Vikings 2x04

Vikings 2x04

In Eye for an Eye ist Ragnar gezwungen, seinen Aufenthalt in England erst einmal abzubrechen. Die neue Episode von Vikings bietet einige exzellente Charaktermomente und reichlich nachhaltiges Drama. Dadurch wird gekonnt Spannung für die folgenden Episoden aufgebaut.

King Ecbert (Linus Roache, m.) zu Tisch mit seinen Untertanen in der neuen „Vikings“-Episode „Eye for an Eye“ / (c) History
King Ecbert (Linus Roache, m.) zu Tisch mit seinen Untertanen in der neuen „Vikings“-Episode „Eye for an Eye“ / (c) History

Ragnar (Travis Fimmel) musste in der letzten Episode von Vikings (Treachery) nichtsahnend eine herbe Niederlage einstecken. So mobilisierte Jarl Borg (Thorbjorn Harr) seine Truppen, um Ragnars Dorf Kattegat zu erobern und seinen persönlichen Rachefeldzug gegen ihn einzuläuten. Dabei verstand sich „Treachery“ vor allem darauf, mit einem fulminanten Ende die Fans der History-Serie zu begeistern, auch wenn die letztwöchige Episode vorher nicht ganz in Schwung hatte kommen wollen.

Was erst letzte Woche zu bestauenen war und Serienschöpfer Michael Hirst und seinem Team jetzt mit „Eye for an Eye“ abermals gelingt, ist, dass man einzelne Episoden mit einem starken Ende versieht. Die neue Folge von „Vikings“ gefällt darüber hinaus auch im Gesamtbild ein wenig besser als die vorangegangene. Auf übertrieben blutiges Kampfgemetzel wird größtenteils verzichtet und es stehen dieses Mal mehr die einzelnen Charaktere, ihre Beziehungen untereinander und diverse verheißungsvolle Figurendynamiken im Fokus. Das tut „Vikings“ durchaus gut und zeigt abermals, dass das Format mehr als nur eine stilsichere Wikingerhatz ist.

A good sign from the Gods

Teilweise bekommt man in „Eye for an Eye“ fast den Eindruck, dass sich die Macher vielleicht ein wenig übernommen haben, springt die Episode doch munter zwischen den einzelnen Handlungssträngen der wichtigsten Figuren hin und her. Gleichzeitig gelingt es aber auch, das Interesse und die Spannung hochzuhalten, was den Verantworlichen durchaus hoch anzurechnen ist. Hier besinnt man sich nach etwas längerer Zeit mal wieder auf die Dramakomponente der Serie und bringt dadurch die einzelne Parteien in interessante Positionen. Dies könnte in naher Zukunft vielversprechende und äußerst komplexe Konflikte nach sich ziehen.

Dabei gewinnen auch die einzelnen Charaktere mehr an Profil. Rollo (Clive Standen) kommt einem dieses Mal wie ausgewechselt vor. Auf der Flucht vor Jarl Borg übernimmt er Verantwortung und zeigt sich seinem Bruder Ragnar gegenüber zutiefst demütig. Für den einen oder anderen Zuschauer kommt diese konträre Entwicklung seiner Persönlichkeit vielleicht ein wenig zu plötzlich. Doch man darf auch nicht vergessen, dass seit Rollos Verrat an seinem Bruder nun bereits mehr als vier Jahre vergangen sind und er sich von Grund auf verändert hat. Problematisch ist hier einzig der große Zeitsprung, der zwischen der ersten Episode der Staffel und der jetzigen liegt, welcher manchen Zuschauer hinsichtlich Rollos charakterlicher 180-Grad-Drehung ein wenig verwirren könnte.

Was hält die Zukunft für Jarl Borg (Thorbjorn Harr) bereit? © History
Was hält die Zukunft für Jarl Borg (Thorbjorn Harr) bereit? © History

Jarl Borg hat es sich derweil in Kattegat gemütlich gemacht und hat seine neue Herrschaft angetreten. Er will den natürlichen Standort des Dorfs für den Handel nutzen, doch sein wahrer Anreiz liegt natürlich in der endgültigen Beseitigung von Ragnar Lothbrok, welcher ihn schwer hintergeganen hatte. Jedoch ist auch Borg ein abergläubischer und gottesfürchtiger Wikinger, also sucht er den Seher von Kattegat auf, um Einblick in seine eigene Zukunft zu erhalten.

Die Aussagen des Sehers stimmen ihn zuversichtlich, doch der aufmerksame Zuschauer erkennt, dass die Worte der unheimlichen Gestalt mehr Warnung als positive Prophezeiung sind. Borg mag ein ambitionierter und stolzer Vertreter seiner Zunft sein, doch dieser Stolz und seine damit verbundene Eitelkeit, die er unter anderem auch Ragnar vorwirft, könnte ihm selbst im Wege stehen. Unterstützt wird diese Vermutung durch den Skelettkopf eines Vogels in den Händen des Sehers, welcher von einem prophezeiten Adler stammen könnte und dessen Eigenschaften er mit denen von Borg vergleicht.

