Vikings 5x01

Vikings 5x01

Die Auftaktepisode zur fünften Staffel von Vikings verschwendet keine Zeit, von der ersten Minute an werden alte, aber auch neue Konflikte befeuert - sowohl in den Reihen der Nordmänner als auch außerhalb ihres Lagers. Die Anspannung ist wie so oft in dem Historiendrama absolut greifbar.

Ivar (Alex Hogh Andersen) in „The Departed (1)“ (c) History
Ivar (Alex Hogh Andersen) in „The Departed (1)“ (c) History
© var (Alex Hogh Andersen) in „The Departed (1)“ (c) History

Fast zehn Monate ist es nun her, da fand die vierte, erstmals 20 Episoden umfassende Staffel von Vikings ihr blutiges Ende. Die Söhne von Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel), der auf halber Strecke der zweiten Hälfte dieser Staffel das Zeitliche segnete, vollendeten ihren Rachefeldzug gegen die Angelsachsen um König Aelle (Ivan Kaye) und vor allem König Ecbert (Linus Roache). Die Wikinger befanden sich im Aufwind, doch mit dem Tod von Allvater Ragnar begann es ordentlich unter der Oberfläche zu brodeln. Insbesondere der gebeutelte Ivar (Alex Hogh Andersen) tat sich hervor, der sich gegenüber seinen Brüdern stets beweisen musste und schnell zu einem der spannendsten neuen Hauptcharaktere avancierte.

Seine Ambitionen und Ziele haben sich nie mit denen seiner Brüder Ubbe (Jordan Patrick Smith), Hvitserk (Marco Ilso) und Sigurd (David Lindström) gedeckt, Misstrauen und Streitigkeiten prägten deren Verhältnis. Dies wurde umso deutlicher, als es am Ende der vierten Staffel zum schockierenden Tod von Sigurd durch die Hand von Ivar kam, was die Spaltung im Lager von Ragnars „kleinen Schweinchen“ verfestigte, wenn nicht sogar weiter vorantrieb. Nun, in The Departed (1), der ersten Folge der fünften Staffel von Vikings, setzt Serienschöpfer Michael Hirst nahtlos da an, wo wir aufgehört haben. Ivars Tat wird extrem hohe Wellen schlagen, das macht man uns hier unmissverständlich klar. Das unfassbar angespannte Verhältnis zwischen ihm und seinem Bruder Ubbe, der neue designierten Anführer der großen Heidenarmee, lässt dahingehend keine Zweifel aufkommen.

Ghostly memories

The Departed“ wurde in den USA auf dem Sender History als Doppelfolge ausgestrahlt, wir werden uns hier auf SERIENJUNKIES.DE® den zwei Teilen der Staffelpremiere jedoch einzeln widmen, so, wie man die Episoden auch hierzulande bei Amazon sehen kann. Der erste Teil bietet uns hier und da ein kleines Update, wie es um die verschiedenen Figuren steht. Im Grunde genommen verzichtet man aber größtenteils auf zeitintensive Exposition und stürzt sich gleich wieder kopfüber in die Welt der Wikinger. Manch einer fühlt sich dadurch eventuell überrumpelt, mir persönlich gefällt der Ansatz jedoch ganz gut, passt er doch perfekt zu der von Michael Hirst im Vorfeld bekannt gegebenen Devise für die fünfte Staffel, die seiner Aussage nach die bisher gewaltigste seiner Wikinger-Saga werden wird.

The wrath of God

Gewaltig, weil es eben an allen Ecken und Enden krachen wird, die Welt noch größer als zuvor ist und sich epische Konflikte entspinnen, bei denen aus Freunden Feinde und Brüdern ärgste Widersacher werden. Neben einem Bruderkrieg und Bürgerkrieg in der Heimat der Nordleute steht uns natürlich auch weiterhin der Konflikt mit den gläubigen Christen Englands ins Haus, die vom kampferprobten Bischof Heahmund (Jonathan Rhys Meyers) angeführt werden. Diesen haben wir bereits am Ende der letzten Staffel kurz gesehen, nun wird er bereits früh als gnadenlose, gottesfürchtige Geißel der barbarischen Heiden aus dem Norden etabliert, der diese der gerechten Strafe seines Herren überführen will.

