Vikings 5x15

Vikings 5x15

Vikings setzt auf halber Strecke der zweiten Hälfte seiner fünften Staffel zum ersten größeren Paukenschlag an und liefert: Die Episode Hell zeigt uns im wahrsten Sinne die Hölle auf Erden. Darüber hinaus fordert der blutige Konflikt zwischen den Angelsachsen und Wikingern ein unerwartetes Opfer.

„Vikings“ (c) History
„Vikings“ (c) History
© ??Vikings“ (c) History

Ach, Weihnachten. Es ist die besinnliche Zeit des Jahres, in der die Menschen zusammenkommen, bestenfalls ihre Streitigkeiten beilegen und eine friedvolle Stimmung Einzug hält. Vikings-Schöpfer Michael Hirst und sein Team sehen es wenige Tage nach Heiligabend jedoch etwas anders und präsentieren uns - womöglich sogar gewollt - eine deutliche Antithese zum christlichen Fest im Zeichen der Nächstenliebe. Ja, auch in der aktuellen Episode namens Hell kommen die Menschen zusammen, aber nicht in Frieden und Harmonie, sondern auf dem feurigen Schlachtfeld, auf dem sich Engländer und Wikinger an die Kehle gehen und am Ende herbe Verluste verzeichnet werden. Wir sehen den vorläufigen Höhepunkt dieser Halbstaffel, der uns packende Auseinandersetzungen beschert, welche in dem Historiendrama einfach nicht fehlen dürfen.

Die Folge profitiert jedoch nicht nur von der epischen Schlacht zwischen den Truppen von Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) und Harald (Peter Franzen), die das Herzstück der Erzählung bildet. Es ist auch ein großer Vorteil, wie die Handlung arrangiert wurde. Auf kurze Abstecher nach Island wird zum Beispiel komplett verzichtet und das Geschehen in Kattegat ist ebenfalls sekundär, wenngleich nicht unwichtig. Doch der Fokus liegt eindeutig auf dem Großereignis in Wessex, das zunächst spannungsvoll aufgebaut wird und dann mit großem Effekt seine blutige, mitreißende Auflösung erhält. Hirst beweist mit seinem Drehbuch ein exzellentes Gespür für Raum und Zeit, das Pacing ist sehr gelungen und der Aufbau der Geschichte lässt kaum Momente zu, in denen die Anspannung abfällt.

The damned

Gleichzeitig zeigt Regisseur Steve Saint Leger ein feines Händchen für eine sehr einnehmende Inszenierung. Inmitten der brachialen Kampfszenen steht die Zeit wie so oft wunderbar still, während die anfangs vielleicht ein wenig pathetisch anmutende musikalische Untermalung sukzessive ihre besondere Kraft entfaltet und die Zuschauer letztlich mit auf ein episches Abenteuer nimmt, das unerwartet berührend ist und zahlreiche Gänsehautmomente in sich trägt. Viele werden unterschiedliche Versatzstücke aus anderen, vorangegangenen Schlachten aus älteren Episoden der Serie wiedererkennen, doch das sehr gelungene Arrangement all dieser vertrauten Elemente, inklusive ein paar neuer Kniffe, macht „Hell“ zu einem kleinen Erlebnis, das definitiv nachhallen wird.

Und das nicht nur, weil es im Zuge dieses neuen Kampfes zwischen Engländern und Wikingern ein sehr prominentes Opfer zu bedauern gibt... Früh in der Episode ist es bereits die generelle Stimmung, dass die Lunte brennt und eine Explosion kurz bevorsteht, die die Zuschauer involviert, packt und fortan nicht mehr loslässt. Man spürt eine gewisse Elektrizität in der Luft, das beständige Wummern von ein paar Trommeln ist permanent zu vernehmen, wie ein aufgeregter Herzschlag, was die allgemeine Gemütslage treffend zusammenfasst. Mit Harald vor der eigenen Haustür mobilisiert Alfred seine Streitkräfte, ein integraler Bestandteil von diesen sind wiederum die Wikinger um Ubbe (Jordan Patrick Smith ), Bjorn (Alexander Ludwig) und Lagertha (Katheryn Winnick), die sich nun endlich ihre neue Heimat in England erkämpfen können.

