Vikings 4x04

Vikings 4x04

Die Vikings-Episode Yol besticht abermals durch wunderbar atmosphärische Szenen - und gibt so einige Rätsel auf. Leider können erneut nicht alle Handlungsstränge vollends überzeugen, da in einigen von diesen schlichtweg nicht besonders viel passiert.

Dianne Doan als Yidu in „Yol“ / (c) History
Dianne Doan als Yidu in „Yol“ / (c) History

Die Findungsphase geht weiter: Im Vergleich zur vorangegangenen Episode Mercy fühlt sich Yol, die neueste Folge des Historiendramas Vikings, zwar etwas weniger zerstückelt an, dafür lassen sich aber andere Kritikpunkte finden, die zur Folge haben, dass „Yol“ nicht über eine sehr solide, aber doch eher durchschnittliche Bewertung hinauskommt. Das Hauptproblem liegt dabei in den einzelnen Handlungssträngen, die entweder etwas zu flott in ihrer Entwicklung voranschreiten oder aber gar nur bedingt das Interesse der Zuschauerschaft wecken können.

Die stimmungsvolle Inszenierung der Episode und der interessante Blick auf die Bräuche der verschiedenen Kulturkreise, die in „Vikings“ aufeinandertreffen, können jedoch einige Makel ausbügeln. Auch das vermeintliche Highlight der Episode, der Abschluss von Bjorns (Alexander Ludwig) Selbstfindungsphase in den Wäldern Skandinaviens, ist ein gewaltiger Pluspunkt. Andererseits macht man in „Yol“ aber nicht nur etwas narrativen Stillstand aus, sondern auch viele Szenen, die nicht wirklich spannend sind und zu denen man als Zuschauer nicht immer eine Verbindung aufbauen kann.

Your only life

Exemplarisch hierfür steht die Handlung um Ragnar (Travis Fimmel), dessen Zwist mit Aslaug (Alyssa Sutherland) weiter wächst und der sich nun in „Yol“ etwas mehr mit der chinesischen Sklavin Yidu (Dianne Doan) befasst, welche wir in der Auftaktfolge der vierten Staffel schon kurz sehen konnten, deren Einführung aber insgesamt sehr beiläufig geschah. Durch ihre Interaktion mit dem Wikingerfürsten erfahren wir nun etwas mehr über den psychischen Zustand von Ragnar, der körperlich wieder ganz gut auf dem Damm ist. Doch dunkle, suizidale und zerstörerische Gedanken lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Das symbolische Gewicht der Wikingerkrone muss erst einmal getragen werden.

Torvi (Georgia Hirst) und Lagertha (Katheryn Winnick) in %26bdquo;Yol%26ldquo; © History
Torvi (Georgia Hirst) und Lagertha (Katheryn Winnick) in %26bdquo;Yol%26ldquo; © History

A king and a slave

Im Grunde genommen ist die kleine Psychoanalyse Ragnars, die hier betrieben wird, eine nicht uninteressante Angelegenheit, was natürlich auch an Travis Fimmel liegt, der diese Rolle wie immer wunderbar ambivalent und authentisch spielt. Leider wirkt jedoch sein Gegenüber, die Darstellerin Dianne Doan in ihre Rolle der Sklavin Yidu, lange Zeit wie ein Fremdkörper, was sich in deren gemeinsamen Szenen zeigt. Diese plätschern oft nur so vor sich hin und da Yidu noch kein wirklicher Charakter für uns ist, fällt uns die emotionale Verbindung zu ihr schwer. So liegt es allein an Fimmel, alles in seinen Charakter zu legen, um diesem Handlungsstrang Leben einzuhauchen.

Die scheinbar besondere Beziehung zwischen diesen beiden Figuren, die hier angedeutet wird, kann man noch nicht wirklich richtig einschätzen, überhaupt fragt man sich, warum Ragnar plötzlich einen Narren an Yidu gefressen hat. Ist es seine allgemeine Neugier und Wissbegierde, neue Dinge und Menschen zu erforschen, entspricht dies doch seiner Natur? Oder ist es ein unterbewusster Seitenhieb gegen Aslaug? Was es auch ist, so richtig warm werde ich mit der neuen Figur noch nicht, auch wenn man uns letzten Endes einen sehr atmosphärischen Drogentrip präsentiert, bei dem es wiederum gelingt, mich als Zuschauer komplett in das Geschehen mit reinzuziehen. Dies liegt aber eher an den trügerischen Bildern (Was ist Realität, was passiert nur in den Köpfen unserer Charaktere?) und der einnehmenden Inszenierung als an der Charakterkombination Ragnar und Yidu.

