Vikings 1x06

Vikings 1x06

Die neue Episode von Vikings bietet ein Fest für die Sinne. Ein hohes Erzähltempo legt die Serie beim Duell Ragnar vs. Earl Haraldson vor und erzählt in einer atemberaubenden Szenenfolge die Geschichte des Weltuntergangs in der nordischen Mythologie.

Zwei gehen rein, nur einer kommt raus: Haraldson (Gabriel Byrne) und Ragnar (Travis Fimmel) vor ihrem Duell. / (c) History
Zwei gehen rein, nur einer kommt raus: Haraldson (Gabriel Byrne) und Ragnar (Travis Fimmel) vor ihrem Duell. / (c) History

Seit der neuesten Episode, Burial of the Dead, kann die Historienserie Vikings sich rühmen, nicht vor ungewöhnlichen Erzählmustern zurückzuscheuen. Das sowieso schon hohe Erzähltempo wird ergänzt durch mehrere Zeitsprünge innerhalb der Episode und einer Szenenabfolge, die es audiovisuell in sich hat. Darin bekommt Mönch Athelstan (George Blagden) stellvertretend für den Zuschauer auf beeindruckende Weise die nordische Mythologie des Endes der Welt nähergebracht: „Ragnarök“.

He is what I used to be

Es gibt offensichtlich viel zu erzählen über die Wikinger. Und da Drehbuchautor Michael Hirst bei der Produktion der ersten Staffel noch nicht sicher wissen konnte, dass Vikings zum Zuschauererfolg und damit fast zwangsläufig verlängert werden würde „48332“, beschloss er offenbar, so viel Handlung in eine Episode zu packen, wie nur irgendwie möglich. Bei vielen anderen Dramaproduktionen könnte dies schnell zu Ermüdung oder Desinteresse beim Zuschauer führen - man denke nur an die einzelnen kritischen Stimmen bezüglich Game of Thrones.

All hail Earl Ragnar: Der neue Stammesführer (Travis Fimmel) genießt die neu gewonnene Machtfülle. © History
All hail Earl Ragnar: Der neue Stammesführer (Travis Fimmel) genießt die neu gewonnene Machtfülle. © History

Nicht jedoch bei Vikings. Um eine Überforderung des Zuschauers zu vermeiden, verfolgt Hirst einen mehrdimensionalen Ansatz. Etwas zu offensichtlich tritt Athelstan dabei als unbedarfter und dauerneugieriger Repräsentant des Zuschauers auf, der sich in kleinen Häppchen die Sagen und Mythen der Wikinger sowie deren Kultur und Bräuche beibringen lässt. Nicht selten kommt es dabei zu einem den Mönch überfordernden „Clash of Civilizations“ (Samuel Huntington). Oft genug jedoch wird dem Zuschauer in eindringlicher, rasant erzählter und wunderschön eingefangener Dramaturgie nähergebracht, woran die Nordmänner unerschütterlich glaubten.

Auch die neue Episode ist also vollgestopft mit historisch größtenteils korrekten Andeutungen, Referenzen und Querverweisen. Nach Sichtung lässt die Faszination darüber schnell vergessen, dass zu Beginn eine ganz entscheidende Auseinandersetzung inszeniert und mal eben ein Hauptcharakter aus der Serie verabschiedet wurde. Selbst während eines solch atemlosen Handlungsfortgangs schaffen es die Macher jedoch, Earl Haraldson (Gabriel Byrne) und seinen Herausforderer Ragnar Lothbrok (Travis Fimmel) mit weiteren, tiefgehenden Charakterfacetten auszustatten.

Bevor Ragnar das Duell nach einem aufregenden und routiniert inszenierten Gefecht für sich entscheiden kann, bekommt Haraldson mehrere stille Momente mit seiner Ehefrau Siggy (Jessalyn Gilsig) zugestanden. Auch Ragnar lässt seine Herzensdame Lagertha (Katheryn Winnick) Sorgen um ihre gemeinsame Zukunft formulieren, nur um diese mit dem Verweis auf ein diffuses, vorbestimmtes Schicksal abzuwehren. Haraldson offenbart währenddessen, dass er Ragnar in höchstem Maße respektiere und dessen Verfolgung aus reinem Machtkalkül geschehe. Er selbst habe schon immer gewusst, dass das Meer Richtung Westen passierbar sei, habe seinem Rivalen diesen Erfolg jedoch nicht zugestehen können.

