Vikings 4x09

Vikings 4x09

In Death All 'Round bekommen einige der Nebencharaktere mal etwas mehr als sonst zu tun, was sich sogleich auszahlt. Während wir behutsam auf das Finale der Halbstaffel vorbereitet werden, gefallen in der neuesten Episode vor allem der stimmige Erzählfluss und die zahlreichen Querverbindungen.

Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „Death All 'Round“ / (c) History
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „Death All 'Round“ / (c) History

Der Episodentitel Death All 'Round hätte wohl auch sehr gut zu der Folge aus der letzten Woche, Portage, gepasst, mussten wir uns in dieser doch gleich von mehreren Charakteren verabschieden. Aber auch in der neuesten Episode von Vikings bleibt Gevatter Tod ein stetiger Begleiter, der sich seine Opfer nach Belieben aussucht. Doch „Death All 'Round“ zeichnet bei weitem nicht nur ein weiterer prominenter Charaktertod aus, sondern vor allem die runde Erzählung und angenehme Strukturierung der Handlung.

Die arrivierten Figuren rücken dabei oft etwas mehr in den Hintergrund, setzen aber punktuell sehenswerte Nadelstiche. Während wir erneut zwischen vielen Handlungsorten hin- und herspringen (insgesamt fünf, teilt man die Geschehnisse in Frankreich in Paris und die Wikinger auf), behält man als Zuschauer dennoch einen guten Überblick darüber, was an all den verschiedenen Fronten gerade vorgeht. Einzig eine Nebengeschichte schwächelt etwas, doch die restlichen vier Handlungsstränge sind geschickt miteinander verknüpft, so zum Beispiel durch clevere Parallelmontagen oder übergreifende Themen.

The future

Serienschöpfer Michael Hirst entscheidet sich so für eine eher behutsame Heranführung an das bevorstehende Halbstaffelfinale in der nächsten Woche und drosselt zwischendurch doch etwas das Tempo, um in den letzten Zügen der Episode noch einmal einen Gang höher zu schalten. Und der Plan geht auf: Im Zusammenspiel mit der überlegten Inszenierung von Regisseur Jeff Woolnough präsentiert man uns mehrere spannende und hochinteressante Entwicklungen auf einen Schlag sowie feine Charaktermomente, in denen geschickt angedeutet wird, was uns in naher Zukunft bevorsteht. Und auch eine kleine Rückkehr zu den Wurzeln des Formats macht sich bezahlt...

Alfred (Conor O%26#039;Hanlon) in %26bdquo;Death All %26#039;Round%26ldquo; © History
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Death and destruction

Denn nach all den bisherigen Staffeln „Vikings“ dürfen wir nicht vergessen, dass die Nordmänner nach wie vor ein wilder, barbarischer Haufen sind, auf deren Kappe immer wieder schreckliche Gräueltaten gehen. Über Ragnar (Travis Fimmel) haben wir hier und da eine etwas diplomatischere Seite der Wikinger kennengelernt, doch der Anführer der Nordmänner ist eine absolute Ausnahme und zeigte bereits mehrfach ein gänzlich anderes Gesicht. Die ersten Minuten von „Death All 'Round“ machen nun mal wieder deutlich, dass mit den Wikingern nicht gut Kirschen essen ist und man stets im Hinterkopf behalten sollte, dass sie vor keiner Schandtat zurückschrecken.

Der Raubzug von Harald (Peter Franzen), seinem Bruder Halfdan (Jasper Pääkkönen) und ein paar Männern dient als grauenerregende Erinnerung daran, zu was die skrupellosen Wikinger im Stande sind. Während sich Ragnars Meute weiterhin mit ihren Booten durch den fränkischen Wald hackt, plündert Haralds Truppe für Proviant ein kleines Gehöft. Die dort ansässige Familie wird kaltblütig und bestialisch ermordet, die Frauen vergewaltigt, die Männer enthauptet und entstellt. Bei diesem Anblick läuft es einem kalt den Rücken herunter, vor allem, wenn man bedenkt, dass Harald und seine Anhänger zwischendurch etwas rumblödeln („Eggs?“), dann noch ein Liedchen anstimmen und wieder verschwinden, als wäre nie etwas gewesen.

