Vikings 5x11

Vikings 5x11

Vikings ist zurück und zieht nach dem fulminanten Staffelhalbfinale aus dem Frühjahr erst einmal Bilanz, wie es nun in der fünften Staffel des Historiendramas weitergehen könnte. Neben der Verortung der verschiedenen Charaktere stellt sich in The Revelation ein alter Bekannter den Geistern seiner Vergangenheit.

„Vikings“ (c) History
„Vikings“ (c) History
© ??Vikings“ (c) History

Fast genau zehn Monate haben Vikings-Fans auf die Fortsetzung der History-Produktion warten müssen, die sich Ende Januar mit einer erinnerungswürdigen Paukenschlag (das meiner Meinung nach herausragende Moments of Vision) in eine etwas längere Pause verabschiedete. Nun folgt also das zweite Kapitel der 20-teiligen fünften Staffel und deren Episoden seit heute, den 29. November wie gewohnt wöchentlich auf Amazon Prime Video verfügbar sein werden.

Doch zehn Monate sind eine lange Zeit. Und ich bin bestimmt nicht allein auf weiter Flur, wenn es darum geht, sich noch einmal vor Augen zu führen, an welchem Punkt der Erzählung wir zuletzt innegehalten haben. The Revelation setzt nicht mit einem Zeitsprung ein, ein Stilmittel, dem sich die Serie bereits mehrfach bedient hat. Nein, tatsächlich geht es nahtlos genau an der Stelle weiter, an der wir unsere mittlerweile untereinander verfeindeten Wikinger zurückgelassen hatten. Die große Schlacht zwischen den zwei konkurrierenden Gruppierungen um Ivar (Alex Hogh Andersen) und Harald (Peter Franzen) auf der einen sowie Lagertha (Katheryn Winnick) und Bjorn (Alexander Ludwig) auf der anderen Seite, wurde geschlagen. Die Gewinner ziehen siegreich in Kattegat ein, die Verlierer befinden sich auf der Flucht und lecken ihre Wunden.

Many enemies, few friends

Diese unmittelbare Rückkehr in die Welt von „Vikings“ erwischt mich zugegeben zu Beginn ein wenig auf dem falschen Fuß. Dramaturgisch geht der Serienschöpfer und alleinige Chefautor Michael Hirst so an diese Halbstaffelpremiere heran, als hätte es nie wirklich eine Auszeit für seine Nordmänner und -frauen gegeben. Aus Sicht des Machers, seinem Team, den Darstellern und der Crew verständlich, weil alle Folgen der fünften Staffel am Stück abgedreht wurden und so bei ihnen nie ein Gefühl der Unterbrechung aufgekommen war. Als Zuschauer muss man sich jedoch erst einmal wieder etwas reinarbeiten und ein Gespür für den neuen alten Status quo bekommen. Doch die Zeit dafür bekommt man auch.

Die vielen Szenen, die der Exposition und erneuten Etablierung gewisser Aspekte dienen, helfen bei der Orientierung. Sie haben - wie so oft, wenn einführende und erklärende Sequenzen Überhand nehmen - jedoch gleichzeitig den negativen Effekt, dass sich die Handlung etwas stockend und vergleichsweise trocken gestaltet. Um diesem Problem entgegenzuwirken, baut Hirst auf einige wenige emotionale Charaktermomente zwischen zentralen Figuren der Geschichte, unter anderem auch Rückkehrer Rollo (Clive Standen), der am Ende von Moments of Vision noch einen kleinen Überraschungsauftritt hinlegte.

Doch diese Momentaufnahmen, in denen die Charaktere Tacheles reden und ihr Innerstes nach außen kehren, reichen leider nicht aus, um aus „The Revelation“ mehr zu machen als das, was letzten Endes bei dieser Episode herumkommt: das gewöhnliche Aufstellen verschiedener Spielfiguren sowie das Andeuten neuer potentieller Bündnisse und Konflikte, die sich in nächster Zeit ergeben könnten. Das ist legitim und als Kenner der Serie weiß man inzwischen, wie Michael Hirst tickt und dass er nur zu gerne dieser Struktur folgt. Aber irgendetwas in mir hat sich dann doch etwas mehr versprochen, vielleicht, weil das Finale der ersten Hälfte der fünften Staffel so andersartig und beeindruckend gewesen war. Hier kehren wir nun sehr deutlich zu einer gewissen Normalität des Historiendramas zurück, wodurch meine persönlichen Erwartungen ein klein wenig enttäuscht werden.

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The old ways

History
History - © History

Das heißt jedoch nicht, dass The Revelation ein totaler Reinfall ist. Es handelt sich um einen soliden Auftakt, in dem wir uns zunächst dem siegreichen Ivar und seinen Anhängern widmen, die der geschlagenen Lagertha ihr Kattegat entrissen haben und dort erst einmal ordentlich auf den Putz hauen. Während die gefallene Wikingerkönigin zusammen mit Bjorn, Ubbe (Jordan Patrick Smith) und Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) aus einem tristen Versteck heraus Pläne schmiedet, wie sie ihre Heimat zurückgewinnen kann, wird sie von Ivar und Konsorten kräftig verspottet. Das alleine stillt jedoch Ivars Rachegelüste nicht, nein, er wird nicht ruhen, bis er Lagertha gen Walhalla befördert hat.