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History
History - © History

A matter of blood

Es bleibt eher unklar, von wie vielen Wikinger-Kriegern und -Kriegerinnen Alfred letztlich unterstützt wird, doch Ubbe und Co können dem jungen König auch anders helfen. Und zwar mit Kriegsmaschinen wie Katapulten (wobei ich hier ein wenig verwundert bin, dass die Engländer noch nie etwas von diesen Gerätschaften gehört haben, aber ich bin auch kein Historiker...) oder taktischer Raffinesse auf dem Schlachtfeld. Und nicht zu vergessen: Ubbe hat Alfred auch im Schwertkampf unterrichtet, was offensichtlich Früchte getragen hat. Neben der Ausbildung von Alfred zu einem passablen Kämpfer übernimmt Ubbe darüber hinaus die Rolle einer Art moralischen Stütze für den König von Wessex, den angesichts der kommenden Schlacht Selbstzweifel plagen. Denn nur, wenn er an sich (und Ubbe) glaubt, wird Alfred erfolgreich sein.

Selbstzweifel und Glaube führen uns automatisch zu Heahmund (Jonathan Rhys Meyers), der zuletzt seine sündige Beziehung zu Lagertha hinterfragt hat und nun nach einer göttlichen Eingebung beziehungsweise einer schrecklichen (aber verdammt coolen!) Vision von der Hölle einen Schlussstrich zieht. Er muss sich von seiner Liebsten lösen, sonst wird er durchs Fegefeuer wandeln, in dem die Dämonen der Unterwelt auf ihn warten. Lagertha wiederum ist direkt wie eh und je: Hat Heahmund sie jemals mit der Gänze seines Herzens geliebt? Oder war in diesem seit Beginn an nur Platz für seinen Herrn und Erlöser? Ich muss gestehen, dass mir dieser Handlungsstrang, das Hin und Her zwischen Lagertha und Heahmund, zuletzt weniger gefallen hatte, weil es für mich nur schwer ersichtlich war, wohin man mit dieser Geschichte will. Und auch in Hell lässt mich diese Szene zunächst recht kalt.

Courage and fury

Doch das komplizierte Verhältnis zwischen den beiden kommt zu einem unerwarteten Schlusspunkt, dessen fast schon poetische Tragik man nur schwer leugnen kann. Nach langem, besagtem Hin und Her schlägt man nämlich eine sehr konsequente Richtung ein: Heahmund stirbt in der Schlacht zwischen Engländern und Wikingern. In Verteidigung seines Glaubens und seiner Überzeugungen wird er niedergestreckt, doch im letzten Augenblick erkennt man, wie viel ihm Lagertha wirklich bedeutet hat. Es ist einer dieser Augenblicke, in denen alles stillsteht und man noch ein letztes Mal tief in die betroffenen Charaktere blicken kann. Jonathan Rhys Meyers hat seine Figur stets sehr intensiv, manchmal vielleicht sogar zu übertrieben und theatralisch zum Besten gegeben beziehungsweise zum Besten geben müssen. In dieser Szene, als der zwischen seiner Liebe zu Gott und seiner Liebe zu Lagertha hin- und hergerissene Heahmund noch ein letztes Mal den Augenkontakt zu ihr sucht, bevor er aus dem Leben scheidet, geht Rhys Meyers' ergreifendes Spiel aber perfekt auf.

