Vikings 3x09

Vikings 3x09

Breaking Point sorgt kurz vor dem Ende der 3. Staffel von Vikings noch einmal für eine spannende Wendung, durch die die Karten neu gemischt werden. Eine erneut atmosphärische Inszenierung sowie starke Charaktermomente haben so eine nicht makellose, aber hochinteressante Episode zur Folge.

Ragnar (Travis Fimmel) im Angesicht eines christlichen Geistlichen in „Breaking Point“ / (c) History
Ragnar (Travis Fimmel) im Angesicht eines christlichen Geistlichen in „Breaking Point“ / (c) History

Kaum zu glauben, dass die dritte Staffel des Historiendramas Vikings schon wieder fast beendet ist und uns nach der Episode Breaking Point nur noch das Staffelfinale in der nächsten Woche bleibt, bevor das Warten auf Staffel 4 beginnt „66698“. Insbesondere in den letzten Folgen nahm das Format noch einmal ordentlich Tempo auf, was schließlich in der Episode To the Gates! kulminierte und eine großartige Schlacht zwischen den Wikingern und Franzosen um Paris nach sich zog. Dieses Gemetzel konnten die Franzmänner letzten Endes für sich entscheiden und so setzen wir in „Breaking Point“ direkt nach der fatalen Niederlage der Mannen um Ragnar (Travis Fimmel) ein, die sich erst einmal ihre Wunden lecken müssen.

Interessanterweise nimmt „Breaking Point“ gerade zum Ende hin noch eine etwas unerwartete Wendung, die große Auwirkungen auf die weitere Handlung und den Status von Ragnar als Wikingerkönig haben könnte. Der Handlungsstrang um die Nordmänner stellt hier abermals die größte Stärke der Folge dar, während die Nebengeschichte in „Breaking Point“ wieder ein wenig darunter leidet, dass sie bei Weitem nicht so interessant wie die Geschehnisse in Franzien sind. Doch zumindest in dem Handlungsbogen um Ecbert (Linus Roache) kann man dieses Problem dank ein paar glänzender schauspielerischer Darbietungen ausgleichen. Die Vorkomnisse in der Heimat der Wikinger weisen derweil zwar eine thematische Verknüpfung zur Haupthandlung auf, jedoch würde man sie auch nicht wirklich vermissen, wenn sie von den Serienmachern ausgelassen werden würden.

Serving the devil

Gerade in den letzten Episoden war es mehr als einmal auffällig, dass einige Handlungsstränge in der dritten Staffel von „Vikings“ ganz hervorragend funktionieren und immer wieder Spannung generieren können, während andere Geschichten schlichtweg untergehen und weniger reizvoll sind. Der (beinahe) alleinige Fokus in der letzten Episode auf die Schlacht um Paris war die vollkommen richtige Entscheidung. Nun kehrt man zu einer Erzählung auf mehreren Ebenen zurück, was seine Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Das größte Interesse geht nach wie vor von der Handlung in Franzien aus, die nach dem Rückschlag der Wikinger für meinen Geschmack gerne wieder alleinig im Fokus von „Breaking Point“ hätte stehen dürfen. Die Moral der Wikinger ist tief im Keller, die Verluste sind extrem hoch und der Proviant war auch schon einmal besser. Ragnar, der selbst schwere Verletzungen davongetragen hat und immer wieder Blut spuckt beziehungsweise uriniert, lässt seinen Blick über das Lager der Nordmänner schweifen und registriert frustriert, dass es alles andere als gut um seine Leute steht.

Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo; © History
Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo; © History

New courage

Doch aufgeben liegt nicht in der Natur der stolzen Nordmänner, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abermals Paris attackieren, dieses Mal jedoch etwas vorsichtiger und weniger auffällig. Auf leisen Sohlen infiltriert Lagertha (Katheryn Winnick) mit einem Trupp leichtfüßiger shieldmaidens die Befestigungsanlage des Brückenbaus zur Stadt und kann so letztendlich das vorderste Tor von innen öffnen, worauf Chefberserker Rollo (Clive Standen) mit der Wikingerhorde in den Brückengang vorstürmt.