Ein Nutznießer des neuen Machtgefüges in Skandinavien könnte derweil der deutlich in die Jahre gekommene Rollo sein. Vom brutalen Berserker früherer Staffeln ist jedoch nicht mehr viel übrig, Rollo hat sich längst zu einem alteingesessenen Herrschertypen entwickelt, dem nicht nur das Kämpfen verboten wird (er erklärt es mit seiner Rolle als wichtiger Entscheidungsträger, ich tippe aber auch ein bisschen auf seine strenge Ehefrau Gisla, die ihn gezähmt hat). Er ist gesundheitlich vielleicht auch gar nicht mehr dazu in der Lage, die Axt zu schwingen, siehe die Medikation, die er zu sich nimmt. Aber Rollo ist nicht nur vor Ort, um in Erinnerungen zu schwelgen und um die alte Heimat wiederzusehen. Er schlägt Ivar und Harald auch eine Allianz vor, die klar zu seinem Vorteil ist. Aufgrund seiner Hilfestellung im Krieg gegen Lagertha ist das ja wohl das Mindeste.

Aber Rollo hat es auch noch aus weiteren Gründen zurück zu seinen Wurzeln verschlagen. Es scheint nämlich so, als würde er auf seine alten Tage noch ein paar wichtige Dinge erledigen wollen. Oder aber, dass er von längst vergangenen Taten, Beziehungen und dem Verrat an seinesgleichen heimgesucht wird - Dinge, mit denen er aufräumen muss. Grundsätzlich ist es ein interessanter Gedanke, einen Charakter eine solche Entwicklung durchlaufen zu lassen. In diesem konkreten Fall fühlt es sich jedoch ein wenig eigenartig an, was schlichtweg damit zusammenhängt, dass Rollo jahrelang (in der Serie noch viel länger als in Realzeit) keine Rolle mehr gespielt hat. Nachdem Standens Soloprojekt Taken eingestampft wurde, ist er nun eben wieder frei und kann erneut in Vikings mitmischen.

Evil spirits

An und für sich ist das auch okay, ich mag den Charakter und den Darsteller. Die Reintegration von Rollo läuft für mein Empfinden aber recht holprig ab, vor allem, weil er derartig in die Handlung reinplatzt, dass es fast schon übertrieben und unglaubwürdig ist. Zum einen gesteht er Lagertha noch einmal seine ewige Liebe, die sie jedoch nicht erwidert. Dann ist er sich auch noch sicher, dass er der Vater von Bjorn ist, etwas, dass Rollo anscheinend schon seit sehr langer Zeit beschäftigt. Ja, Bjorns Onkel hat in der Vergangenheit immer wieder als eine Art Ziehvater für den jungen Wikinger fungiert. Doch: Wo kommen diese ganzen Gefühle plötzlich her? Da ist man von der Reaktion her schon sehr bei Bjorn, der aktuell ganz andere Dinge vor der Brust hat, als sich Gedanken darüber zu machen, ob Ragnar oder der verräterische Rollo sein Vater ist...

Bjorn ist in dieser Episode ohnehin recht kurz angebunden und verfällt in eine Art hoffnunglosen Zynismus, dass die Messe längst gelesen sei und es nie schlechter um Lagertha und Co stand. Diese hält ihr Haupt indes hoch - nichts anderes hätten wir auch von ihr erwartet - und weigert sich vehement, die Segel zu streichen. Doch momentan kann sie in und um Kattegat nicht besonders viel reißen, also geht sie auf das Angebot von Heahmund ein - der ihr übrigens ebenfalls so richtig zu Füßen liegt -, nach England überzusiedeln und dort ein Bündnis mit König Aethelwulf (die Nachricht von dessen Tod ist hier anscheinend noch nicht angekommen) zu schließen. Dort könnte man sich neu organisieren, zu Kräften kommen und von England aus womöglich einen Versuch der Rückeroberung von Kattegat starten.

The gift of knowledge

History
History - © History

Also bricht die kleine Gruppe gen Wessex auf, jedoch nicht, ohne ein wenig Verwunderung bei mir auszulösen. Lagerthas Gefolge ist nämlich tatsächlich sehr überschaubar und Heahmunds Idee ist es ja, sich den Engländern als Krieger anzubieten, um so Asyl gewährt zu bekommen. Mit einer Handvoll Wikinger als Streitkräfte sieht die Verhandlungsposition für Lagertha aber eher ungünstig aus. Was kann man dem neuen König Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) also bieten? Vielleicht Wissen, dürfte der junge Monarch doch dafür noch am ehesten empfänglich sein. Alfred möchte zum Beispiel eine neue Flotte aufbauen, ein paar nordische Schiffsbauer und Experten könnten da hilfreich sein. Und auch als clevere Strategin könnte Lagertha eine wertvolle Position an Alfreds Hof einnehmen, immerhin hat dieser ein ganzes Königreich zu regieren, in dem sich nicht jeder auf Anhieb mit seinen angedachten Reformen anfreunden kann. So zum Beispiel sein Dekret, dass die christlichen Lehren fortan nicht mehr nur auf Latein verbreitet werden sollen, sondern so, dass es auch das einfache Volk verstehen kann.

