Vikings 3x10

Vikings 3x10

The Dead rundet die insgesamt gelungene dritte Staffel von Vikings erfolgreich ab und präsentiert uns am Ende eine vielversprechende Ausgangslage für zukünftige Folgen. Das ganz große Überraschungsmoment bleibt zwar aus, jedoch überzeugt abermals die sehr atmospährische Inszenierung.

Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „The Dead“, dem Finale der dritten Staffel von „Vikings“ / (c) History
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „The Dead“, dem Finale der dritten Staffel von „Vikings“ / (c) History

Nach Breaking Point war nicht ganz klar, wie die wichtigsten Gefolgsleute von Ragnar (Travis Fimmel) mit dessen Taufe und Bekenntnis zum christlichen Glauben umgehen würden. Diese spannende Frage reizt Serienschöpfer Michael Hirst in The Dead gekonnt aus und serviert uns letzten Endes eine kleine Überraschung, die eigentlich gar keine ist, da sie der Großteil der Zuschauer wohl schon so oder so ähnlich erwartet hatte. Die Handlung, welche sich glücklicherweise nur in und um Paris abspielt, leidet jedoch mitnichten unter ihrer Vorhersehbarkeit, da gerade zum Ende hochspannende Richtungen für einige der Hauptfiguren eingeschlagen werden.

Aus diesem Grund ist auch ein wenig schade, dass nun das Warten auf Staffel 4 beginnt, da man die dritte Staffel auf einer sehr interessanten Note beendet. Sie stellt uns abermals einen alten und fortwährenden Konflikt zweier Figuren in Aussicht, der in naher Zukunft nun eine neue Dimension erreichen könnte. So sind es bisweilen weniger die konkreten Ereignisse in „The Dead“, die für große Spannungsmomente sorgen, sondern vielmehr die verheißungsvollen Andeutungen für die Zeit nach dem Kapitel Paris.

Expectations

Dieses wird nämlich in „The Dead“ vorerst abgeschlossen und, wie bereits erwartet, ist dies Wikingerkönig Ragnar Lothbrok zu verdanken, der sich einen gewieften Plan hat einfallen lassen, um in die französische Stadt einzudringen. Wie bereits angemerkt, gestaltet sich diese Entwicklung alles andere als überraschend, der Weg dorthin hat jedoch einige sehenswerte Momentaufnahmen zu bieten, die die Episode ohne Frage aufwerten.

Zu Beginn der Folge kommt es zunächst zur Zahlung der Forderungen von Ragnar an die Franzosen, um sich den Nordmännern zu entledigen. Während die Wikinger aufgrund ihrer neuen Reichtümer feiern, lässt sich in Paris Charles (Lothaire Bluteau) für die erfolgreiche Verteidigung der Stadt hochleben. Sein heuchlerisches Verhalten ist schon beinahe unfreiwillig komisch und so weist ihn seine Tochter Gisla (Morgane Polanski, die stellenweise nach wie vor etwas anstrengend ist) deutlich in die Schranken, da er das Problem mit den heidnischen Wikingern in Wirklichkeit nur aufgeschoben hat und diese mit Sicherheit zurückkehren werden. Der naive Charles ist sich aber sicher, dass diese beim nächstes Mal einfacher zurückgeschlagen werden können, da man sich nun auf sie vorbereiten kann.

Alexander Ludwig als Bjorn Lothbrok in %26bdquo;The Dead%26ldquo; © History
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Heavy heart

Im Lager der Wikinger machen derweil vor allem unter Ragnars Oberen Zweifel die Runde, inwiefern sie ihren zum Christentum übergelaufenen König überhaupt noch unterstützen können. Immerhin stellt seine Taufe eine Beleidigung der nordischen Gottheiten dar. Lagertha (Katheryn Winnick) will nichts überstürzen, während Floki (Gustaf Skarsgard) es von Anfang an gewusst hatte und auch Rollo (Clive Standen) schwer enttäuscht von seinem Bruder ist. Kalf (Ben Robson) und Erlendur (Edvin Endre) sind hier schon einen Schritt weiter und spielen bereits mit dem Gedanken, Ragnar den Garaus zu machen.

