Vikings 4x05

Vikings 4x05

Vikings findet in der Episode Promised zu alter Stärke zurück und verspricht Eskalation an allen Ecken und Enden. Neben zwei gewaltigen Schockmomenten ist nun vor allem die Zeit des großen Pläneschmiedens gekommen, bevor es scheinbar endgültig in die Vollen geht.

König Harald Finehair (Peter Franzen) in der „Vikings“-Episode „Promised“ / (c) History
König Harald Finehair (Peter Franzen) in der „Vikings“-Episode „Promised“ / (c) History

Zwei gute Nachrichten für alle Vikings-Fans gleich zu Beginn dieser Kritik: Zum einen wurde am heutigen Tag die Historienserie um eine weitere, die - wie bereits die aktuelle vierte Staffel - über insgesamt 20 Episoden verfügen wird. Zum anderen stellt die Episode Promised eine deutliche Verbesserung zu den beiden vorangegangen Folgen dar, besinnt sich das Wikingerdrama von Michael Hirst doch auf eine seiner unbestrittenen Stärken: die Ansammlung von unzähligen furchtbar ambitionierten Charakteren, deren Aufeinandertreffen unvermeidbar ist, was wiederum extrem spannendes Konfliktpotential in sich birgt.

In „Promised“ stellt dies das zentrale Thema und den roten Faden dar, den wir in jedem Handlungsstrang vorfinden können und der die Episode insgesamt sehr verheißungsvoll und packend gestaltet. Fast jeder der auftretenden Charaktere trägt hier eine geheime, wenn nicht sogar offensichtliche, Ambition mit sich umher und möchte diese um jeden Preis in die Tat umsetzen. Dass es dabei zu Reibungen und Interessenskonflikten kommen muss, sollte niemanden verwundern. Da die „Spieler“ nun allesamt in Stellung gebracht werden und ein weiterer Raubzug gen Paris kurz bevorsteht, entsteht derweil außerdem ein ansteckendes Gefühl der Anspannung, aber auch der Vorfreude. Also, zumindest bei der Zuschauerschaft, kann man doch kaum erwarten, in welche Richtung sich die vielen unfreiwilligen Allianzen, wackeligen Bündnisse und persönliche Motive der Figuren entwickeln werden.

Early days

Nehmen wir zum Beispiel Harald, der Wikingerfürst, der in der letzten Episode in Kattegat auftauchte und aufgrund seiner ambitionierten Ader sogleich unser Interesse weckte. Er bereitet nun gemeinsam mit Ragnars (Travis Fimmel) Mannen eine weitere Tour nach Frankreich vor. Doch im Lager der Nordmänner brodelt es unter der Oberfläche gewaltig. Vor allem Bjorn (Alexander Ludwig) zeigt großes Misstrauen in Harald und auch Ragnar tut gut daran, seinen neuen Verbündeten nicht zu unterschätzen. Harald selbst tanzt nicht um den heißen Brei herum und sagt frei heraus, dass Ambitionen und Ruhm doch das einzige sind, was den Menschen antreiben. Mit ausreichend militärischer Stärke und den richtigen Alliierten, die nur zum perfekten Zeitpunkt hintergangen werden müssen, ist Harald ohne Frage eine ernst zu nehmende Bedrohung aus den eigenen Reihen und für Ragnars Machtposition.

Yidu (Dianne Doan) und Ragnar (Travis Fimmel) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History
Yidu (Dianne Doan) und Ragnar (Travis Fimmel) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History

Full of conviction

Gleichzeitig bleibt Harald aber nach wie vor schwer zu fassen und einzuschätzen, was auch an der guten Darbietung von Peter Franzen liegt, der in seinen wenigen Momenten der Figur etwas Charismatisches und zugleich undefinierbar Gefährliches gibt. Die Heimatfront der Wikinger wird durch ihn abermals zu einem unsicheren Pflaster und Ragnar ist zumindest geistig nicht in der Verfassung, die Kontrolle zu bewahren. Das Momentum könnte zu seinen Ungunsten kippen, was der Wikingerkönig zu wissen scheint, aber derzeit kein Mittel dagegen hat. Vielmehr treiben ihn sowohl seine Gewissensbisse und Schuldgefühle als auch die nicht zu stemmende Verantwortung seiner Machtstellung umher und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. In der Sklavin Yidu (Dianne Doan) hat er für diese düsteren Gedanken nun aber anscheinend ein Ventil gefunden.

