Utopia 2x03

Die ersten beiden Episoden der neuen Utopia-Staffel haben bislang zu wenig getan, um den Plot voranzubringen? Keine Sorge, die dritte zischt mit einem Tempo nach vorn, bei welchem dem Zuschauer schwindelig werden kann. Doch wie beim Achterbahnfahren möchte man am Ende immer noch mehr und wer könnte es uns bei dieser sĂŒchtigmachenden Seriendroge verdenken? Vorhang auf fĂŒr das nĂ€chste Kapitel in der Geschichte ĂŒber die groĂ angelegte Verschwörung zur weitflĂ€chigen Sterilisierung der Menschheit.
That normally works...
Gleich der Einstieg in die Episode hat sich wieder einmal gewaschen - oder sollte dies vielleicht tun, denn er ist extrem blutig und nicht frei von dunklen Flecken schwarzen Humors. Milners Handlanger Lee (Paul Ready) ist im Begriff, den Computer von Ian (Nathan Stewart-Jarrett) anzuzapfen, als er plötzlich von dessen Kollegen ĂŒberrascht wird. Lee hat einige wohlĂŒberlegte Ausreden in petto, doch der energische FrĂŒhaufsteher lĂ€sst sich nicht abwimmeln und bekommt dafĂŒr nonchalant die Kehle aufgeschlitzt. WĂ€hrend Lee am Telefon die Vertuschungsmethode bespricht, kreucht der Totgeweihte im Hintergrund umher und hinterlĂ€sst eine Sauerei mit seinem Blut, welches literweise seinen Körper verlĂ€sst. „Well, we could say suicide but... it'll be a bit of a stretch.“ („Nun, wir könnten Selbstmord sagen, aber... das wĂ€r etwas weit hergeholt.“)
Keep an eye out
Im spĂ€teren Verlauf wird Lee schlieĂlich auf Anweisung Milners mit dem zum Network ĂŒbergelaufenen Wilson (Adeel Akhtar) zusammengetan. Doch das dynamische Duo hat mit AnimositĂ€ten zu kĂ€mpfen, welche da herrĂŒhren, dass Lee seinem neuen Partner einst das Auge ausgelöffelt hat und fĂŒr den Tod dessen Vaters verantwortlich ist. Ebenso perforierte Wilson dem Mann im gelben Anzug in der Vergangenheit die Lunge mit einer Kugel. Als die angespannte Situation ĂŒberzukochen droht, schĂ€tzt Lee seinen Kollegen jedoch völlig korrekt ein. Er sei mit Sicherheit in der Lage, Milliarden von Menschen umzubringen, doch, solange es nicht absolut notwendig ist, bringt er es nicht einmal bei einem fertig.
I made breakfeast!
Ein weiteres Dreamteam könnte aus dem reformierten Arby (Neil Maskell) und Grant (Oliver Woollford) werden. Der ehemalige Auftragskiller des Networks scheint angetan vom gesunden Misstrauen des Jungen und muss beinahe lĂ€cheln, als dieser ihm beim Knacken eines Wagens behilflich ist. Die flĂŒchtige Gruppe findet heraus, dass Donaldson zum Ziel wurde, nachdem er eine Phrase, die ein Bekannter von ihm im betrunkenen Zustand gelallt hat, bei Google eingegeben hat: „Jimmy Deeshel is a fat man“.
Gemeinsam mit Ian, dem der Mord an seinem Kollegen angehĂ€ngt wird, Becky (Alexandra Roach), die von blutigen Halluzinationen gequĂ€lt wird, dem alten Anton und Grant macht sich Arby auf den Weg zu einem brillanten Hacker, der sich als Teenager entpuppt. Dieser lĂ€sst seinen IT-Zauber walten und bringt die Wahrheit bezĂŒglich der mysteriösen Phrase zutage: „Jimmy Deesh: L“ ist ein abgebrochenes Biowaffenprojekt und „Fat Man“ der Spitzname der Atombombe, die ĂŒber Nagasaki abgeworfen wurde. Gemeint ist in diesem Fall der Virus, den das Network dazu verwenden will, um die Verbreitung des mit Janus versetzten Impfstoffes zu fördern.
