Utopia 2x03

Utopia 2x03

Es ist schon wieder die Halbzeit für die zweite Staffel von Utopia angebrochen, nachdem die aktuelle Folge die Geschichte mit Vollgas vorangetrieben hat. Jessica Hyde macht ihrem Namen wieder alle Ehre, Lee und Wilson werden zum Team und Milner erlaubt sich erste Fehler.

Die ersten beiden Episoden der neuen Utopia-Staffel haben bislang zu wenig getan, um den Plot voranzubringen? Keine Sorge, die dritte zischt mit einem Tempo nach vorn, bei welchem dem Zuschauer schwindelig werden kann. Doch wie beim Achterbahnfahren möchte man am Ende immer noch mehr und wer könnte es uns bei dieser süchtigmachenden Seriendroge verdenken? Vorhang auf für das nächste Kapitel in der Geschichte über die groß angelegte Verschwörung zur weitflächigen Sterilisierung der Menschheit.

That normally works...

Gleich der Einstieg in die Episode hat sich wieder einmal gewaschen - oder sollte dies vielleicht tun, denn er ist extrem blutig und nicht frei von dunklen Flecken schwarzen Humors. Milners Handlanger Lee (Paul Ready) ist im Begriff, den Computer von Ian (Nathan Stewart-Jarrett) anzuzapfen, als er plötzlich von dessen Kollegen überrascht wird. Lee hat einige wohlüberlegte Ausreden in petto, doch der energische Frühaufsteher lässt sich nicht abwimmeln und bekommt dafür nonchalant die Kehle aufgeschlitzt. Während Lee am Telefon die Vertuschungsmethode bespricht, kreucht der Totgeweihte im Hintergrund umher und hinterlässt eine Sauerei mit seinem Blut, welches literweise seinen Körper verlässt. „Well, we could say suicide but... it'll be a bit of a stretch.“ („Nun, wir könnten Selbstmord sagen, aber... das wär etwas weit hergeholt.“)

Keep an eye out

Im späteren Verlauf wird Lee schließlich auf Anweisung Milners mit dem zum Network übergelaufenen Wilson (Adeel Akhtar) zusammengetan. Doch das dynamische Duo hat mit Animositäten zu kämpfen, welche da herrühren, dass Lee seinem neuen Partner einst das Auge ausgelöffelt hat und für den Tod dessen Vaters verantwortlich ist. Ebenso perforierte Wilson dem Mann im gelben Anzug in der Vergangenheit die Lunge mit einer Kugel. Als die angespannte Situation überzukochen droht, schätzt Lee seinen Kollegen jedoch völlig korrekt ein. Er sei mit Sicherheit in der Lage, Milliarden von Menschen umzubringen, doch, solange es nicht absolut notwendig ist, bringt er es nicht einmal bei einem fertig.

I made breakfeast!

Ein weiteres Dreamteam könnte aus dem reformierten Arby (Neil Maskell) und Grant (Oliver Woollford) werden. Der ehemalige Auftragskiller des Networks scheint angetan vom gesunden Misstrauen des Jungen und muss beinahe lächeln, als dieser ihm beim Knacken eines Wagens behilflich ist. Die flüchtige Gruppe findet heraus, dass Donaldson zum Ziel wurde, nachdem er eine Phrase, die ein Bekannter von ihm im betrunkenen Zustand gelallt hat, bei Google eingegeben hat: „Jimmy Deeshel is a fat man“.

Gemeinsam mit Ian, dem der Mord an seinem Kollegen angehängt wird, Becky (Alexandra Roach), die von blutigen Halluzinationen gequält wird, dem alten Anton und Grant macht sich Arby auf den Weg zu einem brillanten Hacker, der sich als Teenager entpuppt. Dieser lässt seinen IT-Zauber walten und bringt die Wahrheit bezüglich der mysteriösen Phrase zutage: „Jimmy Deesh: L“ ist ein abgebrochenes Biowaffenprojekt und „Fat Man“ der Spitzname der Atombombe, die über Nagasaki abgeworfen wurde. Gemeint ist in diesem Fall der Virus, den das Network dazu verwenden will, um die Verbreitung des mit Janus versetzten Impfstoffes zu fördern.