Es ist einer dieser besonderen Momente innerhalb einer Schlacht, die Vikings so hervorragend beherrscht. Es geht hier nicht nur um schockierende Bilder, brutales Gemetzel oder gut getimte Kampfchoreografien. Die Kämpfe in dieser Serie tragen auch immer eine große, manchmal unterschwellige, manchmal sehr deutliche Botschaft in sich. Unterstrichen wird dies hier durch die sehr ruhige, nahezu nachdenkliche Nacherzählung des blutüberströmten Alfreds, der die Auseinandersetzung aus seiner Sicht Revue passieren lässt. Das teils wilde Getümmel wird dadurch wunderbar entschleunigt und genau deshalb ist es auch möglich, auf charakterliche Nuancen zu achten, auf die kleinen Momente, die binnen Sekunden wieder verloren sind („lost moments...“). Und das macht das Salz in der Suppe aus, das besondere Etwas, warum es doch immer wieder faszinierend ist, sich als Zuschauer in derartigen Sequenzen der Serie einfach fallenzulassen. Mit der irdischen Präsenz Gottes (in Person eines Hirsches, den Heahmund auch in seiner Vision gesehen hat) auf dem Schlachtfeld möchte man eventuell etwas zu viel, doch diese spirituelle Note passt wiederum wie die Faust aufs Auge zu dem tragisch-weihevollen Charakter der Inszenierung.

Die Schlacht, zu Beginn welcher die Wikinger um Harald etwas tölpelhaft von einem Ring aus Feuer eingepfercht werden, wodurch es keine Möglichkeit zum Ausweichen gibt, geht letztlich zu Gunsten von Alfred und seinen Truppen aus. Um den jungen König sieht es zwischenzeitlich etwas düster aus, doch sein verräterischer Bruder Aethelred (Darren Cahill) steht ihm bei. Jarl Olavson (Tomi May) fällt, Gunnhild (Ragga Ragnars), die Heahmund den Todesstoß gegeben hat, wird von Bjorn gefangen genommen und Harald muss den Rückzug antreten. Dieser muss sich vorwerfen lassen, dass er etwas zu naiv in diesen Kampf gegangen ist (Ubbes Friedensverhandlungen durchschaut er zu spät als Trick, um wertvolle Zeit für Truppenbewegungen und die Vorbereitung des Schlachtfelds zu gewinnen). Für den ambitionierten Wikingerfürsten ein schmerzhafter Rückschlag, der erst einmal verdaut werden muss. Ich persönlich hätte erwartet, dass Harald etwas smarter agiert, andererseits war abzusehen, dass Drehbuchautor Michael Hirst die Engländer triumphieren lassen wird. Manchmal kann es jedoch ein wenig irritieren, wie die Schlachten in Vikings ablaufen - und dass kampferprobte, kriegserfahrene Charaktere verheerende Fehler machen, die man nicht von ihnen gewohnt ist...

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The innocent

Während bei Harald die Stimmung im Keller ist (vielleicht kann ihn ja true believer Magnus etwas aufheitern), feiern die Engländer ausgelassen ihren Sieg. Doch die Freude dürfte nur von kurzer Dauer sein, bahnen sich doch sogleich neue Probleme und Sorgen an. Da wären zum Beispiel die „Ermittlungen“ von Judith (Jennie Jacques, sehr stark und unheimlich in dieser finsteren, gnadenlosen Rolle), die parallel zur Schlacht in aller Eiseskälte den Verräter Cyneheard hat foltern lassen, um die Verschwörung gegen Alfred aufzudecken. Und siehe da, sie hat den Namen des Anführers dieser hinterhältigen Gruppe herausgefunden: Alfreds Bruder Aethelred, ihr eigener Sohn. Alfred weiß, was sein Bruder für ihn auf dem Schlachtfeld getan hat. Doch diese Neuigkeit dürfte die Karten neu mischen und Judith weint nicht umsonst schwere Tränen, könnte Aethelreds Verrat doch schreckliche Konsequenzen für diesen haben...