Dessen gesundheitliche Verfassung hat sich unterdessen extrem verschlechtert und so gibt er schon fast als eine Art allerletzten, väterlichen Ratschlag Bjorn (Alexander Ludwig) die Lektion mit auf den Weg, stets mit seinem Verstand und nicht mit seinem Herz zu führen. Verdächtig wird es dann jedoch, als Ragnar seinen Sohn in ein besonderes Vorhaben einweiht, welches im Verborgenen bleibt. Hirst baut hier recht geschickt Spannung auf und macht darüber hinaus deutlich, dass Bjorn in Zukunft insgesamt größere Verantwortungen bevorstehen könnten, wird er doch als einziger der wichtigsten Adjutanten Ragnars in dessen Pläne eingeweiht.

Violation

Es kommt dann zur besagten Überraschung der Folge, nachdem ein guter Monat nach der Tributzahlung der Franzosen an die Wikinger vergangen ist. Ragnar segnet nämlich das Zeitliche, wovon Odo (Owen Roe) sich sogar selbst überzeugt. Der letzte Wunsch des verstorbenen Anführers war es gewesen, eine ordentliche, christliche Bestattung inklusive Trauermesse zu bekommen, welche ihm in der Kathedrale von Paris gewährt wird.

Spätestens jetzt sollte bei den meisten Zuschauern der Groschen gefallen sein, dass Ragnar sich wohl nur tot stellt, um die Stadt zu infiltrieren und seinen Leuten die Tore von innen zu öffnen. In den Kommentaren unter der Kritik zur letzten Episode wurde bereits auf eine andere historische Figur gewiesen (vielen Dank noch einmal für diesen Beitrag), die ganz ähnlich gehandelt haben soll - und so nimmt sich Hirst die Freiheit, die Historie aus dramaturgischen Gründen abermals etwas zurechtzubiegen.

One last boat

Der Moment, in dem der geschwächte Ragnar aus seinem herrlich gestalteten Sarg herausspringt, ist stark inszeniert, ebenso wie die gesamte Sequenz zuvor, als Ragnars Leichnam den Christen übergeben wird. Das Zusammentreffen der verschiedenen Kulturen könnte besser nicht illustriert sein: auf der einen Seite die lauten, feierwütigen Wikinger, die dem Toten und ihren Göttern Respekt zollen und auf der anderen Seite die frommen Christen, bedächtig und von einem Chorus begleitet. Da man natürlich nie wirklich davon ausgegangen ist, dass Ragnar tatsächlich stirbt, ist dessen „Wiederauferstehung“ nicht besonders spektakulär, jedoch sowohl visuell als auch atmosphärisch gut umgesetzt.

Weitaus interessanter sind jedoch zwei andere Aspekte, von denen sich einer direkt nach Ragnars Tod zuträgt und noch einmal einen tiefen Blick in das Innenleben einiger zentralen Figuren gewährt. Nachdem Bjorn in einer durchaus dramatischen Szene verkündet, dass sein Vater verstorben sei, erweisen diesem Lagertha, Rollo und Floki noch einmal ihre letzte Ehrerbietung. Bei Lagertha wird vor allem ihre nach wie vor sehr emotionale Beziehung zu Ragnar aus der Vergangenheit deutlich und so trauert sie innig um ihren einstigen Gatten, von dem sie sich erhofft, dass Odin ihn zurück nach Valhalla bringen wird, wo die beiden eines Tages wieder aufeinandertreffen würden.

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Just a fool

Rollo ist da schon etwas weniger getroffen, stand er doch immer im direkten Konkurrenzkampf mit seinem Bruder, den die Götter stets favorisiert hatten. Sein Handlungsstrang nimmt in The Dead später noch eine sehr interessante Wendung, der wir uns gleich widmen wollen. Zuvor muss aber noch Flokis Auftritt erwähnt werden, der der Leiche Ragnars etliche Vorwürfe macht. Er hatte ihn gewarnt, doch Ragnar hat Floki nie wirklich wertgeschätzt, zum Beispiel so, wie er Athelstan (George Blagden) geschätzt hatte. Floki kämpfte um die Gunst seines Freundes, wurde jedoch immer wieder zum fünften Rad am Wagen gemacht, was eine unglaubliche Wut in ihm entfesselte. Doch Ragnar war so prägend für ihn, dass er dessen Tod letztlich doch extrem bedauert und emotional schwer betroffen ist, was Darsteller Gustaf Skarsgard stark wiedergibt.