Wir können wie Bjorn (Alexander Ludwig) nachvollziehen, dass Harald die Zeugen hat umbringen lassen, damit Paris nicht Wind von den Wikingern bekommt - was eigentlich bei dem ganzen Aufwand, den Ragnar und Co betreiben, nur schwer vorstellbar ist. Es geht aber vor allem um das „wie“: Während Bjorn wohl gnädig gewesen wäre und einen schnellen Tod erteilt hätte, zeigen Haralds Taten auf, warum die Wikinger so gefürchtet sind.

The good shepherd

Diese Szene dient aber nicht nur dazu, dass Harald und seine Mannen mehr Profil bekommen und uns klar wird, dass diese Nordmänner überhaupt keine Skrupel zeigen und extrem drastisch vorgehen (wir erinnern uns an die fränkischen Späher, die am lebendigen Leibe verbrannt wurden).

Im direkten Anschluss an die Vorfälle in Frankreich sehen wir, wie Aethelwulf (Moe Dunford), Prudentius (Sean T. O Meallaigh) und der kleine Alfred (Conor O'Hanlon) in Rom ankommen und dort eine Audienz beim Papst haben. Dieser ist besorgt ob der brandschatzenden Heiden in England und Frankreich, die über das heilige Reich des Christentums herfallen. Die einzige Waffe gegen diese ist der unerschütterliche Glaube an den Erlöser Jesus, was sogleich Alfred indoktriniert wird, welcher eine heilige Prozedur über sich ergehen lassen muss, die ihn bereits in jungen Jahren zum eifrigsten Verfechter des Christentums macht.

Mit dem Segen der Kirche steht dem Knaben, der in den großen Hallen des Vatikans umgeben von zahlreichen Geistlichen einen sehr niedlich und passenderweise kindlich unschuldigen Eindruck macht, nun eine große Zukunft bevor. Er soll eines Tages die Heiden das Fürchten lehren, die den Symbolen des christlichen Glaubens keinen Respekt entgegenbringen (siehe Haralds Umgang mit einem Kruzifix in Frankreich). Ich hätte nicht erwartet, dass die Geschichte um Aethelwulf und Alfred on-screen weitererzählt wird, sondern, dass sie eher im Hintergrund abläuft. Dadurch schafft man aber nicht nur eine interessante Gegenüberstellung zwischen den Wikingern und Christen (von den schicken Schauwerten ganz zu schweigen), sondern auch einen cleveren Übergang zu Ecbert (Linus Roache), welcher in England vor seinem nächsten großen Schritt steht.

Change

Denn während Alfred in Rom vereidigt wird, sehen wir in einer wunderbaren Parallelmontage, wie auch sein Großvater mit allen Ehren und in den Augen Gottes zum neuen König von Mercia ernannt wird. Als Herrscher über diese Ländereien und Wessex verfügt er nun über sehr viel Macht, was auch König Aelle von Northumbria nicht entgangen ist. Dieser fühlt sich von seinem „Verbündeten“ sogar hintergangen. Ecbert streitet dies gar nicht mal ab und verweist auf die permanenten Veränderungen, die das Leben für einen bereithalten.

Fast schon symbolisch steht er dann etwas erhöht über Aelle und teilt diesem etwas verschachtelt mit, dass er sich Ecbert besser beugen und unterwerfen sollte. Während Linus Roache seine Überlegenheit und den Erfolg seiner Figur genüsslich spielt, merkt man Ivan Kaye als Aelle einen gewaltigen Frust an. Er weiß, dass Ecbert ihm nun überlegen ist, sowohl, was die Ressourcen als auch was die Anzahl an Soldaten angeht. Aelles Stolz könnte ihn aber in eine offene Auseinandersetzung führen, was sich Ecbert wahrscheinlich sogar ein Stück weit wünscht, um einen legitimen Grund zu haben, gegen Northumbria in den Krieg zu ziehen und sich auch diese Territorien einzuverleiben.

