Vikings 4x08

Vikings 4x08

Portage wartet mit einigen Überraschungen und einer ganzen Menge Inhalt auf, was die Episode durchaus abwechslungsreich gestaltet. Andererseits merkt man der Folge aber auch die große Fülle an verschiedenen Handlungssträngen an. Von den Schockmomenten trifft indes auch nicht jeder ins Schwarze.

Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in der „Vikings“-Episode „Portage“ / (c) History
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in der „Vikings“-Episode „Portage“ / (c) History

How strange life is.“ Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass in der Vikings-Episode Portage gleich mehrfach von den unterschiedlichsten Charakteren das Leben und viele andere Dinge, die sich in dieser Folge abspielen, als seltsam betitelt werden. In der Tat stellt man sich als Zuschauer öfters die Frage, was hier eigentlich gerade vorgeht, während man mit allerlei Handlung geradezu bombadiert wird. „Portage“ kommt so insgesamt wesentlich plotgetriebener daher, als es noch in einigen Episoden zuvor der Fall war. Zum einen schafft dies eine interessante Abwechslung und frische Entwicklungen in sämtlichen Handlungssträngen der vierten Staffel. Zum anderen fühlt sich das stetige Hin- und Hergeschalte zwischen diesen bisweilen ein wenig konfus und unstrukturiert an.

Hinzu kommen dann etwas unerwartet gleich drei Charaktertode, die bei manch einem aber nicht den von Michael Hirst erhofften Effekt auslösen dürften. Am schockierendsten ist hier noch das plötzliche Ableben von Bjorn Lothbrok (Alexander Ludwig), das aber gar kein Charaktertod ist, handelt es sich hierbei jedoch nur um eine unheilvolle Vision Torvis (Georgia Hirst), die gleichzeitig als finsteres foreshadowing im Konflikt zwischen Bjorn und Erlendur (Edvin Endre) dient. Der Abschied von drei Figuren, die tatsächlich das Zeitliche segnen, lässt einen da eher kalt, was zum einem an den Charakteren selbst, der Vorhersehbarkeit ihres Todes oder aber auch der Inszenierung liegt.

Burden

Am meisten dürfte einen noch der Tod von Yidu (Dianne Doan) bewegen, was aber weniger an ihrem Charakter, sondern vielmehr an der schrecklichen Art liegt, wie Ragnar (Travis Fimmel) sie skrupellos ertränkt, nachdem sie ihm gedroht hatte, dessen Geheimnis über die ausgelöschte Wikingersiedling in England zu verraten. Diese furchtbare Szene zeigt uns Ragnar von seiner wahnsinnigsten, angsteinflößendsten Seite. Dessen beiden Söhne fungieren schon fast als schockierte Stellvertreter für uns Zuschauer: Auch wir haben einst zu Ragnar aufgesehen und mit ihm mitgefiebert, nun werden wir Zeugen von seinem Fall und der grässlichen Persönlichkeit, zu der er sich aufgrund seines außer Kontrolle geratenen Drogenkonsums und dem ständigen Druck als Anführer der Wikinger entwickelt hat.

Alexander Ludwig als Bjorn in %26bdquo;Portage%26ldquo; © History
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Compromise

Wo die Inszenierung von Yidus Tod noch am effektivsten ist und uns einen kalten Schauer über den Rücken jagt, fragt man sich schon, warum man sich so früh schon wieder von der asiatischen Sklavin verabschieden muss. Sie stirbt fast schon aus einer Laune der Natur (beziehungsweise Ragnars) heraus, nachdem man sie als Charakter eher behutsam etabliert hatte. Nicht, dass ich ihr besonders große Tränen hinterherweinen werde, aber von ihrer Figur hatte ich mir dann doch etwas mehr erwartet, gerade in Hinblick auf ihre Herkunft und Verbindung zu einem fernen Reich im Osten, das Ragnar reizen dürfte.

Doch der Fokus Ragnars schweift nicht in die Ferne, er muss im hier und jetzt alles daran setzen, seine Position zu wahren und Stärke zu demonstrieren, um nicht abgesetzt zu werden. Seine Wikinger sind zumindest recht unzufrieden, als sie den unehrenvollen Rückzug nach ihrer Niederlage gegen die Franzmänner antreten müssen. Ragnars starrer Blick zeigt, wie angestrengt er am Grübeln ist, seine Gefolgschaft wieder auf seine Seite ziehen zu können, während ein Harald (Peter Franzen) intern Stunk macht und den Druck auf den Anführer der Nordmänner erhöht. Dieser fasst dann jedoch einen außergewöhnlichen Plan...

Doing the impossible

Manch einer dürfte sich an Werner Herzogs Spielfilm „Fitzcarraldo“ mit Klaus Kinski in der Hauptrolle erinnert fühlen, schlägt Ragnar doch ein vergleichbares Unterfangen wie die Prämisse im besagten Film vor: Die Wikingerboote sollen an einer Felsküste aus dem Wasser gehoben, über den Landweg an den Befestigungsanlagen der Franzosen vorbei transportiert und hinter diesen wieder in den Fluss gesetzt werden. Ein verrückter Einfall Ragnars, der bei dessen Präsentation geschickt an die Ehre der Nordmänner appelliert, sollte ein solches Vorhaben doch kein Problem für die starken, selbstbewussten Wikinger sein, denen es sich verbietet, mit eingezogenem Schwanz zurück in ihre Heimat zu kehren.