Diese Charaktermomente sagen mir persönlich sehr zu, da sie exzellent verdeutlichen, wie die Nächsten Ragnars tatsächlich zu diesem stehen. Spannend ist natürlich, ob Ragnar innerhalb seines Sarges deren Verabschiedungen mit angehört hat und sich ein neues Urteil über sie bilden kann. Dass er sie nicht in seine Pläne eingeweiht hatte, gefällt ihnen nicht wirklich, auch wenn Ragnars Vorhaben von Erfolg gekrönt ist. Die Anspannung unter den verschiedenen Figuren aufseiten der Wikinger bleibt jedoch hoch und wird von Hirst geschickt mit in die neue Staffel genommen.

Our king

Der andere Aspekt der zwei, die ich zuvor erwähnt hatte, befasst sich mit der Frage, wie ernst es Ragnar letztlich mit seinem Glaubenswechsel wirklich gemeint hat. War dies wirklich alles nur eine Finte, um Paris zu erobern? Oder ist er dem christlichen Glauben tatsächlich sehr offen gegenüber eingestellt? Aufgrund der sehr tiefen freundschaftlichen Beziehung mit dem ermordeten Athelstan gehe ich eher von letzterem aus, was wiederum bedeuten würde, dass auch dieser Konflikt der Fürsprechern der nordischen Götter - zum Beispiel Floki - und Ragnar weiterhin von zentraler Bedeutung sein wird.

Indizien wie Ragnars kaltblütige Ermordung des Geistlichen in der Pariser Kathedrale sprechen wiederum etwas gegen Ragnars Verbundenheit mit dem Christentum, andererseits verschont er auch Gisla. Diese nimmt er nämlich kurz als Geisel, damit seine Wikinger in die Stadt können. Danach lässt er sie aber wieder laufen. Ein Akt der Gnade, den er vor dem Aufeinandertreffen mit Athelstan auch getätigt hätte?

Dass sich Ragnar nur weiter von seinen ursprünglichen Überzeugungen sowie Mitstreitern entfernen könnte, zeigt dessen Bemerkung gegenüber Floki, als er ihm sagt, dass er weiß, dass er Athelstan getötet hat. Dem Zuschauer war es durchaus bewusst, dass Ragnar Floki in Verdacht hatte. Dass ersterer es bis jetzt aber noch nicht ausgesprochen hatte, gab dem Ganzen ein sehr spannendes Element, dass schon fast einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ragnar und Floki glich. Mit dieser klaren Ansage erfüllt Hirst vor allem einen dramaturgischen Zweck und liefert einen Hinweis darauf, dass der Zwist zwischen seiner Hauptfigur und Floki noch länger nicht beendet ist und gerade erst in die Vollen geht.

Thrown to the dogs

Ähnlich vielversprechend könnte sich der bereits erwähnte Handlungsstrang von Rollo gestalten, welcher nach der Eroberung von Paris mit einer Art Garnison vor Ort bleiben soll, für die Zeit, wenn die Wikinger im Frühjahr aus Skandinavien zurückkehren werden. Durch die Worte des Sehers wird uns noch einmal in Erinnerung gerufen, dass Rollo von den Ereignissen in Franzien eigentlich profitieren sollte. Bis jetzt ist von der Prophezeiung nicht viel eingetreten, was sich jedoch ändert, als Rollo zum Ende der Episode von Charles einige Ländereien sowie die Hand seiner Tochter Gisla angeboten bekommt. Der Preis dafür: Er soll sich beim nächsten Aufeinandertreffen mit den Wikingern gegen seinen Bruder Ragnar stellen. Und Rollos Reaktion zufolge nimmt er diesen Deal auch an.

