Vikings 2x09

Vikings 2x09

Die neue Vikings-Episode The Choice liefert uns die gewaltige Auseinandersetzung zwischen den Wikingern und König Ecbert, welche wir schon lange erwartet hatten. Aber auch die eher ruhige Drama-Komponente der Historienserie kommt in dieser sehenswerten Episode von Vikings nicht zu kurz.

Ragnar (Travis Fimmel) und seine Wikinger vor den Gesprächen mit King Ecbert in „The Choice“ / (c) History
Ragnar (Travis Fimmel) und seine Wikinger vor den Gesprächen mit King Ecbert in „The Choice“ / (c) History

Dem aufmerksame Zuschauer wird in den letzten Wochen sicherlich aufgefallen sein, dass man in der zweiten Staffel von Vikings eine Art Neuausrichtung des Historiendramas beobachten konnte. Darüber wurde auch bei uns auf der Seite im Kommentarbereich unter den jeweiligen Reviews viel diskutiert. Manch einer konnte der neuartigen Tonalität und dem eher sehr bedächtigen Vorantreiben der Handlung viel abgewinnen, andere sehnten sich wieder nach etwas mehr Zug und dem mitreißenden Schwung, welcher eben die erste Staffel der History-Serie so ausgezeichnet hatte.

In der neuen Episode The Choice könnten nun beide Fanlager auf ihre Kosten kommen. So entlädt sich die spannungsgeladene Situation, für welche die Serienmacher viel Zeit investiert haben, in einer fulminanten Kampfsequenz, die sicherlich nicht makellos ist, aber dennoch unglaublich mitreißen kann. Gleichzeitig wird auch hier wieder auf die undurchschaubaren Machtspielchen der einzelnen Parteien verwiesen. Außerdem kommt es zum lang erwarteten Aufeinandertreffen der entzweiten Freunde Ragnar (Travis Fimmel) und Athelstan (George Blagden). „The Choice“ reiht sich so in die lange Reihe sehr sehenswerter Vikings-Episoden ein, auch wenn sie vielleicht nicht zu den besten gehört.

We must do battle

Nachdem am Ende der letzten Episode (Boneless) Ecberts (Linus Roache) Eskorte kaltblütig niedergemetzelt wurde und nur sein Sohn den Angriff überlebte, ist der König von Wessex nun bestimmt, gegen die skandinavischen Invasoren in den Kampf zu ziehen. Athelstan versucht zwar noch, ihn von einer diplomatischen Lösung zu überzeugen, doch Ecbert sammelt bereits fleißig Informationen, mit welcher Taktik er wohl siegreich sein kann. Sobald King Aelle (Ivan Kaye) und seine Truppen eintreffen, steht der großen Auseinandersetzung nicht mehr viel im Weg.

Athelstan ist sichtlich hin- und hergerissen, welche Seite er in einem solchen Kampf unterstützen soll. Zum einen ist er ein gläubiger Christ, doch er hat auch die nordischen Gottheiten kennengelernt. Er betet dafür, dass sowohl Ragnar als auch Ecbert unbeschadet aus der sich anbahnenden Schlacht hervorgehen werden.

Auch bei den Wikingern tagt der Kriegsrat. Hier zeigt sich Ragnar zurecht weniger erfreut darüber, dass Horik (Donal Logue) sehr wahrscheinlich sämtliche Chancen auf friedvolle Gespräche mit Ecbert zunichte gemacht hat. Nun bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in den offenen Kampf zu gehen, sehr zur Freude von Horik und sehr zur Verärgerung von Ragnar. Zusätzlich wird der Wikingerkönig erneut in ein verdächtiges Licht gerückt, denn als sich Ragnar mit seinem Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) unterhält, scheint Horik sofort wieder zu intrigieren und Floki (Gustaf Skarsgard) in seinen Bann zu ziehen.

