Veep 1x01

Veep 1x01

The Thick of It ist in den Staaten angekommen und heißt jetzt Veep. Armando Iannucci macht mit seiner neuen HBO-Politcomedy dort weiter, wo er bei der BBC aufgehört hat - und gibt Julia Louis-Dreyfus eine überaus dankbare neue Rolle.

Hat als „Veep“ sogar eine eigene Flagge (was aber niemanden interessiert...): Julia Louis-Dreyfus. / (c) HBO
Hat als „Veep“ sogar eine eigene Flagge (was aber niemanden interessiert...): Julia Louis-Dreyfus. / (c) HBO

Selina Meyer (Julia Louis-Dreyfus) wollte eigentlich selbst Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Bei den parteiinternen Vorwahlen war sie jedoch unterlegen - und bekleidet nun das Amt der Vizepräsidentin, kurz Veep. Eine höchst undankbare Aufgabe, denn als Vizepräsidentin hat sie keine wirkliche Macht. Im Wesentlichen kümmert sie sich um die Themen und Termine, für die der Präsident keine Zeit (oder keine Lust) hat.

Ungeachtet ihrer geringen politischen Macht, welche so manche Respektlosigkeit seitens der Senatoren und Abgeordneten zu Folge hat, steht sie natürlich trotzdem im Lichte der Öffentlichkeit. Jeder Fehler, der ihr oder ihrem Stab (unter anderem Tony Hale, Anna Chlumsky und Matt Walsh) unterläuft, kann schon am nächsten Tag die Titelseite der Washington Post zieren...

Schon vor Jahren waren die US-Networks an einer amerikanischen Adaption von Armando Iannuccis britischer Polit-Comedy The Thick of It interessiert. Bei ABC war eine US-Version sogar schon in Entwicklung - und wurde 2007 pilotiert. Das Projekt ging jedoch nie in Serie. Angesichts der sehr farbenfrohen Sprache, der sich die Hauptfigur, Regierungssprecher Malcolm Tucker (der dafür mehrfach preisgekrönte Peter Capaldi, Torchwood), bedient, ist es ein Wunder, dass die Networks überhaupt eine Adaption ins Auge gefasst haben.

Letztlich hätte von vornherein klar sein müssen, dass eine solche Serie - ein satirischer Blick hinter die Kulissen des Polit-Betriebs, in dem es sprachlich schon mal derb zur Sache geht - nur im US-Kabelfernsehen und speziell im Pay-TV möglich ist. Es hat ein bisschen gedauert, aber nun ist es so weit: The Thick of It ist im amerikanischen Fernsehen angenommen, natürlich bei HBO.

Die Serie heißt zwar anders. Konzept und Umsetzung sind aber nahezu identisch: Es geht um die kleinen und großen Absurditäten und Katastrophen im politischen Alltag, welche an einer Gruppe von Polit-Profis gezeigt werden, die zwar irgendwo am Betrieb der Macht teilhaben, aber nicht wirklich in dessen Mittelpunkt stehen. Die Figuren sind andere. Und natürlich unterscheidet sich der politische Kontext (zum Beispiel die Organisation von Parlament und Regierung), der in den USA ein anderer ist als in Großbritannien. Doch die Mentalitäten sind sehr ähnlich: Da sind Karrieristen und Ausgebrannte, abgebrühte Taktiker und begeisterungsfähige Dilletanten.

Die Inszenierung, für die in beiden Fällen Serienerfinder Armando Iannucci selbst die Verantwortung als Regisseur übernahm, gleicht in Veep dem britischen Vorbild The Thick of It bis ins Detail: Angefangen bei den Büroräumen und -vorräumen der Macht, die das primäre Setting der Serie darstellen, bis hin zum häufigen Einsatz von Handkameras.

Größter Unterschied zwischen beiden Serien ist die Hauptfigur: Malcolm Tucker ist eine so prägnante und einzigartige Figur (und so sehr mit ihrem Darsteller verbunden), dass Iannucci klugerweise gar nicht erst den Versuch unternimmt, dafür in Veep ein Äquivalent zu finden. Stattdessen stellt er mit Selina Meyer eine Figur in den Mittelpunkt, die aus ganz anderen Gründen spannend ist.

Selina ist durch ihre faktische Machtlosigkeit und Weisungsgebundenheit gegenüber dem Präsidenten (der niemals anruft!) Underdog genug, damit sie für den Zuschauer sympathisch ist. Gleichzeitig ist sie aber auch durchtrieben, ja verschlagen genug, damit der Zuschauer auch nicht all zu viel Mitleid mit ihr empfindet. Sie drückt sich zumeist etwas gewählter aus als Mr. Tucker. Wenn ihr die Hutschnur hochgeht, kann sie aber auch ordentlich vom Leder ziehen.

Für Julia Louis-Dreyfus (Seinfeld, The New Adventures of Old Christine) ist dieser Mix aus Hilflosigkeit (siehe die Rede, die sie eigentlich nicht halten will, und aus der ihr dann auch noch alles, zu dem sie etwas sagen könnte, herausgestrichen wird...) und Kalkulation (sie meint, ihren neuen Assistenten für ihre Zwecke manipuliert zu haben - aber stimmt das auch...?) ein mehr als dankbarer Part, den sie souverän als der von Beginn an zweifelsfreie Star der Serie ausfüllt.

Fazit

Sicher, man könnte Iannucci schon einen gewissen Mangel an Originalität vorwerfen. Andererseits ist The Thick of It als Satire auf den Alltag des politischen Betriebs ein so grandioses Konzept, dass es davon gar nicht genug Folgen geben kann. Egal, woher sie kommen und unter welchem Titel sie laufen. Veep liefert mit dem Piloten eine sehr vergnügliche halbe Stunde, die eine Julia Louis-Dreyfus in Hochform zeigt. In Zukunft könnte die Serie allenfalls noch ein Stück bissiger werden.

Promo zu Episode 1x02 „Frozen Yoghurt“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 24. April 2012

Veep 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Veep 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Maisstärke
Titel der Episode im Original
Fundraiser
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. April 2012 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 13. November 2012
Autoren
Pat Sweeney, Glen Sylvester
Regisseur
Armando Iannucci

Schauspieler in der Episode Veep 1x01

Darsteller
Rolle
Reid Scott
Dan
Matt Walsh
Sufe Bradshaw
Sue

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?