Vikings 5x13

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Nachdem in der letzten Episode von Vikings, Murder Most Foul, bereits mehr als deutlich gemacht wurde, dass an den verschiedenen Handlungsorten der Serie gleich mehrere Kandidaten ihr eigenes Süppchen kochen, sehr unterschiedliche Interessen früher oder später wohl heftigst kollidieren werden und man wie gewohnt niemanden in diesem Ensemble an undurchsichtigen Figuren trauen sollte, kippt Serienschöpfer Michael Hirst in der Folge A New God munter weiter Öl ins Feuer. Erfahrene „Vikings“-Zuschauer sind bestens vertraut mit diesem Spiel: Die Ambitionen der Charaktere führen Mal für Mal neue Wendungen herbei, die den Druck im Kessel erhöhen - bis irgendwann ordentlich Dampf abgelassen wird...
Hirst hat immer wieder große Freude daran, Konflikte aufzubauen, neue Charakter- und Gegnerkonstellationen auszuprobieren, angestammte Figuren auf dem falschen Fuß zu erwischen und die Beziehungen der Schlüsselspieler untereinander neu auszuloten. Als Zuschauer schaue ich mir derartige Entwicklungen und Veränderungen innerhalb der Serie immer wieder gerne an, muss aber auch anmerken, dass die Idee hinter diesem Konzept zwar erprobt ist, sich nach mehr als fünf Jahren „Vikings“ gelegentlich aber auch ein wenig verbraucht anfühlen kann. So obliegt es der Darstellerriege, der bekannten Erzählformel des Formats einen frischen Anstrich zu verpassen und die Spannung hochzuhalten, um zu garantieren, dass sich beim Publikum keine Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen.
A new kingdom
Dies gelingt mal besser, mal schlechter. In „A New God“ zeigt die Tendenz in Richtung ersteres, auch wenn einem viele der Brandherde - ob in Skandinavien oder England - sehr vertraut vorkommen. Wie bereits zuletzt erwähnt, durchläuft nun die nächste Generation einen Prozess der potentiellen Annäherung zwischen angelsächsischen Christen und heidnischen (was, wie immer, im Auge des Betrachters liegt...) Nordleuten, etwas, woran sich bereits Ragnar und Ecbert versucht hatten. Doch die Umstände dürften momentan etwas extremer als noch zu Zeiten der beiden alten Recken sein, was ein neuerliches Bündnis signifikant erschwert. Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) muss sich nach seinen Reformationsplänen mit der englischen Kirche herumärgern und sieht sich einer handfesten Verschwörung ausgesetzt, die von einer Gruppe betrieben wird, welche den jungen König nicht nur absetzen, sondern womöglich auch ermorden lassen will.
Bei den Wikingern in Wessex um Lagertha (Katheryn Winnick), Bjorn (Alexander Ludwig) und Ubbe (Jordan Patrick Smith) herrscht derweil ebenfalls Uneinigkeit, vor allem zwischen den beiden Söhnen Ragnars. Während der eine in Ragnars Bastardsohn Magnus (Dean Ridge), der Spross von Kwentrith, einen neuen, potentiellen Verbündeten gegen Alfred und dessen Familie findet, distanziert sich der andere von den nordischen Gottheiten und lässt sich als Christ taufen, um die Allianz mit den Engländern zu stärken. Dem wütenden, englischen Edelmob (einfach großartig, wie die alten Herren permanent vor sich hinmosern und dann zumindest ein klein wenig klatschen können, als Alfred die Vermählung mit Elsewith bekanntgibt) gefällt das gar nicht, doch Alfred bleibt bei seiner Linie, die ich persönlich durchaus nachvollziehbar finde.
Ich finde es zwar nach wie vor etwas zweifelhaft, inwiefern die paar Wikinger um Lagertha ihn effektiv unterstützen können, aber ein Bündnis mit einem Sohn von Ragnar Lothbrok ist ein Anfang. Und die Edelmänner sowie die Kirche haben sich lange genug am einfachen Volk bereichert, sein universelles Bildungsprogramm ist einfach nur logisch. Für die einen sind es noble, vorausschauende Absichten, für andere wiederum Zeichen der Schwäche. Und so liegt Heahmund (Jonathan Rhys Meyers), der für den Mord an Cuthbert nicht wirklich gerichtet wird, gar nicht so verkehrt, wenn er von großen Gefahren für König Alfred spricht, bei deren physischen wie auch mentalen Bewältigung er Lagertha an seiner Seite braucht.
