Vikings 2x08

Vikings 2x08

Auch in der Vikings-Episode Boneless verzichtet man auf ausartendes Kampfscharmützel, vielmehr bereitet man uns stimmungsvoll und positiv unaufgeregt auf das große Finale der zweiten Staffel des Historiendramas vor. Die Anspannung unter den verschiedenen Figuren ist dabei greifbar.

Spannungsgeladene Allianz: Ragnar, Horik und Lagertha in „Boneless“, der achten Episode der zweiten Staffel von „Vikings“ / (c) History
Spannungsgeladene Allianz: Ragnar, Horik und Lagertha in „Boneless“, der achten Episode der zweiten Staffel von „Vikings“ / (c) History

Es ist schon fast ein wenig erstaunlich, dass Vikings in der zweiten Staffel konsequent weiter an seinem Profil feilt und sich so mit Leichtigkeit von dem vielen Einheitsbrei der aktuellen Serienlandschaft abheben kann. Zwar mag der eine oder andere mit Affinität für die sehr unterhaltsamen Auseinandersetzungen mit Axt und Schwert in den letzten Episoden ein wenig in die Röhre geschaut haben. Doch dafür punktet die History-Serie mit einer neuen Seite, welche im Laufe der aktuellen Staffel immer prominenter in den Vordergrund gerückt ist.

Insbesondere die letzten Episoden haben deutlich gemacht, dass die Serienmacher immer größeres Augenmerk auf eine packende Atmosphäre und eine stimmungsvolle Inszenierung legen. Diese beiden Aspekte waren nie wirklich eine Schwäche der Serie, doch es ist durchaus interessant zu sehen, was die Verantwortlichen mit ihrer originellen Inszenierung aus Vikings herausholen. So gestaltet sich nämlich auch Boneless trotz einiger kleiner Schönheitsfehler als eine sehenswert gefilmte und äußerst interessante Episode des Wikingerepos. Zusätzlich werden uns ein paar düstere Ankündigungen und Andeutungen präsentiert, die uns gespannt auf den Abschluss der zweiten Staffel von „Vikings“ blicken lassen.

He is my son

Nachdem wir in der letzten Episode (Blood Eagle) zum einen daran erinnert wurden, dass Ragnar (Travis Fimmel) durchaus monströse Eigenschaften in sich trägt und zum anderen, dass ihm sein Fehlverhalten gegenüber seiner schwangeren Frau Aslaug (Alyssa Sutherland) wohl ein Monster von einem Sohn bescheren wird, starten wir in Boneless mit eben jener Geburt. Diese Prozedur stellt sich für Aslaug als äußerst schmerzvoll heraus, selbst Ragnar leidet mir ihr. Obwohl man nicht genau sagen kann, ob er ihren Schmerz nachempfindet und aufrichtig um ihr Leben bangt oder ob er sich auch reumütig an Aslaugs Prophezeiung erinnert und unter anderem auch deshalb so mitgenommen aussieht.

Die Geburt gelingt glücklicherweise und Mutter und Kind sind wohlauf. Doch Aslaugs Prophezeiung hat sich bewahrheitet, womit wieder einmal dezent die mystische Komponente des History-Dramas in den Fokus gerückt wird. Ragnars Sohn kommt nämlich mit einer schweren Behinderung auf die Welt, welche ihn in Zukunft das Laufen wohl unmöglich machen wird. Allein die ersten Minuten von Boneless stehen exemplarisch für die neuerlich erscheinende Art der Inszenierung in Vikings. Dabei wird viel mit verlangsamten Aufnahmen und den wie immer sehr eindringlichen musikalischen Begleitstücken gearbeitet, welche uns in ihrer Kombination tief in die jeweiligen Szenen eintauchen lassen. Sequenzen dieser Art lassen sich in „Boneless“ zuhauf finden und mausern sich langsam aber sicher zu einem distinktiven Merkmal des Historiendramas.

