Vikings 3x01

Vikings 3x01

Der Auftakt zur dritten Staffel von Vikings gestaltetet sich eher verhalten, doch das hat auch seine Vorzüge. Während uns die Folgen der zweiten Staffel vor Augen geführt werden, bahnen sich im Hintergrund bereits neue Konflikte und Sorgen an.

Wie der Vater, so der Sohn? Ragnar (Travis Fimmel) im Gespräch mit Bjorn (Alexander Ludwig). / (c) History
Wie der Vater, so der Sohn? Ragnar (Travis Fimmel) im Gespräch mit Bjorn (Alexander Ludwig). / (c) History
© (c) History

Lang genug mussten die Fans der beliebten History-Serie Vikings auf die dritte Staffel des beliebten Historiendramas warten. Mit der Auftaktepisode Mercenary entführt uns das Autorenteam um Serienschöpfer Michael Hirst nun abermals in die raue, graue Welt der Wikinger um Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel), der über zwei Staffel einen steinigen Weg hinter sich gebracht hat und nach dem Ende Horiks (Donal Logue) im Finale der zweiten Staffel (The Lord's Prayer) nun zum König über die Nordmänner aufgestiegen ist.

Dabei schlagen Hirst und Co. jedoch erst einmal bedächtigere Töne an und arbeiten mit einer Seelenruhe die vergangenen Ereignisse um Ragnar, dessen Mitstreiter sowie die neuen Bündnisse mit König Ecbert (Linus Roache) von Wessex auf. Während uns der Einstieg in die zweite Staffel von „Vikings“ (eine imposante Schlacht vor einer atemberaubenden Kulisse Brother's War) sofort in das Geschehen hineinzog und keine Zweifel aufkommen ließ, dass man sein Format in puncto Härte und visueller Ästhetik auf ein neues Level hieven wollte, geht man in „Mercenary“ zunächst einen etwas anderen Weg - selbst wenn am Ende eine gewohnt intensive Schlachtenszene Einzug hält.

Trapped

Man lässt es zunächst etwas ruhiger angehen, ähnlich wie unsere Hauptfigur, die sich im Lauf der Zeit immer mehr von brachialen Kriegerfürsten zum weitsichtigen Diplomaten entwickelt hat. Als ein solcher lässt Ragnar nie das bigger picture aus den Augen. Auch wenn er nach wie vor zu Schwert und Axt greift, wenn es von ihm verlangt wird oder es einfach keine andere Wahl gibt: der Ragnar, den wir hier zu sehen bekommen, ist ein neuer Typ Anführer, dessen Pläne mit den Vorstellungen einiger seiner Gefolgsleute kollidieren.

Dass die Macher in die Figurenzeichnung Ragnars und in dessen Entwicklung als Charakter viel Zeit investiert haben, zahlt sich in „Mercenary“ mehrfach aus. Der (geschorene) Wikinger ist wie bereits erwähnt zum König aufgestiegen, was neue Verantwortung mit sich bringt. Doch nicht nur politische Themen beschäftigen Ragnar, auch sein Familienleben sowie die unterkühlte Beziehung zu Aslaug (Alyssa Sutherland) stellen eine Herausforderung für ihn dar. Die Momentaufnahme, in der Ragnar liebevoll mit seinen Söhnen spielt, schwingt im Bruchteil von Sekunden in eine eher bedrückende Szene zwischen ihm und Aslaug um, in der sie seine Liebe für sie und ihren verkrüppelten Sohn Ivar infrage stellt.

Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History
Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History

Happy families

Dieser Augenblick steht beinahe symptomatisch für die gesamte erste Hälfte der Episode, die sich in der Heimat der Wikinger abspielt. Nach außen sieht alles nach ruhiger Idylle aus - insbesondere, nachdem Ragnar seine Feinde aus dem Inneren (Jarl Borg und Horik) beseitigt hat und wieder etwas Ruhe in Kattegat eingekehrt ist. Doch auf den zweiten Blick brodelt es bei vielen der Charaktere, denen die vermeintliche Ruhe alles andere als zusagt. Auch hier spielt der Aspekt neuer Verantwortungen eine große Rolle. Floki (Gustaf Skarsgard) zum Beispiel ist nun ebenfalls Vater und Ehemann, weiß aber nicht recht, ob dieses Leben zu ihm passt. So wundervoll das Familienglück sein kann, es ist trügerisch und entspricht nicht wirklich dem Leben, dass sich der impulsive Schiffsbauer vorstellt, so sehr er seine Frau Helga (Maude Hirst) und seine junge Tochter auch liebt.