Außerdem auf der Problem-Agenda: Lagertha ist verschwunden. Niemand weiß, was während der Schlacht mit ihr passiert ist, sie ist einfach nicht aufzufinden. Das beunruhigt allen voran Bjorn, der die Hoffnung auf seine Mutter bereits ein Stück weit aufgegeben hat. Doch hier dürfte wohl jedem klar sein, dass diese Messe noch lange nicht gelesen ist und wir Lagertha wiedersehen werden - da lehne ich mich gerne aus dem Fenster. Wo wir gerade bei Bjorn sind: Dieser verhält sich die gesamte Episode über recht verdächtig, sei es ein kurzer Augenkontakt mit Magnus, sein Verhalten in der Schlacht (es lodert nicht ganz das Feuer in ihm wie sonst, was angesichts seiner Gegner - Wikinger - und dem Misstrauen gegenüber Alfred verständlich ist) oder seine düsteren Blicke, als Alfred sich bei den Nordleuten auf seiner Seite bedankt. Ragnars ältester Spross brütet etwas aus, man spürt es förmlich. Und wenn Alfred jetzt zu lange damit wartet, sein Versprechen an die Wikinger einzulösen, dann könnte ein ganz neues Pulverfass hochgehen...

A terrible loss

Pulverfass“ - eine passende Überleitung, um abschließend einen Blick auf die Handlung in Kattegat zu werfen, wo Ivar (Alex Hogh Andersen) nach seinem grässlichen Mord an den Seher der Siedlung seine Machtposition weiter festigt. Er genießt dieses neue Leben, gerade weil er in der Vergangenheit immer belächelt und selten geliebt wurde. Kein Wunder also, dass er sich in seine Rolle als Gottheit so reinsteigert. Schamlos biedert er sich in der Folge bei seinem verunsicherten Volk an, das sich doch glücklich schätzen soll, dass sie einen Gott als Herrscher haben. Der Mörder des Sehers wird selbstverständlich so schnell wie möglich gefasst werden und seine gerechte Strafe erhalten. Natürlich...

Ivars Entwicklung zum tyrannischen Herrscher und die damit einhergehenden Veränderungen in Kattegat (anonyme Schergen, die blindlings jeden seiner Befehle ausüben, das Zeichnen neuer gemeinsamer Feindbilder, das Aufstellen eines eigenen Schreins) verfolge ich interessiert, jedoch habe ich nach wie vor ein paar Probleme mit dem eigentlichen „Volk“ Ivars, das für mich nicht wirklich existent ist. Ein paar Leute in der großen Versammlungshalle finde ich, um ehrlich zu sein, etwas wenig. So entsteht der Eindruck, dass Ivar letzten Endes eh machen kann, was er will, und sein Handeln hat wenig Gewicht, weil die Leute, die davon betroffen sind, kein Gesicht haben.

Seine Schreckensherrschaft erscheint mir momentan noch recht hohl. Nach außen transportiert man zwar mit aller Macht diese neue Zeitrechnung, doch im Innern fehlt das gewisse Etwas, um den grausamen Taten von Gott Ivar einen emotionalen Kontext zu geben. Denkbar, dass dafür letztlich Hvitserk (Marco Ilso) herhalten muss, der die Machenschaften seines Bruders nicht mehr nur skeptisch beäugt. Nein, er hat Ivar mittlerweile durchschaut und könnte am ehesten an die Spitze einer Art Widerstand gegen den Knochenlosen treten. Das würde wiederum etwas mehr Spannung generieren und der Gefahr von inhaltlicher Monotonie innerhalb des Handlungsstranges in Kattegat entgegenwirken.

In eigener Sache: Die Kritik zur kommenden Episode vom 3. Januar 2019 erscheint aufgrund einer Urlaubsreise erst am Montag, den 7. Januar 2019.

Der Trailer zur „Vikings"-Folge 5x16, „The Buddha":

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 27. Dezember 2018

Vikings 5x15 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 15
(Vikings 5x15)
Deutscher Titel der Episode
Verbrannte Erde
Titel der Episode im Original
Hell
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 26. Dezember 2018 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. Dezember 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 27. Dezember 2018
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Stephen St. Leger

Schauspieler in der Episode Vikings 5x15

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen

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