Vikings 2x05

Erstmalig kommt der Rezensent in seiner persönlichen Meinung hinsichtlich der zweiten Staffel von Vikings und der neuesten Episode Answers in Blood ein wenig ins Hadern. Die Serienmacher erzählen ihre Geschichte konsequent weiter, lassen dabei jedoch den einen oder anderen Handlungsstrang ein wenig zu sehr schleifen und können so eigentlich nur auf einer Ebene vollends überzeugen.
Dennoch prangt eine hohe Wertung über dieser Episodenrezension, was im Folgenden näher erklärt werden soll. So gestaltet sich die Handlung um Athelstan (George Blagden) beispielsweise schwach und sie geht auch im Vergleich zur restlichen Handlung ziemlich unter. Die Geschichte um Ragnars (Travis Fimmel) Wiedereroberung von Kattegat und Lagerthas (Katheryn Winnick) Rückkehr vermögen diese Mängel jedoch nahezu komplett zu kaschieren. Dies hat die Serie starken Charaktermomenten und einer mitreißenden Schlacht zwischen Ragnars und Borgs (Thorbjorn Harr) Truppen zu verdanken. Insbesondere Ragnars Exfrau Lagertha beziehungsweise Katheryn Winnicks überzeugender Auftritt sichern Answers in Blood den Bonus, welcher die fünfte Episode der zweiten Staffel des Historiendramas sehenswert und erinnerungswürdig macht.
Everything is new now
In der letzten Episode (Eye for an Eye) trafen zum genau richtigen Zeitpunkt Lagertha und Bjorn (Alexander Ludwig) samt Verstärkung ein, um Ragnar bei seinem Kampf gegen Jarl Borg beizustehen. Die Wiedervereinigung der einzelnen Figuren hinterlässt ein gutes Gefühl, sieht man doch die bekannten Gesichter erstmals nach langer Zeit wieder miteinander vereint. Gerade Bjorn muss sich einige Schäkereien von Rollo (Clive Standen) anhören, welche die generell eher angespannte Situation ein wenig auflockern können.
Worauf der Zuschauer jedoch mehr gewartet hat, ist das abermalige Aufeinandertreffen von Lagertha und Aslaug (Alyssa Sutherland). Doch wer eine unpassende Schlammschlacht erwartet hat, wird hier eines Besseren belehrt. Insbesondere Lagertha beweist zum wiederholten Male ihre charakterliche Stärke und pflegt einen würdevollen Umgang sowohl mit Aslaug als auch mit deren beiden jungen Söhnen. Auf die Gefahr hin, dass sich der Autor im Rahmen dieser Rezension wiederholen wird, muss auch hier erneut erwähnt werden, dass Lagerthas Charakter zu einem der beeindruckendsten im gesamten Vikings-Kosmos zählt.
Die Höflichkeiten haben dann jedoch ein rasches Ende, als Ragnar hereinstürmt und einen Plan ausarbeiten will, wie man Borg endgültig besiegen kann. Dieser hat sich in Kattegat verbarrikadiert und selbst die zahlreichen Truppen Lagerthas werden wohl nicht ausreichen, ihn mit Gewissheit zu besiegen. Um Borg aus seinem sicheren Lager herauszulockern, sollen die Wintervorräte Kattegats angezündet werden. Dafür erklärt sich Ragnar höchstpersönlich bereit und nimmt sogleich seinen Sohn Bjorn mit auf diesen Sabotageakt, um sich auch ein Bild davon zu machen, wie sich dieser über die Jahre entwickelt hat.
Get up
Die Nacht- und Nebelaktion der kleine Sabotagegruppe um Ragnar, Bjorn und zwei weitere Wikinger gestaltet sich dann als atmosphärisch dicht und spannend. Der unerwartete Tod einer Wache durch den gekonnten Axtwurf von Ragnar sorgt dann sogar für einen überraschenden Lacher, so schockierend das Ergebnis dieser Szene auch sein mag. Der Plan geht trotz einiger Verluste auf und so macht sich am Folgetag Borg mit seiner Gefolgschaft auf die Jagd nach den Eindringlingen.
Was folgt, ist eine der vielen Szenen, welche der Rezensent in Vikings zu schätzen gelernt hat. Borg und seine Männer geraten in eine Falle, welche nebenbei recht morbide, aber dennoch stilsicher mit einer „untoten“ Wache eingeleitet wird. Es entspinnt sich eines der unzähligen undurchsichtigen Scharmützel, in denen die beiden verfeindeten Seiten gnadenlos aufeinander eindreschen und sich gegenseitig in Grund und Boden metzeln. Dennoch gelingt es dem Regisseur der Folge, den Fokus nicht zu verlieren, woran vor allem die spannungsgeladenen Slow-Motion-Aufnahmen von Ragnar und Borg großen Anteil haben. Beide fungieren als eine Art Aufseher, koordinieren den Kampf aus dem Hintergrund und greifen ein, wenn es von ihnen verlangt wird.