Während bei Floki also leichte Selbstzweifel zu erkennen sind und er die neue Verantwortung eher scheut, nimmt sich Bjorn (Alexander Ludwig) an seinem Vater Ragnar ein Beispiel und ist bereit, die notwendigen Schritte zu machen, die von ihm verlangt werden. Seine Beziehung zu Porunn (Gaia Weiss) ist gereift, wenig später stellt sich sogar heraus, dass diese ein Kind von ihm erwartet - für Bjorn natürlich ein absoluter Grund zur Freude. Doch hier gibt es eine Schattenseite, denn mit der Aussicht auf eine Familie wachsen auch die Sorgen - um Porunn und um das ungeborene Kind. Dass Porunn mit ihm nach Wessex aufbrechen will und sich als Shieldmaiden beweisen möchte, macht es für Bjorn nicht einfacher. Dass dieses Pärchen zu Bjorns Eltern Ragnar und Lagertha widerspiegelt, dürfte keinem entgangen sein - vor allem Bjorn selbst nicht. Wie diese Beziehung endete, ist hinlänglich bekannt.

Truly equal

Viel Spektakel können wir von diesen Szenen nicht erwartet, und so geht in der ersten Hälfte von Mercenary einiges an Tempo verloren. Gleichzeitig entsteht aber der Eindruck, eine Episode wie diese könnte gerade mit Blick auf die nächsten Folgen extrem wertvoll werden, da sie gewisse Konflikte etabliert und sehr subtil eine Art Foreshadowing betreibt, das mulmig stimmt. Man schaue sich nur den Handlungsstrang um Lagertha (Katheryn Winnick) an, die sich als Earl eigentlich auf der sicheren Seite wähnt, während im Hintergrund von einem ihrer treuen Gefolgsleute eine Revolte geplant wird, um sie als Herrscherin wieder abzusetzen.

Die Macher scheinen uns hier ein wenig einlullen zu wollen, doch genau wie einige der Charaktere, deren angespannten Blicken man ansieht, wie unsicher und skeptisch sie wirklich sind, genießen wir die neuesten Entwicklungen in Vikings mit großer Vorsicht. Die düsteren Prophezeihungen des Sehers zu Beginn der Episode mögen wie immer sehr kryptisch sein und nicht nur Lagertha vor viele Fragen stellen. Dennoch tragen sie geschickt dazu bei, dass wir davon ausgehen, dass der Scheint trügt und wir keiner der Figuren leichtfertig unser Vertrauen schenken sollten.

Dead meat

Zu diesen gehört mit Sicherheit auch Ecbert, der in der zweiten Hälfte der Episode mehr in Erscheinung tritt und sich extrem zuvorkommend gegenüber Ragnar und seiner Gefolgschaft präsentiert. Nachdem sie den Handel abgeschlossen hatten, dass Ragnar und sein Volk Ländereien in England zum Bewirtschaften im Austausch für Soldaten im Kampf um Mercia und den Herrschaftsanspruch der lasziven Kwenthrith (Amy Bailey) erhalten sollten, gibt es jedoch auch an dieser Front neue Probleme. Der Onkel und der Bruder Kwenthriths haben die Truppen Ecberts zurückgeschlagen, und nun benötigt der belesene König von Wessex neue Männer, um seiner Frau ihr Königreich zu beschaffen.

Lagertha (Katheryn Winnick); Athelstan (George Blagden) und King Ecbert (Linus Roache) in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History
Lagertha (Katheryn Winnick); Athelstan (George Blagden) und King Ecbert (Linus Roache) in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History

Original agreements

Ragnar und seine Mannen lassen sich auf den angepassten Deal ein, jedoch machen sich nicht nur bei Floki und Lagertha, sondern auch bei uns Zuschauern Zweifel breit, ob Ecbert nicht doch mehr im Schilde führt, als er offen zugibt. In seinen Plänen spielt zweifelsohne erneut Athelstan (George Blagden) keine unbedeutende Rolle, der hier vornehmlich als Übersetzer zwischen den verschiedenen Parteien zum Einsatz kommt. Blagdens Charakter musste zuletzt eine wahre Tortur über sich ergehen lassen, nicht nur körperlich (wir erinnern uns an seine Kreuzigung in Eye For an Eye), sondern vor allem auch psychisch. Die Glaubensfrage wiegt nach wie vor schwer auf seinem Gemüt. Als Spielstein zwischen Ragnar und Ecbert, die beide sehr viel auf ihn und seinen Rat geben, könnte sich Athelstan abermals in einer kompromittierenden Situation wiederfinden, die seine Loyalität auf die Probe stellen könnte.

In der zweiten Staffel von „Vikings“ stellte die Handlung um Athelstan ein wechselhaftes Element des Formats dar. Gelegentlich wirkte es fast so, als würde sich der Charakter dramaturgisch auf der Stelle treten, auch wenn dessen Schmerzen und Leiden für uns als Zuschauer nachvollziehbar illustriert wurden. Nun blicke ich recht gespannt auf diese Figur, da sie über die vergangenen beiden Staffeln beide Seiten, Ragnar und Ecbert, die nordische Kultur, ihre Riten und Gottheiten kennengelernt sowie den Weg zurück zum christlichen Glauben gefunden hat. Doch wo befindet sich Athelstan jetzt? Wirklich wieder auf Seiten Ragnars - oder wird er in Versuchung geführt, sein altes Leben wieder aufzunehmen? Auch hier lässt man uns im Ungewissen und bereitet einen möglichen Konflikt vor, der als treibendes Element für das Machtverhältnis zwischen Ragnar und Ecbert dienen könnte.

