Vikings 5x02

Vikings 5x02

Im zweiten Teil des Auftakts zur fünften Staffel von Vikings wird allen voran der Konflikt an der Heimatfront der Wikinger vertieft. Aber auch andernorts bereitet man sich auf die kommenden Schlachten vor. Ein kleiner Höhepunkt stellt indes Flokis spirituelle Reise in unbekannte Gefilde dar.

Jonathan Rhys Meyers als Heahmund in „The Departed (2)“ (c) History
Jonathan Rhys Meyers als Heahmund in „The Departed (2)“ (c) History
© onathan Rhys Meyers als Heahmund in „The Departed (2)“ (c) History

Im Vergleich zum ersten Teil von „The Departed“ gestaltet sich das zweite Kapitel der fünften Staffelpremiere von Vikings alles in allem etwas sprunghafter, wenn es um die zahlreichen Szenenwechsel geht. Dementsprechend kommt es einem auch ein wenig zerstückelt vor, vergleicht man die Erzählung mit der eher geradlinigen Ausrichtung der Geschichte in The Departed (1). Doch dort, wo diese Episode ihre Stärken in der hohen Intensität und Anspannung zwischen den Charakteren fand, setzt The Departed (2) erfolgreich auf andere Eigenheiten des Historiendramas von Michael Hirst.

Natürlich wird auch hier kräftig mit den Säbeln gerasselt. Die Engländer um Kriegerbischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) und Aethelwulf (Moe Dunford), rechtmäßiger König von Wessex, vereinen ihre Kräfte und planen überlegt die Rückeroberung von York. Die Nordmänner um Ivar (Alex Hogh Andersen), Ubbe (Jordan Patrick Smith) und Hvitserk (Marco Ilso) rücken derweil etwas in den Hintergrund, das Geschehen in Kattegat ist da von weitaus höher Bedeutung. Doch einen ganz besonderen Aspekt dieser Episode stellt Flokis persönliche Odyssee ohne Ziel dar, die zwischendurch immer wieder mal eingestreut wird und ein Kernmerkmal der Serie repräsentiert: die einnehmende, faszinierende mystische Spiritualität von „Vikings“.

Abandoned

Es liegt allein an Gustaf Skarsgard, das neue Abenteuer Flokis zu stemmen. Und als einer der ohne Zweifel hingebungsvollsten Darsteller in „Vikings“, der uns schon mit so einigen elektrisierenden, nahezu hypnotischen Darbietungen verzückt hat, ist es ein Leichtes für den Schweden, uns in seinen Bann zu ziehen. Ich habe ja bereits ein paar verfrühte Befürchtungen geäußert, dass Flokis Solonummer auf lange Sicht ein paar Probleme mit sich bringen könnte. Ich bin aber natürlich auch offen und gespannt, was man sich für diesen originellen Charakter ausgedacht hat und wie ein Gustaf Skarsgard mit dieser neuen, losgelösten Rolle umgeht.

Land of the Gods

Flokis Seereise steht anfangs unter keinem guten Stern und abermals fragt er sich, was er den Göttern denn getan hat, dass sie ihn derartig strafen und wortwörtlich den Wind aus den Segeln nehmen. Er bereitet sich bereits auf sein vermeintliches Ende vor und gibt sich total der Gnade seiner Götter hin - was ihn nach einem ruppigen Sturm an die Küste eines fremden Landes führt. Dort begrüßt ihn der Rabe, den er zuvor auf hoher See freigelassen hatte. Ob Hugin, Munin oder einer der vielen gefiederten Freunde Ragnars, der stets mit Odins geflügelten Boten zu sehen war - es scheint fast so, als hätte irgendjemand oder irgendetwas dafür gesorgt, dass Flokis letztes Stündlein doch noch nicht schlägt und er an diesem speziellen Ort landet.

Dieser Ort - Island, um ganz genau zu sein - strahlt eine besondere Atmosphäre aus, als würde die Erde atmen, die Gewässer Geschichten erzählen und der Wind einen stürmisch begrüßen. Floki ist zunächst etwas perplex und darauf konzentriert, nicht den Löffel abzugeben. Doch dann erschließt sich ihm dieses „Land der Götter“, dieses magische Fleckchen mit surrealen Wasserfällen, donnernden Vulkanen und saftig grünen sowie steinigen und hügeligen, unerschlossenen Landschaften. Die Inszenierung von Regisseur David Wellington fängt den Zauber Islands wunderbar ein, mit viel Ruhe und Bedacht öffnet sich nicht nur Floki, sondern auch uns Zuschauern eine fast schon übernatürliche neue Welt, die nur die Götter geschaffen haben können. Skarsgards ausgezeichnetes Schauspiel und Hingabe verstärkt diesen Effekt nur noch.