In dieser ereignisreichen und brutalen Auseinandersetzung beider Parteien kann man sich, wie so oft, im Kampfgetümmel verlieren und komplett in die einzelnen Choreografien eintauchen. Die Rückkehr der erfahrenen Lagertha, Rollos belebender Kampfeinsatz, Bjorns vielleicht etwas zu ungestümes, jedoch nicht minder brachiales Auftreten - die einzelnen Figuren liefern das Bestmögliche ab und reißen den Zuschauer so gekonnt mit. Zu den unvergleichlichen Klängen der treibenden musikalischen Untermalung, welche sich wie ein roter Faden durch Vikings zieht, fühlt man sich als passiver Beobachter beinahe schon selbst angestachelt, zur nächstbesten Axt zu greifen und sich mit in das blutige Getümmel zu stürzen. Borg erkennt am Ende seine Unterlegenheit und ergreift mit seinen restlichen Truppen die Flucht. Ragnar und seine Meute haben zwar gesiegt. Doch dessen eher trotziger Kommentar gegenüber Bjorn, dass dieser noch einiges zu lernen hat, ist nur ein erstes Anzeichen dafür, dass sich der Anführer der Wikinger in dieser Episode abermals nicht von seiner feinfühligsten Seite präsentieren wird.
Corpus Christi
An dieser Stelle bietet sich ein Blick nach Wessex an, wo Athelstan in der letzten Episode noch gerade so dem sicheren Tod am Kreuze entkommen konnte. In Answers in Blood bekommt er erneut etwas eigenen Spielraum, auch wenn sein Handlungsstrang dieses Mal nur bedingt funktioniert. Die restlichen Wikinger in England und King Ecbert rücken hier komplett in den Hintergrund, was bei dem einen oder anderen eventuell für ein paar Fragezeichen sorgen könnte. Zumindest wird später noch erklärt, dass Horik (Donal Logue) und seine Wikinger von Ecbert angegriffen und stark dezimiert wurden - doch ein wenig vermisst man die wilden Nordmänner schon. Der Fokus wird hier eindeutig auf Athelstan und seinen neuerlichen Konflikt zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen gelegt. Einzig der König von Essex erhält noch eine weitere kleine Charakterisierung. In einer Art Anhörung zeigt sich nämlich, dass er bei weitem nicht so unflexibel wie seine streng gläubigen Gefolgsleute ist und durchaus die Gesetze des heidnischen Glaubens der Wikinger nachvollziehen kann.
Es ist sicherlich nicht verkehrt, der Figur Athelstan mehr Raum zur Entfaltung zu geben. Sein Charakter ist ja aufgrund seiner Vergangenheit und offensichtlicher Zwiespältigkeit äußerst interessant. Dennoch muss man auch festhalten, dass Athelstans Geschichte in Answers in Blood einfach nicht mit der Handlung um die Wikinger im fernen Skandinavien konkurrieren kann. Athelstans innere Zerrissenheit präsentiert uns einige tiefsinnige Inhalte und bedeutungsschwere Symboliken, denen man zweifelsfrei etwas abgewinnen kann. Auch die eher übernatürliche Komponente wird hier bedient, was die neuen Zweifel des ehemaligen Priesters untermauern.
So sehr manch einer mit Athelstan auch leidet und seine Situation nachvollziehen kann, man ertappt sich immer wieder dabei, wie man sich wünscht, endlich wieder zu Ragnar und Co. zu wechseln. Diese Unausgeglichenheit der einzelnen Handlungsstränge hat in Vikings eher Seltenheitswert. Normalerweise haben die Serienmacher doch sehr gutes Geschick bewiesen, ihre Episoden entweder ausgewogen oder eben streng auf eine Handlungsebene gerichtet zu gestalten. So lassen sich hier einige ungewohnte Probleme ausmachen, die den Gesamteindruck von Answers in Blood ein wenig trüben könnten.
A sacrifice to Odin
Zurück in Kattegat werden Ragnar und sein Anhang von den Dorfbewohnern gefeiert. Borg ist besiegt und vertrieben und so werden wir Zeuge eines weiteren Wikingerrituals, von welchen man in der zweiten Staffel bis jetzt eher wenigere gesehen hatte. Hier verlangt Ragnar auch gleich, dass Bjorn seinen Mann steht und den gefangen genommenen Krieger enthauptet. Das Blut des Feindes schmieren sich die Wikinger symbolischerweise in ihre Gesichter, das bedrohliche Grummeln des Himmels samt heftigem Gewitter, welches sogleich Assoziationen zum gewaltigen Donnergott Thor hervorruft, rundet die Szenerie ab.