Ich hatte letzte Woche noch bemängelt, dass das Duo Ragnar und Yidu sowie deren gemeinsame Szenen nicht ganz überzeugend für mich gewesen sind. In „Promised“ bessert sich dies, da wir unter anderem auch etwas mehr über Yidu als Charakter erfahren. Diese ist nämlich in der Tat aus feinem Hause, genauer gesagt sogar eine Tochter des chinesischen Kaisers. Für Ragnar stellt sie so ein Portal in eine andere Welt dar, lässt er sich doch wissbegierig von diesem fernen Reich und Yidus Kultur erzählen, auch wenn er sich nicht mit allen Bräuchen anfreunden kann. (Eunuchen? „I don't like that...“)

Shared burden

Doch Yidu ist mehr als nur ein Quell an Information für den interessierten Ragnar, sie fungiert auch als eine Anvertraute in einer Zeit, in der Ragnar eben niemanden hat, dem er sich anvertrauen kann. Die Ehe mit seiner Frau Aslaug (Alyssa Sutherland) steht kurz vor dem Kollaps und nach seinem Thron wird ebenfalls gegriffen. Zwar empfinde ich das sinnliche Liebesspiel zwischen Ragnar und Yidu in der Badewanne als etwas zu sehr in die Länge gezogen, die bedeutsame Beziehung zwischen den Charakteren, sowohl körperlich als auch geistig, wird jedoch nachvollziehbar etabliert.

Während für viele Figuren in VikingsVertrauen“ ein absolutes Fremdwort geworden ist (nicht zu Unrecht - bei den ganzen Verratsfällen), hat Ragnar in der „Fremden“ Yidu eine Chance gefunden, sich seiner Last zu entledigen. So vertraut er ihr zum Beispiel die Geschichte von dem feigen Angriff auf die Wikingersiedlung in England an, bei der alle Nordmänner abgemetzelt wurden, wovon jedoch nur Ragnar weiß. Um den Frieden zwischen den beiden Völkern und Kulturen zu wahren, nimmt er diese Bürde auf sich, die natürlich an ihm nagt.

Abhilfe schafft indes auch Yidus „Medizin“ (möglicherweise Opium?), die Ragnar auf andere Gedanken bringt. Sein Anblick und die fast schon manischen Augen, als Harald ihm seinen Bruder vorstellt, sind derweil schon ein Stück weit angsteinflößend. Unser Protagonist, der laut eigener Aussage müde von seinen vielen Abenteuern ist, würde wohl am liebsten seine selbstzerstörische Verantwortung für sein Volk abgeben, doch seine eigenen, tiefverwurzelten Ambitionen und die Angst, machtlos zu sein, verbieten es ihm.

The only way forward

Ein Charakter wie Kalf (Ben Robson) wird ebenfalls von seinem ständigen Machtstreben getrieben und scheint seine Position nun etwas festigen zu können, erwartet Lagertha (Katheryn Winnick) doch nicht nur ein Kind von ihm, sondern steht doch auch die Hochzeit der beiden bevor. Lagertha hat man in den bisherigen Episoden der vierten Staffel leider etwas zu sehr zu einer Nebenfigur degradiert (von Einars Kastration mal abgesehen), nun feiert einer der besten Charaktere der Serie jedoch ihr großes Wiedererwachen. So erdolcht sie nämlich im Rahmen einer überraschenden Wendung ihren Gatten in spe, da sie wohl von dessen geheimen Mordplänen an Bjorn erfahren hat.

Lagertha steigt abermals als Alleinherrscherin empor, während der verräterische Erlendur (Edvin Endre) sich nun umso mehr vorsehen muss. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn auch dieser bald die Quittung für sein Handeln erhält, weiß Bjorn doch durch Torvi (war es vielleicht sogar nur der einzige Grund, warum er sie mit sich genommen hat?) von Erlendurs Beteiligung an dem geplanten Totschlag.