Zunächst muss man festhalten, dass diese ersten Szenen der Episode extrem stimmungsvoll sind und über eine unglaublich dichte Atmosphäre verfügen. Man fiebert gespannt mit, wie die Wikinger hier vorgehen werden und ist dann während des wilden Kampfes der beiden Parteien voll involviert. Darüber hinaus lässt man sich ein paar sehenswerte Dinge einfallen, so zum Beispiel die erneute Falle der Franzosen, die sich in Form einer gigantischen Rolle mit Stacheln präsentiert. Damit werden einige der Angreifer im wahrsten Sinne niedergemäht, doch dank Rollo kann dieser Teufelsmaschine Einhalt geboten werden. So entspinnt sich ein blutiger Kampf auf engstem Raum, von dem die Wikinger am Ende fliehen müssen, sind die Siegchancen doch verschwindend gering.

The price to pay

Was mich persönlich an diesem Einstieg in die Episode etwas stört, ist, dass die Wikinger erneut etwas zu naiv in ihr Verderben rennen. Natürlich ist es sehr interessant zu beobachten, welche Tricks die Franzosen noch so in ihren Ärmeln haben und wie die Wikinger gleichzeitig die Schwachpunkte in deren Verteidigung ausloten wollen. Aber selbst, wenn sie nicht wissen können, was für Verteidigungssysteme hinter den Stadtmauern von Paris auf sie warten, wäre etwas mehr Vorsicht - insbesondere nach der letzten Niederlage - vielleicht ratsam. Wobei: Auch das liegt nicht wirklich in der Natur der Wikinger.

Für den weiteren Plot ist dieser Rückschlag wiederum nicht unbedeutend, weshalb es wichtig ist, noch einmal deutlich zu zeigen, wie sehr sich die Wikinger an den Franzosen ihre Zähne ausbeißen. Bei diesen sieht es unterdessen auch nicht besonders rosig aus, fordert die Belagerung der Nordmänner doch ihren Tribut. Die Nahrungsvorräte gehen zur Neige, die Bevölkerung leidet unter einer Krankheit und die Moral der Soldaten ob einer möglichen Niederlage ist auch in Mitleidenschaft gezogen, trotz vorangegangen Sieges. König Charles (Lothaire Bluteau) könnte ein Zeichen an seine Untertanen setzen und ihnen als gutes Beispiel vorangehen, präsentiert sich jedoch weiterhin als Hasenfuß.

Strength and violence

Es ist definitiv gut, dass wir etwas mehr von den Figuren auf der französischen Seite erfahren. Leider bleibt Charles der einfache Feigling, der er ist, doch mit dem Charakter des Count Odo (Owen Roe), der aufgrund der misslichen Lage eine diplomatische Lösung anstrebt, kann man dies ein wenig aufwiegen. Hinsichtlich Gisla (Morgane Polanski) bin ich noch etwas unschlüssig. Dies liegt zum einen an der Figur selbst, die ihren christlichen Glauben fast schon manisch an allererster Stelle platziert, zum anderen aber auch an der Darstellerin, die sich bisweilen etwas eigenartig präsentiert. Die meiste Spannung geht hier wohl noch von der Prophezeiung des Sehers in Kattegat und den verräterischen Aufnahmen von Gisla aus, die während des Angriffs der Wikinger konzentriert crazy bear Rollo beobachtet.

Großartig ist dann jedoch der leider schon letzte Auftritt von Siegfried (Greg Orvis), welcher gemeinsam mit Ragnars Informanten Sinric (Frankie McCafferty) von den Franzosen gefangen genommen wird. Der bärtige Hüne wurde als Charakter vielleicht nicht ausführlich etabliert, dennoch schmerzt sein Tod ein wenig. Sein Abgang ist aber auch gleichzeitig das komödiantische Highlight dieser Folge, als er die naiven Franzosen herrlich hinters Licht führt, was zur Folge hat, dass einer der Soldaten seine Hand verliert und Siegfried sich vor lautem Lachen kaum halten kann. Eine herrlich komische Szene, so blutig und heftig sie auch ist.

