Vikings 2x01

Vikings 2x01

Das Historiendrama Vikings kehrt mit einem eindrucksvollen Paukenschlag zurück und markiert so einen äußerst vielversprechenden Start in die zweite Staffel der Serie. Etliche atemberaubende Momente und zahlreiche dramatische Entscheidungen lassen in Brother's War nicht viel zu wünschen übrig.

Kurz vor dem Kampf: Ragnar (Travis Fimmel) zusammen mit Floki (Gustaf Skarsgard, l.) in „Brother's War“ / (c) History
Kurz vor dem Kampf: Ragnar (Travis Fimmel) zusammen mit Floki (Gustaf Skarsgard, l.) in „Brother's War“ / (c) History

Der Start der zweiten Staffel von Vikings wurde sowohl von Kritikern als auch treuen Fans der Serie sehnsüchtig erwartet. Der amerikanische Sender History konnte im letzten Jahr mit seinem ersten gescripteten und eigenproduzierten Seriendrama ein starkes Format vorlegen. Epische Kämpfe, überzeugendes Drama und ein fantastischer Einblick in die Kultur der bärtigen Nordmänner sorgten dafür, dass sich schnell eine große Fanschar um die Serie Vikings versammelte.

Die Erwartungen bezüglich der zweiten Staffel sind also zweifellos groß und Serienschöpfer Michael Hirst und seinem Team gelingt mit der Auftaktfolge zu eben dieser ein beeindruckender Start, der uns nur erahnen lässt, welche Ausmaße die neue Staffel von Vikings annehmen könnte. Ob eine der bisher besten Kampfsequenzen der Serie oder die zwischenmenschlichen Dramen, welche sich unter den einzelnen Charakteren abspielen, Brother's War hat für Fans der Serie unglaublich viel zu bieten und steigert sogleich die Vorfreude auf die folgenden Episoden. Die Wikinger sind zurück und viel besser wäre es wohl nur schwer möglich gewesen.

Who needs a reason for betrayal?

Einen fantastischeren Einstieg kann es wohl kaum geben: Allein die erste Szene in „Brother's War“ erzeugt beim Zuschauer eine Gänsehaut und vermag es sofort, das Publikum zu fesseln und in die Atmosphäre hineinzuziehen. Es ist das Jahr 796, wir befinden uns irgendwo in Skandinavien, in einer kargen Hügellandschaft, die so verlassen wie gleichzeitig erhaben und ehrfurchtgebietend aussieht. An diesem Ort wird es zu einer Auseinandersetzung kommen, Bruder gegen Bruder, Ragnar (Travis Fimmel) gegen Rollo (Clive Standen). Wie wir uns erinnern können, hatte sich Rollo am Ende der letzten Staffel von Ragnar abgewandt, um aus dessen Schatten herauszutreten. So schloss er sich Jarl Borg (Thorbjorn Harr) an, welcher im Konflikt mit Wikingerkönig Horik (Donal Logue) steht. Horik selbst macht gemeinsame Sache mit Ragnar und so stehen sich die beiden Parteien jetzt gegenüber. Anfangs ist Ragnar noch guter Dinge, die Angelegenheit friedlich lösen zu können, doch sein treuer Mitstreiter Floki (Gustaf Skarsgard) weiß es besser. Rollos Verrat wiegt zu schwer, er selbst lehnt jedwede Art von Friedensverhandlungen ab. Die einzige Option bleibt der direkte Kampf.

Was nun folgt, ist einer der bisher beeindruckendsten Momente der Serie. In dieser kargen und trostlosen Landschaft treffen zwei Gefolgschaften aufeinander und beide Seiten liefern sich eine Schlacht solch epischen Ausmaßes, dass der Zuschauer von Anfang bis Ende gepackt ist und er diesen Moment so schnell nicht wieder vergessen wird. Zu Beginn herrscht noch die wortwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Als Zuschauer ist man genauso gebannt wie die Protagonisten, die in den nächsten Sekunden wie Berserker aufeinander zustürmen und sich gegenseitig niedermetzeln werden.

Die Inszenierung dieses Kampfes ist unerbittlich und gnadenlos, blutig und brutal, doch vor allem intensiv und mitreißend. Schilde zerbersten, Lanzen durchbohren wild angreifende Krieger, Axthiebe spalten Köpfe. Die Schlacht wirkt echt, man verzichtet dankenswerterweise - wie bereits in der ersten Staffel - auf computergenerierte Massen an seelenlosen Soldaten. Hinzu kommen die dramatischen Momente, als sich zum Beispiel Floki Rollo und Borg gegenübersieht und der Zuschauer sämtliche Daumen drückt, dass der wunderliche Schiffsbauer nicht sein Leben verliert. Floki überlebt dann zwar schwer verletzt, doch dafür muss Arne für seine Kühnheit mit dem Leben bezahlen. In einer furchtbaren und beinahe schier unglaublichen Szene wird er von Rollo aufgespießt und von diesem wie ein Banner in die Höhe gestemmt. Dieser Auftakt sitzt und verdeutlicht abermals die gnadenlosen Qualitäten von Vikings.

