Vikings 3x03

Vikings 3x03

In Warrior's Fate ziehen die Serienmacher das Erzähltempo ein wenig an und präsentieren uns dadurch gleich mehrere atmosphärische Leckerbissen. Gleichzeitig bekommen wir zahlreiche sehenswerte Charaktermomente zu sehen, die die wenigen Schönheitsfehler leicht vergessen machen.

Gefordert als Anführer: Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „Warrior's Fate“. / (c) History
Gefordert als Anführer: Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in „Warrior's Fate“. / (c) History
© (c) History

In der Vorwoche hatte ich mich noch beklagt, dass mir die Episode The Wanderer ein wenig zu konfus geraten war, trotz der starken audiovisuellen Komponente der zweiten Folge der dritten Staffel von Vikings. In Warrior's Fate bleiben uns nun ambivalente und bisweilen recht irritierende, traumartige Sequenzen erspart, wodurch sich das Historiendrama einer neuen Klarheit erfreut, die sich sogleich auszahlt.

Eine der vielen Stärken von „Warrior's Fate“ ist nämlich unter anderem die klare Struktur und der sehr geradlinige Erzählstil der Episode. Wir wechseln mehrfach den Ort des Geschehens und tauchen in die verschiedenen Handlungsbögen der Figuren ein, verlieren aber zur selben Zeit nie den Überblick darüber, was gerade passiert. Das komplexe Bild der Figuren mit ihren individuellen Motiven hat dem Zuschauer viel zu bieten, und so folgt ein gelungener Charaktermoment auf den nächsten, während sich auch hinsichtlich der stimmungsvollen Inszenierung kaum Fehler geleistet werden und man von „Warrior's Fate“ oftmals vollends mitgerissen wird. So und nicht anders wünscht man sich das Historienformat.

Now is the time

Warrior's Fate“ ist in drei Handlungsstränge unterteilt: Die Bemühungen Ragnars (Travis Fimmel) und seiner Mannen, Kwenthriths (Amy Bailey) Bruder Burgred (Aaron Monaghan) im offenen Kampf um Mercia zu besiegen; die aufblühende Allianz zwischen Lagertha (Katheryn Winnick) und Ecbert (Linus Roache) inklusive Athelstan (George Blagden) als Faktor zwischen Christentum und nordischem Glauben; und der geheimnisvolle Auftritt des undurchsichtigen Fremden in Kattegat, wo dieser am Ende von „The Wanderer“ aufschlug. Insbesondere der letzte Handlungsbogen läuft losgelöst von den anderen ab und nimmt mit fortschreitender Laufzeit von „Warrior's Fate“ eine sehr interessante Dynamik an, die wesentlich zur allgemeinen Spannung der Folge beiträgt.

Mit dem Fremden, der auf den Namen Harbard (Kevin Durand) hört, haben die Macher eine große Unbekannte eingeführt, dessen wahre Absichten alles andere als deutlich erkennbar sind. Er gibt sich als einfacher Wanderer aus, der durch die Lande zieht, gelegentlich in Dörfern um eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz für die Nacht bittet und dafür mit seinen Gastgebern Geschichten teilt, die er während seinen Reisen aufgeschnappt oder selbst erlebt hat. Sein geheimnisvoller Charakter zieht nicht nur uns Zuschauer, sondern auch Helga (Maude Hirst) und Aslaug (Alyssa Sutherland) in seinen Bann. Sie lauschen seinen fabelhaften Ausführungen über gewaltige Riesen gespannt.

Jessalyn Gilsig als Siggy in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History
Jessalyn Gilsig als Siggy in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History

No help for you

Durch sein charismatisches Auftreten und die erstaunliche Gabe, den jungen Ivar im Handumdrehen zu beruhigen, scheinen die beiden Damen in der Tat recht angetan von ihm zu sein. Siggy (Jessalyn Gilsig) ist im Gegenzug (zu recht) misstrauisch. Über Harbards fantastische Geschichten kann sie nur müde lächeln und generell hat sie ein ungutes Gefühl, was den Besucher betrifft, den sie, Aslaug und Helga bereits in ihren Träumen gesehen haben. Während Helga am ehesten von Harbard beeindruckt ist und man Aslaug trotz ihrer Offenheit noch eine gewisse Vorsicht anmerkt, gefällt es Siggy gar nicht, dass man einfach so herausposaunt, dass Ragnar und seine Krieger nicht vor Ort, sondern im weit entfernten England sind.