Gisla (Morgane Polanski); Charles (Lothaire Bluteau) und Odo (Owen Roe) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo;. © History
Gisla (Morgane Polanski); Charles (Lothaire Bluteau) und Odo (Owen Roe) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo;. © History

I am king

Etwas ernster wird es dann wiederum im Lager der Wikinger, wo Ragnar die Bemühungen seiner Untergebenen, Paris einzunehmen, beobachtet. Er selbst wankt an der Schwelle zum Totenreich und driftet in einen intensiven Fiebertraum ab, der einige Fragen aufwirft. In diesem trifft er auf Athelstan (George Blagden), der hilfsbreit seine Hand ausstreckt. In der nächsten Szene sieht man wiederum eine Gestalt mit zwei Raben, was den Schluss zulässt, dass es sich hierbei um Allvater Odin handeln könnte (da ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, nehme ich gerne Hinweise bezüglich dieser Szene entgegen). Es scheint beinahe so, als würde Ragnar vor der Entscheidung zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen stehen und ratlos herumirren, welche Seite nun die für ihn richtige ist, welche ihm das geben kann, was er unbedingt will - sei es Führung oder Erlösung oder etwas gänzlich anderes.

Seine Wahl ist letztlich überraschend, vor allem für seine Gefolgsleute (unter denen ist übrigens auch Erlendur (Edvin Endre), der wohl doch irgendwie überlebt hat), die allesamt unter Anspannung stehen. Die Franzosen wollen mit den Wikingern verhandeln und so entsteht schnell ein heftiges Streitgespräch zwischen Ragnars Adjutanten, wie sie weiter vorgehen sollten. Der lädierte Ragnar ergreift schlussendlich das Wort und erklärt in einer starken Ansprache, dass er ihr König ist - eine Rolle, in die er hineingedrängt wurde - und das letzte Sagen hat (Fimmel spielt in diesen Szenen erneut groß auf).

Es werden Verhandlungen geführt, doch seine Position als Wikingerkönig scheint etwas zu bröckeln, erkennen seine Leute doch, dass er (körperlich) schwach geworden ist. Deren Unfähigkeit ist Ragnar ein Dorn im Auge, wobei man sich durchaus fragen muss, warum er ihnen überhaupt so viele Freiheiten in der Belagerung eingeräumt hatte, hätte er doch selbst einen pfiffigen Plan ausarbeiten können.

A dying man

Am Ende dieses Handlungsstrangs sagt sich Ragnar komplett von seinem eigentlichen Glauben los und so wird abermals deutlich, wie viel ihm sein guter Freund Athelstan in Wirklichkeit bedeutet hat. Die Verhandlungen mit Odo sind erst einmal zweitrangig, Ragnar möchte getauft werden und somit zum christlichen Glauben konvertieren. Insbesondere der Ausblick, nach seinem Tod wieder mit Athelstan vereint zu sein, stellt einen großen Antrieb dar. Aber es ist auch denkbar, dass Ragnar von seinen nordischen Göttern zu oft enttäuscht wurde, woraufhin er sich nun eine Konfession sucht, die ihm einen höheren Sinn gibt. Dass die wichtigsten seiner Gefolgsleute letztlich die Taufe mit ansehen, ist eine hoch spannende Momentaufnahme, die unter anderem die Frage aufwirft, ob sie Ragnar als ihren Anführer überhaupt noch unterstützen können. Dieser mögliche Konflikt stimmt extrem verheißungsvoll, insbesondere mit Blick auf das Staffelfinale.

False idols

Während Ragnar seinen nordischen Göttern also den Rücken kehrt, hält Aslaug (Alyssa Sutherland) im weit entfernten Kattegat Hof und muss sich dort mit einem christlichen Missionar herumschlagen, der ihre Gottheiten denunziert. Auch wenn ich die Querverbindung zu Ragnars neuer Glaubensfindung sowie Aslaugs scheinbare Zweifel, ob der nordische Glaube vielleicht doch nicht unfehlbar ist, nicht schlecht finde: Dieser Einschub in die Episode hinterlässt mich eher mit gemischten Gefühlen. Die Handlung in Kattegat ist zurzeit leider nicht wirklich spannend, was zum einen daran liegt, dass dort nichts Interessantes passiert, und zum anderen, dass auch nicht unbedingt die aufregendesten Charaktere an diesem Handlungsort auftreten.