Dirty clothes

Ragnar selbst gelingt es nicht, den Tod von Arne zu verhindern. So steht er schlussendlich Rollo gegenüber, welcher jedoch nicht in der Lage ist, gegen seinen eigenen Bruder vorzugehen. Sein Verrat hat anscheinend doch Spuren hinterlassen, also gibt er auf. Ragnar versucht dann, in einer eindringlichen Ansprache an Horik und Borg zu appellieren, die Kämpfe einzustellen. Ihr Volk schlachtet sich gegenseitig ab, obwohl die wahren Schätze im Westen liegen. Gemeinsam können sie etwas Großes erreichen und das nicht, indem sie sich von innen selbst zerstören. Ragnar ist es leid, noch mehr junge Männer sterben zu sehen. Hier kristallisiert sich wieder einmal das Charisma und die Überzeugungskraft des Wikingeranführers heraus, der seine Landsmänner vorerst davon überzeugen kann, die Streitigkeiten ruhen zu lassen.

Zurück in seinem Dorf müssen Ragnar und seine Männer sich erst einmal die Wunden lecken. So erschöpft Ragnar auch sein mag, seine Frau Lagertha (Katheryn Winnick) lässt ihm keine Ruhe. Zu Recht möchte man meinen, fragt sie ihn doch, wer Aslaug (Alyssa Sutherland) ist und was zwischen ihr und Ragnar gelaufen ist. Dieser kann Lagertha vorerst beschwichtigen, auch wenn man zugeben muss, dass sich dies vielleicht ein wenig einfach gestaltet. Doch auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, wie die restliche Folge noch zeigen wird.

Rollo ist derweil ein gebrochener Mann. Sein Verrat gegenüber Ragnar nagt schwer an ihm, hat er doch seine Familie hintergangen. Wie Ragnar auf dem Schlachtfeld treffend anmerkte: Rollo wird es wahrscheinlich nicht einmal interessieren, dass Ragnars Tocher und somit Rollos Nichte Gyda verstorben ist. Nun wird er einem Richter vorgeführt, der über sein weiteres Schicksal bestimmen soll. In dieser kleinen Szene bekommt der Zuschauer erneut Einblick in die Riten und Besonderheiten der nordischen Kultur. Der sogenannte law giver hat dabei eine bedeutende Position inne und ist nahezu unanfechtbar. Er ist es auch, der kein Todesurteil ausspricht und Rollo somit am Leben lässt. Wie sich dann jedoch herausstellt, hatte Ragnar hinsichtlich des Richtspruch seine Hände mit im Spiel, erfreut sich der law giver nach dem Urteil doch an einer wertvollen Goldmünze, welche man vorher noch im Besitz von Ragnar gesehen hatte. Nicht die Götter haben Rollo verschont, Ragnar ist es, der seinen eigenen Bruder trotz dessen Verfehlung nicht hinrichten lassen kann.

I will wait here awhile

Während Rollo das Gespräch mit seinem Bruder sucht und diesem erklärt, dass er einfach nicht mehr im Schatten Ragnars stehen wollte, jedoch feststellen musste, dass es im Licht nicht wirklich einfacher ist, nähert sich dem Dorf eine Kogge. Ragnar begibt sich jedoch erst an das Ufer des angrenzenden Gewässers, um dort Abschied von seiner verstorbenen Tochter zu nehmen. In dieser rührenden Szene stellt Darsteller Travis Fimmel abermals unter Beweis, dass er ein äußerst talentierter Schauspieler ist, der die Fähigkeit besitzt, uns mit ihm und seinem Charakter leiden und fühlen zu lassen. Sein Abschied von Gyda stellt einen der vielen starken Momente von Brother's War dar, welcher darüber hinaus in einer verwischten Optik daherkommt, die perfekt zu dieser Szene passt.

Es scheint ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein, wäre da nicht besagte Kogge, an deren Bord sich Aslaug und ihre Gefolgschaft befindet. Ragnars Bekanntschaft hat sich zu dessen Dorf aufgemacht und dabei noch eine große Überraschung im Gepäck: Sie trägt Ragnars ungeborenes Kind in sich. Für Lagertha stellt diese Situation eine große Herausforderung dar, da sie auf Treue erpicht ist. Aslaugs Präsenz sorgt für einige Spannungen, in denen sich Lagertha ins zweite Glied versetzt fühlt.

Unterstützung bekommt sie jedoch von ihrem Sohn Bjorn (Nathan O'Toole), der sich von Aslaugs Besuch genauso verletzt und beleidigt fühlt wie seine Mutter. Bjorn hatte schon in den letzten Folgen der ersten Staffel einige starke Augenblicke, in denen er weit mehr Integrität als sein Vater zeigte. Auch in „Brother's War“ gewinnt der Charakter mehr an Profil und schwingt sich in dieser Folge so zu einem der Favoriten des Rezensenten auf.