Ecbert (Linus Roache) in %26bdquo;Death All %26#039;Round%26ldquo; © History
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An appetite for power

Das Thema Macht bleibt auch in den anderen Handlungssträngen ein großes: Ecbert mausert sich in England langsam zum unaufhaltbaren Alleinherrscher, in Frankreich geht indes ein munteres Stühlerücken um Einfluss und Kontrolle vonstatten. Der dortige Alleinherrscher Charles (Lothaire Bluteau) ist in diesen Ränkespielen im Vergleich zu seinem englischen Pendant aber mehr Spielball als alles andere. Dies wissen ambitionierte Charaktere wie Roland (Huw Parmenter) und seine Schwester Therese (Karen Hassan) natürlich auszunutzen, wie ihr Intrigantentum gegen Odo bereits gezeigt hat. Nun bekommt Roland den Lohn für seine „Loyalität“ und steigt in der Gunst des Königs. Dies gefällt wiederum nicht jedem am Hof.

Ich finde es erstaunlich, dass eine zunächst recht unscheinbar eingeführte Figur wie Roland plötzlich so groß gemacht wird, was von einer gewissen Weitsicht Michael Hirsts zeugt. Roland ist ein sehr undurchsichtiger Charakter, von dem wir aber bereits nach kurzer Zeit wissen, dass er große Ziele hat und bereit dafür ist, gewaltige Opfer zu bringen. Wenn seine Schwester zur Mätresse des Königs wird (er selbst schiebt ebenfalls ein Schäferstündchen mit Charles), wächst sein Einfluss nur noch mehr, was die schwangere Gisla (Morgane Polanski) beunruhigt. Sie weiß nämlich, wie die Machtspielchen am Königshof ablaufen, weshalb sie ihren Gatten Rollo (Clive Standen) eindringlich vor Roland warnt. Dieser bleibt aber relativ gelassen und ist vor allem auf etwas Beischlaf aus (eine recht amüsante Momentaufnahme), der ihm jedoch verwehrt wird.

Not finished yet

Vikings zeigt in den Handlungssträngen in England und Frankreich, wie spannend und komplex der Kampf um Macht und politischen Einfluss sein kann, dass die kleinsten Faktoren über Leben und Tod entscheiden können und dass man stets auf Achse sein muss, um nicht unter die Räder zu geraten. Hier hat Rollo wohl noch mit am meisten Nachholbedarf, doch dafür hat er ja seine clevere Ehefrau, die ihn in dieser Hinsicht vorbereiten kann. Rollos Bruder Ragnar zeichnete indes immer wieder aus, dass er weit vorausgedacht hat, auf etwaige Komplikationen vorbereitet war und seine Machtposition durch geschickte Pläne festigen konnte. Aber was ist nun noch davon übrig?

Ragnar ist in Death All 'Round weitaus weniger präsent als noch in vielen Episoden der vierten Staffel zuvor. Aber wenn wir ihn sehen, sind es zumeist starke Szenen, denen Travis Fimmel ungemein viel Gewicht verleiht. Vor allem am Ende der Episode zeigt sich abermals Ragnars neues, manisches Ich: Der kalte Entzug von Yidus „Medizin“ hinterlässt seine Spuren bei dem Wikingerfürsten, der sich einen kleinen Rest aufbewahrt hat, um diesen im Kampf gegen Rollo zu nutzen. Dies ist auch sein einziger Grund, warum er in Frankreich ist: Nicht Paris, nein, der verräterische Rollo, den er zur Rechenschaft ziehen will, ist seine oberste Direktive. So peitscht er uns abschließend mit seinem Mantra noch erfolgreich auf die nächste Episode ein, als die Wikinger Paris in Sicht haben und mit neuen Bootskonstruktionen den Fluss entlang schippern.