Durch die Erzählung der Legende von Odins liebsten Sohn Baldur und wie dieser von dem zwielichtigen Loki zu Fall gebracht wurde, wird eindeutig eine Parallele zu Ragnar und Bjorn gezogen. Das die Namen Loki und Floki sich nicht wirklich viel nehmen, gibt einem ein mulmiges Gefühl, welche Pläne Horik in Wahrheit verfolgt. Auf jeden Fall herrscht gleich zu Beginn von The Choice eine gesunde Anspannung vor, welche den Zuschauer gepackt dranbleiben lässt.

Live to fight another day

Diese Anspannung findet dann unmittelbar vor der großen Schlacht zwischen den Wikingern und Engländern ihre vorzeitigen Höhepunkt. In den grünen Hügeln von Wessex wird es zum Kampf kommen, doch Ragnar ist eher vorsichtig, und auch wir Zuschauer sind uns sicher, dass hier eine Falle auf die Nordmänner wartet. Doch Horik prescht ungestüm voran, und ehe sich die erstaunlich große Wikingerschar versieht, findet sie sich von allen Seiten eingekesselt und der brachialen Kavallerie der Engländer ausgesetzt.

Mitten im Kampf: Ragnar (Travis Fimmel) und Sohnemann Bjorn (Alexander Ludwig). © History
Mitten im Kampf: Ragnar (Travis Fimmel) und Sohnemann Bjorn (Alexander Ludwig). © History

An dieser Stelle muss man schon ein wenig Kritik üben, denn Horik, welcher uns bis dato als intelligent und kalkulierend präsentiert wurde, fällt hier doch ein wenig zu einfach auf Ecberts Falle herein. Sicherlich ist sein Verlangen nach Vergeltung sehr groß, doch dass er so in blind in sein mögliches Verderben rennen würde, hätte man nicht unbedingt erwarten können.

Ansonsten ist das blutige Scharmützel zwischen den englischen Soldaten und der Wikingerbrut unterhaltsam und mitreißend, wie es den Seriemachern schon oft zuvor gelungen ist. Immer wieder wird kurz inne gehalten, einzelne Charaktere bekommen Spielraum, durch fulminante Aktionen zu glänzen. Sicherlich ist der Kampf etwas übertrieben inszeniert, dennoch ist man als Zuschauer voll drin und kann sich kaum an den sehenswerten Kampfchoreographien satt sehen. Zusätzlich herrscht das Gefühl vor, dass hier tatsächlich eine Gefahr für Ragnar und Co. besteht. Die Taktik der Engländer ist ausgereifter und nur Ragnar erkennt die Unterlegenheit seiner Mannen. Als dann auch noch Rollo (Clive Standen) brutalst von der gegnerischen Reiterei niedergetrampelt wird, stockt einem kurz der Atem. Es ist schon erstaunlich, dass man derartig für Rollo fühlt, hätte man ihm doch zu Beginn der Staffel noch den Tod erwünscht. Die Wikinger ergreifen die Flucht, die Schlacht ist verloren und Ragnar und Bjorn müssen Rollo auf dem Schlachtfeld zurücklassen.

Good to see you

Die unbarmherzigen Wikinger können also auch einen Kampf verlieren, selbst wenn sie in diesem Fall durch das falsche Handeln Horiks nicht ganz Unschuld an ihrer eigenen Niederlage sind. Nun müssen sie erst einmal ihre Wunden lecken. Insbesondere Bjorn hat sich gut geschlagen und bekommt von seinem Vater ein Lob ausgesprochen. Doch der junge Hüne ist wütend, hat man doch anscheinend Rollo verloren. Lagertha (Katheryn Winnick) fordert dann eine klare Ansage, wie es nun weitergehen soll. Während Bjorn um keinen Preis seinen Onkel zurücklassen will, hat Ragnar nur Hohn für Horik übrig.

