Vikings 1x07

Während die vorhergehenden Episoden von Vikings immer eine gewisse Spezialisierung auf ein Themengebiet vornahmen, ist die aktuelle Episode A King's Ransom vollgepackt mit allem, was qualitativ hochwertiges Serienfernsehen ausmacht. Dabei reiht sich eine intensive Szene an die nächste und es werden wunderbar choreografierte Schlachten geschlagen, frühe Formen der Diplomatie geübt und fremde Kulturen aufeinander losgelassen. Das Ganze wird außerdem untermalt von einem mitreißenden Score und angeführt von einem grandiosen Hauptdarsteller.
They're just savage men
Am Ende der letzten Episode Burial of the Dead waren die Wikinger erneut nach England aufgebrochen, um sich dort abermals die Reichtümer des Königs von Northumbria unter den Nagel zu reißen. Auf einen erneuten Einfall per Schiff sind die königlichen Truppen nun wohl nicht vorbereitet. Ungehindert lassen sie Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel) und Konsorten ihre Zelte am Flussufer aufschlagen. Zwar schicken sie einen Spähtrupp - der beschließt jedoch unter Führung des königlichen Bruders, erst einmal abzuwarten.

Eine fatale Entscheidung, wie sich später herausstellen soll. Auch Ragner hält seinen hitzköpfigen Bruder Rollo (Clive Standen) davon ab, den Abgesandten von König Aelle (Ivan Kaye) zu früh hinterherzujagen. Sein Plan sieht vor, die Soldaten bei Nacht in ihrem Lager zu überraschen. So ist es denn auch ein Leichtes für die wenig zimperlichen Wikinger, das nächtliche Lager der Engländer im Handumdrehen in einen riesigen Soldatenfriedhof zu verwandeln. Den Bruder des Königs jedoch verschonen sie und nehmen ihn als Geisel.
Der fuchsteufelswilde Aelle lässt sich unterdessen von seinen zahlreichen Beratern zur weiteren Vorgehensweise beratschlagen. Die weniger realitätsnahen Zuflüsterer sehen im Einfall der Wikinger wahlweise das Werk Gottes oder des Teufels. Gemäßigtere Stimmen schlagen hingegen vor, mit den Wikingern in Lösegeldverhandlungen zu treten und sie durch Befriedigung ihrer materiellen Bedürfnisse zum Abzug zu bewegen. Nach kurzer Überlegung stimmt der König dem vernünftigsten der diversen Vorschläge zu.
Bei den folgenden Verhandlungsrunden spielen sich wunderbare Szenen ab. Im ersten Durchlauf begegnen sich die Abgesandten der Wikinger mit ihrer Geisel im Schlepptau und die royale Delegation vor den Toren der Königsresidenz. Dort wendet Ragnar eine beliebte, wenngleich den Partner brüskierende Verhandlungstaktik an. Auf die Vorschläge des königlichen Lautsprechers reagiert er nämlich lediglich mit einem arroganten Grinsen. Nachdem er sich die Ausführungen angehört hat, kehrt er wortlos um und reitet mit Geisel und Anhang zurück.
Our whole lives are stories
Dort angekommen fängt Rollo direkt wieder an, Stimmung für einen Angriff zu machen. Er glaubt, in den Aussagen des königlichen Verhandlungspartners Schwäche erkannt zu haben. Wieder ist Anführer Ragnar derjenige, der sein stürmisches Bruderherz in Mäßigung erziehen muss. Trotz der Gefahr, in eine tödliche Falle zu geraten, will Ragnar das Angebot des Königs zu persönlichen Verhandlungen annehmen und an seinem Gabentisch Platz nehmen.
Stolz marschieren die Wikinger also in der Stadt ein und lassen dabei keinen Zweifel an ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein aufkommen. Am Tisch verhalten sie sich rabaukenhaft und provokant, lachen über die englischen Tischsitten, das Porzellan und schließlich auch über die schwache Verhandlungsposition des Königs. Ragnar lässt sich denn auch nicht allzu lange bitten, seinen Preis zu nennen: 2000 englische Pfund, aufgewogen in Gold und Silber. Das lächerlich hohe Lösegeld bringt den König dazu, einen kurzen Überraschungsangriff auf die anwesenden Wikinger anzuordnen. In letzter Sekunde jedoch besinnt er sich eines Besseren und lässt von diesem potentiell blutrünstigen Plan ab.