Kalf (Ben Robson) und Lagertha (Katheryn Winnick) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History
Kalf (Ben Robson) und Lagertha (Katheryn Winnick) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History

Beyond ambitious

Es kommt vielleicht etwas überraschend, dass wir uns jetzt schon von dem windigen Kalf verabschieden müssen, für die Rolle Lagerthas in der Serie kann diese aber nur etwas Aufwind bedeuten. Wir können wohl auch davon ausgehen, dass sie und ihre Shieldmaiden-Truppe mit nach Paris aufbrechen werden. Und dazu sagt wohl niemand nein. Lagertha ist natürlich auch eine loyale Unterstützerin von Ragnar, die dieser bitter nötig hat, ebenso wie Sohnemann Bjorn, der sich hier besonders wachsam gegenüber Harald präsentiert. Dieser fischt wiederum in fremden Gefilden und stößt dabei auf den geächteten Floki (Gustaf Skarsgaard), der mit einem neuen Selbstbewusstsein zeigt, wie sehr Harald die Christen hasst und so zum Zünglein an der Waage werden könnte.

Auch Aslaug darf in dieser „Gleichung“ als unbekannte Variable nicht vergessen werden, mustert sie Harald doch immer wieder mit einem interessierten Blick. Dass sich Floki nun um den jungen Ivar (James Quinn Markey) und dessen Erziehung in nordischer Mythologie kümmern soll, riecht bereits jetzt nach Ärger. Der kleine Ivar kann einem indes schon sehr leid tun, macht es ihm seine Behinderung doch unmöglich, mit Gleichaltrigen zu spielen. Floki setzt sich fürsorglich für den kleinen Racker ein, der dann für den womöglich größten Schockmoment der bisherigen Staffel sorgt, als er einen Jungen mit einer Axt den Kopf zetrümmert.

Diese Szene kommt völlig unerwartet und erwischt einen komplett auf dem falschen Fuß. Zeigt sich hier eine unterdrückte Seite Ivars, die auch sein Vater in sich trägt, etwas Unkontrollierbares und Skrupelloses? Floki sieht zumindest entsetzt aus, während Aslaug sich um ihr Kind kümmert und versichert, das alles gut wird. Ich bin auf die Konsequenzen gespannt, wobei es auch denkbar ist, dass Ivar nicht belangt wird. Zum einen, weil er der Sohn Ragnars ist und zum anderen, weil er eben noch ein Kind ist.

Obstacles to overcome

In Skandinavien deutet also vieles auf innere Konflikte und Streitigkeiten hin, trotz des gemeinsamen Zieles Paris, wo indes ebenfalls Vorbereitungen für den Angriff der Wikinger getroffen werden. Während der Baufortschritt der Befestigungsanlagen und eine Verteidigungsstrategie diskutiert werden, kommt es auch hier zum intriganten Machtspielchen. Zum einen setzt Gisla (Morgane Polanski) ihrem Gatten Rollo (Clive Standen) einen Floh ins Ohr, könne er doch noch weiter in der Gunst ihres Vaters aufsteigen, würde es ihm nur gelingen, Odo (Owen Roe) loszuwerden. Und auch Odos rechte Hand Roland (Huw Parmenter) schwärzt erfölgreich seinen Vorgesetzten beim König an.

Der Handlungsort Paris wird somit wie Kattegat zu einem kleinen Pulverfass, wenn auch nicht ganz so explosiv. Es werden Pläne geschmiedet und jeder folgt seinen persönlichen Motiven, um das zu erreichen, was er oder sie sich erträumt. Interessanterweise zeigt sich Rollo hier von allen Angehörigen des Hofes am wenigsten von Ambitionen getrieben. Seine Aufgabe ist das Beschützen des strategisch wichtigen Paris - gelingt ihm die Abwehr der Wikinger, freut er sich auf ein ruhiges Leben in seinen französischen Ländereien.