Schiffsbauer Floki (Gustaf Skarsgaard) hat rasch ein paar Hebevorrichtungen entworfen und so beginnt der strapaziöse Transport der Boote, welcher erstaunlich gut von der Hand geht. Etwas absurd mutet die Idee schon an und auch mit welcher Geschwindigkeit diese auf den Weg gebracht wird, ist ein wenig seltsam und vielleicht sogar unglaubwürdig. Der logistische Aufwand, der sowohl in den Szenen zu sehen ist, als auch bei den Dreharbeiten betrieben wurde, nötigt einem aber Respekt ab. Es ist einer dieser besonderen Einfälle Ragnars, für die man ihn lieben gelernt hat, weshalb sofort wieder ein Gefühl von Aufbruchstimmung aufkommt. Zu Beginn sehen wir in den Nordmännern noch einen niedergeschlagenen Haufen, die mit ihrem Latein am Ende sind. Der neue Plan ist derartig ausgefallen und originell, dass man Ragnar und Co bei der Durchführung schon Erfolg wünscht.

Deception and treachery

Ob es so weit kommen wird, bleibt abzuwarten - immerhin müssen die Wikinger ein ganzes Stück zurücklegen und zahlreiche Boote transportieren. Deren Widersacher lassen sich in Paris indes hochleben, vor allem Charles (Lothaire Bluteau) ist guter Dinge und Odo (Owen Roe) sowie Rollo (Clive Standen) zum tiefsten Dank verpflichtet. Während ersterer die Gunst der Stunde nutzt, um den ehemaligen Wikinger beim König anzuschwärzen und sein Misstrauen diesem gegenüber mit Charles zu teilen, warnt Rollo beim Essen mit seinem Schwiegervater erneut vor Ragnar und seiner Meute, die noch lange nicht besiegt sind. Der Kampf hat gerade erst begonnen und Rollo (der schon bald ein stolzer Familienvater sein wird, wie wir erfahren) ist fest entschlossen, diesen Kampf für Paris weiterzuführen. Sämtliche persönliche Verbindungen zu seinem Bruder Ragnar spielen dabei keine Rolle mehr.

Ragnar (Travis Fimmel) macht seine Meute heiß. © History
Ragnar (Travis Fimmel) macht seine Meute heiß. © History

Strike

Odo bekommt dann auch schon die Quittung für seinen geplanten Verrat an Charles und wird von seiner Mätresse Therese (Karen Hassan) hinters Licht geführt, als diese das Spielchen zwischen Folterer und Gefolterte umdreht. Letztlich peitscht Roland (Huw Parmenter) seinen Vorgesetzten zu Tode - ein äußest schmerzhafter Tod, der aber auf lange Sicht ein Stück weit vorhersehbar war. Das „Problem“ an Odos Ableben ist, dass uns diese Figur doch recht egal war. Da Odo im direkten Konkurrenzkampf mit Rollo stand, musste es ihn früher oder später erwischen. Sein Abschied fühlt sich von allen Charaktertoden noch am ehesten wie ein Akt des Großreinmachens vor dem Halbstaffelfinale an, um den Cast ein wenig auszudünnen. Umso nebensächlicher erscheint sein Charaktertod auch.

Meiner Meinung nach tut es der Handlung in Paris aber auch gut, etwas angepasst zu werden und Rollo in seiner neuen Rolle als Retter der Stadt in den Fokus zu stellen. Als Nebengeschichte kann man immer noch die stetigen Selbstzweifel Charles' beleuchten. Odo wirkte schon bei der letzten Verteidigung an den Befestigungsanlagen am Fluss recht unnötig und ist absolut verzichtbar. Ob Roland und Therese, die als Geschwisterpaar weiterhin auf inzestuösen Pfaden wandeln, weiter Intrigen schmieden werden und vielleicht die Schwäche Charles ausnutzen wollen, bleibt offen. Rollo scheint zumindest fest im Sattel zu sitzen, woran natürlich auch seine florierende Beziehung zur schwangeren Gisla (Morgane Polanski) ihren Anteil hat.

Escape

Etwas überraschend geht es derweil in England weiter, wo Ecbert (Linus Roache) schon wieder von seinem Feldzug in Mercia zurückkehrt, ohne, dass wir ihn tatsächlich in Aktion gesehen haben. Dies ist schon ein wenig enttäuschend, doch anscheinend war eine etwas größere kriegerische Auseinandersetzung für die Serienmacher finanziell sowie zeitlich nicht möglich. Kwenthrith (Amy Bailey) freut sich zumindest, dass sie ihre Position als Königin von Mercia wieder einnehmen kann, bis sie jedoch erfährt, dass Ecbert nun der rechtmäßige Herrscher über ihre Ländereien ist. Der König von Wessex hat all das bekommen, was er wollte, und braucht Kwenthrith und ihren Sohn Magnus jetzt eigentlich nur noch, um die Allianz mit Ragnar zu wahren.

