Vikings 4x12

© var (Alex Høgh Andersen) und Vater Ragnar (Travis Fimmel) graben nach Schätzen / (c) History
Die Zeiten haben sich geändert in Kattegat: Das einst kleine Städtchen ist zur Handelsmetropole gewachsen und sein ehemals großer Herrscher Ragnar (Travis Fimmel) zum verlotterten Herumtreiber geschrumpft, der auf der Straße offen angespuckt wird. Schon die Eröffnungsszene macht uns diese beiden Dinge unmissverständlich klar und zeigt noch besser als die letzte Episode, dass dies nicht mehr die Welt ist, die der einst glorreiche Wikinger in den Händen hielt.
Everyone Hates You Now
Doch der Drang in Ragnar, die Auslöschung der britischen Wikingersiedlung durch König Ecbert zu rächen ist groß. Gerade nach seinem misslungenen Selbstmordversuch in der vorherigen Episode scheint es, als lebe der zerzauste Krieger nur noch für dieses Ziel. Und so mutet die gesamte Episode und insbesondere der Abschied von Aslaug (Alyssa Sutherland) an wie eine Abschiedsvorstellung Ragnars, der alles andere schon längst aufgegeben hat.

Insbesondere das Ausgraben seiner Schätze verdeutlicht, wie wichtig ihm die Fahrt nach England ist. Denn nachdem seine Landsleute ihm unmissverständlich klarmachen, dass keiner freiwillig mit ihm kommt, muss er sein letztes vergrabenes Hab und Gut an die Ältesten und Schwächsten geben, damit diese sich mit ihm auf die Überfahrt machen. Die Starken und Abenteuerlustigen schließen sich derweil seinem ältesten Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) an, der mithilfe einer alten römischen Karte das Mittelmeer unsicher machen möchte.
Einzig Sohn Ivar möchte mit seinem Vater segeln, womit er vortrefflich in das traurige Gesamtbild der väterlichen Truppe passt. Doch das ist nicht alles: In zahlreichen Szenen scheint es, als hätte der Vater als einzige Person überhaupt so etwas wie Respekt vor dem behinderten Ivar. Er sieht wohl den selben Machthunger und die selbe Skrupellosigkeit in dem Knochenlosen, die schon ihn zum König der Wikinger gemacht hat.
Everything Will End in Disaster
Apropos Ivar: Der ist mal wieder der absolute scene-stealer der Episode und der wohl faszinierendste Charakter, den Vikings momentan zu bieten hat. Man schwenkt als Zuschauer so schnell zwischen Furcht und Mitleid um, dass es einem schon fast unheimlich wird. Insbesondere die Konfrontation zwischen ihm und seinem Bruder Sigurd (David Lindström) bietet dabei die vermutlich stärkste Szene der gesamten Episode. Stark ist dabei, dass man die Intentionen beider Brüder verstehen kann und mitfiebert, obwohl es sich bei beiden, gerade in dieser Szene, um Scheusale handelt.
Der eine sieht nicht ein, dass sein Bruder ihm die Frau (Ida Nielsen), die in seinem Falle wohl eher ein Spielzeug ist, stiehlt und damit nur durchkommt, weil er als Behinderter eine Sonderbehandlung bekommt. Der andere möchte die Sklavin bei sich behalten und von seinen Brüdern, vor allem von Sigurd, nicht nur mit Mitleid, sondern mit Respekt betrachtet werden. Das mündet in einer intensiven Auseinandersetzung, in welcher Ivars Behinderung und die Grenzen, die sie ihm auferlegt, schonungslos deutlich gemacht werden.

Die Beziehung der Brüder zueinander wird wohl ein tragisches Ende nehmen, denn im Moment sieht alles so aus, als ob Ivar und Sigurd auf eine Konfrontation zusteuern, die zumindest Sklavin Margrethe das Leben kosten könnte. Dabei scheint es, als unterschätzt Sigurd seinen Bruder im Gegensatz zu Ubbe (Jordan Patrick Smith), der zugibt: „We are all afraid of Ivar.“
King of Norway
Doch all die Intrigenspielchen der Familie Lothbrok sind eigentlich nur Nebensächlichkeiten im Wikingerreich, denn die Aufmerksamkeit Kattegats liegt ganz eindeutig auf der Fahrt Bjorns ins Mittelmeer. Und im Gegensatz zu seinem Vater, dem er ohne Diskussion drei Schiffe für seine Reise zur Verfügung stellt, segelt der blonde Hüne mit einer riesigen Flotte los, der sich auch altbekannte Gesichter angeschlossen haben. Bei dem Anblick der zahlreichen Schiffe freut man sich als Fan der Serie schon auf die gewaltigen Schlachten, die Bjorn mit dieser Truppe wohl schlagen wird.
Wie von Aslaug vorhergesagt, schafft es dagegen die kümmerliche Truppe Ragnars noch nicht einmal in einem Stück nach England, denn ein Sturm, der nach ihren Visionen den Tod Ivars bringen soll, überwältigt die Boote des Rachekommandos noch auf der Überfahrt. Das Überleben von Ragnar und Ivar scheint dabei sicher, auch wenn uns der Cliffhanger hier etwas anderes weismachen möchte. Doch die Frage ist, wie viel der sowieso schon spärlichen Anzahl an Soldaten überlebt hat.
Doch nicht nur in England und im Mittelmeer, sondern auch daheim braut sich ein Sturm zusammen: Denn Lagertha (Katheryn Winnick) hat Aslaug auch nach all den Jahren nicht verziehen, dass diese ihr den Mann und damit auch den Thron geraubt hat. Nach ersten Wortgefechten macht sie der jetzigen Königin, während die sich scheinbar in Trance befindet, unmissverständlich klar, dass ihr Handeln wohl späte Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Fazit
Die gesamte Episode über zieht sich in „The Vision“ das Brodeln hin, dass uns auf einige stürmische Zeiten vorbereitet: Die Figuren werden in Position gebracht und es entsteht eine Spannung, wie sie wohl kaum eine andere Serie erzeugen kann. Sorgen bereitet dabei mit Blick zurück auf vergangene Staffeln nur, dass sich schon jetzt die Handlung auf drei verschiedene Orte aufteilt, zu denen wohl in den nächsten Episoden auch wieder die Tuscheleien am Hofe König Ecberts kommen werden.
Verfasser: Benedikt Pichl am Donnerstag, 8. Dezember 2016(Vikings 4x12)
Schauspieler in der Episode Vikings 4x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?