Now we are equal

In Wessex, England plant König Ecbert (Linus Roache) unterdessen seinen nächsten Schachzug. Er sucht das Gespräch mit den Wikingern, um sich so ihrer wahren Absichten klar zu werden. So kommt es nach einem einvernehmlichen Geiselaustausch als Sicherheit für beide Seiten zu einem von vielen schon heiß ersehnten ersten Zusammentreffen von Ecbert und Ragnar. Dieses mag zwar nicht äußerst spektakulär verlaufen, doch wird ohne Zweifel auch deutlich, dass wir es hier mit zwei sehr ambitionierten und starken Figuren zu tun haben. Ecbert hält wie immer in den Baderäumlichkeiten seines Schlosses Hof und lädt Ragnar sogleich ein, ihm im wohltemperierten Nass Gesellschaft zu leisten.

Die Situation ist für den Wikinger recht befremdlich, doch genau wie Ecbert ist er ein selbstbewusster und selbstsicherer Zeitgenosse und so landen recht zügig die Karten auf dem Tisch. Ecbert stellt Ragnar eine mögliche Allianz in Aussicht, womit Ragnar sein Ziel von einem neuen Zuhause mit bestellbarem Land näherkommen könnte. Dafür muss er sich mit seinen Kriegern jedoch Ecbert anschließen, welcher selbst große Pläne zu verfolgen scheint. Die Anspannung, welche während dieses Gespräches herrscht, ist greifbar und macht Lust auf mehr solcher Auseinandersetzungen zwischen dem undurchsichtigen König von Wessex und Ragnar.

Jedoch muss Ragnar gezwungenermaßen seine Zelte in England vorerst abbrechen, erreichen ihn doch die schlechten Nachrichten aus seiner Heimat und vom neuerlichen Schicksal seiner Familie. Ragnar hält nichts mehr in Übersee und er will schnellstmöglich in Richtung Kattegat aufbrechen. Doch man sieht ihm auch Zweifel daran an, ob er die delikate Situation mit König Ecbert wirklich in die Hände des eher rabiaten Wikingerkönigs Horik (Donal Logue) legen soll.

Ein kleiner Zwist zwischen Ragnar und Athelstan (George Blagden) sorgt für weitere Spannungen. Ragnar hätte von diesem mehr Unterstützung erwartet, doch Athelstan möchte in England bleiben und dort Horik als Übersetzer dienen. Man erkennt erste Risse in der Beziehung zwischen den beiden, doch auch Ragnars Sorge um Athelstan wird deutlich. Er muss einerseits zu seiner Familie - andererseits befindet sich Athelstan jedoch unter der unberechenbaren Führung Horiks selbst in Gefahr. Der ehemalige Priester hingegen sieht so vielleicht eine Möglichkeit, sich von seinem Wikingerfreund abzunabeln und zu beweisen.

Schlechte Kunde erreicht Ragnar (Travis Fimmel; l.) und Floki (Gustaf Skarsgard) aus Skandinavien. © History
Schlechte Kunde erreicht Ragnar (Travis Fimmel; l.) und Floki (Gustaf Skarsgard) aus Skandinavien. © History

In the name of our Saviour

Doch Athelstan muss in „Eye for an Eye“ von allen Charakteren wohl die härteste Szene überhaupt durchstehen. Wie sich vorher schon angedeutet hatte, hatte King Ecbert diverse Pläne geschmiedet, um das Wikingerproblem zu beseitigen. Die plötzliche Abreise von Ragnar und somit der Hälfte der Wikingerstreitkräfte bietet da wohl die perfekte Gelegenheit, zurückzuschlagen. Was das Lager der Nordmänner betrifft, werden wir als Zuschauer im Unklaren gelassen. Jedoch wird Ecberts Kalkül in einer andere Szene umso deutlicher: Athelstan befindet sich mit ein paar Wikingern auf der Jagd nach Tieren, als die Gruppe plötzlich hinterhältig angegriffen und bis auf Athelstan komplett ausgeschaltet wird.

Hier bahnt sich ein Aspekt an, welcher dem einen oder anderen bereits vorher ein wenig übel aufgestoßen ist. Die Engländer scheinen sich wohl doch nicht nur als einfache Beute für die Wikinger herauszustellen. Unter der Führung eines fähigen Taktikers, zum Beispiel Ecbert selbst, wissen sie sich durchaus auf ihre eigene Art und Weise zu wehren. Man darf also gespannt sein, wie sich ein weiteres ausführliches Scharmützel zwischen den nordischen Invasoren und Ecberts Truppen gestalten wird.