Ragnar sucht derweil das Gespräch mit dem Seher und zeigt dabei die uns bekannte egozentrische Seite seines Charakters, welche bereits in ein paar Folgen zuvor zu sehen war. Er möchte sich nicht zwischen Aslaug und Lagertha entscheiden, die kleine Geschichtsstunde des Sehers und dessen mahnende Worte, dass dies nicht nur seine Entscheidung wäre, ignoriert er gekonnt. Dies könnte eines Tages schwerwiegende Folgen für Ragnar nach sich ziehen und ihm sein oft sehr egoistisches Verhalten so ein Bein stellen. Zumindest verliert er im Vergleich zu seinem weiblichen Gegenüber Lagertha und auch Aslaug deutlich an Kredit in Answers in Blood.
All I have left
Ragnar genießt dann zu seiner vollsten Zufriedenheit das neue Familienleben und auch Bjorn scheint sich mit Ragnars anderen Söhnen hervorragend zu verstehen. Doch gerade an Aslaug geht die derzeitige Situation nicht spurlos vorbei, weiß sie doch, welche Probleme die neuen Umstände hervorrufen könnten. Ragnar mag keine Probleme erkennen, doch er macht sich auch auf, um mit Lagertha zu sprechen und sie von seinen Plänen, eine große Familie zu bilden, einzuweihen.
Lagertha zeigt sich jedoch weitaus weiser als Ragnar und sieht die gleichen Probleme wie Aslaug. Ragnars Naivität und Egozentrik treibt den Zuschauer schon ein wenig auf Palme. So sehr er uns sonst auch mitreißen kann und seine Cleverness und Führungskompetenzen durchscheinen - hier präsentiert er sich mal wieder von seiner schlechtesten Seite. An dieser Stelle ist ein Kompliment angebracht, denn die Serienschöpfer um Michael Hirst zeichnen ihre Hauptfigur derartig vielschichtig, dass sich der Zuschauer Woche für Woche unsicher ist, ob er ihm die Daumen drücken oder doch verfluchen soll. Das Nichtvorhandensein einer klassischen Identifikationsfigur ist gewagt und könnte den einen oder anderen stören, doch so gewinnt Vikings zum einen an Tiefe, zum anderen können andere Figuren besser glänzen.
Zu diesen anderen Figuren gehört zweifelsohne der Kritikerliebling Lagertha. Zum Ende von Answers in Blood wird deutlich, dass dies ihre Episode ist und sie von allen Charakteren wiederum den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt. Sie erteilt ihrem Sohn die Erlaubnis, an der Seite seines Vaters zu bleiben. Weil sie besser als dieser weiß, welche Spannungen ihre Präsenz in Kattegat zur Folge haben könnte, verlässt sie das Dorf und kehrt zu ihrem neuen Ehemann zurück. Während Ragnar wahrscheinlich nach wie vor nur an sich denkt, bedankt sich Aslaug bei Lagertha. Beide Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein, doch die Fähigkeiten, realistischer zu denken und vernünftiger als Ragnar zu handeln, haben sie gemein. So verlässt uns Lagertha erneut und der Zuschauer kann nur hoffen, dass sie schon bald wieder zurückkehrt, denn ihren Charakter möchte man in dem Historiendrama nur schwer missen.
Fazit
Es ist gerade das Ende von Answers in Blood, welches einige schwächere Momente in dieser Episode vergessen macht. Die Hoffnung ist groß, dass Bjorn die Charakterstärke seiner Mutter in sich trägt und sich so eine vielversprechende Dynamik zwischen ihm und seinem Vater entspinnt. Dies könnte Vikings abermals bereichern, insbesondere in den Episoden, in denen Ragnar nicht seine vortrefflichsten Charakterzüge nach außen kehrt.
Athelstans Geschichte muss erzählt werden, doch darf man sich die Frage stellen, ob dafür nicht eine andere Episode hätte gewählt werden können. Sein Schicksal geht im Vergleich zu den anderen Ereignissen in Answers in Blood ein wenig unter und kann nur durch die restliche Handlung aufgewogen werden.
Diese gestaltet sich zum einen packend, insbesondere in der tollen Kampfsequenz in der Mitte der Episode. Andererseits ist sie aber auch dramaturgisch überzeugend. Die Figur des Ragnars trägt seinen Teil dazu bei, auch wenn er sich abermals als Unsympath entpuppt und seine beiden Frauen als wahre Gewinner hervorgehen. Die Wikinger müssen sich jetzt erst einmal die Wunden lecken und werden wohl demnächst erneut einen Angriff gen Westen starten. Wohin dieser Ragnar vor allem charakterlich bringen wird, bleibt abzuwarten.
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 28. März 2014(Vikings 2x05)
Schauspieler in der Episode Vikings 2x05
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