Während Lothaire Bluteau die extreme Verunsicherung seines schwachen Herrschers Charles etwas überspitzt, aber dennoch sehenswert spielt und das Spiel von Licht und Schatten in dessen Thronraum ein Genuss ist, wird die Handlung in Frankreich aufgrund der vielen undurchsichtigen Charaktere in verschiedenen Positionen - Gisla, Roland und auch Odo - interessanter als noch zuvor. Der bevorstehende Konflikt mit den Wikingern, bei denen es ähnliche Probleme gibt, wird so nur noch umso spannender, treffen dabei doch zwei Seiten aufeinander, die sich selbst uneins sind.

Rollo (Clive Standen) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History
Rollo (Clive Standen) in %26bdquo;Promised%26ldquo; © History

Fallen angel

Alles andere als uneinig sind sich indes die Herrschaften in England, wo Ecbert (Linus Roache) gemeinsam mit Aelle (Ivan Kaye) zustimmt, für Kwenthrith (Amy Bailey) mobil machen zu lassen und Mercia mit militärischer Gewalt zurückzuerobern. Während auch hier kleine Nebengeräusche Zeichen dafür sind, dass die Lage hinter den Kulissen angespannter ist, als man glaubt (Judith gegen ihren Vater Aelle und Ehemann Aethelwulf; Kwenthriths Sorge, der ihr eigentlich sehr ähnlich gepolte Ecbert könnte sie hintergehen; Ecberts auffälliges Signal an einen seiner Soldaten bei der Abreise von Aelle), ist vor allem Ecberts Bekenntnis als Sünder vor den Augen Gottes ein großartiger Moment dieser Episode.

Eigentlich wurde Ecbert bisher stets sehr gottesfürchtig gezeigt und an dieser Charaktereigenschaft ändert sich in Promised auch nicht viel. Doch bei all der Demut ist sich Ecbert auch bewusst, dass ihm der Gang ins Himmelreich aufgrund seiner bisherigen Taten wohl verwehrt bleiben wird. Aber, um seine Ziele zu erreichen, würde er sogar den Pakt mit dem Teufel eingehen. Er ist schon verloren, welchen Unterschied macht es da schon, weiter zu intrigieren und zu manipulieren? Das dramatische Ende dieser Beichte wirft die Frage in den Raum, ob Ecbert nun komplett mit dem christlichen Glauben gebrochen hat, wird er für seine Frömmigkeit doch eh nie entlohnt werden. Möglich, dass er sich nach außen hin weiter devot geben wird, weiß er doch um die Macht der Kirche und des christlichen Glaubens. Ganz unabhänig von diesen Spekulationen liefert Linus Roache hier eine wunderbare Darbietung ab und verkörpert in Ecbert abermals perfekt Ambition in Reinform.

Fazit

Die Episode Promised gefällt mir persönlich sehr gut und leistet sich in meinen Augen nur wenige Kritikpunkte. Zwar bleiben die so gern gesehenen Vikings-typischen, leicht psychedelischen Aufnahmen diese Woche größtenteils aus, dafür besticht die Folge jedoch mit einem wunderbar übergreifenden Thema, das sich durch sämtliche Handlungsstränge zieht und interessante Parallelen aufwirft. Hinzu kommt dann noch das sehr geschickte Anheizen der bevorstehenden Konflikte, sei es unter den Wikingern, Franzosen, zwischen diesen beiden Parteien oder aber auch in England. Die Vorfreude auf die weiteren Episoden steigt dadurch gewaltig an, suggeriert man uns doch allerlei aufregende Problemherde. Als Bonus wartet dann noch die Darstellerriege mit starken schauspielerischen Leistungen auf, so zum Beispiel Travis Fimmel und Linus Roache, ganz zu schweigen von den zwei großen Schockmomenten, die sehr unerwartet kommen. Man könnte sagen, dass ich fast vollends zufrieden bin.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 18. März 2016
Episode
Staffel 4, Episode 5
(Vikings 4x05)
Deutscher Titel der Episode
König von Norwegen
Titel der Episode im Original
Promised
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 17. März 2016 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Juni 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 15. Juni 2016
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Helen Shaver

Schauspieler in der Episode Vikings 4x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?