Doch der Fokus liegt in der ersten Episode vor allem auf den Unstimmigkeiten zwischen den Anführern der Wikinger, die sich zu Beginn der Folge versammeln, um dem ermordeten Sigurd die letzte Ehre zu erweisen. Dabei wandern sämtliche Blicke zu Ivar, dem Schuldigen, der zwar aufrichtig Reue zeigt, aber seiner Meinung nach auch einen guten Grund für die schwerwiegende Tat hatte: Sigurd nahm ihn nicht ernst, all seine Brüder haben ihn noch nie wirklich ernst genommen, das Fass war zum Bersten voll. Es blieb Ivar gar keine andere Wahl, als Sigurd zu töten, er wurde nahezu provoziert. Eine eigenwillige Sicht der Dinge, die aber im Einklang mit Ivars Selbstwahrnehmung steht und abermals unterstreicht, wie gefährlich der „Knochenlose“ doch ist.

History
History - © History

All eyes on me

Der dänische Schauspieler Alex Hogh Andersen steht auch in dieser fünften Staffel von Vikings vor der nicht einfachen Herausforderung, den Antihelden Ivar (die Betonung liegt auf „anti“, wie Andersen in einem Interview bereits deutlich gemacht hat) so mit Leben zu erfüllen, dass man als Zuschauer mit ihm bangt und hofft, zur gleichen Zeit von seinen Methoden angewidert ist und seine Motive permanent hinterfragt. Dies gelang Andersen bereits in Staffel vier sehr gut, und auch jetzt entfaltet sich recht schnell wieder sein sehr spezielles Charisma und der Reiz, der von diesem ambivalenten, unberechenbaren Charakter ausgeht. Ivar ist smart, er ist gewieft und wenn nötig absolut skrupellos und kaltblütig. Er offenbart aber auch eine Verletztlichkeit und Unsicherheit, was ob seiner Lebensgeschichte nicht verwundert.

Gegenüber seinen Brüdern demonstriert er Stärke, auf dem Feld geht er konsequent und fast schon in geisteskranker Manier voran, um sich zu profilieren und nicht nur an seine Feinde, sondern auch seinesgleichen eine Botschaft zu senden: Mit mir ist zu rechnen. Es geht nur über mich, ich werde unser Volk zum Sieg führen und in die Geschichtsbücher eingehen. Doch abseits von all dem sehen wir auch einen anderen Ivar. Der Ivar, dem der Abschied von seinem guten Freund Floki (Gustaf Skarsgard) unglaublich schwerfällt, der Halt benötigt und große Angst davor hat, allein auf weiter Flur ohne die Unterstützung eines loyalen Weggefährten wie Floki zu stehen. Diese Komplexität macht Ivar zum aktuellen Trumpf der Serie und so verwundert es nicht, dass Michael Hirst die Erzählung in weiten Teilen nach diesem ausrichtet.

Nothing left

Ubbe wird derweil als Ivars Gegenpol installiert, mit Hvitserk irgendwo zwischen diesen beiden. Doch dieser fühlt sich früh mehr zu Ivars Plänen hingezogen, proaktiv weiter Druck auf die Angelsachsen auszuüben und das Städtchen York zu erobern. Hier lässt sich wunderbar eine strategisch gut situierte Festung und Basis im Norden errichten, von wo aus man seine Präsenz in England nur noch verstärken kann. Ubbe lässt sich von der recht demokratischen Absprache überzeugen, auch wenn er lieber den Wunsch seines Vaters ehren würde, eine neue Wikingersiedlung im Herzen Englands aufzubauen. Dass diese von Ecbert übertragenen Ländereien mit einem Haken kommen, wissen die Nordmänner freilich noch nicht. Denn dem sich im Exil befindenden Aethelwulf (Moe Dunford) gehören eben jene, ist er doch der rechtsmäßige König vom Wessex. Aktuell geht es ihm zwar weniger gut, besonders schlimm hat es Judiths (Jennie Jacques) Sohn Alfred (Ferdia Walsh-Peelo) erwischt, doch sein Anspruch wird mit Sicherheit schon bald ein Thema sein.

