Vikings 2x02

Die Historienserie Vikings startete mit Verve in ihre zweite Staffel. Den Schwung aus der Auftaktepisode nimmt das Drama um Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel) nun auf, um einen Zeitraum von vier Jahren dramaturgisch schadensfrei zu überbrücken. Der Zeitsprung ist wohl dem Anspruch von Serienschöpfer Michael Hirst entsprungen, eine historisch möglichst kohärente Geschichte zu erzählen. Hätte er die Geschichte direkt an die Ereignisse der Auftaktepisode anknüpfen lassen, wäre es wohl eine sehr ereignisarme neue Staffel geworden.
Be careful who you choose to be familiar with
So steigen wir am Vorabend eines neuen Raubzugs in die Handlung ein. Schnell wird offenbar, dass Ragnars neue Probleme seine alten sind. Wir erfahren, dass der Abschied seiner ersten Ehefrau Lagertha (Katheryn Winnick) und seines Sohnes Björn (Nathan O'Toole) ein dauerhafter war. Nun hat die Wikingerprinzessin Aslaug (Alyssa Sutherland) ihren Platz eingenommen, Ragnars zweiter Sohn ist vier Jahre alt und sie erwartet schon das nächste Kind.
In der Auftaktepisode eilte Aslaug ein famoser Ruf voraus: Sie sei die Tochter der berühmten Schildkämpferin Brünhild und - nach eigener Aussage - des Drachentöters Siegfried. Weil Ragnar auf einem Gelage allzu deutlich mit einer jungen Bediensteten flirtet, fühlt sie sich in einem Eifersuchtsanfall dazu veranlasst, ihn über ihre übernatürlichen Fähigkeiten aufzuklären: „I see things others cannot.“ Als er danach immer noch nicht einsichtig sein will, schickt sie eine düstere Prophezeiung hinterher: „My father killed the dragon Fafnir and your son will be born with the image of the Serpent in his eye.“
Danach sucht Ragnar den Seher auf, um sich über das künftige Schicksal seiner Söhne zu erkundigen. Der Seher prophezeit ihnen eine ruhmreiche Zukunft, sie würden bei ihren Triumphzügen gar größere Erfolge feiern als ihr Vater. Ragnar scheint dies zu beunruhigen, er leidet nun selbst unter einem kleinen Eifersuchtsanfall. Fimmel legt diese Szenen wunderbar zwischen Hochmut, verletztem Ehrgefühl und kleingeistiger Eifersüchtelei an. Seine Figur versucht hernach, seine Gefühlsmischung aus Enttäuschung und Stolz dadurch zu überspielen, dass er nach dem Wohl seines Erstgeborenen fragt. Zu ihm kann - oder will - der Seher jedoch keine Auskunft geben.

An anderer Stelle findet Siggy (Jessalyn Gilsig), die Witwe des von Ragnar getöteten Stammesführers Haraldson, den völlig verwahrlosten Rollo (Clive Standen) auf, der seinen Rausch im tiefsten Winter mitten auf der Straße ausschläft. Sie weckt ihn unsanft und eröffnet ihm sogleich, was sie davon hält, dass er seine Tage nun damit verbringt, in Selbstmitleid zu versinken: „You're a disgrace.“ Nach einem kurzen Intermezzo mit einem glühenden Eiseninstrument fordert sie Rollo auf, Ragnar um Verzeihung für den Bruderverrat zu bitten.
You will never be anything here
Im ersten Teil von Invasion beschäftigt sich Vikings also eingehend mit den unzufriedenen Ehefrauen aktueller und ehemaliger Stammesführer. Als die Wikinger am Ende schon längst auf große Überfahrt gegangen sind, treffen die beiden ehrgeizigen Damen aufeinander. Aslaug bemerkt dabei treffend, dass Siggy wohl erneut einen Anlauf auf den Thron des Wikingerstamms nehmen wolle. Trotzdem unterbreitet sie ein Friedensangebot: „Women should stick together more.“ Siggy stimmt zu und ergänzt: „And we should rule.“
Zwischendurch hat die findige Siggy den Grundstein für einen möglichen erneuten Aufstieg an die Spitze der Dorfgemeinschaft gelegt. Einen kurzen Flirt des verbündeten Wikingerkönigs Horik (Donal Logue) nimmt sie zum Anlass, um ihren nächsten Zug zu planen. Sie schlägt Horik vor, ihm Ragnars Schwächen zu verraten. Vordergründig verpackt sie das Angebot in eine semantische Spielerei, wonach es immer vorteilhaft sei, die Schwächen eines Verbündeten zu kennen. Horik nimmt das Angebot an und so dauert es nicht lange, bis die beiden zusammen im Bett landen.
Rollo ist zu diesem Zeitpunkt für Siggy keine Option mehr, denn er wurde zwar von seinem Bruder von aller Schuld freigesprochen, sein Wunsch nach Teilnahme am nächsten Raubzug wurde jedoch abgeschmettert. Armer Rollo: Frau weg, Job weg, Freunde weg - ein gefundenes Fressen für den ebenfalls vor den Kopf gestoßenen Jarl Borg Thorbjorn Harr, dem Ragnar auf Wunsch von Horik eröffnen musste, dass er sich an der geplanten Überfahrt nach England trotz vorheriger Absprachen nicht beteiligen könne. Sogleich ergreift er die Gelegenheit, um Rollo zum abermaligen Bruderverrat anzustiften. Doch der fackelt nicht lange und verpasst Borg eine blutige Nase.