Ragnar selbst findet sich in einer schwierigen Situation wieder, weiß er doch, dass seinem neugeborenen Sohn ein furchtbares Leben bevorsteht. Wir als Zuschauer bekommen erst später in der Episode eine Vorstellung davon, wie sehr der kleine Ivar wirklich gezeichnet ist, doch bereits vorher begeben wir uns mit Ragnar in dessen dunkelstes Seelenkämmerchen. Dabei stellt sich Ragnar die Frage, ob er seinem Sohn töten und ihm so ein qualvolles Leben ersparen soll, oder ob er wie Aslaug Ivar akzeptiert wie er ist und ihn in sein Herz schließt. Der Held beziehungsweise Antiheld von Vikings hat uns in dieser Staffel schon so einige Dinge miterleben lassen. Hier hofft man inständig, dass er das Neugeborene nicht tötet und so über sich hinauswachsen kann. Das tut Ragnar dann auch, und wieder mal spielen die Serienmacher so mit den Sympathien der Zuschauer für Ragnar. Von diesen hatte er bisher einige einbüßen müssen, doch Ragnar zeigt auch immer wieder, warum wir nach wie vor mit ihm mitfiebern und seinen Gemütszustand nachvollziehen können. Dieser Balanceakt, wie wir als Zuschauer Ragnar immer wieder verschiedenartig wahrnehmen, gelingt abermals in Boneless, woran natürlich auch Travis Fimmels überzeugendes Schauspiel Anteil hat.

That's how brave you are

Während sich Ragnar aufgrund seines derzeitigen Befindens ein wenig zurückzieht und im stillen Kämmerchen vor sich hinbrütet, geht das muntere Treiben in Kattegat unentwegt weiter. So erhalten wir erneut einen Einblick in Horiks (Donal Logue) Charakter, deren Zweifel gegenüber Ragnar immer mehr zu wachsen scheinen und welcher in Lagertha (Katheryn Winnick) eine weitere Befürwörterin im Kampf gegen Ragnars Egozentrik findet. Dabei registriert auch Lagertha, dass ihr Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) sich langsam immer mehr in Kattegat eingelebt hat und eine Beziehung mit der Dienerin Porunn (Gaia Weiss) eingegangen ist.

Besondere Beziehung zwischen Neffe und Onkel: Bjorn (Alexander Ludwig) und Rollo (Clive Standen) © History
Besondere Beziehung zwischen Neffe und Onkel: Bjorn (Alexander Ludwig) und Rollo (Clive Standen) © History

Die Figur Bjorn ist ein Trumpf, welcher bis dato noch nicht so recht ausgespielt werden konnte. Viele Zuschauer haben sich von Ragnars Sohn einiges erwartet. Bjorn konnte auch bereits glänzen, doch ist es weiter wichtig, dem jungen Wikinger noch mehr Profil zu geben. Interessant ist zweifelsohne, dass er eine bessere und vielleicht sogar innigere Beziehung zu seinem Onkel Rollo (Clive Standen) hat als zu seinem Vater Ragnar. Dennoch streuen die Serienmacher eine interessante Szene ein, als Bjorn mi Rollo am Strand trainiert und dabei die Illusion entsteht, dass Rollo seinen eigenen Neffen umbringt. Bjorns Wunden sind dabei in Wirklichkeit gar nicht existent und die Bildsprache lässt uns grübeln, was man dem Zuschauer damit sagen will. Ist es nur ein nachempfundener Kampf um Leben und Tod, um so ein angemessenes Training abzuhalten? Oder steckt mehr hinter dieser kleinen Szene, die als ein Blick in die entfernte Zukunft gelesen werden könnte?

Lagertha macht sich derweil erst einmal zurück in ihr neues Dorf, wo sie seit kurzem erst zum Earl aufgestiegen ist. In einer verführerischen Szene macht sie uns dann erneut deutlich, wie viel Präsenz und Macht von ihrer Figur ausgeht. Den gezückten Dolch, mit welchem sie von ihrem Verehrer bedroht wird und den sie spielend leicht von sich wegschieben kann, als Phallussymbol zu deuten, mag vielleicht ein wenig weithergeholt sein. Doch Lagertha festigt ihre charakterliche Integrität und zeigt uns dann, dass wirklich niemand über ihr steht, ob diese Person nun weiblich oder vor allem männlich ist.

Fratricide

Es ist an der Zeit, einen Blick auf die Handlung in Wessex zu werfen, ergeben sich doch auch dort einige neue und vor allem interessante Situationen. In der letzten Folge hatten King Ecbert (Linus Roache) und King Aelle (Ivan Kaye) noch eine Allianz geschlossen und sich dazu bereit erklärt, gemeinsam das benachbarte Königreich Mercia zu übernehmen. Jetzt erwartet Ecbert Besuch und zwar von keiner geringeren als Prinzessin Kwenthrith (Amy Bailey) aus Mercia, welche sogleich einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt und unter anderem bei Athelstan (George Blagden) für ein wenig Verwirrung sorgt.