The scurge of the world

Die Kluft, die zwischen Ubbe und Ivar vorherrscht, wird beim Angriff auf York am deutlichsten sichtbar. Bei dem Überraschungsangriff an Christi Himmelfahrt lassen sich die Engländer ordentlich überrumpeln und recht schnell sind die Kräfteverhältnisse geklärt. Ubbe merkt man jedoch immer wieder Zweifel an. Was tun sie hier eigentlich? Die bestialische Vorgehensweise der Wikinger, die ein blutiges Massaker veranstalten, wirft bei ihm offensichtlich Fragen auf. Ebenso wie Ivars psychopathische Methoden, die Kunde der neuen Vorherrschaft durch die Nordmänner zu verbreiten. Da bekommt das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ gleich eine ganz andere Bedeutung. Generell scheint Ubbe nicht zufrieden damit zu sein, welchen Weg man nun einschlägt.

Was ist mit einer friedlichen Koexistenz? Müssen wir wirklich diese Monster sein, vor denen ein jeder schreckliche Angst hat? Brutale Barbaren, die Menschen dazu bringen, lieber um den schnellen Tod zu betteln, als gefoltert, vergewaltigt und qualvoll umgebracht zu werden? In Vikings treffen nicht nur verschiedene Kulturen, sondern auch verschiedene Ideologien innerhalb von Kulturkreisen aufeinander, die sich nicht vertragen. Eine Eskalation scheint unvermeidbar. Fragt sich nur noch, wann es so weit sein wird und wer sich dann auf welcher Seite wiederfindet. Das atmosphärische Abbilden der Ruhe vor dem Sturm ist eine der großen Stärken des Historienformats. Hier weht bereits zum Auftakt der fünften Staffel eine ziemlich steife Brise.

History
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Hear my prayer

Und es wird nicht ruhiger werden. Dafür wird wohl auch Jonathan Rhys Meyers in Person von Heahmund sorgen, der ein klares Ziel verfolgt: die Bestrafung und Auslöschung sämtlicher heidnischer Invasoren. In The Departed (1) tritt er als frommer Krieger in Erscheinung, der ein paar Drohungen von sich gibt und sich später auch noch selbst geißelt, da er wie viele andere ebenfalls in Sünde lebt. Bei diesem Charakter möchte ich noch ein wenig abwarten, gläubige Fanatiker hat die Serie bis dato reichlich zu bieten gehabt. Wie er in die Haupthandlung hineinpasst, welche konkrete Rolle er in dem Konflikt mit den Wikingern und womöglich auch im Konflikt zwischen Ivar und Ubbe übernimmt, wird sich zeigen. Rhys Meyers erscheint mir indes eine gute Wahl, seine natürliche Ausstrahlung hilft bei der Einführung des rigorosen Heahmund.

Abwarten muss man ebenfalls hinsichtlich Floki, für den Michael Hirst und sein Team gänzlich andere Pläne haben, als es viele vielleicht erwartet haben. Der Schiffsbauer gibt sich nun nämlich komplett den nordischen Gottheiten hin und macht sich auf eine persönliche Odyssee ohne konkretes Ziel. Er hat bekanntermaßen alles verloren - seinen besten Freund, seine Frau und sein Kind -, also bleibt ihm nur noch der Dienst an den Göttern, zu denen er stets ein sehr inniges, wenn auch kompliziertes Verhältnis pflegte. Sein Abschied von Ivar und den anderen hat etwas sehr Emotionales, weil man Floki auch ansieht, dass er selbst nicht weiß, was ihn erwartet, es jetzt aber kein Zurück mehr gibt. Ich frage mich nur, ob Flokis Isolation vom Rest der Charaktere und Handlung auf lange Sicht nicht ein wenig problematisch werden könnte.