Hier sehe ich tatsächlich spannendes Potential und bin gespannt, was man aus dieser neuen und irgendwie auch altbekannten Allianz (weil das Verhältnis zwischen Wikinger und Angelsachsen im Laufe der Serie regelmäßig Thema war) macht. Alfred gefällt mir als Charakter, seine Mutter Judith (Jennie Jacques) ist ebenfalls mit allen Wassern gewaschen und hinsichtlich des kriegerischen Aethelreds (Darren Cahill) (Alfreds älterer Bruder, der auf den Thron verzichtet hat) traue ich Hirst ebenfalls zu, einige spannende Geschichten zu entwickeln, in denen es abwechslungsreich zwischen Lagertha, Bjorn und den Herrschern über Wessex zugeht. Dabei kann ein neues Spannungsfeld entstehen, ähnlich, wie es in Skandinavien zwischen Ivar und Harald angedeutet wird, die noch Verbündete sind. Wir erinnern uns jedoch, dass Harald ambitionierte Pläne hat. Und Ivar ist bekanntermaßen auch nicht gerade der Typ, der seine Macht gerne teilt...

Hollow inside

Peter Franzen werden in The Revelation interessanterweise die nuanciertesten Momentaufnahmen der gesamten Episode zuteil, sieht man seinem Charakter Harald doch klar an, wie schwer ihn der Tod von Bruder Halfdan zu seinen Händen und das Ableben von Astrid und ihrem gemeinsamen, ungeborenen Kind getroffen hat. Hier wäre es interessant zu sehen, ob diese Verluste Harald tatsächlich nachträglich prägen und in seiner weiteren Motivation beeinflussen werden. Für Ivar hat sich derweil nicht viel verändert, etwas zähneknirschend nimmt er die horrenden Forderungen (Soldaten, Sklaven, Gold, Silber, Naturalien und mehr) von Rollo für eine Allianz zwischen den Wikingern und Frankreich an, um so die Informationen zu erhalten, wo sich Lagertha aufhält. Diese hat sich aber schon längst verabschiedet und so bleibt Ivar nur, sich weiterhin in Geduld zu üben. Und die zurückgelassene, verrückt gewordene Margrethe (Ida Nielsen) aufzunehmen, um die sich Hvitserk (Marco Ilso) kümmert.

Bezüglich Ivar wird sich in dieser zweiten Staffelhälfte zeigen müssen, ob man den Charakter weiterhin interessant gestalten kann, ohne, dass sein wahnsinniges Wesen zu anstrengend und monoton wird. Ivar macht als Figur immer am meisten Spaß, wenn sich jemand mit sehr konträren Ansichten gegen ihn stemmt und es zum Duell kommt - ob nun verbal, mental oder physisch. Wenn Ivar nun langsam zum irrgeleiteten Alleinherrscher aufsteigt und noch mehr von seiner einzigartigen Sonderstellung überzeugt ist (die ehemalige, von ihm befreite Sklavin Freydis bestärkt ihn noch einmal darin), dann kann sich diese Figurenzeichnung auch mittelfristig etwas eindimensional gestalten. Doch warten wir mal ab. Alex Hogh Andersen zeichnet als Darsteller unverändert eine faszinierende natürliche Intensität aus, die schon für zahlreiche starke Szenen gesorgt hat.

Nicht ganz so stark, sondern eher nebensächlich (ein etwas netteres Wort für „vergessenswert“, wenn ich ganz ehrlich bin) erscheint mir indes der Handlungsstrang um Floki (Gustaf Skarsgard) im fernen Island. Bei dem bietet er sich als Opfer für die Götter an, um vielleicht doch noch die unter sehr schlechten Vorzeichen stehende Wikingerkolonie in die richtige Spur zu bringen. In der ersten Hälfte der fünften Staffel von Vikings fand ich die Idee einer völlig losgelösten Erzählung mit Floki im Zentrum eigentlich ganz reizvoll. So hat man uns ein paar wunderbare, gewagte spirituelle Trips präsentiert, die vielleicht weniger auf einer handlungstechnischen, sondern vielmehr auf einer emotionalen Ebene funktioniert haben. Nun, fast zehn Monate nach der letzten „Vikings“-Folge, wirkt die Geschichte auf Island ziemlich irrelevant und ebenso trist wie die karge Landschaft, die die streitwilligen Kolonisten umgibt. Ob man dieser Facette von „Vikings“ irgendwie noch etwas mehr Leben einhauchen kann?

Der Trailer zur Episode Murder Most Foul (5x12) der US-Serie Vikings:

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 29. November 2018

Vikings 5x11 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 11
(Vikings 5x11)
Deutscher Titel der Episode
Land Der Steine
Titel der Episode im Original
The Revelation
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 28. November 2018 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. November 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 29. November 2018
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ciaran Donnelly

Schauspieler in der Episode Vikings 5x11

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