Nicht nur, dass sie mit ihren äußerlichen Reizen so manchen den Kopf verdreht, auch charakterlich könnte uns hier neben Lagertha und Aslaug eine weitere äußerst interessante Frauenfigur bevorstehen. Ihr Einführung als unstillbare Nymphomanin mag vielleicht ein wenig übertrieben sein, so amüsant es gleichzeitig auch ist, denkt man zum Beispiel an den erschöpften Ecbert nach dem Liebesspiel. Es ist viel mehr der aufgeschlossene Charakter Kwenthtriths und ihre Offenheit, die uns leichte Parallelen zu dem ambitionierten Ecbert erkennen lassen. Auch diese beiden gehen am Ende des Tages eine Allianz ein, in der Ecbert Kwenthrith in ihrem Kampf um die Macht in Mercia beistehen wird, um so selbst seine persönliche Agenda weiterverfolgen zu können.

Zwischen Kwenthrith (Amy Bailey) und Ecbert (Linus Roache) bahnt sich ebenfalls eine neue Allianz an. © History
Zwischen Kwenthrith (Amy Bailey) und Ecbert (Linus Roache) bahnt sich ebenfalls eine neue Allianz an. © History

More worth than gold and silver

Zurück in Kattegat haben sich die Wikinger versammelt und bereiten ihre Abreise gen England vor, sowohl körperlich als auch spirituell mit einem Ritual. Auch diese umfangreiche Szene, in der viel zwischen den einzelnen Charakteren hin- und hergesprungen wird und in der die Macher getreu dem Motto „Show, don't tell.“ uns einen Überblick verschaffen, wie angespannt die Situation unter den Wikingern wirklich ist, gestaltet sich nicht nur als toll gefilmt, sondern vor allem auch als sehr vielsagend.

Auch hier steht erneut die Atmosphäre im Vordergrund, die uns wiederum eindeutig vermittelt, dass die Interessen der einzelnen Parteien unter den Wikinger in direkten Konflikten miteinander stehen. Ragnar akzeptiert das Schicksal seines Sohns Ivar, dessen schreckliche Behinderung nun zum ersten Mal für uns ersichtlich wird. Lagertha feiert ihre erneute Rückkehr nach Kattegat, wo sie immer noch sehr beliebt ist. Bjorn verabschiedet sich von seiner neuen Liebe Porunn und Rollo scheint der untreuen Siggy (Jessalyn Gilsig) zu vergeben. Doch die interessanteste Personalie ist hier wohl Floki (Gustaf Skarsgard), dessen Abkehr von seinem einstigen besten Freund Ragnar immer konkretere Züge annimmt. Floki sieht in Horik, welcher jetzt schon seit längerer Zeit clever die Geschicke innerhalb der Wikingerbande zu seinen Gunsten manipuliert, einen besseren Verbündeten als Ragnar und jemanden, der die dunklen Götter Flokis besser versteht als sein ehemaliger Anführer. Außerdem scheint Horik auch mehr Wertschätzung für Floki übrig zu haben und so entsteht der Eindruck, dass die beiden durchaus auf einer gemeinsamen Wellenlänge liegen. Was dies für Ragnar bedeutet, bleibt abzuwarten.

Diese übergreifende Sequenz, in der wir auf sehr subtile Weise in die verschiedenen Charakterdynamiken innerhalb der Wikinger eintauchen, endet dann in der Abreise der Nordmänner in Richtung England. Ragnar und Co. haben eine stattliche Flotte versammeln können, doch es herrscht spürbare Uneinigkeit unter den einzelnen Anführern Ragnar, Horik und Lagertha. Insbesondere Ragnar und Horik standen und stehen im direkten Interessenkonflikt zueinander, denn allein Lagerthas zukünftige Position verspricht noch einiges an Spannung zu garantieren und eventuell sogar neue Konflikte zu generieren.

