auch auf die eine Nacht mit Bjorn zurückgehen könnte...), dass sie das Leben ihres anderes Kindes opfert. Und dabei konnte sie noch nicht einmal mit absoluter Sicherheit sagen, dass Aethelred Alfred wirklich erneut hintergangen hätte. Es wird zwar angedeutet, aber reicht das, um den eigenen Sohn zu ermorden? Ein schauerlicher Schlusspunkt, der interessanterweise anfangs (emotional) kaum nachvollziehbar erscheint, am Ende traurigerweise jedoch sehr viel Sinn ergibt.

The Buddha wankt immer wieder zwischen diesen beiden Polen: Mal erscheint eine Entscheidung schlüssig, mal viel zu abrupt und unüberlegt. Nur eines ist derweil sicher: Das wird Folgen haben. Karma eben.

Der Trailer zur „Vikings"-Folge 5x17, „The Most Terrible Thing":

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 7. Januar 2019

Vikings 5x16 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 16
(Vikings 5x16)
Deutscher Titel der Episode
Der Buddha
Titel der Episode im Original
The Buddha
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 2. Januar 2019 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 3. Januar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 3. Januar 2019
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Stephen St. Leger

Schauspieler in der Episode Vikings 5x16

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen

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