Im Gespräch mit dem Seher (John Kavanagh) kann Siggys Verdacht, der Fremde könnte etwas Böses im Schilde führen, nicht wirklich bestätigt werden. Der tragische Fund zweier Jungen, die aus unerklärlichen Gründen auf See ertrunken sind, kurz nachdem Harbard nach Kattegat kam, stimmt Siggy nur noch besorgter. Der Seher eröffnet ihr, dass für sie längst jede Hilfe zu spät sei, was die ehemals so mächtige Wikingerbraut nur noch angsterfüllter erscheinen lässt. Es handelt sich hier um ein überaus perfides Spiel, das die Autoren mit uns treiben. Auch bei mir machen sich Zweifel hinsichtlich Harbard breit. Durch einen sehr behutsamen, aber auch geschickten Aufbau dieses Handlungsstrangs generiert man einen hochinteressanten Spannungsmoment. Harbard versprüht eine gewisse Faszination - woran Kevin Durand mit seinem überzeugenden Schauspiel großen Anteil hat -, die extrem neugierig stimmt, was ebenso für das bevorstehende Schicksal von Siggy gilt.

Policies

Es ist schon beinahe zu einer kleinen Kunst von Serienschöpfer Michael Hirst und seinem Autorenteam geworden, kleine Andeutungen zu streuen und somit eine bisweilen immense Erwartungshaltung bei den Zuschauern zu erzeugen, die sich Woche für Woche neuen Spekulationen hingeben können. Die Geschichte um Lagertha und Ecbert stimmt hier nicht minder verheißungsvoll und ist durchaus mit Vorsicht zu genießen, auch wenn sich beide Parteien immer mehr annähern und die Allianz der Angelsachsen mit den Nordmännern neue Früchte trägt.

Interessant ist jedoch, dass sich Ecbert selbst auf einen riskanten Handel mit Ragnars Leuten eingelassen hat, der ihm im schlimmsten Fall die Loyalität seiner eigenen Untertanen kosten könnte. Etwaige Zweifel seiner Nobelmänner kann er jedoch zunächst im Keim ersticken, hat er doch plausible Argumente, warum das Bündnis mit den Wikingern so wertvoll ist. Es ist eine Art Investition, die sich in Form der Eroberung der reichen Ländereien von Mercia schon bald auszahlen wird. Und über Gesten wie das Teilen von landwirschaftlichem Wissen und Fortschritt lassen sich den erfahrenen Seeleuten aus Skandinavien sicherlich auch eines Tages nützliche Tipps hinsichtlich des Schiffsbaus entlocken.

Progress

Die Figur des Ecbert gehört zu meinen persönlichen Favoriten in Vikings, da er nicht nur clever agiert und viel Weitsicht beweist, sondern gleichzeitig schwer zu lesen ist. Lagertha täte gut daran, seine Avancen weiter mit Vorsicht zu genießen, jedoch scheint sie sich immer mehr zum König von Wessex und seinen Nettigkeiten hingezogen zu fühlen, wie ein kleines Techtelmechtel zwischen den beiden in den Bädern von Ecberts Palast zeigt. Die Nordfrau hat sogar ein wenig die Sprache ihrer neuen Heimat gelernt und geht somit mit gutem Beispiel bezüglich der Integration der Wikinger in ihre neue Umgebung voran.

Linus Roache als King Ecbert in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History
Linus Roache als King Ecbert in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History

Hinsichtlich der Sprachen in „Vikings“ gab es ja zuletzt einige, die die stetigen Wechsel zwischen altem Englisch und Nordisch als etwas seltsam empfanden. In dem speziellen Fall, dass Lagertha recht schnell die englische Sprache gelernt hat, muss erst einmal ein wenig Kritik geübt werden, da dies vielleicht ein wenig zu zügig gegangen ist, mit allem Respekt gegenüber Lagertha und ihrem möglichen Sprachtalent. Im Allgemeinen sehe ich die „Sprachproblematik“ in „Vikings“ jedoch nicht so kritisch. Es kann gelegentlich irritierend sein, wenn urplötzlich der Wechsel in modernes Englisch erfolgt und man sich nicht ganz sicher ist, wer gerade noch welche Sprache gesprochen hat. Ich sehe es jedoch insgesamt als gut gelöst an und gleichzeitig wesentlich angenehmer, als wenn wir nur noch Untertitel hätten. Dafür, dass es kein Leichtes ist, die sprachliche Vielfalt der hier auftretenden Kulturen in Einklang miteinander zu bringen, leisten die Macher meines Erachtens ganze Arbeit.