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Pushed aside

Auch das ist Vikings. Diese erhabenen Momente, in denen man sich unfassbar klein vorkommt und diese Nähe zu etwas Überirdischem - ob man nun selbst daran glaubt oder nicht - absolut spürbar ist. Flokis Handlungsstrang steht exemplarisch für dieses besondere Element der Serie, das wir in abgewandelter Form auch beim jungen Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) in England beobachten können, der scheinbar über eine ähnlich mächtige Verbindung zu einer höheren Macht verfügt. Seine Vision davon, wo die Truppen von Aethelwulf benötigt werden, hat aber mehr den Effekt von ein wenig Budenzauber. Auch diese Szene ist hervorragend und äußerst atmosphärisch inszeniert, da Alfred als Charakter bisher aber eher wenig relevant war, fehlt mir persönlich hier vielleicht etwas die Verbindung zu der Figur.

So, wie Flokis weitere Reise ein paar spannende Fragen aufwirft (Ganz wichtig: Wie viel Substanz hat dieses Soloabenteuer?), wird es interessant zu sehen sein, was Hirst mit Alfred vorhat, dessen spezieller Bund zu Gott (auch aufgrund seines Vaters Athelstan) womöglich jetzt noch viel mehr als noch zuvor ergründet wird. Ganz zu schweigen davon, dass Alfred der Große, zu dem der sich hier dem Tode sehr nahe befindliche junge Alfred irgendwann noch werden wird, laut den Geschichtsbüchern eine große Rolle bei der Abwehr der heidnischen Wikingerhorden in England gespielt hat. Bis es so weit ist, obliegt es aber erst einmal Heahmund und Aethelwulf, Maßnahmen gegen die barbarischen Nordmänner einzuleiten.

An eye for an eye

Ein bisschen verwundert es mich schon, wie fix Aethelwulf seine Truppen mobil machen kann, hatte man doch eher weniger den Eindruck, dass er in seiner bedrückenden Lage inmitten ungemütlicher Sumpfgebiete so schnell wieder auf die Beine kommen würde. Aber es scheint, als wäre dies kein Problem, und so stößt er zum Heer von Heahmund hinzu, mit dem er nun den Angriff auf York plant. Abermals finde ich mich bei der Darbietung von Jonathan Rhys Meyers in einer verzwickten Lage wieder. Seine einsilbige Art macht den Charakter irgendwie bedrohlich und cool, so dass man definitiv mehr von Heahmund und ihn endlich in Aktion sehen will. Auf der anderen Seite ist Meyers' Performance mitunter dermaßen unterkühlt und auf den Glaubenskrieg seiner Figur fokussiert, dass es einen fast schon irritiert.

Pay for your crimes

Heahmunds Entschlossenheit und Überzeugung macht ihn potentiell aber zu einem formidablen Widersacher für die Söhne Ragnars, unter den weiterhin Uneinigkeit herrscht. Aufgrund seiner Komplexe spielt sich Ivar auf, was Ubbe (der mehr denn je wie eine junge Version seines Vaters aussieht, mit langen Zopf und stechenden blauen Augen) und Hvitserk nicht wirklich gefällt. Ivar macht seinen Brüdern indes mehr als deutlich, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sie mitleidig auf ihn herabgeblickt haben. Wenn nun in absehbarer Zeit noch die Engländer in dieses angespannte Verhältnis hereinplatzen und die Frage um die Anführerrolle bei den Wikinger nur noch umso imminenter wird, steht uns Zuschauer sehr wahrscheinlich ein großes Spektakel ins Haus.

Dies bahnt sich auch im heimischen Kattegat an, was bereits am Ende von The Departed (1) angedeutet wurde. Hier muss sich Lagertha (Katheryn Winnick) nun mit Harald (Peter Franzen) herumärgern, der ein Bündnis anbietet, damit sie vorbereitet ist, wenn eines Tages die Söhne Aslaugs zurückkehren und Rache für den Mord an ihrer Mutter suchen. Harald bietet eine Vermählung zwischen ihm und Lagertha an, doch die Alleinherrscherin ist bekanntermaßen nicht von gestern. Wir erinnern uns an Kalf, der Lagertha ebenfalls als Steigbügelhalterin benutzen wollte und sein jähes Ende zu Händen der Wikingerkönigin fand...