Strangers

Um wirklich in dieses neue Gespann involviert zu sein, hätte Yidu als Figur meiner Meinung nach vorher besser etabliert werden müssen. Hirst wird zwar ein paar kleine Hinweise los, dass Yidu eventuell edler Abstammung sein könnte und ihr Charakter noch so einige Geheimnisse in sich birgt, was mir persönlich aber nicht ausreicht. Ob sie vielleicht als Ragnars neue Liebschaft in dessen etwas anders eingerichtetem Haus am See (viele Schlangen und viele Ratten) weiterleben wird, bleibt abzuwarten. Für mein Empfinden ist der Funke von dieser neuen Entwicklung noch nicht übergesprungen.

Womöglich soll auch der Konflikt zwischen Aslaug und Ragnar so etwas mehr befeuert werden. Dafür gibt es wiederum auch andere Anzeichen in Yol. So bekommt man zum Beispiel am Ende der Episode, als in dem ambitionierten Nordmann Harald (Peter Franzen) ein neuer Charakter in Kattegat in Erscheinung tritt, den Eindruck, dass Aslaug in dem Fremden vielleicht die Chance sehen könnte, Ragnars Macht zu schwächen. Dieser neue Spieler um die Vorherrschaft über Norwegen verspricht mal wieder etwas Reibung in der eigenen Heimat, Harald wird recht simpel, aber durchaus effektiv (er nimmt zum Beispiel sofort auf Ragnars Thron Platz) eingeführt. Diese Szenen sind es auch, in denen endlich mal etwas passiert und man sich als Zuschauer schon gespannt fragt, welche Veränderungen der Auftritt dieser neuen Figur bewirken könnte - insbesondere in einer Zeit, in der Ragnar von vielen Zweifeln geplagt ist und sich Feinde in den eigenen Reihen finden lassen.

Destiny

Zu diesen könnte früher oder später auch wieder Floki (Gustaf Skarsgaard) zählen, wie es aber konkret mit dem verrückten Schiffsbauer weitergehen wird, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Er soll sich im Auftrag von Aslaug zumindest erst einmal um den jungen Ivar kümmern und diesem den nordischen Glauben näherbringen, womit Aslaug ihrem konvertierten Gatten eins auswischen will. Für ein paar Fragezeichen sorgt dann Flokis Besuch beim Seher von Kattegat: Erwartet dieser die Erlösung, sprich den Tod, der in Form von Floki kommen könnte? Könnte Floki selbst zu einem neuen Seher avancieren? Sein selbstzufriedenes Grinsen und sein bekanntes, manisches Lachen deuten darauf hin, dass seine Befürchtung, die nordischen Gottheiten könnten ihn verlassen haben, schon wieder passé ist. Wird er für seine Gottesfurcht und Ausdauer nun eventuell gar von diesen belohnt?

Bjorn (Alexander Ludwig) in %26bdquo;Yol%26ldquo; © History
Bjorn (Alexander Ludwig) in %26bdquo;Yol%26ldquo; © History

To be a viking

Andernorts macht sich indes Bjorn nach seinem Selbstfindungstrip wieder auf in Richtung Heimat, jedoch nicht ohne Komplikationen. Wie bereits erwähnt, hinterlässt Bjorns Handlungsstrang einen sehr guten Eindruck bei mir, was auch an der visuellen Umsetzung dieser Nebengeschichte liegt. Vor einer gespenstischen Kulisse in einem in Nebel getauchten, schneebedeckten Wald duelliert sich Ragnars Sohn mit dem von Kalf (Ben Robson) und Erlendur engagierten Berserker. Dabei nimmt der Kampf schon fast übernatürliche Züge an, ist man sich doch nie wirklich sicher, ob der Hüne wirklich anwesend oder gar nur ein Hirngespinst Bjorns ist. Als Zuschauer ist man komplett in diese intensive Auseinandersetzung involviert, die Bjorn letztlich in einzigartiger und für den Berserker äußerst schmerzvoller Manier für sich entscheiden kann.

Der junge Wikinger stattet dann seiner Mutter Lagertha (Katheryn Winnick) und den intriganten Kalf und Erlendur (Edvin Endre) einen Besuch ab, jedoch nicht, um diese wegen des geplanten Auftragsmords zu stellen. Vielmehr will er Torvi (Georgia Hirst), mit der er bereits in Staffel drei anbandelte, aus den Fängen Erlendurs befreien. Der Zusammenhang erschließt sich mir jedoch nicht ganz. Ist dies Bjorns Art, ohne größere Eskalation Erlendur (Horiks Ring am Finger des Berserkers ist für Bjorn ein ausreichender Hinweis, wer den schwertschwingenden Nordmann geschickt hat) büßen zu lassen? Auch diese Entwicklung kommt ein wenig aus dem Nichts und wirft bei mir eher Fragen auf, als mich zufriedenzustellen.