Sacrilege

Wo wir gerade schon einmal bei den verschiedenen Kulturen in „Vikings“ sind: Erneut wird uns deutlich vor Augen geführt, wie krass sich doch Christentum und der Glaube an die nordischen Gottheiten unterscheiden. In einem Blutritual zu Ehren Freyrs, einem nordischen Fruchtbarkeitsgott, schlachten die Wikinger einen Ochsen, um damit für eine ertragreiche Ernte zu bitten. Das Prozedere kann schon etwas gruselig anmuten, und dementsprechend sieht man auch Ecbert und seinen Gefolgsleuten (darunter Judith, die sich nach wie vor zu Athelstan hingezogen fühlt, aber ihren Mann nicht hintergehen kann) an, dass sie von den „animalischen Heiden“ etwas verängstigt sind.

Gerade Ecberts Gesichtsausdruck beim Anblick Lagerthas, die mit Rinderblut übergossen wird und dieses auf den Feldern der Siedlung verteilt, lässt viel Raum zur Interpretation. Hat er sich vielleicht doch auf einen Handel eingelassen, der früher oder später nach hinten losgehen könnte? Die Einwände seiner Edelmänner hören sich auf einmal gar nicht mehr so verkehrt an, eine Gemeinschaft, in der Anhänger des Christentums und des nordischen Glaubens friedlich koexistieren, ist eher schwer vorstellbar. Abermals lässt man uns als Zuschauer im Ungewissen und spielt hervorragend mit unseren Erwartungen. So wird sehr subtil, aber hocheffektiv eine unangenehme Anspannung aufgebaut, was die Zukunft für das Bündnis zwischen Ragnars beziehungsweise Lagerthas und Ecberts Völkern bringen wird.

I come to you

Die Frage, ob es überhaupt möglich ist, trotz verschiedener Glaubensvorstellungen Seite an Seite zu leben, wird auch in der Handlung um Ragnar thematisiert, der vor allem von Floki (Gustaf Skarsgard) dahingehend angegangen wird. Doch zunächst sehen wir die Wikingerbande, wie sie sich für den Angriff auf Burgred und seine Soldaten vorbereiten, die sich in die angrenzende Hügellandschaft zurückgezogen haben. Zu meiner anfänglichen Überraschung lebt der von einer fatalen Infektion gebeutelte Torstein (Jefferson Hall) immer noch, jedoch hat dies einen zweckmäßigen dramaturgischen Grund, der recht schnell ersichtlich wird. Floki teilt Ragnar noch vor dem Aufbruch wie bereits angedeutet mit, was er von seiner Allianz mit den Christen hält - nämlich nicht viel. Der Wikingerkönig gibt seinen eigenen Glauben auf und wird dies noch teuer bezahlen, so zumindest der exzentrische Schiffsbauer. Jedoch sind Ragnars Motive, der an das Fortbestehen seines Volkes denkt, absolut nachvollziehbar. Was wäre er für ein Anführer, wenn er seine Leute nur in kriegerische Auseinandersetzungen führen würde, ohne an eine friedliche Zukunft für diese zu denken?

Doch dieser Frieden muss hart erkämpft werden, und so steht uns eine hervorragende Schlacht mit Burgred bevor, die atmosphärisch allererste Sahne ist und abermals eindrucksvoll den Nachweis liefert, dass die Macher von Vikings die Umsetzung von packenden Kampfszenen wie niemand anderes im Geschäft beherrschen. Die Wikinger nähern sich zunächst vorsichtig der Hügelspitze, die in Nebel getaucht ist, wodurch das Sichtfeld stark eingeschränkt ist. Torstein opfert sich jedoch bereitwillig, die im Verborgenen befindlichen Engländer aus der Reserve zu locken. Dem sympathischen Wikinger wird so die letzte Ehre erwiesen und der ehrbare Tod gegönnt, der in der Welt der Wikinger und ihres nordischen Glaubens so große Bedeutung hat - ein starkes Ende für Torstein, dessen Tod ich erwartet hatte, jedoch nicht auf diese Art und Weise, weshalb ich doch positiv überrascht wurde, so tragisch sein Ende auch ist.