Vollständig will er sich von den arroganten, in seinen Augen barbarischen Wikingern aber nicht abservieren lassen. Also stimmt er vordergründig der Erpressung zu, nur um im Hinterkopf schon einmal einen größer angelegten Überfallplan zu schmieden. Die Ausführung ebenjenes Plans geht jedoch gründlich daneben, was sowohl in der Simplizität als auch in der guten Vorbereitung und taktischen Schläue der Wikinger begründet liegt.
In der nachfolgenden Schlacht rauben Ragnar Lothbrok und seine Kampfgefährten dem König dann alle Hoffnung auf einen vorteilhaften Ausgang der verzwickten Situation. Besonders Rollo glaubt, einiges wiedergutmachen zu müssen. Zuvor war er nämlich auf die etwas eigentümliche Forderung des Königs eingegangen, sich taufen zu lassen. Für ihn war das selbstverständlich ein einziger Scherz, der leicht derangierte Bootsbauer Floki (Gustaf Skarsgard) jedoch findet großes Missfallen an Rollos Gotteslästerung. Auf dem Schlachtfeld versucht der, seinen Fauxpas schließlich dadurch wettzumachen, dass er so viele Christen tötet wie nur irgendwie möglich: „How many Christians did I kill, Floki? How many?“
Zu Hause in Skandinavien wacht Stammesfürstin Lagertha (Katheryn Winnick) über ihr kleines Volk. Sie spricht Urteile, begnadigt die in Ungnade gefallene Siggy (Jessalyn Gilsig) gegen die Proteste ihres allzu forschen Sohnes Björn (Nathan O'Toole) und lässt sich von Mönch Athelstan (George Blagden) beraten. Am Ende jedoch wird es selbst an der Heimatfront blutig: Die hochschwangere Lagertha verliert ihr Kind.
Fazit
Welch ein famoser dramaturgischer Aufbau! Die aktuelle Episode A King's Ransom startet gemächlich, geht dann jedoch unerwartet in die Vollen. Das Erzähltempo bleibt atemberaubend hoch, was für pausenlos gute Unterhaltung sorgt. Eine hohe Erzählgeschwindigkeit ist ja keinesfalls ein eigenständiges Qualitätsmerkmal, eher zeugt sie von geringer dramaturgischer Substanz.
Bei Vikings muss jedoch das Gegenteil herausgestellt werden. Der Fortlauf der Geschichte schreitet im Einklang mit der historischen und didaktischen Unterfütterung voran. Neben - für eine TV-Serie - grandios choreografierten Schlachtszenen und packenden Verhandlungsrunden bleibt genügend Zeit, den einen oder anderen Ausflug in die nordische Mythologie zu starten. Dies geschieht parallel zur Geschichte, durchdringt sie und bereichert sie.
Eine weitere Bereicherung bieten die Hauptdarsteller, allen voran Travis Fimmel als Ragnar Lothbrok, der in dieser Episode seine bislang eindringlichste Vorstellung abliefert. Wie er seine Charakterzüge zwischen Hochmut, purer Arroganz und Nachdenklichkeit hin- und her wechseln lässt, zeugt von großer Schauspielkunst. Auch das Spiel von Clive Standen als Rollo und Angus MacInnes als todessüchtiger Tostig besticht durch große Leinwandpräsenz.
Vikings macht in seiner neuesten Episode noch mehr Spaß als zuvor schon und vergisst dabei nie seinen unterschwelligen Bildungsauftrag. Die Serie macht das Rezensieren zu einem großen Vergnügen. Das Vergeben aller fünf Sterne erfolgt deshalb mit voller Überzeugung.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 15. April 2013(Vikings 1x07)
Schauspieler in der Episode Vikings 1x07
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