Auch eine junge Wissenschaftlerin kommt auf eigene Faust dahinter, dass mit der Russian Flu und dem Impfstoff irgendwas nicht stimmen kann. Sie vertraut sich Michael (Paul Higgins) an, der in dieser Staffel noch nicht viel zu tun hatte, sich nun jedoch wieder, ohne dagegen anzukämpfen, dem Einfluss des allgegenwärtig scheinenden Networks beugt. Das ist natürlich keine gute Nachricht für den ambitionierten Geek, der sogar Gefallen an ihm gefunden hatte. Ähnlich mitgefangen und -gehangen ist Minister Geoff, der seine politische Karriere zugunsten der Sache opfern muss, obwohl er echte Chancen auf den Posten des Premierministers gehabt hätte.

What part of my brain were you gonna take again?

Milner (Geraldine James) kann sich nicht länger erlauben, darauf zu warten, dass Jessica (Fiona O'Shaughnessy) verrät, was für eine Modifikation am Janus-Virus vorgenommen wurde und ordnet an, ihren Kopf öffnen zu lassen. Dafür hätte sie vielleicht ein paar Sicherheitsleute mehr abkommandieren sollen, denn der Überlebensexpertin gelingt natürlich die Flucht, auch wenn diese sich recht unappetitlich gestaltet. Sie nimmt schließlich Kontakt mit Michael auf. Einen weiteren Fehler erlaubt sich Milner, als Ian sich bei ihr meldet, nachdem Becky und er hinter die wahre Identität des alten Anton gekommen sind: Bei ihm soll es sich um den tot geglaubten Philip Carvel handeln, den Vater von Jessica und des Janus-Virus. Ein Versprecher Milners lässt Ian Verdacht schöpfen und auflegen.

Nach dem blutreichen Einstieg in die dritte Episode endet diese auch mit einem Blutbad. Lee stattet dem jungen Hacker und dessen Familie einen Besuch ab, doch Arby ist ihm zuvorgekommen. Er hat sich und den anderen neue Identitäten verschaffen lassen und den Jungen eigenhändig ausgeschaltet. Er ist dazu bereit, auch die anderen auszuliefern, solange seine Freundin und deren Tochter vom Network unberührt bleiben. Als Killer für das Network „nach Hause“ zurückzukehren, wie Lee es vorschlägt, ist offenbar nicht sein Plan.

Fazit

Während die ersten beiden Episoden der neuen Staffel von Utopia sich Zeit gelassen haben, um mit einem Blick zurück an die komplexe Hintergrundgeschichte zu erinnern und dann die gegenwärtigen Spieler wieder in Position zu bringen, lässt die dritte Episode den Plot mit Volldampf vorangaloppieren und steht der Spannung der ersten Staffel in nichts nach. Regisseur Marc Munden leistet sich mit dem dritten Augenschmaus in Folge einen Inszenierungshattrick - insgesamt ist nach oben hin so gut wie kein Spielraum zur Steigerung vorhanden.

Die Offenbarung, dass es sich bei Anton tatsächlich um Carvel handelt, sollte vielleicht noch mit Vorsicht genossen werden. Zu offensichtlich wirkt diese Wendung, lag die Vermutung doch bereits in der letzten Folge äußerst nahe. Sollte es sich doch um die Wahrheit handeln, haben die Autoren sich diesen Twist zumindest nicht als große Überraschung für das Finale aufgehoben. Milners plötzliche Emotionalität bezüglich Philip und Jessica kommt ein wenig heftig daher, ist aber nicht völlig unwillkommen. Sollte es „Utopia“ gelingen, dieses Level an Qualität und Erzähltempo beizubehalten, prophezeie ich bereits quälende Entzugserscheinungen, sobald die zweite Staffel nach nur drei noch ausstehenden Folgen zu Ende ist.

Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 23. Juli 2014
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Utopia 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Folge 3
Titel der Episode im Original
Episode 3
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Dienstag, 22. Juli 2014 (Channel 4)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 24. Dezember 2014
Regisseur
Marc Munden

Schauspieler in der Episode Utopia 2x03

Darsteller
Rolle
Adeel Akhtar
Paul Higgins
Geraldine James
Neil Maskell
Fiona O'Shaughnessy
Paul Ready
Lee
Alexandra Roach
Oliver Woollford

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