Ein netter Bonus ist dann noch ein kleiner geschichtlicher Verweis, auf welchen viele Fans der Serie schon lange gewartet haben: Da sich Bjorn im Kampf so formidabel geschlagen hat, bekommt er von seinem Vater den Beinamen „Ironside“ verpasst. Hobbyhistoriker wissen sogleich, dass Bjorn Ironside oder auch Bjorn Jarnsida eine bedeutenden Figur in der Geschichte der Wikingerkultur war, wobei sich auch viele Legenden um den einstigen König von Schweden ranken.

In der Zwischenzeit streift Athelstan über das blutige Schlachtfeld und macht dort den schwer verwundeten Rollo aus. Dieser wird zu King Ecberts Sitz gebracht und dort erst einmal verarztet. Die Engländer feiern hier ihren Sieg ausschweifend, insbesondere King Aelle lässt die Korken knallen. Der weitsichtige Ecbert plant derweil jedoch schon seinen nächsten Schritt, denn anstelle die Wikinger endgültig auszumerzen und so nur weitere Herrscharen von diesen nach England zu locken, will er mit Ragnar in Friedensverhandlungen treten. Ein durchdachter Schachzug Ecberts, dessen Charakter es vermag, der Serie das gewisse Etwas zu geben.

King Aelle (Ivan Kaye) und King Ecbert (Linus Roache) gehen als Sieger vom Schlachtfeld. © History
King Aelle (Ivan Kaye) und King Ecbert (Linus Roache) gehen als Sieger vom Schlachtfeld. © History

Doch wer soll die Wikinger von dem Friedensangebot in Kenntnis setzen? Die Wahl fällt auf Athelstan, welcher sich zuvor vom stark geschwächten Rollo hat sagen lassen müssen, dass er ein Verräter sei. So überbringt er Ragnar und dem Rest der Nordmänner Ecberts Nachricht, auf welche sich Ersterer sogleich einlässt. Es kommt dann zur lange erwarteten Wiedervereinigung von Ragnar und Athelstan.

Deren beide Darsteller gefallen in dieser Szene durch eine sehr ruhige und einfache Darbietung, welche nicht viele Worte benötigt, um deutlich zu machen, dass sich beide gegenseitig sehr wichtig sind. Manch einer hätte sich vielleicht eine dramatischere Auflösung dieses Plotelements gewünscht, doch dem Rezensenten gefällt, mit welchen einfachen Mitteln die innige Freundschaft zwischen Ragnar und Athelstan charakterisiert wird, auch wenn es sicherlich Potential gab, noch mehr aus dieser Szene herauszuholen.

Trust

So lassen sich die Wikinger um Ragnar auf Verhandlungen mit Ecbert ein, obwohl gerade Horik vehement dagegen ist. Doch Ragnar sieht die Chance einer friedlichen Lösung, auch, weil er so seinen Bruder Rollo, der zur Erleichterung vieler Wikinger noch lebt, zurückgewinnen kann. Es werden erneut Geiseln ausgetauscht, und auf Seiten der Engländer muss dieses Mal der füllige King Aelle herhalten, was sich erneut als gut durchdacht von Ecbert herausstellt, kann er den impulsiven Herrscher von Northumbria wohl kaum bei den Friedensverhandlungen mit den Wikingern gebrauchen.

Unter den Wikingern herrscht weiter Zwietracht, insbesondere zwischen Floki und Ragnar, deren Verhältnis zueinander immer problematischer zu werden scheint. Dabei hat Floki nicht unrecht, kann er doch Ragnars Einsatz für den ehemaligen Verräter Rollo und den neuerliche Verräter Athelstan nicht nachvollziehen. Aber auch Ragnar hat Gründe, warum sein Vertrauen in Floki erschüttert sein sollte, distanziert sich dieser doch immer mehr von seinem einstigen Freund.

You are all welcome

Ecberts Angebot stellt sich dann als sehr verlockend heraus, sollen doch die Wikinger für eine erfolgreiche Friedensschließung nicht nur sehr viel Gold, sondern auch wertvolles Land in England bekommen. Ragnar sagt hier sofort zu, und auch Lagertha geht den Handel ein. Allein Horik ist unzufrieden, kann sich aber letztendlich gegen seine Mitanführer nicht durchsetzen.