Not dead yet

Rollo plant derweil seinen endgültigen Abschied aus dem Dorf, wird er doch von jedem Bewohner gehasst und zutiefst verachtet. Er fühlt sich gedemütigt und hätte lieber einen ehrenhaften Tod vorgezogen, als sein schändliches Leben fortführen zu müssen. Siggy (Jessalyn Gilsig) sieht für ihn jedoch eine zweite Chance, die Dinge besser zu machen, als er es vorher tat. Dabei kann man jedoch davon ausgehen, dass die ambitionierte Siggy eher finstere Pläne verfolgt und Rollo dahingehend manipulieren will. Auch im Gespräch mit Lagertha streut sie einige Äußerungen und schiebt Lagertha so in eine bestimmte Richtung, was vermuten lässt, dass sie nichts Gutes im Schilde führt. Bereits in der ersten Folge der neuen Staffel entsteht so der Eindruck, dass Siggy zu einer der gefährlichsten Figuren avancieren könnte, zumindest innerhalb des Wikingervolkes.

Glücklicherweise geht es Floki wieder besser, und so kann es dieser kaum erwarten, mit Ragnar wieder in See zu stechen und den Abenteuern im Westen nachzujagen. Ein weiteres Festmahl gestaltet sich dann jedoch äußerst konfliktgeladen, da Lagertha und Aslaug erneut aufeinandertreffen. Ragnar versucht zwar, irgendwie Herr der Lage zu werden, präsentiert sich dabei jedoch eher unsensibel und egoistisch, auch wenn er das ungeborene Kind von Anslaug als Grund vorschiebt. Für Lagertha ist ein Zusammenleben zu dritt jedoch undenkbar.

So kommt es zum endgültigen Bruch zwischen Lagertha und Ragnar, als diese letzterem den Rücken kehrt und das Dorf ein für alle Mal verlässt. Katheryn Winnick zieht dabei die Sympathien der Zuschauer auf ihre Seite und lässt uns Ragnar, der uns zu Beginn der Folge und während seines emotionalen Moments am Seeufer begeistern konnte, schnell vergessen und in einem unschönen Licht stehen. Als sich dann auch noch Bjorn seiner Mutter anschließt und sich so gegen seinen Vater entscheidet, möchte man Ragnar fest bemitleiden. Vikings gelingt es, wie schon so oft zuvor, seinen Hauptcharakter die oft augenscheinliche Überlegenheit zu nehmen. Auch Ragnar trifft Entscheidungen, welche egozentrisch und unsensibel sind. Was er sich selbst angetan hat, wird ihm erst im letzten Augenblick bewusst, als wir ihm in einer tollen Kameraeinstellung tief in sein gezeichnetes Gesicht blicken. Er hat nicht nur die starke Frau an seiner Seite, die er eigentlich abgöttisch liebt, verstoßen, er hat auch seinen erstgeborenen Sohn gegen die Hoffnung auf einen weiteren eingetauscht.

Fazit

Der Auftakt der zweiten Staffel von Vikings lässt wahrlich nicht viel zu wünschen übrig und kann sogleich mit den altbekannten Stärken des Historiendramas punkten. Wir bekommen sowohl eine eindrucksvolle und unglaublich intensive Schlachtszene als auch zwischenmenschliches Drama zu sehen, das uns noch tiefer in die Materie und die Charaktere eintauchen lässt. Die Macher hatten sich für Brother's War viel vorgenommen und liefern letztendlich eine starke Episode mit zahlreichen bewegenden und mitreißenden Momenten ab.

Der eine oder andere hätte vielleicht eine etwas umfangreichere Auseinandersetzung zwischen Ragnar und Rollo erwartet. Deren Fehde ging wohl im Zeitraum zwischen der ersten und zweiten Staffel weiter und fand nun hier ihren gewaltigen Höhepunkt. Jetzt, wo die einzelnen Figuren in Position gebracht wurden, dürfen wir wohl abermals mit einem Vorstoß von Ragnar und seinen Wikingern gen Westen rechnen. Die Abkapselung von Lagertha verspricht derweil, eine interessante Abwechslung zu werden. Insbesondere Bjorn erweist sich als spannender Charakter, der Neugier schürt, wohin dessen Entwicklung gehen könnte.

Brother's War kann so gleich auf mehreren Ebenen überzeugen: ausgereiftes Drama, fesselnde Kampfchoreografien und außerdem werden Erwartungen hochgeschraubt. Davon abgesehen gibt es die bekannten, wunderschönen Aufnahmen der Szenerie, mit Bildern von den Drehorten aus Irland oder auch Norwegen. Das alles sind Aspekte, die wir bereits in der ersten Staffel von Vikings zu schätzen gelernt haben und die auch in der Auftaktepisode der zweiten Staffel präsent sind. Auch hier beeindrucken sie erneut nachhaltig. Ein starker Start in die neue Staffel, der zweifelsohne Lust auf mehr macht.

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 28. Februar 2014

Vikings 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Vikings 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Bruderkrieg
Titel der Episode im Original
Brother's War
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Donnerstag, 27. Februar 2014 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. Juni 2014
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ciaran Donnelly

Schauspieler in der Episode Vikings 2x01

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