Pull the trigger

Doch es zeigt sich in „Death All 'Round“ auch erneut eine gewisse Hilflosigkeit Ragnars, zum Beispiel, als Lagertha ihr ungeborenes Kind verliert - eine mitreißende Szene, in der Katheryn Winnick fantastisch aufspielt und ihren männlichen Kollegen die Show stiehlt. Dieser Augenblick gehört voll und ganz Winnick, die dem Schicksal ein Schnippchen schlagen wollte. Zusätzlich zeigt sich im Gespräch zwischen Vater und Sohn, wie schwach Ragnar tatsächlich geworden ist - und dass viele Hoffnungen nun auf den breiten Schultern Bjorns ruhen, der nach wie vor loyal hinter seinem Vater steht. Bjorn selbst sieht sich zwischenzeitlich einer großen Gefahr ausgesetzt, will ihm doch Erlendur (Edvin Endre) an den Kragen. Dieser setzt dann aber Torvi (Georgia Hirst) die Pistole auf die Brust, die Bjorn töten soll, da sonst ihr Sohn sterben wird.

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Was folgt, ist einer der stärksten Momente der Folge, bei dem ich wahrscheinlich nicht der einzige gewesen bin, der im Anschluss die Faust ballte. Torvi dreht sich nämlich im letzten Augenblick um und erschießt Erlendur mit seiner eigenen Armbrust. Natürlich hatte sie eine andere Wahl, als dieser sie ihr gegeben hatte. Wie soll Erlendur ihrem Kind jetzt noch schaden? So, wie Bjorn etwas Besonderes in Torvi sieht, tritt sie nun den Beweis an, dass er sich nicht in ihr geirrt hat.

Wie bei Roland in Paris ist es spannend mit anzusehen, wie eine bisher eher unwichtige Nebenfigur plötzlich so nachhaltig ins Rampenlicht bugsiert wird. Jener intensiver Moment und Bjorns „Abschied“ von Erlendur (Horiks Ring macht sich gut auf dem Bolzen, der dessen Sohn ins Herz getroffen hat) bringt das Blut der Zuschauer ordentlich in Wallung. Dieses aufregende Gefühl nehmen wir dann bis zum Schluss der Episode mit, der uns wiederum das erneute Aufeinandertreffen zwischen den Wikinger und Franzmännern verspricht.

Fazit

Wir dürfen gespannt sein, wie erfolgreich Flokis (Gustaf Skarsgaard) zusammengebastelte Wikingerschiffe beim neuerlichen Angriff auf Paris sein werden. Die Vorfreude auf diesen ist zumindest gewaltig, auch ohne großes, vorbereitendes Tamtam, welches in Death All 'Round vorwiegend ausbleibt. Die richtige Entscheidung von Michael Hirst, wie sich herausstellt, leben die unterschiedlichen Handlungsstränge doch vor allem von ihren spannenden Ränkespielen, cleveren Querverbindungen, tollen Charaktermomenten und dem leichten Gefühl der Ruhe vor dem Sturm. Einzig Aslaugs (Alyssa Sutherland) Nebengeschichte fällt hier mal wieder etwas ab. Nach Kattegat zieht es einen nicht wirklich, haben die anderen Handlungsorte zurzeit doch einfach wesentlich mehr zu bieten.

Zwar hat die Handlung in Skandinavien einen kleinen Schocker zu bieten (der leblose Körper des kleinen Mädchens, das zuletzt noch mit Aslaugs Sohn Sigurd spielte), doch die Erzählung um die nun volltrunkene Wikingerkönigin (der Abschied Harbards scheint schwer zu wiegen) ist dermaßen von allen anderen Handlungssträngen losgelöst, dass man sich eher weniger um sie schert. Vielleicht gelingt ja demnächst eine Verbindung zwischen Floki und ihr, was abermals in „Death All 'Round“ angedeutet wird. Möglich, dass Floki seherische Fähigkeiten entdeckt und man Aslaug dadurch wieder etwas mehr ins Vikings-Boot holen kann. Bis dahin bleiben die Geschehnisse in Kattegat ein Schwachpunkt, der jedoch in dieser Episode sehr gut ausgeglichen werden kann.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 15. April 2016
Episode
Staffel 4, Episode 9
(Vikings 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Mit Axt und Schwert
Titel der Episode im Original
Death All 'Round
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 14. April 2016 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Juni 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 15. Juni 2016
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Jeff Woolnough

Schauspieler in der Episode Vikings 4x09

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