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Beyond your control
A New God trieft geradezu vor Verrat: An allen Ecken und Enden werden Ränke geschmiedet und wacklige Allianzen eingegangen. In dem einem Moment freut sich Judith (Jennie Jacques), dass sie das Familienvermächtnis mit der arrangierten Hochzeit zwischen Alfred und Elsewith (Roisin Murphy) vorerst sichern und nebenbei die Macht ihres Sohnes zementieren kann. Im nächsten Augenblick wird wenig überraschend deutlich, dass Judiths ältester Sohn Aethelred (Darren Cahill) aufgrund seiner Unzufriedenheit mit den jüngsten Entscheidungen seines Bruders (und weil sein Schwiegervater in spe von Heahmund getötet wurde) mit an der Spitze der Gruppe steht, die Alfred abservieren will. Immer wieder erspäht man vielsagende Blicke von den verschiedenen Charakteren, die allesamt nur auf den richtigen Moment zu warten scheinen, um ihre persönliche Pläne in die Tat umzusetzen. Das Pulverfass wird wieder einmal bis zum Rand vollgestopft...
Eine große Ladung Zündstoff gibt auch weiterhin das Verhältnis zwischen Bjorn und Ubbe her. Ich kann verstehen, dass der proaktive Bjorn ungern die Zügel abgibt und sich unwohl in der aktuellen Position fühlt, in der die Wikinger in England keinen Einfluss haben und komplett von der Gnade anderer abhängig sind. Sein Starrsinn und seine fehlende Kompromissbereitschaft - die Erfahrung hat ihn eben gelernt, niemandem zu vertrauen - sind jedoch eine Herausforderung für Ubbe, dessen Überlegungen eigentlich nicht verkehrt sind: Lass ich mich halt taufen, um die Wogen zu glätten! Nur, weil ich mich vor versammelter Mannschaft von Odin, Thor und göttlichen Konsorten distanziere, heißt das noch lange nicht, dass ich von jetzt auf gleich ein Vollblut-Christ bin. Religion ist hier ein Mittel zum Zweck und auch das erinnert an Ubbes Vater Ragnar, der mitunter eine ähnliche Strategie verfolgte.
Doch wie bei Ragnar besteht im Fall von Ubbe die Möglichkeit, dass er sich früher oder später ebenfalls mehr zum Christengott hingezogen fühlt, sein altes Glaubenssystem und die damit verbundenen Traditionen hinterfragt und vielleicht sogar vergisst. Ragnar war irgendwann so groß, dass er nicht nur zwischen den Religionen existierte, er wuchs sogar über diese hinaus. Und Ubbe? Der findet es direkt nach der Taufe dann doch etwas befremdlich, fortan ein kleines Kreuz um den Hals tragen und den eisernen Armreif ablegen zu müssen. Aber welche Bedeutung gibt man in seinem Leben letzten Endes der Religion oder einem höheren Wesen, das schließlich über einen richten wird? Die Glaubensfrage ist ein beliebtes Thema in „Vikings“, und zwar nicht in der Hinsicht, an was die Charaktere glauben, sondern auch, wie sie Glauben definieren und auslegen.
The favor of the Gods
Schauen wir uns Ivar an. Dieser ernennt sich in Kattegat mal kurzerhand zur Gottheit, weil er felsenfest davon überzeugt ist und daran glaubt, dass er etwas Besonderes ist, dass die nordischen Götter ihn gesegnet haben und für ihn dieser spezielle Weg als Gott auf Erden vorbestimmt ist. Auch Ivar macht aus seinem Glauben ein Instrument - um selbst in seinen Machtfantasien und großen Ambitionen aufzugehen und um seine Gefolgschaft zu unterwerfen und zu kontrollieren, indem er ihnen Furcht einflößt. Die Zeremonie um ihn und seine Angebetete Freydis (Alicia Agneson) - die Architektin hinter Ivars manischer Selbstverwirklichung, die den wahren Vater ihres ungeborenen Kindes klugerweise schleunigst aus dem Weg räumen lässt - ist durchaus spannend zu beobachten und ähnelt mal wieder einer Art surrealen Fiebertraum, ganz im Stile der Serie.
Alex Hogh Andersen geht indes vollends in seiner Rolle auf, bereits zuvor im Zwiegespräch zwischen Ivar und Hvitserk (Marco Ilso) macht es großen Spaß, dem Dänen beim seinem Spiel zuschauen zu dürfen. Ob sein Bruder nun wirklich zum Opfer für die Götter gemacht wird, bleibt abzuwarten. Mein Bauchgefühl sagt mir Nein, mir fällt momentan aber auch niemand anderes ein, den Ivar unbedingt loswerden will. Vielleicht der Seher? Der Schnitt ist verräterisch und könnte uns bewusst in die Irre führen... Was ich mir jedoch noch von den Szenen in Kattegat gewünscht hätte, wären mehr Einblicke vorab in die Situation vor Ort gewesen. Ivar wird offensichtlich bereits vor diesem Ritual von seinen Untertanen gefürchtet, so wird es zumindest von Hvitserk erwähnt. Richtig etabliert wurden die neuen Umstände in Kattegat nach der Machtübernahme durch Ivar aber noch nicht, was vermutlich jetzt erst folgen wird. Auch der rasante Aufstieg von Freydis macht mich ein wenig stutzig und hätte für mein Empfinden etwas ausführlicher entwickelt werden können.