Auch eine junge Wissenschaftlerin kommt auf eigene Faust dahinter, dass mit der Russian Flu und dem Impfstoff irgendwas nicht stimmen kann. Sie vertraut sich Michael (Paul Higgins) an, der in dieser Staffel noch nicht viel zu tun hatte, sich nun jedoch wieder, ohne dagegen anzukĂ€mpfen, dem Einfluss des allgegenwĂ€rtig scheinenden Networks beugt. Das ist natĂŒrlich keine gute Nachricht fĂŒr den ambitionierten Geek, der sogar Gefallen an ihm gefunden hatte. Ăhnlich mitgefangen und -gehangen ist Minister Geoff, der seine politische Karriere zugunsten der Sache opfern muss, obwohl er echte Chancen auf den Posten des Premierministers gehabt hĂ€tte.
What part of my brain were you gonna take again?
Milner (Geraldine James) kann sich nicht lĂ€nger erlauben, darauf zu warten, dass Jessica (Fiona O'Shaughnessy) verrĂ€t, was fĂŒr eine Modifikation am Janus-Virus vorgenommen wurde und ordnet an, ihren Kopf öffnen zu lassen. DafĂŒr hĂ€tte sie vielleicht ein paar Sicherheitsleute mehr abkommandieren sollen, denn der Ăberlebensexpertin gelingt natĂŒrlich die Flucht, auch wenn diese sich recht unappetitlich gestaltet. Sie nimmt schlieĂlich Kontakt mit Michael auf. Einen weiteren Fehler erlaubt sich Milner, als Ian sich bei ihr meldet, nachdem Becky und er hinter die wahre IdentitĂ€t des alten Anton gekommen sind: Bei ihm soll es sich um den tot geglaubten Philip Carvel handeln, den Vater von Jessica und des Janus-Virus. Ein Versprecher Milners lĂ€sst Ian Verdacht schöpfen und auflegen.
Nach dem blutreichen Einstieg in die dritte Episode endet diese auch mit einem Blutbad. Lee stattet dem jungen Hacker und dessen Familie einen Besuch ab, doch Arby ist ihm zuvorgekommen. Er hat sich und den anderen neue IdentitĂ€ten verschaffen lassen und den Jungen eigenhĂ€ndig ausgeschaltet. Er ist dazu bereit, auch die anderen auszuliefern, solange seine Freundin und deren Tochter vom Network unberĂŒhrt bleiben. Als Killer fĂŒr das Network „nach Hause“ zurĂŒckzukehren, wie Lee es vorschlĂ€gt, ist offenbar nicht sein Plan.
Fazit
WĂ€hrend die ersten beiden Episoden der neuen Staffel von Utopia sich Zeit gelassen haben, um mit einem Blick zurĂŒck an die komplexe Hintergrundgeschichte zu erinnern und dann die gegenwĂ€rtigen Spieler wieder in Position zu bringen, lĂ€sst die dritte Episode den Plot mit Volldampf vorangaloppieren und steht der Spannung der ersten Staffel in nichts nach. Regisseur Marc Munden leistet sich mit dem dritten Augenschmaus in Folge einen Inszenierungshattrick - insgesamt ist nach oben hin so gut wie kein Spielraum zur Steigerung vorhanden.
Die Offenbarung, dass es sich bei Anton tatsĂ€chlich um Carvel handelt, sollte vielleicht noch mit Vorsicht genossen werden. Zu offensichtlich wirkt diese Wendung, lag die Vermutung doch bereits in der letzten Folge Ă€uĂerst nahe. Sollte es sich doch um die Wahrheit handeln, haben die Autoren sich diesen Twist zumindest nicht als groĂe Ăberraschung fĂŒr das Finale aufgehoben. Milners plötzliche EmotionalitĂ€t bezĂŒglich Philip und Jessica kommt ein wenig heftig daher, ist aber nicht völlig unwillkommen. Sollte es âUtopiaâ gelingen, dieses Level an QualitĂ€t und ErzĂ€hltempo beizubehalten, prophezeie ich bereits quĂ€lende Entzugserscheinungen, sobald die zweite Staffel nach nur drei noch ausstehenden Folgen zu Ende ist.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 23. Juli 2014(Utopia 2x03)
Schauspieler in der Episode Utopia 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?