It's only death

Nachdem also Haraldson im staubigen Ring verblutet ist, besteigt Ragnar gemeinsam mit seiner Ehefrau den Thron des Earl. Kurz nach der Niederlage ihres Mannes spricht Siggy die entscheidenden Worte: „Hail Earl Ragnar!“ Der kündigt als erste Amtshandlung an, im kommenden Sommer mit gleich mehreren Schiffen erneut nach England aufzubrechen, um mit noch größeren Reichtümern von den Beutezügen zurückzukehren. Die abenteuerlustigen Wikinger freut's.

Odin im Kampf gegen den Fenriswolf und den Feuerriesen Surt in einer Zeichnung von Emil Doepler.
Odin im Kampf gegen den Fenriswolf und den Feuerriesen Surt in einer Zeichnung von Emil Doepler.

Danach endet der actiongeladene Erzählstrang der Episode und es wird in den nicht weniger mitreißend inszenierten „akademischen“ Teil übergegangen. Dieses Mal freut's den historisch interessierten Zuschauer. Athelstan bekommt von verschiedenen Mitgliedern der Lothbrok-Familie die Umstände einer Häuptlingsbeerdigung beigebracht. Nachdem die Seele des Toten mittels Feuer- und Seebestattung ihre Reise nach Walhall antreten darf, kommt es zu einem für den Mönch kaum ertragbaren Ritual.

Die Sklaven des Stammesfürsten wurden vor dem Duell gefragt, ob sie sich bei einem eventuellen Tod ihres Herren ebenfalls den Göttern hingeben wollten. Eine Sklavin hat sich tatsächlich dazu bereit erklärt, wird daher rituell gewaschen, darf sich ein letztes Mal dem Alkohol und den Männern hingeben und wird schlussendlich vom „Engel des Todes“, einer Art Priesterin, per aufgeschlitzter Kehle ins Jenseits befördert. Athelstan, vom aufmüpfigen Björn (Nathan O'Toole) zum Zusehen gezwungen, erträgt den Anblick nur mit einer kräftigen Hinwendung zum Alkohol.

Nach dem folgenden Fest und einem Zeitsprung in den Winter kommt es dann zum Höhepunkt der Episode. Der wissbegierige Athelstan lässt nicht locker und bohrt bei Ragnar und Konsorten abermals wegen des ominösen „Ragnarök“ nach. Der Seher erklärt: Es handelt sich um eine Folge von Ereignissen, die dem Weltuntergang vorangehen. Die Midgardschlange kommt an Land und überflutet dieses, der Fenriswolf kann sich von seinen Ketten lösen und Surt, der Feuerriese, taucht auf.

Die Götter Odin und Thor stellen sich den Unwesen entgegen, können sie jedoch nicht daran hindern, die Erde in Brand zu stecken und zu zerstören. Wem danach nicht schon der Kopf raucht, dem sei eine ausgedehnte Internetrecherche ans Herz gelegt. Es lohnt sich. Mit Sicherheit.

Fazit

Vikings bleibt auch in der neuen Episode seinem Konzept treu, das Angenehme mit dem Nützlichen und Wissenswerten zu verbinden. In einmaliger Weise schafft es Autor Michael Hirst, seinen Zuschauern die Mythen und Sagen der nordischen Glaubenswelt näherzubringen. Dabei kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, da die Nordmänner zwar recht abergläubische, aber keinesfalls zart besaitete Zeitgenossen waren.

Im Überschwang des positiven Seherlebnisses und anschließenden Reviews sind denn auch einige plot points unter den Tisch gefallen. Lagertha ist schwanger, Siggy ermordet nach dem Tod ihres Mannes den schwedischen Widerling Earl Bjarni (Trevor Cooper), Rollo bringt den Pimpf Svein (David Pearse) um (danke an dieser Stelle!) und entpuppt sich als machtgeiler Bruderverräter.

Dem einen oder anderen Zuschauer könnte das Erzähltempo zu hoch sein, dem Rezensenten jedoch macht Vikings einfach nur Spaß. Die Tatsache, dass man bei der großen Ereignisdichte auch noch etwas lernt, ist ein weiterer unschlagbarer Pluspunkt dieses uneingeschränkt sehenswerten Historiendramas.

Zur weiteren Recherche ist außerdem die Website des ausstrahlenden Senders History Channel zu empfehlen. Hier findet sich eine übersichtliche Infografik über die Mythologie der Wikinger.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 8. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Vikings 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Das Begräbnis
Titel der Episode im Original
Burial of the Dead
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Sonntag, 7. April 2013 (History)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Juni 2013
Autor
Michael Hirst
Regisseur
Ciaran Donnelly

Schauspieler in der Episode Vikings 1x06

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