Nach ihrem misslungenen Fluchtversuch wählt Kwenthrith einen weitaus drastischeren Schritt und hält Ecbert das Messer an die Kehle. Da sie von dessen Sohn Aethelwulf schwanger ist, bildet sie sich Sicherheit ein und wenn Ecbert sterben sollte, trägt sie eh den Erben seines Reiches in sich. Judith (Jennie Jacques) erdolcht jedoch Kwenthrith hinterrücks, womit sich der dritte Nebencharakter gen Reich der Toten verabschiedet. So viel „Spaß“ Amy Bailey in ihrer exzentrischen Rolle auch mit sich brachte (der kaltblütige Mord an einer Wache Ecberts erinnert uns noch einmal an ihre schauerlichen „Glanzmomente“), Kwenthriths Tod ist ungefähr so überraschend wie der Odos. So richtig wusste Hirst wohl nicht mehr, was er nach ihrer fantastischen Befreiung am Anfang der Staffel mit dieser Figur anstellen sollte.

Judgement

Auch ihr Ableben hat nur einen kurzen Schockwert und erfüllt vielmehr den Zweck, uns die Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Judith und Ecbert vor Augen zu führen. Erstere tötet nun sogar für letzteren (und bringt neben Kwenthrith auch deren ungeborenes Kind um), während Ecbert der Frau seines Sohnes wiederum seine Liebe gesteht. Judith sieht man aber auch das Entsetzen ob ihrer Tat an, was stark von der ohnehin exzellenten Jennie Jacques gespielt wird. Sie und Ecbert geben ein hochinteressantes Duo ab, dessen weitere Entwicklung ich gespannt verfolgen werde. Es scheint fast so, als hätten sich hier zwei Charaktere gefunden, die auf sehr spezielle Art und Weise zusammenpassen, wobei man sich bei dem egozentrischen Ecbert nie wirklich sicher sein kann, was er im Schilde führt, wird er sich doch stets selbst der Nächste sein.

Katheryn Winnick als Lagertha in %26bdquo;Portage%26ldquo; © History
Katheryn Winnick als Lagertha in %26bdquo;Portage%26ldquo; © History

Possession

Ebenfalls in dem Glauben, den Partner fürs Leben gefunden zu haben, wird Aslaug in Kattegat abseits der großen Handlungsstränge der Episode unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie erkennt, dass Harbard (Kevin Durand) eben nicht der große Liebhaber ist, der nur ihr gehört, beglückt der mysteriöse Wanderer doch weiterhin munter die Damen des Wikingerdorfes. Natürlich nur, um diesen ihre Schmerzen, Ängste und Sorgen zu nehmen, so, wie es der Wille der Götter ist.

Bisher wurde ich ja bekanntermaßen noch nicht ganz warm mit dieser Nebengeschichte, in Portage funktioniert sie aber besser für mich, da erfolgreich aufgezeigt wird, wie unglücklich Aslaug doch eigentlich ist. Alyssa Sutherland spielt gut auf und transportiert sehr glaubwürdig die Unzufriedenheit Aslaugs, die sich nach wahrer Liebe, Zuneigung und Geborgenheit sehnt. Nach langer Zeit fühlt man mal wieder etwas mehr mit ihr mit und kann ihre Wut und ihren Frust absolut nachvollziehen. Harbard lässt sich als Bote der nordischen Gottheiten jedoch nicht festnageln und zieht von dannen. Ob endgültig, werden die nächsten Episoden zeigen.

Fazit

Portage hat einige augenscheinlich große Momente zu bieten, die letzten Endes aber nicht recht zünden wollen. So geht das muntere Charaktersterben emotional für den Zuschauer nur bedingt auf. Die Handlung wird währenddessen an allen Ecken und Enden schwungvoll vorangetrieben, vor allem die neuesten Entwicklungen um Ragnar sind interessant und abenteurlich. Jedoch kann man sich auch nicht dem Eindruck erwehren, dass die Struktur und der Ablauf der Episode ein klein wenig seltsam und mitunter gar etwas wirr anmuten. Dies könnte möglicherweise daran liegen, dass sich Serienautor Michael Hirst für eine Episode mal wieder etwas viel vorgenommen hat. Es könnte sich aber für die letzten beiden Folgen der ersten Hälfte der vierten Staffel von Vikings durchaus auszahlen, dass die Reihen etwas ausgedünnt werden.

Da der Erzählfluss, eine große Stärke der vorangegangenen Episoden, in „Portage“ aber ein Stück weit unter den zahlreichen Ereignissen und ergiebigen Handlungssträngen leidet, geht es mit der Bewertung der Folge diese Woche etwas nach unten.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 8. April 2016
Episode
Staffel 4, Episode 8
(Vikings 4x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Landweg
Titel der Episode im Original
Portage
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 7. April 2016 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Juni 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 15. Juni 2016
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 4x08

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