Not equals

Die Wikinger sind also in See gestochen und selbst während der Überfahrt wird man das Gefühl nicht los, dass es nicht mehr lange braucht, bis sich die explosive Stimmung zwischen Ragnar und Horik entlädt. In England angekommen hat man dann rasch ein neues Lager errichtet, und auch Ecbert ist schon informiert, dass eine große Schar Nordmänner an der Küste von Wessex an Land gegangen ist. Dies teilt er auch Athelstan mit, womit sich die Auflösung einer Frage anbahnt, welche uns schon länger durch den Kopf geht: Wie wird sich Athelstan entscheiden, für den gütigen Ecbert oder seinen treuen Freund Ragnar? Auch von dem Aufeinandertreffen von Athelstan und Ragnar können wir sicherlich einiges erwarten, denn so sicher kann man sich definitiv nicht mehr sein, wie sich der ehemalige und jetzt wieder bekehrte Christ seinem heidnischen Freund präsentieren wird.

Neue Verbündete? Floki (Gustaf Skarsgard) und Wikingerkönig Horik (Donal Logue) © History
Neue Verbündete? Floki (Gustaf Skarsgard) und Wikingerkönig Horik (Donal Logue) © History

Da wirkt die Übergabe des Wikingerarmreifs von Athelstan, welchen er einst von Ragnar als Zeichen seiner Zugehörigkeit zu den Wikingern erhalten hatte, durch Ecberts Sohn Aethelwulfs (Moe Dunford) fast schon ein wenig arg symbolisch, dass der Bruch zwischen Ragnar und Athelstan dauerhaft sein könnte. Doch Ragnar schöpft vor allem erst einmal Hoffnung, denn Athelstan ist nun mal nicht tot, so, wie es ihm Horik vorher noch berichtet hatte. Mit Ecberts Sohns Aethelwulf kommen sie dann zur Übereinkunft, in Verhandlungen mit dem König von Wessex zu treten. Im Vorhinein zeigte sich schon Horik angesichts Ragnars alleiniger Entscheidung, das diplomatische Gespräch mit Ecbert zu suchen, verärgert, und auch Lagertha gab dem Wikingerkönig recht, dass Ragnars Solotrip so nicht zu dulden ist.

Für Horik scheint das Fass nun endgültig übergelaufen zu sein, ordert er doch einen womöglich folgenschweren Hinterhalt auf die Eskorte um Aethelwulf an. Dieser wird zwar von Horiks Sohn und seinen Mannen im Gegensatz zu Ecberts Soldaten verschont, doch die Botschaft dieses gnadenlosen Angriffs ist eindeutig. Lockere Friedensgespräche zwischen Ragnar und Ecbert scheinen nun nahezu ausgeschlossen, und Horik wird wohl doch endlich das bekommen, wonach er sich schon seit langer Zeit sehnt: Rache und Vergeltung im offenen Kampf mit den Engländern.

Fazit

Den Weg zum großen Finale der zweiten Staffel von Vikings haben die Verantwortlichen schon vor einigen Wochen eingeschlagen, doch langsam scheint sich der wohl spannungsgeladene Ausgang all dieser angedeuteten Konflikte zu manifestieren. Manch einer wartet vielleicht sogar schon etwas ungeduldig auf den großen Knall, andere erfreuen sich an den unheilvollen Nuancen, die auf ein unschönes Ende schließen lassen.

Der Rezensent gehört zu den Letzteren, denn Vikings schafft es Woche für Woche stilsicher die Anspannung hochzuhalten, kleine Nebengeschichten einzuweben, aber dabei auch nicht den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Dramaturgisch gibt es hier nicht viel an der History-Serie auszusetzen und auch filmisch kann das Format immer wieder überzeugen.

Ob es nun die unaufgeregte Art ist, mit welcher die Geschichte in Bildern festgehalten wird, oder auch die konsequent umgesetzte Devise, uns zu zeigen, was in den Köpfen der einzelnen Figuren vorgeht, als es uns direkt ins Gesicht zu zeigen - beide Aspekte rücken in Vikings immer wieder in den Vordergrund und zeichnen das Historiendrama immer mehr aus. Gekonnt hat man so unsere Erwartungen in die Höhe geschraubt und den ersten Bildern zur nächsten Episode zufolge dürfen sich eingefleischte Fans wohl nun endlich auf den groß angelegten Anfang vom Ende freuen.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 21. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Vikings 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Nachgiebig
Titel der Episode im Original
Boneless
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 17. April 2014 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. Juni 2014
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Kari Skogland

Schauspieler in der Episode Vikings 2x08

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