Athelstan selbst wird nach seiner Gefangennahme auf furchtbare Art und Weise bestraft - gleichzeitig bewahrheitet sich die düstere Vision, die er zuvor hatte. Als Verräter des Christentums und Apostat wird er in einer heftigen Szene von dem verantwortlichen Geistlichen und Ecberts Untertanen ans Kreuz genagelt und erinnert so nicht nur optisch an Jesus höchstpersönlich. Dieser Moment in „Eye for an Eye“ hinterlässt die Meinung des Rezensenten ein wenig zwiespältig. Athelstans Kreuzigung macht zwar furchtbar eindringlich Eindruck, doch man stellt sich auch die Frage, ob die ganze Szene nicht arg übertrieben ist. Die Analogie zur christlichen Erlöserfigur erweist sich als ein wenig seltsam, so dass einem mehr die drakonische und explizite Folter Athelstans als die tiefsinnige Metapher innerhalb der Szene in Erinnerung bleiben wird. Schlussendlich wird Athelstan von Ecbert gerettet, der in dem Gekreuzigten einen wertvollen Nutzen zu sehen scheint.

It's been a long time

In Skandinavien erlebt derweil Aslaug (Alyssa Sutherland) eine schwere Zeit. Nicht nur, dass ihr Mann nicht an ihrer Seite und ihr Nachwuchs den Strapazen der Flucht vor Borg ausgesetzt ist, sie selbst ist unzufrieden mit dem neuen Leben, für welches sie sich entschieden hat. Die verdreckte Umgebung passt ihr überhaupt nicht und so zeigt sich zum Beispiel, dass in Siggy (Jessalyn Gilsig) wohl doch mehr Wikingerfrau als in Aslaug steckt.

Auch Lagertha (Katheryn Winnick) bekommt abermals Gelegenheit, zu beweisen, dass sie ein sehr wichtiger Charakter für die Serie ist. Über ihren Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) erfährt sie von Borgs Angriff auf Kattegat. Also entschließt sie sich, ihren neuen Mann um Unterstützung für Ragnar zu bitten. Dieser will nichts davon wissen und attackiert sie, doch Lagertha weiß sich zu wehren und rechtfertigt zum wiederholten Male, warum sie als eine der Lieblingsfiguren in Vikings gilt. Leider waren ihre Auftritte bis jetzt ein wenig rar gesät, ausgenommen in der starken Auftaktfolge der zweiten Staffel. Doch dies könnte sich jetzt wiederum schlagartig ändern, kehrt sie doch am Ende von „Eye for an Eye“ mit ihrem Sohn zurück zu Ragnar.

Wieder vereint: Ragnar zusammen mit seinem Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) und Exfrau Lagertha (Katheryn Winnick) © History
Wieder vereint: Ragnar zusammen mit seinem Sohn Bjorn (Alexander Ludwig) und Exfrau Lagertha (Katheryn Winnick) © History

Beide haben eine gewaltige Wikingerhorde im Schlepptau und wollen Ragnar im Kampf gegen Borg beistehen. Hier kommt es auch zur Wiedervereinigung zwischen Vater und Sohn, welche zweifelsfrei zu Herzen geht. Der junge Schauspieler Alexander Ludwig hat bis zu diesem Zeitpunkt mit den dezenten, aber kraftvollen Auftritten seiner Figur des erwachsenen Bjorn die Erwartungen an diesen Charakter hochgeschraubt. Viele Zuschauer warten nun gespannt, wie die Familienvereinigung der Lothbroks ausgehen wird, welche Konsequenzen diese haben wird und was für neue Konflikte dadurch möglicherweise hervorgerufen werden. So lässt sich sicherlich um einige Inhalte und Abläufe der aktuellen Episoden von Vikings streiten, doch eine Punktlandung zum Ende jeder Folge, welche uns gespannt auf die nächste Episode warten lässt, gelingt den Serienmachern immer wieder.

Fazit

Zuschauer, welche gerade an den mystischen Elementen von Vikings große Freude gefunden haben, müssen sich auch diese Woche ein wenig in Geduld üben. Zwar werden wieder einmal reichlich Andeutungen in diese Richtung gemacht, doch die Macher entscheiden sich mit Eye for an Eye eher für geradliniges Drama, als weiter in die nordische Mythologie einzutauchen. Die Qualität der vierten Episode der zweiten Staffel von „Vikings“ gibt ihnen Recht, denn so bekommen wir nicht nur einen starken Einblick in die Situation und Gemütslage mehrerer verschiedener Charaktere, sondern werden auch gebührend auf die nächste Episode vorbereitet.

Die Inszenierung ist interessant und treibt die Handlung zielstrebig voran. Neue Konflikte und Probleme werden angedeutet, welche wiederum verheißungsvolle Wendungen nehmen können. Es wird sich bewusst auf einen ruhigeren Aufbau konzentriert und so rücken opulente Kampfszenen erstmals in dieser Staffel in den Hintergrund. Doch die einzelnen Charaktere machen das Ausbleiben ebensolcher wett und mithilfe einer fantastischen musikalischen Untermalung taucht man tiefer in die einzelnen Figurenkonstellationen sowie in die unterschiedlichen Motive und Ambitionen der handelnde Akteure ein. Eye for an Eye macht vieles anders als zahlreiche vorangegangenen Episoden von Vikings und kann so auf seine ganz eigene Art und Weise überzeugen.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 21. März 2014
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Vikings 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Auge um Auge
Titel der Episode im Original
Eye for an Eye
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 20. März 2014 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. Juni 2014
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ken Girotti

Schauspieler in der Episode Vikings 2x04

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