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Intentions

Lagertha steht erneut ihre Frau, und das völlig zu Recht und nachvollziehbar selbstbewusst, hat sie sich doch mehrfach bewiesen und gezeigt, dass sie keinen Mann an ihrer Seite braucht, um zu herrschen, zu überleben und zu dominieren. Ihre Machtdemonstration gegenüber Harald geht sogar so weit, dass sie die Rollen umdreht und den geknebelten Umstürzler vergewaltigt, um ihm zu zeigen, dass Lagertha ihn völlig in der Hand hat und er keinerlei Macht über sie verfügt. Eine vergleichbare Geste stellte die Kastration und Ermordung Einars in der vierten Staffel dar, bei der Lagertha ihre besondere Stellung und Unabhängigkeit vom männlichen Geschlecht brutal unterstrich. Harald kommt ihr ungeschorener davon, was in der Tat ein Fehler der Wikingerkönigin ist.

Ihre Beraterinnen verstehen nicht so recht, warum sie noch zögert, doch Lagertha hat in ihrer Lebenszeit so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, da ist es eigentlich nur logisch, dass sie sich genau überlegt, was sie als Nächstes tun sollte. Harald hat nicht Unrecht, dass der Tod von Aslaug noch heftige Nachwirkungen haben könnte und Kattegat, so sehr sich das ehemals kleine Hafenstädtchen auch entwickelt hat, ist insbesondere aufgrund seiner nahen Seelage ein gutes Angriffsziel für die Flotte der Wikingerarmee in England. Es wird also gegrübelt und taktiert und als Zuschauer versteht man, dass die Situation alles andere als einfach ist.

Mistakes

Dennoch ist es dann doch schon ein klein wenig enttäuschend, dass Harald recht einfach entkommen und seinen wohl von Beginn an geschmiedeten Plan in die Tat umsetzen kann. So wird er nicht nur befreit, er nimmt auch Astrid (Josefin Asplund) als Geisel mit, die er möglicherweise als Hebel gegen Lagertha einsetzen kann. Oder sogar mehr als das. Wir sind in Vikings immer wieder auf extrem ambitionierte Charaktere getroffen, aber auch auf Figuren, die anfänglich sehr gefügig und loyal gegenüber ihren Anführern waren, sich dann jedoch haben korrumpieren lassen. Von versprochener Macht, von eigenen Träumen und Wünschen.

Options

Astrid, die Lagertha eigentlich treu ergeben ist und zwischenzeitlich auch deren Liebhaberin war, könnte nun in diese Falle tappen. Und Harald ist der perfekte Brennstoff, um das Feuer in ihr zu wecken. Man muss es Harald lassen: Er weiß ganz genau, welche Worte er wählen und Knöpfe er drücken muss, um Astrid zum Nachdenken zu bringen. Für Harald könnte die neue Ausgangslage besser nicht sein: Er hat seiner Konkurrentin Lagertha eine ganze Menge zum Tüfteln gegeben, deren engste Vertraute entführt, für Unruhe in Kattegat gesorgt und sich eine aussichtsreiche Position für den nahenden Konflikt geschaffen - ob Astrid nun seinem Angebot nachgibt oder auch nicht.

Und so befinden sich nach dem zweiteiligen Auftakt der fünften Staffel von Vikings alle Spielfiguren in Position. Das Etablieren einer spannungsreichen Ausgangssituation gehört ebenfalls zu den Kernkompetenzen von Michael Hirst und seinem Team. Und auch wenn in The Departed (2) hier und da ein paar logistische Fragen aufgeworfen werden, fühlt man sich doch gleich wieder gut gepackt und erwartet gespannt den Startschuss für die ersten handfesten Auseinandersetzungen sowie die Entwicklungen weiterer Intrigen und undurchsichtiger Machtspielchen.

Trailer zur fünften Staffel von „Vikings“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 1. Dezember 2017
Episode
Staffel 5, Episode 2
(Vikings 5x02)
Deutscher Titel der Episode
Die Verstorbenen
Titel der Episode im Original
The Departed, Part 2
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 29. November 2017 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. November 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 30. November 2017
Autor
Michael Hirst
Regisseur
David Wellington

Schauspieler in der Episode Vikings 5x02

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