Farewell

Ähnlich losgelöst von den Geschehnissen in England gestaltet sich Bjorns (Alexander Ludwig) neuerliche Expedition gen Mittelmeer, auf der er von Halfdan (Jasper Pääkkönen) begleitet wird. Zum abenteuerlustigen Bjorn passt diese Entwicklung, auch wenn er sich natürlich ein wenig aus der Verantwortung nimmt. Aber sein Vater Ragnar hat Bjorn stets gepredigt, sein eigener Herr zu sein, nichts auf Erwartungen an seine Person zu geben und seinen Weg zu finden, wohin dieser ihn auch führen wird. Die Vorfreude ist Bjorn anzumerken, gleichzeitig sieht man ihm aber auch für einen kurzen Moment an, dass er sich Gedanken über seine Mutter Lagertha, seine Frau Torvi und seinen Nachwuchs in der Heimat macht. Er muss diesen Schritt ins Unbekannte jetzt aber machen, was vor allem eine Person vollends nachvollziehen könnte, wenn er doch noch am Leben wäre: sein Vater.

Bad choices

Wie bereits erwähnt, beschäftigen wir uns in dieser Staffel von Vikings nicht nur mit einem möglichen Bruderkrieg, sondern auch mit einem Bürgerkrieg. Bereits letzte Staffel intrigierte Harald (Peter Franzen) heftig, um Lagertha (Katheryn Winnick) in Kattegat von ihrem Thron zu stoßen. Dies ist der Wikingerkönigin völlig klar und auch Harald hält mit seinen Ambitionen und verschwörerischen Taten nicht vor ihr zurück. Eine einfache Lösung dieses Konflikts scheint undenkbar. Lagertha hat sich mühevoll und völlig zurecht behauptet, ihre Position ist gefestigt. Harald strotzt aber geradezu vor Selbstvertrauen und ist sich seiner Sache dermaßen sicher, dass man ihm zutraut, tatsächlich irgendwie zum König über ganz Norwegen aufzusteigen.

Auch hier können wir mit Spannung erwarten, wie sich dieser Zweikampf abspielen wird. Fakt ist, dass dieser Konflikt wie so viele andere Streitigkeiten seine Konsequenzen nach sich ziehen wird. Triumphiert Harald über Lagertha, dann hat dies natürlich auf Folgen für die neue Männerfreundschaft zwischen Bjorn und Haralds Bruder Halfdan. Und genau dies scheint Harald, dem sein Bruder sehr viel bedeutet, auch im Kopf zu haben. Kann er sich dann noch auf Halfdan verlassen? Verliert er ihn? Dass Halfdan in Haralds tollkühne Pläne eingeweiht ist, scheint nicht so, es wirkt viel mehr so, als wäre Halfdan ähnlich wie Bjorn gepolt: auf der Suche nach Abenteuern in fremden Ländern.

Aber sicher ist bekanntlich nur das Amen in der Kirche. Vikings weiß generell immer wieder zu überraschen und gewährt in The Departed (1) einen spannenden Einblick in ein komplexes Konstrukt an Figuren, persönlichen Befindlichkeiten und Motiven, das geradezu nach einem katastrophalen Ausgang schreit. Um es mit dem Promomaterial zur fünften Staffel zu halten: „Who will rise?

Trailer zur fünften Staffel von „Vikings“:

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 30. November 2017

Vikings 5x01 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 1
(Vikings 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Fischerkönig
Titel der Episode im Original
The Departed, Part 1
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Mittwoch, 29. November 2017 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. November 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 30. November 2017
Autoren
Justin Pollard, Michael Hirst
Regisseur
David Wellington

Schauspieler in der Episode Vikings 5x01

Darsteller
Rolle
Alexander Ludwig
Peter Franzen
Jasper Pääkkönen
Linus Roache

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