Am Tag des neuerlichen Aufbruchs, auf den das ganze Dorf seit vier Jahren hingefiebert hat, erwarten Ragnar und Horik die Schiffe des Königs aus dessen Heimatgefilden. An dieser Stelle muss einmal mehr die hervorragende technische Umsetzung der Serie hervorgehoben werden. Vikings liefert fantastische Bilder, die rauhe Naturgeographie Irlands (dort wird die Serie gedreht) bietet die perfekte Kulisse für eine atemberaubende Optik.
Tolle Optik, verbesserungswürdige CGI
Zum Handwerk der Serienproduzenten gehört auch der Einsatz von Spezialeffekten. Hierbei gibt es leichte Abzüge. Bei weniger komplizierten Szenen reicht das Budget offensichtlich aus, um zufriedenstellende Animationen zu liefern. Bei actionlastigen Szenen wie dem Sturm, in den die Wikinger geraten, tritt deutlich hervor, dass das vorhandene Budget nicht für die Herstellung eines realistischen Looks ausgereicht hat.
Nach überstandenem Sturm (in dem sie möglicherweise ein Boot an den Meeresgott Njörd verloren haben) landen die Wikinger an Englands Küste. Dort werden sie bereits von einem wachsamen Aussichtsposten erwartet. Der alarmiert die Truppen und so dauert es nicht lange, bis sich Ragnar und Horik mitten in einer wilden Schlacht mit englischen Soldaten wiederfinden. Ein Sohn Horiks wird dabei tödlich von einem Pfeil getroffen, Ragnars Leben wird von Athelstan (George Blagden) gerettet, der mittlerweile als vollwertiges Mitglied der Wikingergemeinschaft anerkannt ist und pikiert reagiert, wenn man ihn „Mönch“ nennt.
Dank überlegener Taktik können die Wikinger diese Schlacht für sich entscheiden, von zwei gefangenen Soldaten erfahren sie, dass sie im Königreich Wessex gelandet sind, das von König Egbert regiert wird. Die neue Episode von Vikings erzählt also eine ähnliche Geschichte wie schon in der ersten Staffel. Dabei vernachlässigt sie momentan diejenigen Faktoren, die die erste Ausgabe zu etwas Besonderem machten: die Thematisierung der nordischen Mythologie.
Schön ist hingegen die Erwähnung, dass die Wikinger auch weibliche Mitglieder in ihren Kampfreihen führten. Toll wäre es, wenn in den kommenden Episoden eine weibliche Kämpferfigur zum echten Charakter der Erzählung aufsteigen würde. Bis dahin trösten wir uns mit der Aussicht, dass Lagertha bald in die Geschichte zurückkehrt. Optisch hinreißend und temporeich, kann auch diese Episode von Vikings wieder überzeugen. Hoffentlich erweisen sich künftige Erzählstränge jedoch nicht als allzu redundant.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 7. März 2014(Vikings 2x02)
Schauspieler in der Episode Vikings 2x02
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