Während die exzentrische Prinzessin Kwenthrtih (Amy Bailey) aus Mercia eine Viehbeschauung der nordischen Söldner durchführt, welche sich wiederum zuvor für eine hohe Entlohnung freiwillig für den Kampf um Mercia gemeldet hatten, brechen die Wikinger erst einmal wieder gen Skandinavien auf. Dort hat sich Bjorns Liebe Porunn (Gaia Weiss) zu einer angehenden Shieldmaiden gemausert. Sie bekommt sogar von Aslaug (Alyssa Sutherland) die Freiheit geschenkt und muss nicht weiter als Haussklavin ihr Leben fristen. Aslaug gewinnt hier abermals an Sympathiepunkten, aber auch die Figur Porunn gestaltet sich als interessant. Sie löst sich von ihrem alten Leben als Sklavin und wer möchte, kann hier schon einige Parallelen zu Lagertha erkennen, und zwar nicht nur optisch. Es wird interessant zu sehen sein, welche Rolle Porunn zukünftig spielen wird, sowohl für Bjorn als auch für die übergreifende Handlung.

Horiks (Donal Logue) wahre Pläne liegen weiterhin im Verborgenen... © History
Horiks (Donal Logue) wahre Pläne liegen weiterhin im Verborgenen... © History

Am Ende von The Choice finden sich die Wikinger um Ragnar wieder in Kattegat ein. An ihrer Seite: Athelstan, welcher sich für Ragnar und gegen Ecbert entschieden hat. Die erneute Zusammenführung der einzelnen Figuren gelingt und stimmt den Zuschauer freudig. Es schleichen sich jedoch gleich wieder einige unheilvolle Vorahnungen ein, denn Horik schmiedet weiter seine finsteren Pläne, und Floki scheint in diesen keine unwesentliche Rolle zu spielen. Der Konflikt zwischen Ragnar und Ecbert ist erst einmal gelöst, doch es lauern vor dem Finale der zweiten Staffel von Vikings noch einige Gefahren auf Ragnar, und diese gehen wohl vor allem aus seinen eigenen Reihen hervor.

Fazit

Eine gewohnt packenden Kampfsequenz, die eventuell ein wenig überinszeniert aber nicht minder mitreißend ist, zahlreiche Charaktermomente, die uns angesichts des Staffelfinals verheißungsvoll stimmen, überzeugende schauspielerische Darbietungen - die neue Vikings-Episode The Choice bietet dem Zuschauer eine bunte Mischung aus den alten und neuen Stärken des Historienformats und weiß so zu überzeugen. Dabei könnte die neunte Episode schon fast als ein kleines Finale durchgehen, aber es kann auch hier noch an ein paar Ecken gefeilt werden.

Einige Zuschauer hatten sich vielleicht noch mehr von dem Aufeinandertreffen der Wikinger und den Engländer erwartet, andere wiederum wären vielleicht sehr gerne noch ausführlicher in die Wiedervereinigung und Beziehung zwischen Ragnar und Athelstan eingetaucht. Hier werden die Meinungen der Zuschauer auseinandergehen, doch insgesamt hat The Choice viele interessante Aspekte anzubieten, die den Autoren dieser Rezension sehr zufrieden stimmen. Die Frage ist nun natürlich, was uns in der letzten Episode erwartet. Der England-Handlungsbogen scheint vorerst beendet, also dürfen wir uns wohl auf abermalige Spannungen zwischen Ragnar und Horik freuen. Ob diese eventuell sogar fatale Konsequenzen nach sich ziehen werden, steht natürlich in den Sternen.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 25. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 9
(Vikings 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Die Wahl
Titel der Episode im Original
The Choice
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 24. April 2014 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. Juni 2014
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 2x09

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