Gisla (Morgane Polanski) und Charles (Lothaire Bluteau) in %26bdquo;The Dead%26ldquo; © History
Gisla (Morgane Polanski) und Charles (Lothaire Bluteau) in %26bdquo;The Dead%26ldquo; © History

Es ist natürlich fragwürdig, wie die anderen zurückgelassenen Wikinger mit dieser Entscheidung Rollos umgehen werden. Spannend ist es dennoch, da, wie bereits in Staffel zwei, der Konflikt der Brüder in den Vordergrund gerückt wird und eventuell gar ein Ende finden könnte. Mit der möglichen Vermählung von Rollo und Gisla wandelt Hirst erneut auf geschichtlichen Pfaden. Das Plädoyer letzterer gegen ihren Gatten in spe ist derweil herrlich gemein und bösartig, wird jedoch von Rollo einfach weggelächelt. Solange sich Hirst nicht allzu sehr wiederholt, blicke ich dem erneuten Aufeinandertreffen von Ragnar und Rollo gespannt entgegen. Die Voraussetzungen haben sich ja auch ein wenig verändert, hat Ragnar doch nun mit weitaus mehr Gegenwind aus seinem inneren Kreis (Stichwort Floki) als noch in der zweiten Staffel zu kämpfen.

No difference

Letztlich lässt The Dead aber auch ein paar Fragen offen. Es stört mich weniger, dass wir nicht noch einmal zu Ecbert (Linus Roache) nach Wessex oder Kattegat zurückkehren, ganz im Gegenteil sogar. Einige Teile der Handlung muten dennoch etwas deplatziert an, so zum Beispiel der kurze Blick in Odos Liebesleben und dessen Fetischvorlieben. Die deutlich zu lange Szene passt nicht richtig in diese Folge und soll Odo wohl etwas mehr Profil geben, was in meinen Augen nicht besonders gut gelingt. Außerdem frage ich mich, wie genau die Wikinger nun über Paris verfügen können. Haben sie einen äußeren Ring der Stadt eingenommen oder herrschen sie nun direkt über die Bevölkerung? Dies bleibt eher ungeklärt, erübrigt sich jedoch auch ein wenig, nachdem Rollo am Ende von Charles auf seine Seite gezogen wird.

Fazit

Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die entweder nicht vollends aufgeklärt werden oder einfach unnötig sind, stellt The Dead ein zufriedenstellendes Staffelfinale dar, das immer wieder kleinere Bögen zu vorangegangen Episoden spannt (siehe die Prophezeiungen des Sehers) und gleichzeitig neue Spannungsmomente für die vierte Staffel schafft. Die Auflösung der Paris-Handlung ist vielleicht nicht besonders spektakulär, jedoch glänzt die Episode vor allem mit guten Charaktermomenten und einigen sehr epischen Sequenzen (Ragnars Auftritt in der Kathedrale, Bjorns Kommando zum Angriff, Lagertha und Co stapfen in Zeitlupe an dem lädierten Ragnar vorbei), die dank toller musikalischer Untermalung für kleine Gänsehautmomente sorgen.

Serienmacher Michael Hirst beendet seine dritte Staffel von Vikings mit einer Art Cliffhanger und einigen interessanten Andeutungen für die vierte, welche bereits bestellt wurde. Die dritte Staffel selbst konnte insgesamt einige sehr spannende Handlungsstränge sowie dramatische Charaktertode bieten, wobei ich gleichzeitig auch festhalten muss, dass einige Figuren sowie deren Geschichte im Vergleich zu anderen deutlich weniger Interesse bei mir wecken konnten.

Wenn man hier in der vierten Staffel die Balance wieder etwas besser halten und gleichwertig interessante Handlungsstränge schreiben kann, wird man diesem Kritikpunkt entgegenwirken können. Auf inszenatorischer Ebene hat man sich abermals keine Blöße gegeben - so wird zum Beispiel die Schlacht um Paris unvergessen bleiben. Nun heißt es geduldig abwarten, was die neue Staffel im nächsten Jahr für ihre Charaktere an Konflikten und Herausforderungen bereithalten wird.

In eigener Sache: Mir persönlich hat es jede Woche eine Menge Spaß gemacht, die Kritiken zu der dritten Staffel von „Vikings“ verfassen zu dürfen. Auch die rege Beteiligung im Kommentarbereich mit zahlreichen interessanten Hinweisen zu historischen Details und Begebenheiten trug sehr dazu bei, wofür ich mich an dieser Stelle auch sehr bedanken möchte.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 24. April 2015
Episode
Staffel 3, Episode 10
(Vikings 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Die Toten und die Heiden
Titel der Episode im Original
The Dead
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 23. April 2015 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 3x10

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