Merry Christmas

Wie aus dem Nichts kommt derweil in Frankreich auch der komplette Sinneswandel von Gisla (Morgane Polanski), die sich nun doch auf ein Eheleben mit Rollo (Clive Standen) einlassen will, nachdem dieser zur Überraschung der Franzmänner flugs deren Sprache erlernt hat und fest entschlossen ein Treuebekenntnis zu seiner neuen Heimat und Ehefrau abgibt. Die päpstliche Delegation kann sogleich wieder verschwinden und die Scheidungspapiere mitnehmen, während Gisla ihr sexuelles Erwachen mit Rollo feiert und gar nicht mehr die Finger von ihrem Gatten lassen kann.

So unterhaltsam die Szenen am Königshof in Frankreich sind und so schön es auch ist, Gisla mal von einer etwas anderen, wilderen Seite zu sehen - die Handlung schreitet hier doch schon erschreckend flott voran. Gislas 180-Grad-Wende in der Causa Rollo sorgt schon für etwas Verwunderung (wer weiß, vielleicht ist seine Libido ja Anstoß genug...) bei mir. Aber so schnell diese Entwicklung auch kommt, sie bedeutet immerhin etwas Fortschritt an dieser Front und gefällt weitaus besser als das ständigen Ankeifen und Zetern Gislas. Ganz zu schweigen von dem sehr amüsanten Nebeneffekt, den die Versöhnung von Gisla und Rollo mit sich bringt. Der Blick auf die weihnachtliche Festtafel und die unbeholfenen Gesichter, während Rollo und Gisla ein kleines Schäferstündchen in der Küche schieben, ist einfach unbezahlbar.

Judith (Jennie Jacques) in %26bdquo;Yol%26ldquo; © History
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Three kings

Für eine sehenswerte Momentaufnahme sorgt darüber hinaus der direkte Vergleich zwischen der Kultur der Franzosen und Wikinger, sehen wir doch eine exzellent in Szene gesetzte Prozedur der Wikinger, angeführt von einem Ragnar in Kriegsbemalung, um den nordischen Göttern ihre Ehrerbietung zu erweisen. Wie so oft stellen sich solche Szenen in Vikings wie ein audiovisuell fesselnder Fiebertraum dar, in dem man als Beobachter mit Leichtigkeit eintauchen und sich von den transzendentalen Aufnahmen und Klängen begeistern lassen kann.

Ob die Herren und Damen in Wessex ebenfalls zum Christfest zusammenkommen, ist indes weniger deutlich, doch auch hier wird gefeiert und angestoßen. Die freudigen Festivitäten dienen aber vielmehr als Vorwand, um die aktuelle politische Lage in England zu besprechen, wofür Ecbert (Linus Roache) von König Aelle von Northumbrien (Ivan Kaye) beehrt wird. Dieser hat aber nicht nur Zweifel an Kwenthriths (Amy Bailey) Rolle als Herrscherin über Mercia sowie deren Thronfolger Magnus, der uneheliche Sohn Ragnars, sondern auch an seiner eigenen Tochter Judith (Jennie Jacques). Die emanzipierte Edelfrau gibt ihrem Vater aber gehörig Kontra, als dieser sie schwer beleidigt und sich überhaupt nicht begeistert von ihrem Arrangement mit Ecbert zeigt. Hier werden einige brodelnde Konfliktherde angedeutet, die für die Zukunft vielversprechend sein könnten. Die Handlung in England bleibt in „Yol“ aber größtenteils sehr nebensächlich.

Fazit

Die Vikings-Episode Yol hinterlässt bei mir vor allem eher gemischte Gefühle. Viele Entwicklungen in den verschiedensten Handlungssträngen der Folge fühlen sich sehr beliebig und wenig vorbereitet an, während gleichzeitig nicht immer die Spannung hochgehalten werden kann. Auf der anderen Seite gibt es einige spannende Andeutungen für den weiteren Verlauf der Staffel („And you are?“ aka der Auftritt von Harald) sowie ein paar sehr gute schauspielerische Darbietungen zu sehen. Irgendwie pendelt sich „Yol“ so auf einer Durchschnittswertung ein, kann dann aber noch ein paar Extrapunkte durch zahlreiche malerische Aufnahmen und die dichte Atmosphäre abstauben. Der sehr spirituelle und übernatürliche Flair, der das Format immer wieder auszeichnet, ist eben doch eine große Besonderheit, die man so nur selten im Fernsehen zu sehen bekommt und der Vikings in „Yol“ trotz einiger Abstriche das gewisse Etwas geben kann.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 11. März 2016
Episode
Staffel 4, Episode 4
(Vikings 4x04)
Deutscher Titel der Episode
Die dunklen Tage
Titel der Episode im Original
Yol
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 10. März 2016 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Juni 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 15. Juni 2016
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Helen Shaver

Schauspieler in der Episode Vikings 4x04

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