The sons of Ragnar Lothbrok
Aber Michael Hirst drückt auf die Tube, so zum Beispiel auch im Fall von Harald (Peter Franzen), den es schon wieder nach England in die Wikinger-Garnison York verschlägt, von wo aus er neue Raubzüge führen will. Hier schließt er sich gleich mit einem von Ivars Jarls zusammen, der Harald nach kurzer Überlegung die Treue schwört, mit ihm plündern will und den hochambitionierten Wikinger-Lord letztlich im Kampf gegen Ivar unterstützen wird. Wobei man die abschließende Szene zwischen den beiden auch so deuten kann, dass Jarl Olavson (Tomi May) Harald hintergehen könnte. Bei der Frage um das Vermächtnis von Ragnar, dessen Erfolge ihn zum Vater aller Wikinger nach ihm gemacht haben, gehen die Meinungen zwischen den beiden deutlich auseinander. Harald hat aber sicherlich selbst schon die eine oder andere Sicherheitsvorkehrung für den Fall der Fälle getroffen. Wir sehen also: Überall in Vikings wird geklüngelt, die Handlung kommt nur selten zur Ruhe und bereitet einen Konflikt nach dem anderen vor.
Und das ist in Ordnung, das ist der Treibstoff, der die „Vikings“-Maschine am Laufen hält. Jedoch merkt man der Episode meines Erachtens auch an, dass bei der ganzen Fülle an Charakteren und Handlungssträngen ein wenig der Fokus verloren geht. Die Aspekte Religion und Glauben sowie das fleißige Schmieden von fragwürdigen Allianzen hier und da sind in gewisser Weise übergreifende Themen, die die unterschiedlichen Geschichten ein Stück weit miteinander verbinden. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass wir uns zu konfus von A nach B weiter nach C und dann auch noch D (Island) bewegen, weil Hirst das Bedürfnis hat, alles und jedem in seiner Serie Aufmerksamkeit zu schenken. Ich hätte so früh in der neuen Halbstaffel nichts dagegen, wenn wir uns mal nur auf England oder Skandinavien konzentrieren würden, um uns noch besser in die Figuren hineinversetzen zu können.
In A New God erscheint mir vieles unnötigerweise im Schnelldurchlauf zu passieren, aber es wäre doch so viel interessanter, mal am Stück einen längeren Zeitraum mit den einzelnen Charakteren zu verbringen, die nun in wichtige Positionen aufgerückt sind und sich neu aufstellen müssen. Siehe Freydis, siehe Alfred, Ubbe, Bjorn, ja auch Lagertha ist weiterhin nur Beiwerk. Sie alle und noch viele mehr sind einer tieferen Ergründung würdig, aktuell habe ich aber den Eindruck, dass wir etwas zu sehr an der Oberfläche kratzen, was ein wenig schade ist. Es wäre zumindest wünschenswert, wenn wir alsbald wieder dorthin kommen, denn dann kann die Serie eine ihrer großen Stärken - die mannigfaltige Ansammlung an unterschiedlichen Charakteren - ausspielen, wodurch Wiederholungen von ganzen Handlungssträngen nicht so sehr ins Gewicht fallen.
Evil spirits
Abschließend richten wir noch den Blick gen „Inselparadies“ Island, wo zu den tristen Grautönen nun noch eine ganze Menge Regen dazugekommen ist. Die Wikinger-Kolonialisten um Floki (Gustaf Skarsgaard) haben schon deutlich bessere Zeiten gesehen, doch es bahnt sich etwas Fortschritt innerhalb der verfeindeten Gemeinschaft an: Die Siedler kommen nämlich zusammen und begraben auf Bitten von Floki das Kriegsbeil. Gut so! Zwietracht und Mord untereinander bringen nichts, sie sitzen alle im gleichen Boot und gemeinsam können sie aus diesem trostlosen Fleckchen Erde vielleicht doch noch eine neue Heimat machen. Der Nachwuchs von Kjetills (Adam Copeland) Tochter und Eyvinds (Kris Holden-Ried) Sohn soll die sich feindlich gesinnten Familien endlich zusammenbringen.
Ein Teilerfolg für Floki, der jedoch mit Vorsicht zu genießen ist. Der grimmige Eyvind schaut nämlich beim Zuprosten mit Kjetill Flachnase mal wieder sehr verdächtig drein, als wäre eben doch noch nicht alles vergeben und vergessen. Und in der nächsten Szene wird dann natürlich die werdende Mutter Thorunn vermisst, deren Kind als Symbol der Hoffnung und des Friedens gelten sollte. Mir schwant nichts Gutes und auch der Blick auf den nachdenklichen Floki prophezeit abermals eher finstere Aussichten. Island ist und bleibt eine große Baustelle für den Schiffsbauer, der sich einfach nur nach einem harmonischen, friedvollen Lebensabend im Reich der Götter sehnt. Tja, „einfach nur“...
Der Trailer zur „Vikings"-Folge 5x14, „The Lost Moment":
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 13. Dezember 2018Vikings 5x13 Trailer
(Vikings 5x13)
Schauspieler in der Episode Vikings 5x13
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