Axe and plough

All diejenigen, die sich vom Auftakt der dritten Staffel von Vikings mehr Dynamik und Schwung versprochen haben, werden wohl ein wenig enttäuscht sein und auf die nächsten Episoden vertröstet. Zum Ende von Mercenary nimmt die Folge jedoch noch einmal an Tempo auf, denn Ragnar und seine Wikingerhorde begeben sich in Richtung Mercia, um sich den Truppen von Kwenthriths Verwandtschaft zu stellen. Lagertha lässt sich unterdessen die herrlich grünen Ländereien zeigen, die man ihr und ihrem Volk versprochen hat. Ecbert nutzt den kleinen Road Trip außerdem, um seine Faszination für die unabhängige Wikingerbraut kundzutun, doch derartige Komplimente fruchten bei Lagertha eher weniger. Sie tut gut daran, Ecberts freundliches Verhalten eher mit Skepsis aufzunehmen.

Auch Ragnar muss sich derweil vorsehen, sich nicht zu sehr bezirzen zu lassen und seine eigentliche Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Kwenthrith ist bei weitem nicht so unschuldig, wie sie auf den ersten Blick sein mag. Ein kleines Gedicht, das von Rollo (Clive Standen) und Floki vorgetragen wird, soll uns nur noch verdeutlichen, wie schnell eine Frau ihre Talente ausspielen kann, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Figur der Kwenthrith umgibt eine durchaus betörende und verführerische Aura, nicht nur aufgrund ihres tranceartigen Tanzes, der Torstein (Jefferson Hall) komplett verzaubert.

Considerable forces

Zum Ende von „Mercenary“ bekommen wir dann doch eine turbulente Kampfsequenz zu sehen, als sich die Wikinger über einen Fluss den Weg nach Mercia bahnen, wo sie plötzlich von einem Pfeilbeschuss überrascht werden. Der Onkel (Brihtwulf, gespielt von Ian Beattie, bekannt aus Game of Thrones) und Bruder (Burgred (Aaron Monaghan)) von Kwenthrith wollen die Angreifer in die Mangel nehmen - ein Vorhaben, das gehörig nach hinten losgeht. Eine taktische Glanzleistung war dies sicherlich nicht, denn Ragnar befiehlt einfach den Angriff auf das Flussufer, wo sich weniger Soldaten befinden.

Gustaf Skarsgard als Floki in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History
Gustaf Skarsgard als Floki in %26bdquo;Mercenary%26ldquo;. © History

Die Kampfszenen nehmen dann die gewohnte Dynamik des Formats auf. Immer wieder baut Regisseur Ken Girotti kleine Momentaufnahmen ein, in denen wir bei einzelnen Charakteren verharren, deren momentane Gedanken wir nur erahnen können. Der gekonnte Einsatz von treibender Musik reißt durchaus mit, der Kampf ist jedoch recht schnell wieder beendet und König Brihtwulf am Boden. Floki zögert nicht lange und lässt seine Axt auf ihn niederfahren, während Kwenthrith aus sicherer Entfernung den Sieg von Ragnars Meute beobachtet und ihr Bruder auf der gegenüber Seite des Flusses den Fall seines Onkels bedauert. Dass Floki dann nach der Krone Brihtwulfs greift, stellt ein bedeutungsschweres Schlussbild dar, das - wenn man es denn möchte - durchaus vielsagend interpretiert werden kann.

Fazit

Serienmacher Michael Hirst und seine Autoren entscheiden sich hinsichtlich der Auftaktepisode zur dritten Staffel von Vikings für einen sehr gemächlichen, jedoch ambivalenten Einstieg, der auf den ersten Blick vielleicht ein wenig tempoarm und zu tiefenentspannt anmutet, bei genauerer Betrachtung aber die Segel für eine womöglich noch düstere und undurchsichtigere Staffel des Historiendramas setzt. Misstrauen unter Freunden, Kampfesbrüdern und neuen Verbündeten - keine der Hauptfiguren darf sich in Sicherheit wiegen, jede muss mit Bedacht voranschreiten. Oftmals sind es in Mercenary nur kleine Details, die verdächtig stimmen und zur unheilvollen Atmosphäre dieser Folge beitragen.

Erwähnenswert sind wie immer die hervorragenden Schauwerte des Formats, in dem keine Kosten und Mühen gescheut werden, um ein authentisches Bild der Szenerie zu schaffen. Der ganz große Knall bleibt zwar aus, die sehr ruhige Inszenierung sorgt bei manch einem eventuell für Langeweile und stimmt einen gelegentlich etwas ungeduldig, doch insgesamt gestaltet sich dieser Staffelauftakt vielversprechend. Man spielt geschickt mit der Unsicherheit der Charaktere, die sich auf die Zuschauerschaft überträgt. Lässt man sich auf den speziellen, unaufgeregten Erzählstil der Episode ein, kann man „Mercenary“ sehr viel abgewinnen.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 20. Februar 2015

Vikings 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(Vikings 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Söldner
Titel der Episode im Original
Mercenary
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 19. Februar 2015 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 3x01

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