Floki (Gustaf Skarsgard); Lagertha (Katheryn Winnick) und Rollo (Clive Standen) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo; © History
Floki (Gustaf Skarsgard); Lagertha (Katheryn Winnick) und Rollo (Clive Standen) in %26bdquo;Breaking Point%26ldquo; © History

What might have been

Dies sieht in England schon etwas anders aus. Auch wenn der Abstecher nach Wessex, wie bereits erwähnt, nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, hat die Haupthandlung von „Breaking Point“ genügend spannende Aspekte zu bieten. Doch im Gegensatz zur Kattegat-Handlung verfügt die Nebengeschichte um Ecbert über reizvolle Figuren - allen voran der König von Wessex selbst. Und so erkämpft sich dieser Handlungsstrang seine Daseinsberechtigung in der Episode. Der Lohn: ein paar starke Momentaufnahmen unter den agierenden Figuren sowie eine sehr spannende Aussicht auf das, was uns in England noch erwarten könnte.

Ecbert bietet zunächst Schwiegertochter Judith und ihrem Nachwuchs seinen Schutz vor dem launischen Aethelwulf an, jedoch nur, wenn sie zu seiner Mätresse wird. Ecbert bleibt weiter undurchsichtig, wobei man seinen Blicken durchaus gewisse Empfindungen gegenüber Judith entnehmen kann. Wunderbar ist dann die Szene zwischen ihm und Aethelwulf, in der letzterer seinem Vater bezichtigt, er hätte es wohl gerne in Kauf genommen, hätte Kwenthrith (Amy Bailey) ihn umbringen lassen. Dies wäre immerhin der perfekte Vorwand für Ecbert gewesen, Mercia anzugreifen.

Doch Ecbert hat große Pläne und will seinem Sohn ein gewaltiges Vermächtnis hinterlassen: ein geeinigtes Königreich von England. Ein ambitionierter Plan, der Lust auf mehr macht. Ich weiß, es ist die alte Leier, doch ich werde nicht müde, zu erwähnen, wie sehr mir Linus Roache in Vikings gefällt, da sein Schauspiel die Figur des Ecbert dermaßen unlesbar und unberechenbar macht, dass ich ihm kein einziges Wort mehr glaube. Aber auch Moe Dunford und die bezaubernde Jennie Jacques überzeugen hier mit ihrer Darbietung.

Fazit

Breaking Point wartet mit einem womöglich entscheidenden Schritt in der Charakterentwicklung der Hauptfigur auf, der wiederum extremes Konfliktpotential in sich birgt und kurz vor dem Finale der dritten Staffel von „Vikings“ noch einmal für einen großen Spannungsmoment sorgt. Bei Floki (Gustaf Skarsgard) zeigt sich ob Ragnars Entscheidung sehr deutlich seine Wut, doch auch bei Lagertha oder Rollo sind vielsagende fragende Blicke zu erkennen.

Die Episode selbst hat einige sehr packend gefilmte Sequenzen sowie gute schauspielerische Leistungen zu bieten. Die Nebenhandlung in Kattegat fällt leider erneut deutlich ab, während die Geschehnisse in England weitaus besser gefallen. Doch es bleibt dabei: Der größte Reiz geht nach wie vor von den Ereignissen in Franzien aus, die nach den neuesten Entwicklungen noch einmal ordentlich Auftrieb bekommen könnten. Was uns genau im Staffelfinale erwarten wird, ist schwer zu sagen. Die Möglichkeiten scheinen nun nahezu endlos.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 17. April 2015
Episode
Staffel 3, Episode 9
(Vikings 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Das letzte Wort
Titel der Episode im Original
Breaking Point
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 16. April 2015 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 3x09

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