Surrender

Flugs entspinnt sich ein wildes Gemetzel, das wie so oft durch wunderbare Einzelaufnahmen der verschiedenen Charaktere glänzt und mit so viel Wucht inszeniert sowie einer ungewöhnlichen musikalischen Begleitung untermalt ist, dass man als Zuschauer emotional komplett in diese Szene eintauchen kann. Ragnar wird hier beinahe von einem Speer erwischt, während Bjorn (Alexander Ludwig) gerade so verhindern kann, dass Porunn (Gaia Weiss) umgebracht wird. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich die Widersacher der Wikinger erneut etwas dümmlich anstellen und sich wie auf dem Präsentierteller in einer Senke positionieren, während von einer Hügelkette aus Aethelwulfs (Moe Dunford) Bogenschützen leichtes Spiel haben. Ein paar Späher oder Wachposten hätten diese Art Hinterhalt wohl verhindern können - generell gibt es taktisch bessere Orte, um sein Lager zu errichten. So hat die insgesamt exzellente Schlachtszene einen kleinen faden Beigeschmack, da sie doch recht zweckdienlich zu Gunsten von Ragnar und seinen Mannen geschrieben ist.

Clive Standen und Travis Fimmel als Rollo und Ragnar in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History
Clive Standen und Travis Fimmel als Rollo und Ragnar in %26bdquo;Warrior%26#039;s Fate%26ldquo;. © History

Fight no more

Der Kampf wird also gewonnen und Kwenthrith zeigt sich gnädig ihrem Bruder gegenüber, was etwas eigenartig anmutet und vielleicht mit einem uns noch unbekannten Plan ihrerseits verbunden ist. Ragnar hat für Burgred derweil nur einen heftigen Kopfstoß übrig, denn er muss sich weitaus wichtigeren Dingen als dessen Betteleien kümmern. Floki macht Ragnar nämlich für den Tod von Torstein verantwortlich, der in seinen Augen umsonst sein Leben für Ragnars Ziele gelassen hat. Der Konflikt zwischen den beiden nimmt so weiter Form an, während auch Porunns Schicksal für neue Sorgenfalten bei Ragnar sorgt.

Diese ist nämlich schwer im Gesicht verletzt worden und Bjorn bangt um ihr Leben. Als dieser jedoch seinem Vater erzählt, dass Porunn schwanger ist, zeigt sich Ragnar wütend. Sein Sohn ist seiner Verantwortung als Ehemann und Vater nicht nachgekommen, und so muss er sich eine ordentliche Standpauke anhören, bis Rollo (Clive Standen) dann etwas beschwichtigend die Wogen wieder glätten kann. Bei Ragnar schwingt hier wohl zum einen der Frust mit, dass sein Sohn einen möglichen Erben verlieren könnte, zum anderen aber wohl auch, dass er eine Art Spiegelbild von sich selbst sieht. Auch er ist seiner Verantwortung als Anführer der Nordmänner nicht vollends gerecht geworden, zahlreiche seiner Wikinger und engen Freunde haben bereits ihr Leben gelassen, um seine persönlichen Ziele in die Tat umzusetzen. Es brodelt immer mehr im Lager der Wikinger und so erwartet man mit Spannung, wann es zur endgültigen Eskalation kommen wird.

Fazit

Die Episode Warrior's Fate vereint zahlreiche Stärken der Historenserie Vikings in sich und überzeugt so in mehrfacher Hinsicht. Ob es nun die vielen ansprechenden Momente zwischen den verschiedenen Figuren sind, die zumeist nur ein kleiner Vorgeschmack sind, was uns bevorstehen könnte, oder auch die audiovisuelle Umsetzung vieler Szenen vor herrlichen Kulissen - diese Episode von „Vikings“ ist die bisher stärkste der noch recht jungen dritten Staffel. Hier und da leistet man sich ein paar fragwürdige Augenblicke, die jedoch nicht weiter ins Gewicht fallen, da das Gesamtbild extrem zufriedenstellend ist und das Warten auf eine neue Folge der History-Serie sehr schwer macht. So kann es gerne weitergehen.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 6. März 2015
Episode
Staffel 3, Episode 3
(Vikings 3x03)
Deutscher Titel der Episode
Das Schicksal eines Kriegers
Titel der Episode im Original
Warrior's Fate
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 5. März 2015 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Jeff Woolnough

Schauspieler in der Episode Vikings 3x03

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